Titel: Alban's Dampfentwikelungs-Apparat für Dampfmaschinen von sehr hohem Druke.
Autor: Alban, Ernst
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. LXXVII. (S. 241–268)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/ar039077

LXXVII. Beschreibung meines Dampfentwikelungs-Apparates für Dampfmaschinen von sehr hohem Druke, so wie eine kurze geschichtliche Darstellung aller meiner Bemühungen zur Einführung desselben ins praktische Leben. Von Dr. Ernst Alban.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Bei Gelegenheit der Beschreibung meiner Dampfmaschine mit sehr hoher Pressung, die sich in diesem Journale, Bd. XXXII. S. 1. findet, erklärte ich, daß ich die Beschreibung meines Generators erst nach Vollendung eines neuen Probe-Apparates, den ich bereits hier in Arbeit gegeben, nachzuliefern Willens wäre. Ich that dieß in der Absicht, eine möglichst genügende Form desselben zu finden, die alle bis jezt vorgefundenen praktischen Schwierigkeiten beseitigen möchte, und so vor der Bekanntmachung dem Werke eine größere Vollendung zu geben. Gleich beim Anfange eines solchen Probe-Apparates habe ich indessen die traurige Bemerkung machen müssen, daß die Fortsezung des Unternehmens mit einem, meinen jezigen Verhältnissen unangemessenen, Kostenaufwande verbunden seyn würde, und diese mußte deßhalb weiter hinausgesezt werden. Besonders schwierig in dieses Hinsicht erschien die Anschaffung einer hinreichenden Menge der leichtflüssigen Metallmischung, die nach den jezigen Preisen des Bleies und (vorzüglich) des Zinnes von mir auf keine Weise aufgebracht werden konnte, obgleich ich mehrere Versuche gemacht hatte, selbiges alt für eine geringere Summe zu erstehen. Auf diese Weise ist denn die Unternehmung für jezt nicht weiter, als bis zur Vollendung zweier Metallgefäße von Eisenblech gediehen, die der schon öfters von mir genannte Rostocker Kupferschmid, Hr. Daniel Steinhorst, mit solcher Sachkenntniß und solchem Fleiße, und dabei mit so wenigem Kostenaufwand verfertigt hat, daß ein günstiger Erfolg ihrer Anwendung auf keine Weise bezweifelt werden kann, hauptsächlich wenn man frühere glükliche Leistungen dieses vortrefflichen Arbeiters sich ins Gedächtniß ruft und sich erinnert, daß er es war, der, wie ich schon früher angeführt habe, für einen Zinngießer in Rostock ein Zinnschmelzgefäß so dicht und sicher genietet hat, daß es nach einem zweijährigen, täglichen, zwölfstündigen Gebrauche noch in dem besten Zustande von mir befunden wurde.

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Seit Einstellung fernerer Bemühungen, einen für alle Fälle genügenden Apparat nach meinem neuen Dampfentwikelungs-Principe herzustellen, hat mich die Noth, unsere beste Lehrmeisterin, aber auch andere Wege finden gelehrt, für Dampfmaschinen mit sehr hoher Pressung Entwikelungs-Apparate zu construiren, die alle mit deren Anwendung verbundenen und von mir früher114) entwikelten Vortheile auf eine einfachere, und was für Deutschland die Hauptsache ist, auf eine weniger kostspielige Weise, ohne alle Gefahr, zu erreichen vermögen, als jener. Spätere Berechnungen, die ich nach einer Reihe so mannichfaltiger, theils angenehmer, theils betrübender Erfahrungen hier sowohl in meinem Vaterlande, als im Auslande anstellte, ließen mich nicht lange im Dunkeln, daß die Ausführung eines Apparates, nach meinem neuen Principe eingerichtet, troz seiner großen und einleuchtenden Vortheile, für mein Vaterland immer mit großen Schwierigkeiten verbunden seyn würde, und daß ich mich in dieser Hinsicht wohl früher, da ich noch nicht mit dem Kostenauflaufe und mit der leichten Anfertigungsmethode gewöhnlicher Dampfmaschinenkessel in dem Maße, wie jezt, vertraut war, einigermaßen verrechnet hatte. Daß diese Bemerkung bei mir, der ich für mein Vaterland nüzlich zu wirken, so freudigen Muth und so lautern uneigennüzigen Willen fühle, nach und nach das Interesse abgestumpft habe, das ich an jenem Princip nahm, wird derjenige leicht begreifen, den je ein gleiches Streben mit mir beseelt, und der eher Erfahrungen der Art gemacht hat, und weiß, daß der Schritte bei wichtigen technischen Erfindungen so manche gethan werden müssen, ehe man das ersehnte Ziel erreicht; Schritte, von denen die frühern immer mehr an Interesse für uns verlieren, je mehr wir finden, daß die spätern dem Ziele sich mehr nähern; selbst dann, wenn kein Zweifel obwaltet, daß die erstern weder unwissenschaftlich, noch unrühmlich genannt zu werden verdienen. Ich lege hier gern dieß freimüthige Bekenntniß vor meinem Vaterlande ab, das mich so vielfach durch seine Aufmerksamkeit auf meine Bestrebungen beglükt hat, indem ich überzeugt bin, daß es diese Freimüthigkeit mehr dem Charakter seiner Bewohner angemessen finden wird, als das hartnäkige Beharren in vorgefaßten Meinungen, das nur üble Folge verkehrter Begriffe von Ehre und eines übermäßigen Stolzes ist.

Das über meinen Dampfentwikelungs-Apparat hier Mitzutheilende wird vorzüglich eine genaue Ansicht derjenigen Vorkehrungen bezweken, die ich bis hieher für die zwekmäßigsten und genügendsten zur Ausführung des, ihm zum Grunde liegenden, neuen Princips erkannt |243| habe; aber auch zugleich eine kurze Geschichte derjenigen Bemühungen liefern, die ich zu einer solchen Ausführung sowohl in meinem Vaterlande, als im Auslande, übernommen habe; so wie derjenigen praktischen Schwierigkeiten, die ich dabei vorfand, und deren Besiegung in meinen Verhältnissen in England, wie ich schon früher gezeigt habe, mir so sehr erschwert, zulezt sogar unmöglich gemacht wurde. Auf diese Weise hoffe ich allen denjenigen, die zum Theil schonungslos gegen mich geeifert haben, einen Beweis zu geben, daß weder Unwissenheit, noch grobe Irrthümer von meiner Seite, noch übertriebene Selbstschäzung oder zu großes Selbstgefühl ein Unternehmen scheitern ließen, das ich wissenschaftlich vorbereitet zu haben mir schmeichle. Mögen die von mir vorgefundenen Schwierigkeiten die Wahrheit bestätigen, daß eine Erfindung, bei der man wenige der bisher bekannten Erfahrungen für sich hat; bei welcher man diese erst durch Versuche feststellen soll; wobei man folglich von jedem Leitsterne verlassen ist, der uns die aufstoßenden Hindernisse vorher anzeigt, und uns davor warm, ohne Fehlgriffe nicht ins Leben eingeführt werden kann; und daß diese Fehlgriffe oft den wissenschaftlich denkenden und prüfenden Erfinder eher berüken, als denjenigen, den der Zufall und das Glük in seinen wunderbaren Schuz nimmt, und ihn blind, auf kurzem Wege und auf eine unbegreifliche Weise, zu einem unverdienten Triumphe verhilft.

Es war im Jahre 1821, als ich, um Dampfmaschinen durch Dämpfe von sehr hohem Druke ohne alle Gefahr zu betreiben, auf die Idee kam, den Dampferzeuger nicht unmittelbar dem Feuer auszusezen, sondern ihn durch ein Medium zu heizen, das seine Struktur nicht angriffe, und das Material, woraus er verfertigt würde, sehr lange, ja fast für immer, in einem erprobt sichern Zustande erhalten könne. Ich hoffte nämlich durch diese Anordnung folgende wichtige Resultate für eine völlige Sicherheit des Apparates zu erreichen:

  • 1) wollte ich die Zerstörung des Entwikelungs-Apparates so viel möglich aufheben, wenigstens auf sehr lange Zeit verzögern und so seine Sicherheit auf die möglichst längste Zeit ausdehnen;
  • 2) wollte ich das Injectionsprincip oder dasjenige Princip, wobei man nur so viel Wasser in den Erzeuger fördert, als zur Dampfproduction für den Bedarf der Maschine erforderlich ist, und das bei den bisherigen Dampferzeugern, wegen immer dabei Statt gefundener, theilweiser oder allgemeiner Ueberheizung des Apparates, eine schnelle Zerstörung desselben, vorzüglich der Röhrenkessel, deren Anwendung ich bezwekte, und deren Röhren wegen des leicht eintretenden Trokenkochens und des ungleichen |244| Angriffes der Flamme darauf diesem Uebelstande am meisten unterworfen sind, herbeigeführt hat, bei den Dampferzeugern wirklich mit Nuzen, und ohne alle bisher mit seiner Anwendung verbundenen Unannehmlichkeiten ins Leben treten lassen. (Man vergleiche hier das, was ich im XXVIII. Bande dieses Journales, S. 346. in Num. a, b und den folgenden gesagt habe;
  • 3) wollte ich den Apparat in eine compendiösere Form bringen, als bisher geschehen konnte, namentlich dem eigentlichen Entwikeler bei geringerer Ausdehnung eine größere Wirksamkeit verschaffen.

Zur Verwirklichung dieser Pläne machte ich zuerst Versuche mit einem öhligten Medium. Ich sezte nämlich eine kleine flache Schale, auf deren Boden ich etwas grobkörnigen Sand geworfen hatte, auf den Oehlspiegel eines anderen flachen, eisernen Gefäßes von 28 □ Zoll Feuerberührungsfläche, was ich über Kohlenfetter heizte und dessen Oehl ich bis beinahe auf dem Siedpunkt erhizte. Ich wog nun einen Kubikzoll Wassers ab und goß ihn in die, auf dem Oehlspiegel schwimmende, Verdampfungsschale, deren vom Oehl berührte Bodenfläche nur 5,3 Quadratzoll betrug und deren grobkörniger Sand theils die bessere Vertheilung und Verdampfung des Wassers befördern, theils, seine zu große Versprizung verhüten sollte, und bemerkte mir nach der Secundenuhr immer genau den Zeitraum, während diese Quantität Wasser verdampfte.

