Titel: Ueber Oesterreichische Weine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. XLIX./Miszelle 32 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/mi038049_32

Ueber Oesterreichische Weine.

Ein Hr. Dr. Waltl hat in A. Buchner's Repertorium 31. 425. eine Classification der Weine aufgestellt, von welcher wir nie Erwähnung gethan haben würden, wenn wir dieses Unding nicht hätten in Erdmann's Journal für techn. und ökon. Chemie 3. H. 1830. S. 364. aufgenommen gesehen. Da nun drei Doctoren, wovon noch überdieß einer ein ordentlicher, der zweite ein außerordentlicher Professor ist, von einem Dinge sprechen, das nicht ist, und da sie sich erlauben ihre Hirngespinste bis auf das Gebiet des Magens auszudehnen, so wird man uns verzeihen, wenn wir sie zur Ordnung verweisen. Es ist hier nämlich von süßen wenig geistigen oberösterreichischen Weinen die Rede. Wie werden die guten, ehrlichen, in der Landwirthschaft seit Dr. Luther's Zeiten wohlunterrichteten, Oberösterreicher lachen, wenn sie von dem süßen oberösterreichischen Weine sprechen hören; sie, bei denen jedes Kind weiß, daß man es mit dem Weine, der um Aschau und Marbach, und vulgo Maria Taferl wächst, zu schreken gewohnt ist, wenn es unartig wird? Wohl hat man in Oberösterreich den besten süßesten Cider auf dem festen Lande; der wenige Wein aber, der um die oben angeführten Orte gebaut wird, und der in den besten Jahren kaum ein paar hundert Eimer beträgt, gehört unter die sauersten herbsten Weine des Erdballes, und wird von den Essighändlern zu Spitz in Unterösterreich als Essig benüzt. Selbst Unterösterreich, das doch um vieles niedriger liegt, hat keinen einzigen süßen Wein. Hr. Dr. Waltl rechnet zu den oberösterreichischen Weinen der Qualität nach die Steyrer und viele ungarische.“ Was die steyermärkischen Weine betrifft, so scheint er weder den Luttersberger noch den Rackersberger zu kennen, und hinsichtlich der vielen ungarischen Weine,“ die er dem oberösterreichischen Weine an die Seite stellt, wird ihm jeder Magyar Ember sagen können, daß der schlechteste Ungarwein geistiger und besser ist, als der beste Unter-, viel weniger Oberösterreicher. Daß er in seiner IV. Classe süße starke geistige Weine bloß der spanischen und südfranzösischen Sorten erwähnt, den Tokayer und Méneser und die übrigen feinen ungrischen Weine, die Ausbrüche, wegläßt, der feinen toskanischen Weine, der edlen römischen, sicilianischen und griechischen Weine gar nicht erwähnt, beweist, daß er Weine classificirt, ohne sie gekostet zu haben, und so, wie mancher Doctor von Dingen spricht, die er nicht kennt. Gegen gesunden Menschenverstand schreiben, ist jedem Doctor erlaubt: man ist so etwas gewohnt; gegen Zunge, Gaumen und Magen aber seinen Gänsekiel zu erheben, wird das Publikum nie gestatten. Eine Sünde gegen Vater Bacchus ist eine so große Sünde als zu Rom eine Sünde gegen den heil. Geist: Pentheus ward wegen eines kleinen Vergehens an Bacchus von seiner eigenen Mutter und von seinen lieben Schwestern nicht bloß bei den Ohren genommen, sondern buchstäblich zerrissen, und Pentheus war etwas mehr als ein Doctor, er war der Beherrscher der Thebaner!

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