Titel: Araujo Travassos, über Destillation.
Autor: Travassos, Ant. de Araujo
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. XXXII. (S. 96–101)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/ar039032

XXXII. Ueber Destillation. Von Hrn. Ant. de Araujo Travassos.

Aus den Memorias da Acad. real das sciencias de Lisboa. T. V. 2. Th. 1828. S. 1–27. Im Auszuge im Bulletin des Scienc. technol. N. 11. 1829. S. 134.

„Der Handel Portugals und seiner Inseln mit dem Auslande besteht vorzüglich in den Weinen, welche es ausführt. Diese Weine werden aber vorher durch eine gewisse Menge Brantwein verbessert;48) |97| man braucht also eine ungeheuere Menge Brantwein, und da Portugal nicht genug Brantwein erzeugt, muß es mit bedeutendem Schaden Brantwein aus dem Auslande einführen. Es ist also für die Portugiesen äußerst wichtig, das Verfahren zu kennen, nach welchem man auf die wohlfeilste Weise den besten Brantwein erhalten kann. In dieser Hinsicht, sagt der Verfasser, trage ich hier, im Einklange mit den Absichten der Akademie, eine kurze historische Uebersicht der älteren und neueren Destillirapparat vor, und füge den meinigen bei, auf welchen ich ein Patent erhielt. Lezterer nähert sich jenem des Eduard Adam und Isaak Berard, und mehreren anderen, die so viel Lärmens in Frankreich und in Schottland gemacht haben.“

Hr. Araujo liefert nun einen Auszug aus dem Auszuge, welchen Chaptal aus Hrn. Berard's Abhandlung im J. 1809 am Institut national de France vorgelesen hat. Dieser Auszug bildet den ersten Theil der Abhandlung des Hrn. Araujo, den wir hier übergehen.

Im zweiten Theile beschreibt Hr. Araujo seine Apparate, und zwar im ersten Kapitel seinen Ofen, und seine Methode die Hize in demselben anzuwenden. Sein Ofen besteht aus einer metallnen Röhre, die senkrecht, oder unter einem Winkel von 70 bis 80° gestellt ist. Die Länge dieser Röhre ist der acht- oder zehnfache Durchmesser der selben, nach Art des verschiedenen Brennmateriales und der Menge der zu destillirenden Flüssigkeit. In der Nähe des unteren Endes befindet sich ein concaver Rost. Die Röhre erweitert sich an diesem Ende um mehr Brennmaterial aufnehmen zu können, und endet sich in Form eines Trichters, so daß die untere Oeffnung nur ein Drittel oder Viertel des Durchmessers der Röhre beträgt. Diese Röhre umgibt eine andere und bildet mit derselben einen Zwischenraum, der 1/8 oder 1/10 des Durchmessers der Röhre hält. Dieser Zwischenraum ist mit einer Flüssigkeit ausgefüllt, welche einen höheren Grad von Hize zum Sieden fordert, als die Flüssigkeit, welche destillirt werden soll. Auf dem Ende der Röhren ist ein Kessel angebracht, der einem anderen Kessel als Hülle und als Stüze dient, in welchen die Flüssigkeit gebracht wird, die destillirt werden soll. Der erste Kessel ist also nichts anderes als ein Wasserbad, in welchem die Flüssigkeit verschieden, |98| bald Wasser, bald Salzauflösung, bald Oehl etc. seyn kann. Der ganze äußere Theil dieses Apparates ist mit schlechten Wärmeleitern eingehüllt. Nach vielen Versuchen, die der Hr. Verfasser in einem eigenen Werke: Ensaio sobre a econemia dos combustiviis (Versuch über Ersparung des Brennmateriales) beschrieben hat, soll dieser Ofen in Hinsicht auf Ersparung des Brennmateriales jedem anderen bisher gebrauchten Ofen vorzuziehen seyn. Die Resultate blieben, wenn auch die Größe desselben geändert wurde, verhältnißmäßig immer dieselben, was selbst bei den vollkommensten Apparaten dieser Art, auch bei jenen des Grafen Rumford, nicht der Fall ist. Man erspart dabei um 40 bis 50 p. C. mehr an Brennmaterial, als an jedem anderen Ofen. Die Ersparung hängt hier von dem Wärmestoffe ab, der durch die Verbrennung im Ofen erzeugt wird, während sie bei den übrigen Apparaten nur von jenem Wärmestoffe abhängt, der in die zu destillirende Flüssigkeit übergeht: auf diese Weise muß dieser Apparat natürlich wohlfeiler seyn.