Nach öfterer Wiederholung der Versuche fand ich nun, daß bei dieser Einrichtung die Verdampfung des Wassers nur um ein sehr Geringes schneller von Statten ging, als wenn ich die Verdampfungsschale unmittelbar dem Feuer aussezte. Diese Erfahrung überzeugte mich, daß das Oehl kein günstiger Wärmeleiter für diesen Zwek sey; auch schien mir seine Anwendung im Großen zu gefährlich, da bei einer möglichen Ueberhizung desselben Unglük durch die, sich dann an der Luft leicht entzündenden Oehldämpfe hätte entstehen können. Ich dachte nun auf ein, meinen Planen mehr entsprechendes, Medium, und hier verfiel ich denn auf eine leichtflüssige Metallmischung. In großer Eile vertauschte ich darauf das Oehl in der äußern Schale mit einer solchen, aus Blei und Zinn bestehenden, erhizte sie etwas über den Schmelzpunkt, und goß nun einen Kubikzoll kalten Wassers (es war im Winter) in die Verdampfungsschale. Hier bemerkte ich nun zu meinem Erstaunen, daß das Wasser viel schneller, als vorher verdampfte, und daß die, aus der Metallmischung durch den Verdampfungsproceß verloren gegangene, Hize sich immer in sehr kurzer Zeit wieder ersezte. Aus diesen Beobachtungen zog ich den Schluß, |245| daß ein solches Medium nicht allein sehr schnell die Hize an andere Körper abgebe, sondern auch selbige wieder sehr begierig vom Feuer einsauge; und baute nun eine Menge Pläne auf diese Erfahrung zur Realisirung eines Dampfentwikelungs-Apparates mit diesem Medium für Dampfmaschinen mit sehr hohem Druke.

Gerade zu dieser Zeit erhielten wir in Deutschland die ersten Nachrichten von Perkins neuer Dampfmaschine und von dessen paradoxem Dampfentwikelungs-Principe. Diese Nachrichten, obgleich mir ihre Unzuverlässigkeit und Unhaltbarkeit hie und da nicht entging, und obgleich ich das neue Dampfentwikelungs-Princip, als gegen alle bisherige Theorie anstoßend, und selbige sogar über den Haufen werfend, sogleich würdigte, und deßhalb mit den gehörigen Zweifeln die Mittheilungen und Erläuterungen der Perkins'schen Lobredner las, erregten dennoch eine große Unruhe in mir, indem ich mir nicht einbilden konnte, daß die, in den englischen Journalen so bestimmt und unumwunden gegebenen, Resultate des neuen Principes so ganz aus dem Winde gerissen seyn könnten; wenn ich auch anzunehmen mich gedrungen fühlte, daß das, was man aus diesen Resultaten für die Theorie folgerte, manche Irrthümer und übereilte Ansichten involviren müsse. Durch solche Resultate sah ich nämlich plözlich alle meine bisherigen Erwartungen in Hinsicht einer möglichen Verbesserung der Dampfmaschinen auf dem Wege der Anwendung eines sehr hohen Druks bei weitem übertroffen, ja sie traten für mich sogar ganz aus der Sphäre jener Möglichkeiten heraus, die meinen vieljährigen Speculationen über diesen Gegenstand vorgeschwebt hatten. Meine Pläne schienen mir nun alle vernichtet, und ich war eine geraume Zeit ganz unthätig.

Je mehr ich indessen über Hrn. Perkins Mittheilungen mit Ruhe und Ueberlegung nachdachte, und je mehr sich das Widersprechende in den, immer häufiger erscheinenden öffentlichen, Mittheilungen darüber häufte, je mehr Ansehen und Gewicht gewannen meine eigenen Pläne wieder bei mir, und ich kam endlich zu der festen Ueberzeugung, daß so wichtige Resultate, zu welchen die Perkins'sche Erfindung geführt haben sollte, unmöglich dessen paradoxes Dampfentwikelungs-Princip allein bewirkt haben könne, sondern daß der Grund davon in andern Umständen zu suchen sey, von denen mir die Dampfentwikelung in höhern Temperaturen und unter sehr hohem Druke nach den bisherigen Erfahrungen die wahrscheinlichsten schienen. In dieser Ueberzeugung griff ich nun mein Princip mit um so viel größerer Wärme auf, und stellte meine Pläne in einer kleinen Abhandlung zusammen, welche ich, in Vereinigung von erläuternden Zeichnungen, dem würdigen Hrn. Gh. O. B. R. Karsten in Berlin übersandte. In dieser Abhandlung, die |246| im November des Jahres 1823 geschrieben wurde, stellte ich zugleich meine Zweifel gegen das Perkins'sche Dampfentwikelungs-Princip und wissenschaftliche Gründe für dieselben auf. Hr. G. O. B. R. Karsten nahm selbige mit warmem Interesse auf und sprach in einem Schreiben an mich unverholen: wie er meine Erfindung für sehr wichtig halte, und nach Anstellung eines ausgedehntern prüfenden Versuches darüber mir unmaßgeblich rathe, in England und Frankreich darauf ein Patent zu nehmen, und dort die Erfindung zu verkaufen. Was meine Zweifel gegen das Perkins'sche Princip beträfe, fuhr er fort, so müsse ich selbige bis auf nähere Nachrichten darüber suspendiren, indem die Möglichkeit gedenkbar wäre, daß Wasser durch Hinzutritt von Wärme in einen Mittelzustand zwischen den tropfbar und elastisch flüssigen gesezt werden könne, in welchem es leicht geneigt wäre, den lezteren schnell anzunehmen, sobald es der Raum gestatte, sich in solchem auszudehnen.

Obgleich diese lezteren Aeußerungen des Hrn. G. O. B. R. Karsten meine Ansichten über das Perkins'sche Princip, wenn auch nicht erschütterten, doch einigermaßen störten, so entschloß ich mich dennoch, mit Anstellung genauerer Versuche nicht zu säumen, und bauete bald darauf einen kleinen Apparat, an welchem ich dem, die Metallwischung enthaltenden, Gefäße eine cylindrische Form mit sphärischem Boden nach Art der gewöhnlichen gußeisernen Grapen gab, selbiges mit einer Mischung von Zinn und Blei füllte (es war nur ungefähr der achte Theil derselben Zinn, da seine Anschaffung mir zu kostbar wurde) und ein ebenfalls cylindrisches Entwikelungsgefäß mit sphärischem Boden in selbige eintauchte. Beide Gefäße waren von Kupferblech. Das Metallgefäß hatte 8 Zoll Durchmesser und 12 Zoll Höhe, das Entwikelungsgefäß 3 Zoll Durchmesser und 10 Zoll Höhe. Ersteres war von einer Linie dikem, lezteres von 1/4 Zoll dikem Kupferbleche mit Schlagloch zusammengelöthet. Beide Gefäße hatten am oberen offenen Ende einen starken Kranz und waren mit Dekeln versehen. Der Dekel des ersteren hatte in der Mitte eine Oeffnung, durch welche der Entwikeler in das Gefäß trat. Beide Dekel waren durch Schrauben an ihre Kränze angezogen. Zwischen Dekel und Kranz des Metallgefäßes war Kitt von Kreide und Leinöhl gebracht, um die Luft von der Metallmischung abzuhalten. Zu demselben Zweke war auch von demselben Kitte zwischen den Kranz des Entwikelers und den Dekel des Metallgefäßes, da wo ersterer auf lezterem auflag, gebracht, und beide durch einige Schrauben mit einander vereinigt, damit die luftdichte Verbindung zwischen beiden nicht aufgehoben werden könne. Kranz und Dekel des Entwikelers waren von Messing gegossen, 1/2 Zoll stark, und ersterer an den Entwikeler mit |247| Schlagloch angelöthet. Die Fugen zwischen beiden dichtete ich mit einem ähnlichen Kitte. In dem Entwikeler stand ein Gefäß von dünnem Kupferbleche, ganz von der Form desselben, jedoch war sein Durchmesser so viel kleiner, daß zwischen demselben und den innern Wänden des Entwikelers ein Zwischenraum von 1/4 Zoll blieb. In diesen engen Raum wurde das zu verdampfende Wasser gebracht. Es schäumte in demselben heftig empör, und wurde so allenthalben an die verdampfenden Wände vertheilt, ohne daß eine große Quantität desselben sich im Entwikeler anzuhäufen brauchte. Ich wollte nämlich alle Wände des Entwikelers bei der Verdampfung immer möglichst benuzen, und doch zugleich den Zwek des Einsprizungsprincips möglichst schnelle Verdampfung jeder kleinen, in den Entwikeler gebrachten Portionen Wassers, ausfüllen. Dieses Gefäß nannte ich, seinem Zweke zu Folge, Schaumgefäß. Es that nachher bei den Versuchen vollkommen die gewünschte Wirkung. Auf dem Dekel des Entwikelers war ein Sicherheitsventil angebracht, das ich für den Quadratzoll mit 600 Pfund belastete. Auch drang durch denselben das Einsprizungsrohr, was von einer kleinen Einsprizungspumpe kam, wodurch das in den Entwikeler zu fördernde Wasser in denselben geworfen wurde. Selbige nahm ihr Wasser aus einem blechernen Gefäße, was ich callibrirt hatte. Ein Schwimmer auf dem Wasserspiegel desselben zeigte an seinem Stiele die Anzahl der Kubikzolle Wasser an, die durch die Pumpe aus dem Gefäße gezogen wurden.

Das Metallgefäß enthielt gegen 150 Pfund Metallmischung und war in einem cylindrischen Ofen an seinem Kranze aufgehängt. Der Feuerplaz unter demselben spizte sich nach unten kegelförmig zu und nahm in der Spize des Kegels die, vom Blasebalg kommende, Blaseröhre auf. In der Seitenwand des Ofens war eine kleine Thür zum Einbringen des Brennmateriales angebracht, und vom oberen Theile des Ofens führte ein kleines eisernes Rohr in einen der Schornsteine meines Hauses. In dem Blaserohr war eine Regulirklappe angebracht.

Mit diesem Apparate habe ich eine Menge Versuche angestellt, bei dessen einen der Hr. G. O. V. R. Karsten, so wie sein würdiger Vater, der jezt schon verstorbene Geheime Hofrath Karsten, und mein mehrjähriger theilnehmender, und alle meine Bemühungen mit warmem Interesse verfolgender Freund, der Hr. Professor Flörke in Rostock, zugegen waren.

Das Mittel aus den erhaltenen Resultaten war folgendes:

  • 1) Die 150 Pfd. Metallmischung wurden mit 1 bis 3/4 Pfd. Steinkohlen schlechterer Sorte in Zeit von einer halben Stunde in Fluß gebracht. (Die Kohlen wurden vorher genäßt.)
  • |248| 2) Während einer Minute vermochte ich 8 Kubikzoll kalten Wassers in Dampf von 600 Pfd. Druk auf den Quadratzoll zu verwandeln. Warf ich mehr in dieser Zeit ein, so erschien mit dem Dampfe etwas Wasser am Sicherheitsventil und die Metallmischung erstarrte. (Sie wurde nur wenig über den Schmelzpunkt erhizt.)
  • 3) In der Stunde verbrannte ich bei ununterbrochener regelmäßiger Verdampfung 1 1/2 bis höchstens 2 Pfd. jener Steinkohlen.
  • 4) Die Steinkohlen brannten mit weißer Flamme und sezten viel Schlake ab, weßhalb das regelmäßige Feuern oft gehindert wurde.
  • 5) Das vom Ofen in den Schornstein führende Rohr wurde so wenig erhizt, daß der schwarze Oehlanstrich desselben völlig glänzend blieb.

