Titel: Ure, über Schießpulver und Knallpulver.
Autor: Ure, Andrew
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. LXXVIII. (S. 269–287)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/ar039078

LXXVIII. Ueber Schießpulver und Knallpulver. Von Dr. Andrew Ure.118)

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. December 1830. S. 353. und Januar 1831. S. 381.

Das Schießpulver ist eine mechanische Verbindung von Salpeter, Schwefel und Kohle; die Stärke seiner Explosion hängt von der Reinheit seiner Bestandtheile, dem Verhältniß worin sie gemischt sind und ihrer möglichst gleichförmigen Mischung ab.

1) Ueber den Salpeter.

Salpeter kann durch Auflösen in Wasser und Krystallisiren leicht von den Unreinigkeiten und fremden Salzen, welche er gewöhnlich enthält, gereinigt werden. Eine gesättigte siedendheiße Auflösung von Salpeter in Wasser hat eine Temperatur von 340° Fahr. (137° R.) und enthält nach meinen Versuchen drei Gewichtstheile Salz auf Einen Wasser, nicht fünf Theile von ersterem auf Einen von lezterem, wie die HHrn. Bottée und Riffault in ihrem Traité de l'Art de fabriquer la poudre à canon S. 78. angeben. Wenn man aber wie gewöhnlich sagt, daß drei Theile Salpeter in Einem Theile siedenden Wassers auflöslich sind, so ist dieß unrichtig, da die Flüssigkeit eine viel höhere Temperatur und größere Auflösungskraft hat, als obiger Ausdruk sagen will.

Wasser löst bei 60° Fahr. (12,4° R.) nur ein Viertel seines Gewichts Salpeter auf; oder genauer, diese gesättigte Auflösung enthält 20 Prozent Salz. Ihr specif. Gewicht ist 1,1415; 100 Raumtheile dieser beiden Substanzen sind nun auf 97,91 Theile reducirt. Aus diesen Datis können wir schließen, daß es beim Raffiniren von rohem Salpeter nicht vortheilhaft wäre, eine siedendheiße gesättigte Auflösung zu machen, da beim Abkühlen das Ganze zu einer feuchten Salzmasse erstarren würde, dem Gewichte nach bestehend aus 2 3/4 Theilen Salz gemischt mit Einem Theile Wasser, welches 1/4 Salz in Auflösung enthält, und dem Raume nach aus 1 7/8 Salz mit ungefähr 1 Flüssigkeit; denn das specif. Gewicht des Salpeters ist 2,005 oder sehr nahe das Doppelte von Wasser. Es ist daher besser, zur siedendheißen Auflösung gleiche Gewichtstheile Salpeter und Wasser anzuwenden. Wenn man die filtrirte Flüssigkeit langsam abkühlen läßt, so scheiden sich etwas weniger als drei Viertel Salpeter in regelmäßigen Krystallen ab, während die fremden Salze mit wenigstens einem |270| Viertel Salpeter in der Mutterlauge zurükbleiben. Löst man die Krystalle durch Erhizen wieder in ungefähr zwei Drittel ihres Gewichtes Wasser auf, so erhält man eine Flüssigkeit, aus welcher sich beim Erkalten krystallinischer, zu jedem Zweke geeigneter Salpeter absezt.

Da die hauptsächlichste Verunreinigung des Salpeters das salzsaure Natron ist, eine Substanz, welche in heißem Wasser nur um weniges auflöslicher ist als in kaltem,119) so gibt dieß ein schleuniges Verfahren an die Hand, dieses Salz von dem Salpeter bei Mutterlaugen, welche sie in fast gleichen Verhältnissen enthalten, abzuscheiden. Man lege ein eisernes, mit kleinen Löchern durchbohrtes Bassin auf den Boden des Kessels, worin man die Auflösung concentrirt; das salzsaure Natron scheidet sich durch Verdunstung des Wassers ab, füllt das Bassin und kann von Zeit zu Zeit entfernt werden. Wenn sich kleine Salpeternadeln zeigen, muß man die Auflösung in das Krystallisationsgefäß überziehen, worin man ziemlich reinen Salpeter erhält, welchen man durch eine andere ähnliche Operation raffinirt.

In der Pulverfabrik von Waltham-Abbey macht man den Salpeter durch öfteres Auflösen und Krystallisiren so rein, daß er in einer Silberauflösung kaum eine Opalisirung hervorbringt. Diese Krystalle troknet man, schmilzt sie in einem eisernen Typs bei einer Temperatur von 500 bis 600° Fahr. (208 bis 253° R.) und gießt sie in Formen: die Kuchen bewahrt man in Fässern auf.