Im zweiten Kapitel untersucht Hr. Araujo den Bau des Kessels und die zwekmäßigste Form desselben. Er gibt dem Kessel, so wie die besten Schriftsteller es empfehlen, eine große Oberfläche am Boden, so daß die Flüssigkeit nur eine dünne Schichte über demselben bildet, und läßt die Oeffnung für die Dämpfe sehr weit. Dadurch erhielt er Resultate, die seine Erwartungen überstiegen. Er hat seinen Kessel schon im J. 1799 auf diese Weise gebaut, und hat zeither erfahren, daß man sich seines Systemes zum Theils auch in Schottland bedient, wo man mit Kesseln, die den seinigen ähnlich sind, 20 Destillationen in Einer Stunde macht. Da er glaubte bemerkt zu haben, daß der Boden, wenn er mit Unebenheiten bedekt ist, noch besser arbeitet, so meint er, daß es gut wäre, wenn man kleine sich schlängelnde Röhren am Boden des Kessels anbrächte, die an beiden Enden offen sind, und wo ein Ende zur Aufnahme der Flüssigkeit diente, welche dann während ihres Durchganges zu dem anderen Ende allen Alkohol fahren ließe.49) Er behält sich vor, andere Formen von Destillirapparaten, und andere neue Destillirmethoden, die er prüfen will, in der Folge zu beschreiben. Er schließt dieses Kapitel mit Bemerkungen über die von Chaptal behauptete Thatsache, daß, nach Adam's Verfahren, mehr Weingeist aus dem Weine erhalten wird, was Chaptal dem höheren Grade von Wärme zuschreibt. Er neigt sich beinahe zu dieser Meinung hin, oder wünscht wenigstens, daß vergleichende Versuche hierüber angestellt würden, damit man wüßte, woran man sich zu halten hat. Er stüzt seine Meinung auf eine |99| Mittheilung, die ein Irländer, welcher Wein für England zurichtete,50) ihm als Geheimniß anvertraute. Dieser Irländer versicherte ihm, daß, wenn man Asche und Kochsalz während des Destillirens in die zu destillirende Flüssigkeit wirft, man weit mehr und weit besser schmekenden Brantwein erhält. Hr. de Araujo Travassos suchte sich diese Thatsache Anfangs durch den Umstand zu erklären, daß die in der Asche enthaltene Potasche die Säuren im Weine sättigt; später aber schien es ihm, daß dieß wohl von der erhöhten Temperatur der Flüssigkeit herrühren könnte. Wenn diese Ansicht die Oberhand gewinnen sollte, so müßte man gestehen, daß die Destillirgefäße der Alten nicht gar so widersinnig waren, als man sie ausgab, und daß also Adam, Berard und Chaptal selbst sich denselben mit Recht wieder näherten.

Der Verdichter, der den Gegenstand des dritten Kapitels bildet, hat eine große Aehnlichkeit mit den neuesten französischen Verdichtern. Eine Röhre, die nur den vierten Theil des Durchmessers des Kessels hat, die aber 20 bis 30 Mal länger ist, wird an den oberen Theil des Kessels angesezt, der gleichfalls mit schlechten Leitern umgeben ist. Er ist beinahe horizontal, und innenwendig durch senkrechte Scheidewände abgetheilt, die in der Mitte und etwas über derselben offen sind, damit der Dampf in die Zwischenräume eindringen kann, nicht aber die dahin geleitete Flüssigkeit. So wie die Flüssigkeit sich erhizt, verdichtet sich der entwikelte Alkoholdampf in dem nächsten Zwischenraume, und so fort. Der Rükstand wird durch eine Röhre abgeleitet, die mit einem Hahne versehen ist, und gelangt so in abgesonderte Recipienten, oder in den Kessel. Eine einzige Destillation gibt in dem lezten Zwischenräume hoch rectificirten Alkohol, und in den übrigen Zwischenräumen mehr oder minder geistige Flüssigkeiten nach der verschiedenen Temperatur des Bades, das man nach Belieben reguliren kann. Dieses Bad, in welches man den Verdichter eintaucht, kann Wasser, oder noch besser, Wein seyn, der in der Folge zur Destillation verwendet wird. Er vergleicht diesen Apparat mit Berard's Verdichter, und findet denselben in der Hinsicht besser, daß, in jenem Berard's, die Alkoholdämpfe, welche in dem Kessel gebildet werden, in ein Bad übergehen, dessen Temperatur beständig auf 70 bis 80° bleibt; (ein Umstand, welcher durchaus nicht die Abscheidung der Alkoholdämpfe von den wässerigen begünstigt) und erst aus diesem in eine Röhre gelangen, |100| die nur die gewöhnliche Schlangenröhre ist, in welcher sie sich gänzlich verdichten.51) Das Verfahren bei der ersten Destillation ist folgendes. Man bringt Wasser oder Wein in den lezten Zwischenraum des Bades, was mittelst einer Röhre geschieht, die bis auf den Boden desselben hinabreicht. Von hier aus gelangt die Flüssigkeit mittelst einer ähnlichen Röhre in den zweiten Zwischenraum, und so von einem in den anderen. Da nun die Flüssigkeit in ihren unteren Schichten einen geringeren Grad der Temperatur hat, als in den oberen, so bleibt sie in dem lezten Zwischenraume kalt, während sie in dem ersteren, zunächst am Kessel, beinahe bis zur Siedehize erhizt wird. Wenn Wein als Bad gebraucht wird, so werden die Dämpfe, die sich bilden, durch Röhren in die Zwischenräume des Verdichters geleitet; der Rest kommt zu einer späteren Destillation in den Kessel. Wenn es Wasser ist, so dient es als Wasserbad für den Verdichter, den es erhizt und in welchem es die Destillation eines Theiles von Wein erzeugt, dessen Rest bei einer nächst folgenden Destillation wieder in den Kessel kommt.