Um die Veränderungen in der Temperatur der Metallmischung einigermaßen beobachten zu können, hatte ich eine Art Luftthermometer angebracht. Es bestand aus einem kupfernen, 1/2 Zoll im Lichten weiten, am unteren Ende verschlossenen, Rohre, was in die Metallmischung eintauchte, mit seinem oberen Ende durch den Dekel des Metallgefäßes drang, sich dann über den Ofen weg, nach Außen krümmte, und hier mit dem absteigenden Schenkel eines heberförmig gebogenen Glasrohres verbunden war. Der aufsteigende Schenkel dieses Glasrohres war am oberen Ende zugeschmolzen, und mit einem Brette versehen; worauf man den jedesmaligen Stand des Queksilbers zu bemerken vermochte. Vor der Befestigung des absteigenden Schenkels des Glasrohres an das kupferne Rohr goß ich Queksilber in selbiges, bis er beinahe ganz gefüllt war. Das Queksilber stieg dann im aufsteigenden Schenkel nur um 1/6 seiner ganzen Höhe, indem die Compression der Luft sein weiteres Steigen verhinderte.

An dem Brette des aufsteigenden Schenkels hatte ich mir den jedesmaligen Stand des Queksilbers bemerkt, wenn die Metallmischung zu schmelzen begann. Den Punkt der Schmelzung erfuhr ich durch einen Eisendraht, der durch eine Stopfbüchse des Metallgefäßdekels in die Metallmischung eindrang, und, so lange jene fest war, nicht bewegt werden konnte. Daß das Steigen und Fallen des Queksilbers im Glasrohre durch die Wirkung der, in der kupfernen, mit Luft gefüllten, und in der Metallmischung hängenden, Röhre nach den Graden der Hize der Metallmischung sich mehr oder minder expandirenden Luft geschehe, halte ich für überflüssig zu bemerken.

Die Resultate, die mir dieser Erzeuger gab, reichten zwar nicht an die heran, die Hr. Perkins nach den englischen Nachrichten von dem seinigen erhalten haben wollte, indessen waren sie doch außerordentlich |249| genug, um meinen Muth, mit dieser Erfindung mein Glük in England zu versuchen, in einem hohen Grade anzufachen. Ich hatte nämlich mit einem Pfd. Steinkohlen zwischen 12 und 14 Pfd. kalten Wassers verdampft, ein Resultat, was noch bisher kein Dampfkessel gegeben hatte, und, nach meiner Meinung, von dem Perkins'schen unmöglich übertroffen werden konnte, wenn Hr. Perkins von der bisher gebrauchten Form nicht bedeutend abzuweichen sich bequemen würde. Als diese Meinung endlich durch die früher (Polyt. Journ. Bd. XXVIII. S. 347. in der Note) von mir beschriebenen und zu dieser Zeit angestellten Versuche über das Perkins'sche Princip, die dasselbe als wichtig darstellten, zur völligen Ueberzeugung wurde, säumte ich keinen Augenblik, an ernsthafte Schritte in England zu denken.

Die Gelegenheit war mir günstig. Ein Freund von mir, Hr. Raddatz, wollte gerade in Geschäften nach England reisen, und mir meine Angelegenheit dort besorgen. Auch traf zu dieser Zeit der Mecklenburgische Consul in London, Hr. Kreeft, in Rostock ein, der selbige aus allen Kräften zu fördern versprach.

Ich entwarf nun Beschreibung und Zeichnungen meines Apparates in mehreren verschiedenen Formen, wobei ich den Luftthermometer als Regulator für die Hize der Metallmischung anzuwenden suchte, schrieb die von dem kleinen Apparate erhaltenen Resultate treu nieder, entwarf zugleich die Idee zu einer durch meinen Erzeuger zu betreibenden Maschine, instruirte meinen Freund von Allem genau, und nahm mit klopfendem Herzen von ihm Abschied.115)

Hr. Kreeft hatte bald mehrere Interessenten zu meiner Erfindung gefunden, und die Auslagen für das englische Patent gemacht. Hr. Gill, der Herausgeber des technical Repository, mußte im Namen dieser Interessenten, als Kunstverständiger, die Erfindung prüfen, und nachdem derselbe ein höchst günstiges Urtheil darüber gefällt, wurde sie von Allen angenommen, und Hr. Kreeft in den Verein gezogen. Ich bekam gleich darauf unter sehr annehmlichen Versprechungen den Ruf nach England, und ging am 12. Juni 1825 dahin ab, um meine Maschine dort im Großen auszuführen.

Gleich bei meiner Ankunft in London mußte ich zu meinem großen Leidwesen erfahren, daß meine Interessenten die große Unvorsichtigkeit begangen hatten, von meiner Erfindung übermäßig zu prahlen, und öffentlich mehr von ihr zu versprechen, als sie verdiente, |250| und nach meinen bisherigen Versuchen leisten konnte. Einer derselben hatte sich sogar geäußert, daß durch meine Erfindung in Zeit von einem halben Jahre alle übrigen Dampfmaschinen verdrängt werden würden. Die Nichterfüllung überspannter Erwartungen kann die herrlichste Erfindung verderben, wenigstens erregt sie gleich eine Menge Vorurtheile gegen dieselbe. Aus der Erfahrung kannte ich leider schon zur Genüge diese betrübende Wahrheit, jezt sollte ich das ganze Gewicht derselben in England empfinden. Das Vorgefühl meines Schiksals beklemmte schon damals meine Brust. Ich sollte nun bewahrheiten, was diese meine Interessenten leichtsinnig hingeworfen, und dabei einer Menschenclasse in die Hände fallen, deren Neid und deren Schelsucht durch jene unnüzen Prahlereien aufgeregt wurden, und von denen ich nun erwarten mußte, daß sie mir beim Bau meiner Maschine und den Versuchen damit alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg legen würden; ich meine den englischen Engineers, bei deren ersten Bekanntschaft ich sogleich durch das Handwerksmäßige und Unwissenschaftliche, durch die Befangenheit und Kleinlichkeit ihrer Ansichten unangenehm überrascht wurde. Bange und wehe um's Herz wurde mir vollends, als ich in derjenigen Werkstätte, worin meine Maschine verfertigt werden sollte, eine Unordnung, einen Schmuz ohne Gleichen und einen Mangel an jedem genauen und guten Werkzeuge wahrnahm.116)

Durch mehreres Nachdenken über meine Erfindung war ich bald zu der Ueberzeugung gekommen, daß einer Ausführung meines Erzeugers im Großen, nach dem, bei dem Probe-Apparate befolgten, Plane viele und große Schwierigkeiten im Wege ständen. Diese bestanden vornehmlich in folgendem:

  • 1) Der kubische Inhalt der Metallgefäße stand bei ihm, wie in jedem cylindrischen Gefäße, in einem ungünstigen Verhältnisse zur Feuerberührungsfläche derselben, sobald der Apparat einen größeren Durchmesser verlangte, es mußte also bei größeren Entwikelern |251| eine bedeutende Masse von leichtflüssiger Metallmischung angewendet werden, die die Kosten des Apparates unnöthiger Weise sehr erhöhte. Diese Metallmischung bildete eine zu unförmliche, beim Anheizen des Apparates sehr schwer von der Hize durchzudringende Masse und die Schwere und das Gewicht der Vorrichtung erreichte eine kostbare und der Wirkung derselben schädliche Ausdehnung.
  • 2) Der Durchmesser des Entwikelungsgefäßes mußte mit dem des Metallgefäßes verhältnißmäßig vergrößert werden; er erreichte daher in größeren Maschinen eine solche Ausdehnung, daß eine bedeutende Gefahr seines Berstens daraus erwachsen würde, wenn die Wände desselben nicht unnatürlich verstärkt würden, was in Hinsicht der Mittheilung der Hize der leichtflüssigen Metallmischung an das Wasser wieder entschiedene Nachtheile hat.

Im lebhaften Gefühle dieser Schwierigkeiten wollte ich Anfangs die Feuerberührungsfläche der Metallgefäße, unbeschadet ihres kubischen Inhalts, künstlich (z.B. durch Wellenlinien) zu vergrößern suchen, es blieb mir indessen nicht verborgen, daß dann der Guß solcher Gefäße, die ich der Wohlfeilheit wegen gern von Gußeisen gießen lassen wollte, mit vielen Umständen verbunden sey, die denselben vertheuerten und sein nothwendiges Gelingen jedes Mal sehr zweifelhaft machten. Auch ließ sich bald berechnen, daß ich durch eine so schwierige Form der Metallgefäße bei sehr großen Apparaten doch immer nicht genügend meinen Zwek erreichen würde, wenn ich nicht mehrere Apparate der Art zugleich anwenden wollte, was ich gern zu vermeiden wünschte.

Der Apparat, mit dem ich einen so entscheidenden, öffentlichen Versuch machen wollte, mußte, meiner Ueberzeugung nach, allen solchen Schwierigkeiten und Mängeln überhoben seyn. Ich wollte ihn gerne so darstellen, daß er allen, bis jezt von mir daran gemachten, und durch Nachdenken und Erfahrung als nothwendig erkannten, Forderungen möglichst genüge, um ihn für alle Zeit und für jeden denkbaren Fall empfehlen zu können.

Diese Aufgabe hatte ich schon geraume Zeit vor meiner Reise nach England mir gemacht und durch angestrengtes Nachdenken zu lösen gesucht. Sie betraf folgende Punkte.