In den Jahren 1794 und 1795 ermittelte eine Commission französischer Chemiker ein schleuniges und ökonomisches Verfahren den Salpeter zu reinigen, welches ein hinreichend reines Product gab. Ich muß bemerken, daß der rohe Salpeter, wie man ihn für die Pulverfabriken in Frankreich kauft, gewöhnlich viel unreiner ist als derjenige, welchen man in England von Indien einführt; man zieht ihn aus dem Mörtelschutte alter Gebäude aus. Nach dem früher üblichen Verfahren konnten die Franzosen ihren Salpeter nicht in weniger als acht oder zehn Tagen reinigen, und man erhielt dabei das Salz in großen Klumpen, welche sehr schwer zu troknen und zu zertheilen waren; während das neue Verfahren so leicht ausführbar und schleunig war, daß in weniger als vier und zwanzig Stunden der rohe Salpeter ganz gereinigt, vollkommen getroknet und in so fein zertheilten: Zustande erhalten wurde, daß man die Operationen des Mahlens und Siedens ganz ersparte und daher beträchtlichen Verlust vermied.

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Ich gebe hier eine kurze Beschreibung dieser Methode, mit gewissen Verbesserungen, wie sie jezt in der Fabrik der Administration des poudres et salpêtres in Frankreich befolgt wird.

Der Läuterungskessel wird über Nacht mit 600 Kilogramm Wasser und 1200 Kilogramm Salpeter, wie ihn die Salpêtriers liefern, beschikt. Man erhizt den Kessel nicht stärker als gerade nöthig ist um diese erste Salpeterbeschikung aufzulösen. Ich muß hier bemerken, daß dieser Salpeter mehrere zerfließliche Salze enthält und daher viel auflöslicher ist, als reiner Salpeter. Den nächsten Morgen verstärkt man das Feuer und beschikt den Kessel in verschiedenen Zeiträumen mit neuen Quantitäten Salpeter, die das Ganze sich auf 3000 Kilogrammen beläuft. Während man Salpeter zusezt, muß man die Flüssigkeit sehr fleißig umrühren und den aufsteigenden Schaum abschäumen. Wenn sie einige Zeit im Sieden war und man annehmen darf, daß sich die salpetersauren Salze aufgelöst haben, entfernt man das salzsaure Natron vom Boden des Kessels und sprizt kaltes Wasser in das Gefäß, um die Fällung jener Theile, welche das Aufwallen schwebend erhalten haben mag, zu beschleunigen. Wenn man findet, daß sich nichts mehr niederschlägt, löst man Ein Kilogramm vom besten Leim in einer hinreichenden Menge heißen Wassers auf und schüttet ihn in den Kessel; man arbeitet sodann die Mischung ganz durch einander, indem man den Schaum beseitigt und dabei öfters kaltes Wasser einsprizt, bis noch 400 Kilogrammen, also im Ganzen 1000 Kilogrammen zugesezt worden sind. Wenn die zu raffinirende Flüssigkeit keinen Schaum mehr gibt und vollkommen klar geworden ist, muß alle Manipulation aufhören. Man entfernt sodann das Feuer und läßt bloß noch etwas Gluth unter dem Kessel, so daß die Temperatur bis zum nächsten Morgen auf ungefähr 88° C. (70,5° R.) erhalten wird.

Diese Flüssigkeit wird nun mittelst Handkübel in die Krystallisirgefäße übertragen, wobei man sie möglichst wenig zu bewegen und die Unreinigkeiten auf dem Boden unberührt zu lassen suchen muß. Den Inhalt der langen Krystallisirgefäße rührt man nun mit hölzernen Schaufeln rükwärts und vorwärts, um das Abkühlen und folglich die Fällung von Salpeter in kleinen Krystallen zu beschleunigen, welchen man sobald er niederfällt, an das obere Ende des doppelt geneigten Bodens des Krystallisationsgefäßes schiebt; von da aus wird er in die Waschgefäße gebracht. Da die Flüssigkeit beständig bewegt wird, so können sich keine großen Salpeterkrystalle bilden. Wenn die Temperatur der Flüssigkeit nur noch 7 oder 8° F. mehr als die des Zimmers beträgt, das heißt, nach sieben oder acht Stunden, hat man allen Salpeter, welchen sie gibt, erhalten. Da das Krystallisationsgefäß |272| einen doppelt geneigten Boden hat, so sammelt sich die Flüssigkeit in der Mitte des Bauches und kann leicht herausgeschafft werden.