Das Gefäß, welches als Bad dient, ist oben vollkommen geschlossen, und seine ganze Oberfläche ist, wie alles Uebrige an dem Apparate, mit schlechten Wärmeleitern umgeben. Die Hize, welche durch das Verbrennen des Brennmateriales entsteht, wird fast ganz von dem Kessel aufgenommen, während jene, die dem Verdichter durch die Dämpfe mitgetheilt wird, welche aus diesem Kessel aufsteigen, und die von da in das Bad gelangt, sich fortschreitend aus einem Zwischenraume in den anderen begibt, bis sie in den ersten gelangt, wo sie zu einer zweiten Destillation dient.

Der Hr. Verfasser glaubt, wo er am Ende Betrachtungen über die Menge Wärmestoffes anstellt, welche das Wasser, nach Watt, fahren läßt, und den zu destillirenden Wein als Wasser betrachtet, daß man im Winter bei der Destillation mit Wein verdichten kann, der zur folgenden Destillation dient. Wenn er nicht wirklich zu diesen Resultaten gelangte, indem man in der Praxis keine Gefäße anwenden kann, die für den Wärmestoff undurchdringlich wären, so hat er sich denselben doch sehr genähert. Er schließt seine Abhandlung mit einer Auseinandersezung der Vortheile, welche sein Verdichter vor jenen Berard's und Adam's voraus hat. Der Unterschied, der durch die Größe der Leitungsröhre der Dämpfe entsteht, welche aus dem Kessel aufsteigen, könnte vielleicht verschwinden, wenn es erwiesen wäre, daß die zwekmäßigste Form in einer Verminderung des Durchmessers dieser Röhre besteht; und dann wäre das Destillirgefäß des Hrn. Araujo Travassos |101| eines derjenigen, das sich am meisten jener Vollkommenheit nähert, die sich erwarten läßt.

|96|

Verbessert? Man würde wohl das schlechte ungesunde Gurkenwasser, das als sogenannter Würzburger, Wertheimer etc., von einigen, die weder Zunge noch Gaumen zu besizen scheinen, als Wein bezahlt und getrunken wird, verbessern, d.h., der Gesundheit weniger schädlich und einem Weine ähnlicher machen können, wenn man demselben etwas Brantwein zusezt; wenn man aber den portugiesischen Weinen, die so reich an Zuker sind, und die folglich, wenn ihre Gährung gehörig geleitet würde, nicht nur Alkohol genug, sondern selbst zu viel, aus sich selbst entwikeln würden, noch Alkohol zusezt, so ist dieß nicht nur keine Verbesserung, sondern eine wahre Verschlechterung, man darf sagen eine Vergiftung. Unter allen Völkern Europens ist gewiß keines, das auf einer so niedrigen, so tiefen Stufe der Unwissenheit und des physischen und moralischen Schmuzes stünde, als das portugiesische. Akerbau in allen seinen Zweigen, Künste und Gewerbe befinden sich in diesem paradiesischen Lande in einem Zustande, den man nirgendwo in Europa beklagenswerther finden kann. Die gesammte Literatur dieses Landes kann man, von jedem Werke Ein Exemplar gerechnet, mit 50 paar Ochsen füglich transportiren. Wer sehen will, was Inquisition und Mönche selbst über ein talentvolles |97| Volk vermögen, das einst einer der weisesten Könige, Don Juan beherrschte; das einst über alle Meere gebot; der darf nur nach Portugal gehen. Wenn Portugal seine herrlichen Weine gehörig zu behandeln wüßte, so würde es jedem anderen Lande sowohl in leichten als in schweren Weinen den Vorrang abgewinnen; nun aber zwingt die Portugiesen ihr Mönchsschmuz und die Liederlichkeit, mit welcher sie ihren Wein keltern und behandeln, demselben Brantwein zuzusezen, damit er nicht zu Essig wird. Selbst der berühmte Madeira ist häufig nichts anderes als ein Mixtum compositum, eine Art kalten Weinpunsches, und kluge Aerzte haben sich längst gehütet ihren Reconvalescenten vielmehr damit zu schaden, als zu nüzen. A. d. Ue.

|98|

Wie wird es aber hier mit der Reinigung gehen? A. d. Ue.

|99|

Die Weine, die man in England die Flasche zu Preisen trinkt, wofür man in Ungern ein ganzes Faß des edelsten reinen Weines haben hann, sind alle verfälscht, zugerichtet mit Brantwein und Gewürzen. Man kann sagen, daß der reiche Engländer nicht weiß, was Wein ist; das weiß der Pole und Russe besser, der bloß ungrische und französische Weine kauft, aber keine portugiesischen. A. d. Ue.

|100|

Das Bad des Verdichters des Hrn. Araujo Travassos ist hingegen, wie der Verdichter selbst, in Zwischenräume getheilt, in welche die Zwischenräume des Verdichters eintauchen. A. d. O.

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