  • 1) Die Form der Metallgefäße sollte so angeordnet werden, daß bei einer möglichst großen Feuerberührungsfläche nur verhältnißmäßig wenig Metall zur Füllung derselben erforderlich sey, daß sie ferner wenig Raum einnähmen und jede mögliche Vergrößerung, nach Maßgabe der beabsichtigten Wirkung, zuließen, ohne daß der Vollkommenheit und Zwekmäßigkeit des ganzen |252| Entwikelungs-Apparates Abbruch geschähe. Auch sollte der Spiegel der Metallmischung möglichst klein ausfallen, um die Oxydation derselben zu verhindern, und die Metallgefäße mit Leichtigkeit luftdicht zu verschließen seyen.
  • 2) Die Hize der Metallmischung sollte auf irgend eine Weise zwekmäßig regulirt werden, damit kein schädlicher Grad derselben für den Apparat und die Metallmischung eintreten könne, wenn die Verdampfung im Entwikeler temporär vermindert, oder gar aufgehoben würde.
  • 3) Das oder die Metallgefäße sollten an allen Stellen den möglichst gleichen Grad von Erhizung erfahren, damit die Metallmischung beim ersten Schmelzen möglichst gleich zerfließe, und hernach allen Theilen des eigentlichen Entwikelers gleiche Wärme zuführe; und diese Erhizung sollte mit der möglichst geringsten Menge Brennmaterial hervorgebracht werden.
  • 4) Das flüssige Metall sollte von solcher Mischung genommen werden, daß es bei Anwendung in meinem Apparate nie erstarren könne und zugleich die möglichst geringsten Kosten bei seinem Ankaufe verursache.
  • 5) Der eigentliche Entwikelungs-Apparat sollte so construirt seyn, daß er in allen Theilen die cylindrische Form strenge genommen behalten, selbst bei sehr großer Ausdehnung von möglichst kleinem Durchmesser gebaut werden, dabei aber das eingesprizte Wasser gleich und schnell über seine ganze verdampfende Oberfläche vertheilen könne. Auch sollte er leicht von den salzigen und erdigen Niederschlagen gereinigt werden können.
  • 6) Der ganze Apparat sollte so wenig als möglich Oberfläche der äußeren Luft darbieten, um bei seiner hohen Temperatur durch Ausstrahlung der Hize nicht zu viel derselben zu verlieren.

Diese Forderungen, deren ich schon im XXVIII. Bd. S. 349. u.s.f. Erwähnung gethan habe, glaubte ich nun in derjenigen Anordnung des ganzen Entwikelungs-Apparates, deren Beschreibung ich jezt so deutlich als möglich liefern werde. Genüge geleistet zu haben. Sie ist es, die ich schon in den nach England geschikten Zeichnungen ihren Hauptgrundzügen nach angab, und nur später beim wirklichen Bau in einigen wenigen Punkten abzuändern mich genöthigt sahe. Vielleicht wäre ich auch für immer bei dieser Form, die in so vielfacher Hinsicht ihrem Zweke und meinen Wünschen und Hoffnungen vollkommen entsprach, geblieben, wenn sich nicht später in England praktische Schwierigkeiten bei der Ausführung derselben in einem größeren Maßstabe gezeigt hätten, deren Besiegung zum Theil leider unterblieb. Nach Beschreibung des Apparates werde ich diese Schwierigkeiten |253| treu in ihrer geschichtlichen Folge mitzutheilen mich bemühen, um meinem Vaterlande und allen denen, die sich darin für mich und meine Sache interessirt haben, Rechenschaft abzulegen von denjenigen Bemühungen, die ich auf einer noch nicht betretenen Bahn, zur Besiegung der vorgefundenen Hindernisse, oft in dem schreklichsten Drange der Umstände, und von den scheußlichsten Kabalen umringt und tief herabgestimmt und gebeugt, unternahm.

Derjenige Entwikelungs-Apparat, den ich in London auf Kosten oben genannter Interessenten in der Werkstätte des Hrn. Burton (Thames Street, Bankside) zu einer Dampfmaschine von 10 Pferdeskräften nach meinem Principe zu bauen begann, hatte 2 Metallgefäße in der Form länglicht schmaler und verhältnißmäßig sehr tiefer prismatischer Behälter, am besten zu vergleichen mit jenen Gefäßen, deren die Lichtzieher sich zur Fassung des geschmolzenen Talges während des Ziehens bedienen. In Tab. I. Fig. 1., die meinen ganzen Entwikelungs-Apparat mit seinem Ofen in perpendikulärem Längsdurchschnitte und Fig. 2., die ihn im Querdurchschnitte vorstellt, bezeichnen A die Metallgefäße mit der Metallmischung B. Beide Metallgefäße hatten oben bei a eine geringe Erweiterung und waren außer an dem inneren, mit dem zweiten Metallgefäße zu verbindenden, Rande b, Fig. 2. mit einem Kranze c versehen, womit sie auf dem Ofen D ruhten, und zugleich vermittelst Schrauben an den sie schließenden Dekel angezogen wurden.

Beide Metallgefäße waren so mit einander vereinigt, daß die beiden inneren Ränder, b, b, Fig. 2. oder vielmehr Wände der oberen Erweiterung an einander stießen, und durch Schraubenbolzen verbunden werden konnten. Sie wurden bis zur Linie d mit Metallmischung gefüllt, auf deren Spiegel ich, um jede mögliche Oxydation derselben zu verhüten, fein gepülverten Lehm mit Kohlenpulver gemischt, schüttete.

Der Zwek der oberen Erweiterung der Metallgefäße war, Raum für die oberen, stärkeren Köpfe der Entwikelungsröhren, die in selbige noch hineinragten, zu gewinnen; auch waren durch diese Erweiterung zugleich die, zwischen beiden Metallgefäßen und ihnen und dem Ofen befindlichen Züge des lezteren auf eine zwekmäßige Weise nach oben geschlossen, und das Spielen der Flamme daran vermochte nicht zerstörend auf die obere Partie des Ofens zu wirken, da dieser Theil der Metallgefäße noch von der Metallmischung bedekt war.

In dem Dekel e der Metallgefäße, der beide zugleich überfaßte, waren Oeffnungen für den oberen, stärkeren Theil der Röhren angebracht, welcher durch selbige hindurchging. Sowohl die Kränze der Metallgefäße, als die inneren, oberen Ränder derselben waren durch |254| Lehm, mit Kuhhaaren durchknetet, an den Dekel angedichtet. Zwischen beide an einander geschraubte innere Wände der Erweiterung hatte ich den gewöhnlichen Eisenkitt gebracht.

Jedes Metallgefäß war für sich aus einem Stüke gegossen, und seine Metallstärke auf 3/4 Zoll berechnet. In der Gießerei des Hrn. Bradley und Bembow konnten wir selbige nicht fehlerfrei gegossen erhalten. Die darin verfertigten waren alle mehr oder weniger lek, worauf wir uns an Hrn. Jeffrys wandten, der uns mehrere völlig fehlerfreie lieferte.

Vor dem Gebrauche prüfte ich selbige genau, ob sie lek seyen oder nicht. Dieß geschah auf die Weise, daß ich Wasser in selbige goß. Unbedeutende Leke verloren sich, wenn ich die Gefäße zu öfteren Malen abwechselnd füllte und leerte und sie jedes Mal im leeren Zustande einige Tage stehen ließ. Die Fugen rosteten dann zusammen und schlossen sich vollkommen. Das Dichten mit Eisenkitt fand ich unstatthaft, da dieser Kitt in höheren Temperaturgraden, denen meine Metallgefäße doch öfters ausgesezt sind, bröklig wird, und seine dichtende Eigenschaft leicht verliert. Diese Erfahrung machte ich schon vor meiner Reise nach England an meinem ersten Probe-Apparate, dem ich Anfangs ein geschmiedet-eisernes Metallgefäß gab, das ich zusammennieten ließ, und dann mit Eisenkitt dichten wollte. Gleich beim ersten Gebrauche desselben fand ich nämlich, daß die Metallmischung in Strömen durch die Fugen ablief. Bei Untersuchung des Gefäßes konnte ich den, vor dem Gebrauche desselben völlig erhärteten, Kitt mit leichter Mühe aus den Fugen herausreiben. Ich führe dieß hier an, weil dieser Umstand späterhin eine wichtige Rolle in dem Gange meines Unternehmens spielt, indem meine ganze gute Sache eigentlich daran zu Grunde ging, daß meine Interessenten sowohl als Hrn. Beale, unser späterer Engineer, in die Wahrheit dieser meiner Erfahrung Mißtrauen sezten.

Die Länge der Metallgefäße betrug 4 Fuß, ihre Höhe, die Erweiterung mit eingerechnet, 3 1/2 Fuß, ihre untere Weite im Lichten 2 Zoll, ihre obere bei der Erweiterung 3 1/2 Zoll. Ihre Feuerberührungsfläche, d.h., die beider Metallgefäße zusammengerechnet, ungefähr 60 □ Fuß, ihre, der äußern Fläche dargebotene, Fläche ungefähr 600 □ Zoll.

Der eigentliche Entwikeler meines Apparates bestand aus zwei verschiedenen Haupttheilen, wovon für jedes der beiden Metallgefäße einer bestimmt war. Einen dieser Theile sieht man in Fig. 1. bei c im perpendikulären Längsdurchschnitte; in Fig. 2. sind beide bei c im perpendikulären Querdurchschnitte vorgestellt, wie sie auf den Metallgefäßen |255| stehen, und mit ihren Entwikelungsröhren in die Metallmischung derselben hinabreichen.

Sie bestanden aus dem eigentlichen Sammlungsbehälter f für die Dämpfe, einem starken gußeisernen Gefäße, dessen innere cylindrische Höhlung 2 Zoll Durchmesser hielt, und dessen Wände 1 Zoll stark waren. Dieser Sammlungsbehälter war aus zwei Hälften zusammengesezt, einer oberen und einer unteren, die durch Schraubenbolzen mit einander vereinigt wurden. Für die Schraubenbolzen hatte jede Hälfte einen starken Kranz. Die untere Hälfte hatte nach unten runde Vorsprünge gggg zur Aufnahme der Entwikelungsröhren, deren obere Mündungen alle mit der cylindrischen Höhlung des Sammlungsbehälters communicirten. Zu diesem Ende waren die unteren Vorsprünge g, g, g senkrecht, bis an die Höhlung durchbohrt, und in das Bohrloch wurde ein starkes Gewinde geschnitten, in welches die oberen, gleichfalls mit einem männlichen Gewinde versehenen Röhrenden eingeschraubt wurden. Der Bohrlöcher für die Röhren waren in jedem Sammlungsbehälter acht.

Als Dichtung für die beiden Hälften der Sammlungsbehälter wandte ich Anfangs Leinwand, mit Oehlkitt bestrichen, an und ließ, zum Zweke eines bessern Schlusses, beide auf einander zu dichtende Ränder der Hälften gehörig ebenen und auf einander schleifen. Ich fand indessen bald, daß die Leinwand in der großen Hize des Apparates ihre Haltbarkeit verlor, und dann nachgab. Darauf verfiel ich auf die Anwendung eines dünnen und weichen Kupferdrahtes, der zu meiner Freude die Dichtung so vollkommen bewerkstelligte, daß wir später nie die geringsten Schwierigkeiten gefunden haben, selbst wenn wir auch die Spannung der Dämpfe im Apparate bis auf eine Höhe hoben, die 1200 Pfund Druk auf den Quadratzoll noch überschritt. Diese Dichtungsmethode hatte den großen Vortheil, daß sie leicht und mit geringen Umständen und Kosten zu bewerkstelligen war, und die Anwendung des Apparates sogleich nach dem Zusammenschrauben beider Hälften zuließ, während die Oehlkitte und andere Dichtungsmittel der Art eine längere Zeit zum Troknen gebrauchen, ehe sie gehörig erhärten. Anfangs ließ ich die auf einander zu dichtenden Ränder des Sammlungsbehälters an der Außenseite des Drahtes mit kleinen ganz niedrigen kupfernen Stiften versehen, um das Nachaußendrängen des Drahtes durch die Dämpfe zu verhüten, in der Folge fand ich aber, daß diese Vorsicht nicht nöthig sey, da die Ränder den Draht stark genug comprimirten, um jedes Weichen desselben von seinem Plaze zu verhüten.

