Titel: Eines der größten und am wenigsten benüzten Steinkohlenlager in Europa.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1830, Band 38, Nr. CXXI./Miszelle 25 (S. 462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj038/mi038121_25

Eines der größten und am wenigsten benüzten Steinkohlenlager in Europa.

Es ist gewiß sonderbar, daß, während die englische Industrie ihre Riesenkraft vorzüglich der Wohlfeilheit des Brennmateriales dankt, wir auf dem festen Lande, und vorzüglich im südlichen und östlichen Theile von Europa, so zu sagen natürlichen Abscheu vor Steinkohlen haben.

In Italien, zu Cadibona in Piemont, ist ein Steinkohlenlager, welches, nach der Schäzung eines der achtbarsten Mineralogen, (Hrn. Cordier's) nicht weniger als 50 Millionen Decimal-Zentner (also 100 Millionen gemeine Zentner) hält, und folglich auf ein halbes Jahrtausend hinreichen würde, wenn man jährlich 100,000 Ztr. ausgrübe. Die Steinkohlen bilden zu Cadibona ein mächtiges Lager, das an dem Abhange eines Berges hinzieht, und nur durch Stollen betrieben zu werden braucht, keine Schächte nöthig hat, wo also so wohlfeil gebaut werden kann, daß der Ztr. (genues. Gew.) zu Savona, im Hafen, für 24 Genueser Soldi verkauft wird, d.h. der Decimal-Ztr. oder 100 Kilogramm genau für 2 neue Piemonteser Franken. Zu Paris kommen die Steinkohlen genau auf 6 Fr. der Decimal-Ztr.; d.h. beinahe drei Mal so hoch. Indessen bedient man sich in Paris der Steinkohlen, und in Italien, wo man in einigen Gegenden das Holz nach dem Pfunde kauft, verschmäht und verabscheut man die Steinkohlen, so wie in Bayern, wo man sich lieber an Holz arm, als an Steinkohlen reich brennt. Woher kommt dieß? Von der Allmacht der Trägheitskraft, die im Menschen so gut wohnt, als in jedem Blei- oder Erdkloze. Es ist noch nicht ein halbes Jahrtausend, das man zu London Steinkohlen brennt (seit d. J. 1357), obschon ganz England seit seiner Entstehung in seinen Tiefen so zu sagen nur Ein Kohlenlager ist. Wenn es in England nun von Christi Geburt an 1357 Jahre brauchte, bis man in der Hauptstadt zur Steinkohlenheizung gelangte, so wird man in Italien, und in Bayern, wo Alles zehn Mal länger hergeht, gewiß 13,570 Jahre rechnen dürfen, bis die Vortheile der Steinkohlenheizung allgemein anerkannt werden. Man hatte in Bayern seit vielen Jahren die schönsten Anbrüche von Steinkohlen, selbst dicht an flößbaren Flüssen. Niemand that etwas dafür, als der sel. Baron von Eichthal und seit dem Hintritte dieses Vortrefflichen scheint Alles verloren, was er in dieser Hinsicht für das Vaterland errang. Ueber 1200 Ztr. liegen vor der Mündung des Stollens, den Ztr. à 13 kr., so daß er zu München höchstens 20 kr. kosten könnte, und Niemand benüzt sie. Vergl. Giornale ligustico. 1827. p. 231. im Bulletin technol. Juillet. 1830. p. 296, wo zugleich eine wichtige Notiz über Brunnengraben.

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