Die Theilung der Sammlungsbehälter in zwei Hälften hatte den Zwek, die Reinigung dieser Behälter sowohl, als der Entwikelungsröhren |256| mit Leichtigkeit vornehmen zu können. Wurde nämlich die obere Hälfte derselben abgenommen, so konnte man zu jedem, sich mit seiner oberen Oeffnung in die Sammlungsbehälter mündenden, Ende der Röhren ungehindert kommen. In die Entwikelungsröhren stellte ich, zum Zweke einer besseren Vertheilung des Wassers und einer gehörigen Zerstiebung der aufsteigenden Dampfblasen darin, vier bis fünf Eisendrahtstangen von 1/3 Zoll Durchmesser auf, die an ihrem oberen Ende zusammengeschweißt und mit einem Oehre versehen waren, an welchem man sie, vermittelst eines kleinen Hakens, leicht aus den Röhren herausnehmen konnte. In Fig. 3. ist einer dieser Drahtbündel besonders abgebildet.

Zur Verhütung des Ueberkochens des in den Entwikelungsröhren gesprizten Wassers in das, vom Entwikeler zur Maschine führende Dampfrohr brachte ich in der Mitte der Sammlungsbehälter, ihrer ganzen Länge nach, eine dünne, siebförmig durchlöcherte kupferne Platte an, die den cylindrischen inneren Raum beider Sammlungsbehälter in zwei Hälften, eine obere und eine untere theilte. Sie ruhte auf dem Rande der unteren Sammlungsbehälterhälfte und wurde durch die darauf liegende, obere Hälfte in ihrer Lage erhalten. In Fig. 2. sieht man bei h die Platte vorgestellt. An dieser Platte sollten sich die aufgeworfenen Wassermassen brechen, und die sie emporwerfenden Dampfblasen zersplittern.

An einem der Enden der unteren Hälfte jeder Sammlungsbehälter war die Oeffnung i angebracht, durch welche die Einsprizröhre k in die innere Höhlung der Sammlungsbehälter drang. Die Röhre war von dünnem Kupferbleche zusammengelöthet, 3/8 Zoll im Lichten weit, und tief der Länge nach auf dem Grunde der Höhlung, über den Mündungen der Entwikelungsröhren hin. Ueber jedem derselben war eine Oeffnung von 1/60 Zoll Durchmesser in die Röhre gebohrt, wodurch das Einsprizungswasser in die Entwikelungsröhren geleitet wurde. An ihrem äußersten Ende ließ ich sie verschließen. Außerhalb der Sammlungsbehälter war die Einsprizröhre mit einer Platte versehen, wodurch sie vermittelst Schrauben an die Behälter angezogen wurde. An der Platte versah ich sie, der Dichtung wegen, mit einem kegelförmigen, kupfernen Ansaze, der beim Anschrauben in die, für den Durchgang bestimmte Oeffnung hineingezwängt wurde. Beide Einsprizungsröhren der Sammlungsbehälter vereinigten sich in ein gemeinschaftliches Rohr, was zur Speisungspumpe des Kessels führte.

Die Vereinigung beider Höhlungen der Sammlungsbehälter geschah durch die Röhrensäulen l und m, Fig. 2., zwischen denen ein Communicationsrohr n angebracht war. Auf das eine dieser Röhrensäulen war das Sicherheitsventil o gesezt, das für gewöhnlich mit |257| einem Gewichte von 600 Pfd. auf den Quadratzoll belastet wurde. Selbiges bestand aus einer Kugel mit einem dreiekigen Stiele, der in dem Canale der Röhrensäule arbeitete. Oben auf die Kugel war ein konisch sich zuspizender stählerner Zapfen geschraubt, worauf der Hebel mit einer kleinen Vertiefung drükte, um nicht abzugleiten. Das Hypomochlion des Hebels war vermittelst eines kleinen Zwischenhebels an die Röhrensäule eingelenkt, eine bekannte nüzliche Einrichtung, um den Druk des Hebels auf das Ventil immer vollkommen senkrecht zu erhalten. Die Einrichtung ist aus der Zeichnung Fig. 1. vollkommen deutlich.

Von einer der Röhrensäulen führte das Dampfrohr p, das ich Anfangs von Kupfer machen ließ, später aber, aus weiter unten angeführten Gründen, von geschmiedetem Eisen schweißen lassen mußte, zur Maschine.

Die Entwikelungsröhren hingen senkrecht von den Sammlungsbehältern herab und wurden, wie schon bemerkt, von unten in selbige eingeschraubt. Ihrer waren im Ganzen 16, d.h. 8 für jeden Behälter. Der innere Durchmesser derselben hielt 9/8 Zoll, ihre Länge betrug 3 Fuß, ihre Metallstärke 1/4 Zoll. Sie wurden von starken Eisenplatten zusammengeschweißt und unten ebenfalls durch Schweißen geschlossen, indem man einen kurzen Pfropfen in die untere Oeffnung stekte, und in der Schweißhize mit selbiger zusammenhämmerte. Ihr oberes Ende mußte wegen des nöthigen Ansazes und Gewindes durch einen starken Ring verstärkt werden. Dieser leztere wurde in einer Drehbank abgedreht. Beim Anschrauben drang der unter dem Gewinde befindliche Ansaz in eitle ringförmige Vertiefung der an den Sammlungsbehältern befindlichen Vorsprünge. Zur Dichtung wurde ein Ring von dünnem Kupferdrahte zwischen die Schlußflächen gelegt.

In Fig. 4., wo eins der Entwikelungsröhren im Aufrisse besonders, und in Fig. 5., wo es im perpendikulären Durchschnitte vorgestellt ist, sieht man bei a das unten zugeschweißte Ende des Rohres, bei b das Gewinde des oberen Endes, und bei c den unter dem Gewinde befindlichen Ansaz. In Fig. 6. sieht man genau die Verbindung zwischen einer der Röhren und einem der Vorsprünge der Sammlungsbehälter im Durchschnitte. Unter dem Ansaze c war die stärkere Partie des Rohres sechsekig gefeilt. Diese Maßregel wurde getroffen, um beim Anschrauben des Rohres hier einen Schraubenschlüssel ansezen zu können. Bei d liegt der kupferne Dichtungsring.

Vor der Anwendung der Entwikelungsröhren unterwarf ich jede einer Probe eines sehr starken Dampfdrukes, in dem ich die Prüfung durch eine hydraulische Presse, die im kalten Zustande der Röhren geschieht, für unzuverlässig halte. Ich füllte die Röhren nämlich zur |258| Hälfte mit Wasser, ließ in ihr oberes offenes Ende einen Pfropfen von hartem Holze mittelst eines großen schweren Hammers eintreiben und selbige mit ihrem unteren Ende schief geneigt in die Schmiedeesse legen und nun den Blasebalg wirken. Man sah dann zuerst Wasser aus dem Ende des hölzernen Pfropfens abtröpfeln, später Dampf an demselben hervordringen, worauf er dann bald mit fürchterlichem Knalle durch die andringenden starken Dämpfe aus dem Rohr herausgeschleudert wurde. Diejenigen Pfropfen, die in Hrn. Burton's Werkstätte gegen eine, 20 Fuß von der Esse entfernte Wand geschlossen wurden, erschienen zur Hälfte, und zwar an den Enden, womit sie gegen die Wand geschlagen waren, in ihre einzelnen Fasern aufgelöset, so daß sie den gewöhnlichen Rasierpinseln nicht unähnlich waren. Wenn man bedenkt, daß diejenige Oberfläche eines solchen Pfropfens, die dem Druke der Dämpfe dargeboten wurde, nur höchstens 1 □ Zoll betrug; daß ferner der Pfropfen mit der größten Gewalt in die Röhren eingetrieben wurde, und nun während der Erhizung des Wassers darin von den daraus entwikelten sehr heißen Dämpfen durchdrungen, aufquoll; wenn man die Heftigkeit des Knalles und der Erschütterung aller umstehenden Gegenstände in Erwägung zieht, wovon das Herausfahren des Pfropfens begleitet war, und die, nach dem Abschließen desselben, jedes Mal Statt findende Erscheinung gehörig würdigt, daß alle Röhren gleich nach diesem Dampfschusse am unteren Ende, da wo sie das Wasser enthielten, rothglühend befunden wurden; so läßt sich daraus der Schluß ziehen, daß die Gewalt, die den Pfropfen zu dem Röhrenende heraustrieb, eine außerordentliche, wenigstens eine solche gewesen sey, die der Kraft des Pulvers, was nach Prechtl und Hutton in dem Augenblike der Explosion mit einem Druke von 2000 Atmosphären auf einen Gewehrlauf wirken soll, wenn auch nicht überlegen, doch ihr wenigstens vollkommen gleich war. Ob solche Röhren für meinen Dampfdruk nicht völlig sicher genannt werden können, überlasse ich der Beurtheilung meiner Kunstfreunde, dem Laien aber rufe ich es ins Gedächtniß, wie wenig Flintenläufe doch im Ganzen springen, wenn sie sicher gebaut sind, und welche Kraft, nach Hutton's und Prechtl's Angaben, selbige bei jedem Schusse, und noch dazu momentan wirkend, gleichsam in einem Stoße, der die Gewalt der Explosion noch bedeutend erhöht, auszuhalten haben; und bitte ihn, meine Röhren gegen einen solchen Flintenlauf zu halten, indem ich ihm die Frage vorlege, ob hiernach, bei ihrer großen Metallstärke und ihrem kleinen Durchmesser, bei Anwendung eines Dampfdruks von 45 bis 50 Atmosphären an irgend eine mögliche Gefahr zu denken sey? –

Die Sammlungsbehälter ließ ich Anfangs von Messing gießen |259| und die Entwikelungsröhren von Kupfer zusammenlöthen. Der Guß der ersteren fiel aber so schlecht aus und das Löthen der Röhren war so erbärmlich beschikt worden, daß bei einer Prüfung des Entwikelers durch hydraulischen Druk alle Theile desselben schon Wasser in Strömen durchfließen ließen, als kaum das Wasser selbigen ganz anfüllte, und noch unter keinem anderen Druke, als dem seiner eigenen Schwere stand. Die Röhren waren von Hrn. Pontifex, dem ersten Kupferschmide Londons verfertigt worden, und die messingenen Sammlungsbehälter von einem der besten Gießer gegossen. Als ich meinen Herren Interessenten meine Verwunderung zu erkennen gab, daß das Gelbgießer- und Kupferschmidfach in England auf einer so geringen Stufe der Ausbildung stände, und versicherte, daß ich dergleichen Arbeiten in Rostock stets in der größten Vollkommenheit erhalten hätte, lächelte man mitleidig und gab mir nicht undeutlich zu verstehen, daß man diese, die deutschen Arbeiter begünstigende Behauptung nur für leere Prahlerei halte, indem jeder Engländer die Ueberzeugung habe, daß die Deutschen in technischer Hinsicht sich doch nie mit den Engländern messen würden. Wenn diese Behälter schlecht gegossen, und die Röhren undicht gelöthet wären, so läge darin ein Beweis, daß ich durch Bestellung derselben unauflösliche Aufgaben gemacht hätte, indem ich die möglichen Leistungen dieser Fächer nicht gekannt. Diesen Stolz meiner Interessenten demüthigte ich aber bald durch einige kupferne Röhren, die ich in Rostock von dem schon oft rühmlich genannten Kupferschmid, Daniel Steinhorst, verfertigen ließ, und die bei ihrer Ankunft in London wegen ihrer Vortrefflichkeit das höchste Erstaunen erregten. Der Hr. Messerschmid Weiß in London, ein Rostocker von Geburt, dem ich diesen Vorfall mittheilte, versicherte mich später, daß er ähnliche Verdrießlichkeiten mit den englischen Kupferschmiden gehabt habe, und daß er seine kupfernen Waaren jezt alle von einem in London wohnhaften deutschen Kupferschmide, Hrn. Eytel machen lassen müsse, um sie nach Wunsch zu erhalten. Dieser Hr. Eytel, in dessen Werkstätte ich fast lauter deutsche Arbeiter antraf, befriedigte mich später auch in jeder Hinsicht.

Obgleich die kupfernen Entwikelungsröhren des Hrn. Pontifex zu öfteren Malen nachgelöthet wurden, so waren sie doch sogleich immer wieder undicht und mußten sammt den kupfernen Dampfröhren endlich ganz verworfen werden. Dieser Umstand allein war es jedoch nicht, der mich bestimmte, statt der kupfernen Entwikelungsröhren eiserne zu nehmen. Es zeigte sich vielmehr bei der längeren Einsenkung der Pontifex'schen Röhren in die Metallmischung, daß das Zinn derselben sich in der Temperatur meines Apparates mit dem Kupfer der Röhren legirte. Diese Erscheinung überraschte mich um so mehr, da ich |260| bei meinem Probe-Apparate in Rostock dergleichen nie erfahren hatte. Auch jezt ist mir diese Erscheinung noch nicht ganz ins Licht getreten, da ich bis auf diesen Tag für Zinn noch immer ein kupfernes Schmelzgefäß anwende, in welchem das Zinn oft lange Zeit rothglühend erhalten wird, ohne daß das Kupfer im Mindesten dadurch leidet. Daß ich eiserne Röhren zu nehmen gezwungen wurde, war mir in so fern sehr unangenehm, als Eisen lange kein so guter Wärmeleiter als Kupfer ist; ich folglich erwarten mußte, daß eiserne Röhren mir nicht die Resultate kupferner geben würden, und so sich endlich ein Fehler in die Calculation der Dimensionen des Entwikelers, die nach denen des Rostocker Probe-Apparates berechnet waren, einschleichen könne. Wirklich fand sich nachher auch, daß die Resultate des Londoner Entwikelungs-Apparates im Verhältnisse seiner Größe nicht so auffallend waren, als die des Probe-Apparates.

Die eisernen Röhren wurden vom Zinne durchaus nicht angegriffen. Einen geringen Grad von Haftung des Zinnes am Eisen bemerkte ich ein Mal an einigen Röhren eines später von mir erbauten Apparates, die aus Versehen so überhizt wurden, daß sie Weißglühhize angenommen hatten.

Zur Metallmischung wählte ich endlich eine Mischung von einem Theil Zinn auf zwei Theilen Blei, eine Mischung, die schon unter der Temperatur schmilzt, die die Dämpfe in meinem Entwikeler annehmen. In meiner im XXVIII. Bande S. 368. gelieferten Darstellung der Grundzüge meines Dampfentwikelungs-Princips habe ich ausführlich die Gründe angegeben, die mich zur Wahl dieser Mischung bestimmten, und die durch den Erfolg vollkommen gerechtfertigt wurden.

Beide Metallgefäße zusammengenommen, enthielten gegen 3000 Pfund Metallmischung. Nach ihrer Füllung zeigte sich an dem einen derselben ein kleiner unbedeutender Lek, der für alle Folge indessen immer unbedeutend blieb, und nicht weiter beachtet wurde, indem wir das aufgefangene Metall von Neuem wieder in das Gefäß thaten. Das andere hat, während eines beinahe halbjährigen, täglichen Gebrauchs, stets vollkommen dicht gehalten. Die erste Füllung der Metallgefäße geschah so, daß wir die Metallmischung in Form von Stangen gossen, die, bei einem gelinden Feuer unter den Gefäßen, darin geschmolzen wurden. Das Schmelzen ging sehr rasch von Statten, als erst eine gewisse Quantität geschmolzenen Metalles vorhanden war. Nach Schmelzung alles Metalles und nach Aufschrauben und Aufdichten des Dekels der Metallgefäße wurden die Entwikeler sehr leicht in leztere eingesenkt, und mit Lehm und Kuhhaaren darauf dicht aufgesezt.

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Anmerkung. Ich habe es mir immer als sehr gefährlich vorgestellt, wenn einmal, durch einen Lek eines der Entwikelungsröhren, Wasser in die Metallmischung kommen sollte. Die Erfahrung hat mir aber bewiesen, daß ein solcher Vorfall von durchaus keinen beunruhigenden Erscheinungen begleitet sey. Das Metall fing in dem einen Falle der Art, den ich in London erlebte, nur sanft an zu wallen, ohne im Mindesten umher zu sprizen; und wir hätten dieses Wallen gar nicht bemerkt, wenn nicht etwas von der Metallmischung sich zwischen Metallgefäßen und Dekel nach Außen Luft gemacht hätte und übergeflossen wäre.

Der Ofen zu diesem Entwikelungs-Apparate war sehr einfach construirt. Da der größte Theil der Feuerberührungsfläche beider Metallgefäße senkrecht stehende Wände dem Zuge der Flamme und Hize in selbigem darbot, und deßhalb bei gewöhnlicher Construction des Ofens nicht Hize genug aufgenommen hätte; auch eine möglichst gleiche Vertheilung der Hize über die ganze Feuerberührungsfläche beider Metallgefäße nöthig war, um eine gleichzeitige Schmelzung aller Metallschichten zu bewirken, so war ich darauf bedacht, die Hize im Ofen möglichst zurükzuhalten, dadurch, daß ich dieselbe, nachdem ich sie an der vorderen Hälfte beider Metallgefäße aufsteigen ließ, an der hinteren wieder abwärts leitete, und erst unter dem Niveau des unteren Metallgefäßrandes in den Schornstein übergehen ließ. Zugleich führte ich bei meinem Ofen das von Hrn. Wagenmann in den Verhandlungen des preußischen Gewerbvereins (Jahrgang III. S. 106.) empfohlene Mittel, eine vollkommenere Verbrennung des Brennmateriales und des Rauches, vermittelst einer zwekmäßigen Concentration der Hize über dem Feuerherde durch eine Verengerung des Zuges über demselben zu bewirken, ein. Die äußeren Wände des Ofens faßte ich aber, der mehreren Festigkeit wegen, mit gußeisernen Platten ein, die demselben ein compendiöses und zugleich gefälliges Aeußere gaben, und dekte ihn mit einer gleichen Platte, in welcher für die Metallgefäße ein langlichter Schliz von der Länge und Breite des oberen erweiterten Theiles derselben gegossen war. Auf den Rändern dieses Schlizes ruhten die Metallgefäße mit ihren Kränzen.

In Fig. 1 und 7. sieht man bei D einen perpendikulären Längs- und in Fig. 2. einen perpendikulären Querdurchschnitt durch den vorderen Theil desselben. Alle einzelnen Theile sind hier nach dem beigefügten Maßstabe gezeichnet, und können in Hinsicht ihrer Größe daher leicht bestimmt werden, weßhalb ich von den einzelnen Maßen derselben schweige.

In den bezeichneten Figuren sieht man bei q den Feuerplaz, unter demselben den Aschenherd (r). Dieser ist durch die Thüre (s) |262| dicht verschlossen, und erhält seine Luft durch einen Luftcanal Fig. 2. t, der die äußere Wand des Ofens durchbohrt, und sich nach oben krümmt, wo seine äußere Oeffnung u mit einem gußeisernen breiten Rahmen eingefaßt ist. Auf dieser Oeffnung ist eine Luftklappe v angebracht, die aus einem an seiner unteren Fläche mit Wollenzeug beschlagenen Brette besteht, das an einer senkrechten Regulirstange w befestigt ist, die es zu lüften und niederzulassen bestimmt ist. Diese Regulirstange schiebt sich innerhalb des Canals in einer Nut x, damit das Brett gehörig senkrecht steige und falle, und so die zu verschließende Oeffnung immer genau treffe. Außerdem sind noch zwei andere Leitstangen y und z an die untere Fläche des Brettes befestigt, die ebenfalls in Rüken des Rahmen gleiten, und das Brett vor Drehungen sichern. Um dem Luftdruke beim Schlusse der Oeffnung durch das Brett einigen Widerstand zu leisten, und die Klappe troz desselben zum leichten Oeffnen geneigt zu machen, ist zwischen Brett und Nut der Regulirstange eine kleine Spiralfeder angebracht, deren Wirkung nur so gering seyn muß, daß sie den Druk der Luft auf das Brett während seines Schlusses genau balancirt.

Die Regulirstange der Klappe ist bei (1) mit einem Apparate versehen, wodurch sie beliebig verlängert oder verkürzt werden kann, und über dessen Einrichtung die Zeichnung genügend Auskunft gibt. Ihr oberes Ende ist an dem kleinen Wagebalken des Hizeregulators eingehängt, von dessen Construction weiter unten geredet werden soll.

Die mit der Thür verschlossene Oeffnung des Aschenherdes diente zur Herausnahme der Asche aus demselben. Während der Arbeit des Entwikelers wurde jene Thüre immer möglichst luftdicht verschlossen gehalten, und ihre Fugen gewöhnlich noch mit Lehm verschmiert,117) damit keine andere Luft in den Aschenherd, als durch den mit der Luftklappe versehenen Luftcanal dringen konnte.

Der Feuerplaz (q) war gewölbt und bei 2 mit einer länglicht vierekigen verengerten Scheitelöffnung versehen, in welcher die vom Brennmateriale aufsteigende Hize concentrirt wurde, und der Rauch verbrennen sollte. Auf demselben wurden in 12 Stunden 5 bis 6 Bushel |263| Steinkohlen verbrannt. Die Heizthüre (3) desselben schloß sehr genau, damit von dieser Seite keine kalte unzersezte Luft in den Ofen dringen konnte. Die Rostfläche hielt ungefähr 3 □ Fuß Oberfläche und die verengerte Oeffnung im Gewölbe des Feuerherdes, der Durchschnittsfläche nach, ungefähr 1/5 jenes Flächenraumes.

In dem Heizungsraume (4) hingen die Metallgefäße. Er war nur 4 Zoll länger, als die Metallgefäße. Der Raum zwischen beiden Metallgefäßen war noch ein Mal so breit gelassen, als diejenigen Räume zwischen den äußeren Seiten derselben und den Ofenwänden, und zwar aus dem Grunde, um zwischen beiden Gefäßen der Flamme und Hize, die hier zwei Flächen bestreichen sollte, mehr Spielraum zu geben. In der Mitte des Heizungsraumes war eine senkrechte Scheidewand aufgeführt, die ihn vollkommen in zwei Hälften theilte, in deren vorderen die Hize aufwärts stieg, während sie in dem hinteren abwärts zu gehen genöthigt wurde, um in den Schornstein zu gelangen. Um der Hize einen Weg von der vorderen in die hintere Hälfte zu eröffnen, hatte ich die senkrechte Scheidewand nur bis auf eine Entfernung von 5 bis 6 Zollen von der oberen Ofendeke in die Höhe mauern lassen. Die Scheidewand war sowohl zwischen beiden Ofenwänden und Metallgefäßen, als zwischen beiden lezteren selbst, aufgeführt. In Fig. 7. habe ich eine Zeichnung des Heizungsraumes in verkleinertem Maßstabe geliefert; a ist darin eines der Metallgefäße, b die Scheidewand in demselben mit der oben übrig bleibenden Oeffnung c. In Fig. 2. ist er im perpendikulären Querdurchschnitte vorgestellt. Man sieht daselbst alle drei verschiedenen und durch den Ofen und die Metallgefäße geschiedenen Abtheilungen. Die dunkel gezeichneten Stellen bezeichnen die drei oberen, von der vorderen Hälfte des Heizungsraumes in die hinteren führenden Oeffnungen.

In der hinteren Hälfte des Heizungsraumes wurde die Hize in dem absteigenden Zuge (Fig. 7., d) noch bis unter den unteren Rand der Metallgefäße herabgeführt, ehe sie bei (e) in den Schornstein überging. Ich wollte sie hierdurch nöthigen, sich auch noch an den untersten Theil der Metallgefäße gehörig abzusezen, und diesen Zwek habe ich durch diese Einrichtung vollkommen erreicht, indem das Metall der Metallgefäße beim Anheizen in beiden Hälften des Heizungsraumes fast immer zu gleicher Zeit geschmolzen ist. Die Durchschnittsfläche des Fuchses e hatte ich der Summe der Durchschnittsflächen aller Zwischenräume zwischen den Roststäben, die 1/2 Zoll von einander entfernt lagen, gleich gemacht, ein Verhältniß, was immer erwünschte Resultate liefert.

Was den Hizregulator betraf, so wollte ich ihn nach dem mir in Rostock geglükten Principe des Luftthermometers einrichten, war aber |264| nicht so glüklich ihn zu Stande zu bringen, indem Hr. Burton nicht vermögend war, mir selbigen vollkommen luftdicht in allen seinen Verbindungen zu schaffen. Ich habe ihn Fig. 8. in seiner Verbindung mit dem Balancier und dessen Regulirstange für die Luftklappe des Ofens, und zwar im perpendikulären Durchschnitte vorgestellt. Er war oben auf den Ofen gestellt und bestand aus zwei geschmiedet eisernen Luftröhren, wovon in jedem Metallgefäße, und zwar zwischen zwei Entwikelungsröhren eine lag. In Fig. 1. sieht man sie bei s punktirt angegeben. Aus dem oberen Ende derselben führten zwei Röhren, die sich in eins vereinigten, und so in den Queksilberbehälter (Fig. 8., a) übergingen. Dieser Fig. 8. a bestand aus Gußeisen und war mit einem aufrechtstehenden, an beiden Enden offenen Rohre b von geschmiedetem Eisen, das 1 Zoll inneren Durchmesser hielt, versehen; welches durch den oberen Dekel des Behälters luftdicht drang, und bei c am Boden desselben sich mündete. Der Queksilberbehälter wurde mit Queksilber gefüllt, so daß das Rohr b in lezterem bis auf 2 1/2 Zoll untertauchte. Auf dem Dekel des Queksilberbehälters war noch ein kleiner Hahn a angebracht, wodurch man Luft in denselben und den ganzen Apparat lassen konnte. Die Luft der Luftröhren, durch die Hize der Metallmischung ausgedehnt, sollte auf das Queksilber des Queksilberbehälters drüken, und selbiges in dem senkrechten Rohre b zum Steigen bringen. Auf dem Queksilberspiegel dieses Rohres hatte ich einen hohlen eisernen Schwimmer e angebracht, der durch eine kleine Stange f mit dem Balancier g in Verbindung stand, dessen entgegengeseztes Ende durch die Regulirstange (h) der Luftklappe auf diese wirkte. Das Gegengewicht (i) war bestimmt die Schwere der Luftklappe und ihrer Regulirstange zu balanciren, damit der Schwimmer bei seinem kleinen Gewichte gehörig darauf einzuwirken in Stand gesezt würde. Bei den Versuchen mit diesem Apparate stieg das Queksilber bis zum Schmelzpunkte der Metallmischung nur um einige Zolle und fiel dann wieder. Als wir den Apparat nachgedichtet hatten, stieg es zwar bis auf 24 Zoll, fiel aber nach und nach wieder, ein Beweis, daß Luft aus demselben getreten war. Nach öfterem vergeblichen Nachdichten verzichteten wir endlich ganz auf die vollkommene Instandsezung dieses doch einmal verpfuschten Apparates, und begnügten uns damit, bei den öffentlichen Versuchen, worauf meine Interessenten so sehr drangen, um das durch ihre Prahlereien aufgeregte Publicum zu befriedigen, durch genaue Beachtung des Feuers diesen Apparat zu ersezen. Ueber den Zustand der Metallmischung suchten wir uns durch einen Draht Auskunft zu verschaffen, den wir in der Art gebrauchten, wie ich es bei der Beschreibung meines ersten Rostocker Probe-Apparates angegeben habe.

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Mein Ofen, obgleich nur mit einem 25 Fuß hohen Schornsteine versehen, hatte einen so vortrefflichen Zug, und seine Wirkung in Hinsicht einer zwekmäßigen Brennmaterialverwendung war so vollkommen, daß er beim Anheizen die 3000 Pfd. Metallmischung in Zeit von 3/4 Stunden mit 1/2 Bushel Steinkohlen schmolz. Sein Feuer brannte immer mit weißer Flamme und der Schornstein ließ nur beim jedesmaligen Schüren etwas Rauch fahren. Die Hize auf dem Feuerherde war so groß, daß Gußeisen darauf in kurzer Zeit schmolz, und dessen ungeachtet habe ich nie eine Abnahme an Substanz an der über denselben gelegenen Partie der Metallgefäße wahrnehmen können. Beim Abschlusse der Luftklappe erschien das Feuer in dem Maße gedämpft, daß seine Hize nur eben hinreichte, um die Metallmischung in Fluß zu erhalten. Der Ofen genügte also vollkommen allen Forderungen, die mein Entwikelungs-Apparat bei seiner eigenthümlichen Einrichtung an ihn machte. Warfen wir am Abende den Rost voll Kohlen und schlossen die Luftklappe, so wurde die Metallmischung häufig noch bis um 1–2 Uhr Morgens im flüssigen Zustande erhalten.

Ueberhaupt konnte ich mit den Resultaten des ganzen Probe-Apparates zufrieden seyn. Auch waren es meine Interessenten Anfangs in einem hohen Grade, so daß ihre Freude darüber oft leider nur zu sehr ausschweifte, und das Prahlen über seine Leistungen in die größte Uebertreibung ausartete. Der erste Versuch mit diesem Erzeuger war gleichsam ein Triumph für mich. Man brachte mir ein allgemeines Hurrah; alle Zeitungen waren voll seines und meines Lobes; kurz ich hätte selbst am Ende vor Freude den Kopf verloren, wenn nicht mit dem Gelingen auch der Neid und die Kabale erwacht wären, um mir die Freude tausendfach zu vergällen, und nicht mein Unstern an dem zweiten Erzeuger dieser Art alle meine Hoffnungen und kühnen Plane wieder vernichtet hätte.

Bevor ich zu diesen Calamitäten übergehe, will ich noch die verschiedenen Resultate des Apparates und seiner einzelnen Theile näher zusammenfassen, und ihn nach jenen Aufgaben prüfen, die ich mir über die zwekmäßigste Construction desselben gemacht, und deren Verzeichniß ich oben geliefert habe. Ich bitte, hier alles das sich in's Gedächtniß zurükzurufen, was ich in der Darstellung der Grundzüge meines Dampfentwikelungs-Principes über jene Forderungen, denen ein Entwikeler nach meinem Principe entsprechen müsse, ausschließlich gesagt habe.

Was die Form der Metallgefäße betrifft, so ist an denselben zwar der Umstand zu tadeln, daß der größte Theil ihrer Feuerberührungsfläche aus senkrecht stehenden Wänden besteht, von denen es allerdings bekannt ist, daß sie die daran vorüberstreichende Hize nicht |266| so vollkommen aufnehmen, als horizontal über der Flamme gestellte; indessen habe ich diesem Uebelstande, wie ich Band XIX. Seite 495. gezeigt, durch eine angemessene Construction des Ofens so gut als möglich zu begegnen gesucht. Uebrigens hatte ich aber auch beim Bau derselben die Erfahrung für mich, indem mein kleiner Rostocker Probe-Apparat, dem größten Theile seines Metallgefäßes nach, ebenfalls die Hize mit senkrechten Wanden aufnahm und dennoch so vortreffliche Resultate lieferte. Wenn lezterer mit 1 Pfd. Steinkohlen 150 Pfd. Metallmischung schmolz, so blieb der Londoner Apparat aber auch nicht bedeutend gegen ihn zurük, da er 3000 Pfd. einer solchen Mischung mit 1/2 Bushel in Fluß brachte. Das Minus in der Wirkung bin ich mehr geneigt der schlechteren Wärmeleitungsfähigkeit der diken gußeisernen Wände seiner Metallgefäße zuzuschreiben, als der Form derselben.

Uebrigens möchte ich aber auch wissen, auf welche Weise jemand so viel horizontaler Feuerberührungsfläche in einem Ofen, und zwar in dem nämlichen Raume, zusammenbringen wollte, als ich der senkrechten in meinem Ofen aufgestellt habe. Viele flache horizontal liegende Metallgefäße zu errichten, ist, aus einem doppelten Gesichtspunkte betrachtet, nicht zwekmäßig, denn:

  • 1) Die Dekel dieser Gefäße hatten bei dem Striche der Hize darüber wenig Hize aufgenommen, da die Hize auf horizontale Ebenen, von oben herunter applicirt, wenig leistet. Auch würde eine gehörige Erhizung derselben in so fern nichts genüzt haben, als diese Dekel von der Metallmischung doch nicht hätten berührt werden können.
  • 2) Wäre eine gleichmäßige Erhizung einer größeren Anzahl solcher Flächen nicht gut möglich gewesen, indem eine gleiche Vertheilung der vom Roste aufsteigenden Flamme darauf unfehlbar große Schwierigkeiten gehabt hätte.

Wenn ein anonymer Beurtheiler meines Entwikelungs-Apparates im Repository of Patent Inventions, Febr. 1826, S. 140., die senkrechte Stellung meiner Metallgefäße ganz besonders rügte, und glaubend zu machen schien, ich habe auf eine horizontale Lage derselben aus Unkunde nicht Gewicht genug gelegt, so ist er sehr im Irrthum gewesen, da ich ihm aus den vor meiner Reise nach London gesandten Planen und Zeichnungen den Beweis führen könnte, daß ich mehrere Formen der Metallgefäße nach seinem Geschmake und die dazu zu empfehlenden Oefen angegeben habe. Daß ich von diesen beim wirklichen Bau keine Notiz nahm, geschah nicht aus Unkunde, sondern aus der wahren Ueberzeugung, daß ich nach Maßgabe des Raumes mit senkrecht |267| stehenden Metallgefäßen, vorzüglich bei einer zwekmäßig darnach modificirten Ofenanlage, weiter reichen würde, als bei den horizontal liegenden. Wenn ich später mich mehr zu horizontalen Gefäßen hinneigte, so geschah das aus anderen unten zu berührenden wichtigen Ursachen, woran jener Hr. Anonymus nicht gedacht hat. Die Zeit wird aber auch lehren, daß diese meine später zu empfehlenden Gefäße nur ihrer Lage im Ofen nach horizontal genannt werden können, deßwegen aber dennoch die Hize mit meist senkrecht stehenden Flächen aufnehmen.

Daß meine Metallgefäße im Verhältniß ihrer Feuerberührungsfläche aber wirklich sehr wenig Raum einnehmen, dürfte wohl keiner bezweifeln, wenn er bedenkt, daß an denselben eine Feuerberührungsfläche von 60 □ Fuß in einen Raum von 4 Fuß Länge, 1 Fuß Breite und 3 1/2 Fuß Höhe gebannt erscheint. Zugleich glaube ich nicht, daß eine Form so leicht zu finden seyn mochte, die bei einer solchen Ausdehnung der Feuerberührungsfläche zugleich so wenig Oberfläche der atmosphärischen Luft oder irgend einen anderen Körper der Wärme abzuleiten im Stande ist, darböte; ferner so wenig Metallmischung faßte, und diese in so zwekmäßige Berührung mit den geheizten Flächen brächte, daß sie allenthalben in verhältnißmäßig dünnen und völlig gleich diken Schichten, die an jeder Stelle von beiden Seiten zugleich geheizt werden, an selbigen anliegt; die endlich den Spiegel der Metallmischung, also diejenige Fläche derselben, die möglicher Weise der atmosphärischen Luft dargeboten, und so durch Oxydation einen Verlust an Metallmischung herbeiziehen könnte, auf eine so kleine Fläche als möglich zu beschränken vermochte. Um alle diese Aufgaben zugleich zu lösen, durfte ich nicht einseitigen Ansichten folgen, und zu vieles Gewicht darauf legen. Wie oft habe ich es später bereuet, daß ich diese Form der Metallgefäße nicht beibehalten konnte. Die später zu beschreibende neueste Form derselben genügt lange in dem Maße nicht allen jenen Forderungen, und man kann sich denken, wie überwiegend die Ursachen gewesen seyn müssen, die mich davon abbrachten. Zu bedauern ist es nur, daß man mir in England so wenig Zeit ließ, auf dem Wege wissenschaftlicher, ruhiger Versuche diese Ursachen in ein helleres Licht zu stellen. Ich sollte nur immer die Wirkung meines Apparates öffentlich zeigen, und die Schaulustigkeit des von allen Seiten durch Prahlereien aufgeregten Publicums befriedigen, damit meine Interessenten den goldenen Boden meiner Erfindung bald ergründeten; und da blieb mir nichts übrig, als gefundene Mängel nothdürftig unschädlich zu machen, Fehler auszufliken, nicht wahrhaft radikal zu verbessern. Sie wollen immer experimentiren, erhielt ich auf meine Anträge zu einem mehr wissenschaftlichen |268| Betriebe der Vervollkommnung meiner Erfindung zur Antwort und wir wollen verdienen. Nur vorwärts, hieß es immer, und dabei nahm man so wenige Rüksichten auf die Ehre der Erfindung, daß man mich von Menschen aus allen Classen in Augenbliken überrennen ließ, wo ich gerade mit der Abhülfe von Mängeln beschäftigt war, welche Menschen also die Maschine in den ungünstigsten Augenbliken sahen und deßhalb auch mit den ungünstigsten Eindrüken dieselbe wieder verließen. Ich war bei meinen Versuchen in einer steten Klemme, in einer Unglüklichen Spannung meiner intellectuellen Kräfte, in einer Aufgeregtheit unangenehmer Gefühle, die meinen Eifer und meinen Muth eben so lähmten, als sie meinen Erfindungsgeist gefangen hielten und unterdrükten. Anfangs, als ich Ersparungen beim Bau machen wollte, antwortete man mir daß auf Kosten gar nicht gesehen würde, und später plagte man mich oft auf die allerunzarteste Weise mit Vorwürfen, daß der Apparat und seine Verbesserung so viel Geld koste. Doch genug davon.

Daß die ersten Metallgefäße die ganze Zeit ihres Gebrauches über nie diejenigen Mängel bliken ließen, die ich bei den späteren Apparaten der Art fand, ist mir immer ein Räthsel geblieben, wenn es mir gleich nicht an Erklärungsgründen der an lezteren erlebten Unglüksfälle, so wie an Mitteln zu helfen fehlt. Ich werde später hierauf noch wieder zurükkommen.

Eine Vergrößerung des Apparates war nach meiner früheren, vor dem mit dem zweiten größeren Apparate gehabten Unglüke gefaßten Meinung auf mehrerlei Weise leicht zu bewerkstelligen. Man konnte entweder die Metallgefäße in Hinsicht ihrer Länge und Höhe größer bauen, oder mehrere derselben neben einander in den Ofen stellen, in beiden Fällen konnte die Haupteinrichtung des Ofens dieselbe bleiben, nur daß die Verhältnisse seiner verschiedenen Theile darnach modificirt wurden. Die Folge wird lehren, daß leztere Art der Vergrößerung des Apparates vielleicht, aber auch nur vielleicht, die zwekmäßigste gewesen wäre. Mein Unstern und andere Localumstände ließen mich indessen den anderen Weg nehmen, auf dem ich nun endlich noch erfahren mußte, daß ich die Erhaltung der ersten Metallgefäße eigentlich wohl mehr dem Glüke, als einer zwekmäßigen Construction zu danken hatte.

(Die Fortsezung folgt.)

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Polytechnisches Journal Bd. XXVIII. S. 81 und 237.

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Mit demselben sandte ich zu gleicher Zeit noch Beschreibungen und Zeichnungen mehrerer anderer meiner Erfindungen, unter welchen sich auch die in (Bd. XXVII. S. 350. in diesem Journale berührte Dampfpumpe befand, nach England, um mein Glük mit ihnen zu versuchen.

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Und diese war eine der größeren und besseren Werkstätten Londons. Man denke sich ein Haus mit völlig durchlöchertem Dache, zerschlagenen Fenstern, ohne Fußboden, voll Schutt und Schmuz, nur halb schließenden Thüren, mit rumplichten alten Schraubstöken, irregulär arbeitenden Drehbänken, und diese durch eine höchst verkümmerte alte Dampfmaschine getrieben, so wird man einen Begriff von Mr. Burtons shop erhalten. Weder Vorrath an guten Feilen, noch Hefte dazu. Wurde eine andere Feile gebraucht, so schlug man von der wegzulegenden zuerst das Heft ab, um die folgende damit zu versehen. Nirgends Werkbretter und Kasten, um die gebrauchten Instrumente zu verwahren. Sollte ein Gewinde geschnitten werden, so wurden erst die Schraubenbohrer dazu gemacht, u.s.w. Einmal fehlte der Support einer großen Drehbank. Er wurde in dem Schutt der Werkstätte begraben gefunden. Dieser Schutt war überhaupt der Aufbewahrungsplaz vieler Werkzeuge. Ich rede hier die lautere Wahrheit. Wer da nicht glauben will, der gehe hin, und überzeuge sich.

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Ich kann nicht unterlassen, hier anzuführen, daß ich beim Aufbau meines Ofens mit den englischen Maurern in Streit gerieth, als ich denselben mit Lehm, sie aber mit Kalk aufgeführt haben wollten. Sie behaupteten nämlich, daß man alle Dampfmaschinenöfen in England mit Kalk aufführe, und wirklich habe ich dieß später auch bemerkt. Meine Herren, die in Streitsachen zwischen mir und englischen Arbeitern immer auf die Seite der lezteren traten, beschuldigten mich auch hier eines Fehlgriffes. Um ihnen den Beweis recht in die Hände zu geben, ließ ich den Maurern und ihnen ihren Willen und hatte die Genugthuung, unseren Ofen nach einem kaum vierwöchentlichen Gebrauche in sich selbst zusammenstürzen zu sehen. Als ich ihn darauf mit Lehm aufführen ließ, stand er lange Zeit vollkommen gut, ohne daß auch nur ein Stein darin sich gelöset hätte. War die Ursache dieses Verfahrens der Maurer Unwissenheit oder Kabale? –

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