Man bringt den Salpeter aus dem Krystallisationsgefäße in die Waschkufen und häuft ihn darin auf, so daß er ungefähr sechs oder sieben Zoll über ihren oberen Rand hinauf steht, um den Abgang beim Waschproceß auszugleichen. Wenn jede dieser Kufen so gefüllt ist und ihre Bodenlöcher mit Pfropfen verstopft worden sind, besprengt man das Salz mit dem Sprauß einer Gießkanne öfters mit einer gesättigten Salpeterauflösung und auch mit reinem Wasser, bis die Flüssigkeit, wenn man sie ablaufen läßt, sich durch die Salpeterwage (nydrometer) als eine gesättigte Auflösung zu erkennen gibt. Das Wasser von jeder Besprizung sollte zwei oder drei Stunden lang auf dem Salze bleiben, worauf man es unten durch die Pfropflöcher ungefähr eine Stunde lang ablaufen läßt.

Die vom ersten und zweiten Wässern abgelaufene Flüssigkeit sezt man bei Seite, da sie eine beträchtliche Menge von den fremden Salzen des Salpeters enthält, um sie in der Folge mit den Mutterlaugen abzudampfen. Die lezten Portionen bewahrt man auf, weil sie fast nichts als Salpeter enthalten und daher neuerdings zum Auswaschen von unreinem Salpeter verwandt werden können. Die Erfahrung hat gelehrt, daß man zum Auswaschen nie mehr Wasser als sechs und dreißig Besprizungen im Ganzen verwenden muß, nämlich drei Wässerungen, wovon die beiden ersten aus funfzehn und die lezte aus sechs Kannen bestehen, oder mit anderen Worten funfzehn Besprizungen mit gesättigter Salpeterauflösung und ein und zwanzig mit reinem Wasser.

Der Salpeter bleibt fünf oder sechs Tage in den Waschkufen und wird dann in die Trokenreservoirs gebracht, welche durch den Schornstein des nächsten Kessels erhizt werden; hier wird er von Zeit zu Zeit mit hölzernen Schaufeln umgerührt, theils damit er sich nicht an den Boden anhängt oder in Klumpen verwandelt, theils um den Troknungsproceß zu beschleunigen. Im Verlauf von ungefähr vier Stunden wird er ganz troken, wo er sodann nicht mehr an der Schaufel hängen bleibt, sondern vollkommen pulverförmig und weiß ist. Man schlägt ihn nun durch ein messingenes Sieb, um alle Klümpchen und fremdartige Theile, welche etwa darin enthalten seyn könnten, abzusondern und verpakt ihn sodann in Fässer oder Säke. Selbst an den kürzesten Wintertagen kann man die Trokenpfanne zwei Mal beschiken und so 700 oder 800 Kilogrammen troknen. Durch dieses Verfahren erhält man aus 3000 Kilogrammen rohem Salpeter 1750 |273| bis 1800 Kilogrammen sehr reinen zur Pulverfabrikation unmittelbar anwendbaren Salpeter.

Die Mutterlaugen müssen vor Allem concentrirt werden, aber ich brauche in dieser Abhandlung mich auf ihre Behandlung nicht einzulassen.

Zur Zeit der französischen Revolution müssen diejenigen, welche diesen Proceß leiteten, ihn bedeutend abgekürzt und sich mit einem nur kurze Zeit dauernden Ablaufen des gewasserten Salpeters begnügt haben.

2. Ueber den Schwefel.

Der Schwefel, welchen man für die Schwefelsäurefabriken von den vulkanischen Gegenden Siciliens und Italiens in England einführt, ist viel reiner als derjenige, welchen man durch künstliches Erhizen von Schwefelkies etc. erhält, und kann daher durch einfache Operationen zur Pulverfabrikation vollkommen tauglich gemacht werden. Da ich hier nicht die Absicht habe dasjenige zu wiederholen was man in den Handbüchern der Chemie findet, so kann ich nichts über die Sublimation des Schwefels sagen, ein Proceß, welcher überdieß für den Pulverfabrikanten viel zu wenig ergiebig ist.

Der Schwefel kann von dem Pulverfabrikanten selbst sehr leicht untersucht werden; denn ich finde, daß er sich bei 316° F. (126° R.) in ein Zehntel seines Gewichts siedenden Terpenthinöhls auflöst und eine Auflösung bildet, welche bei 180° F. (66° R.) klar bleibt. Wenn sie sich auf die Temperatur der Atmosphäre abkühlt, bilden sich schöne krystallinische Nadeln, welche man mit kaltem Weingeist und selbst mit lauwarmem Wasser hinreichend auswaschen kann. Die gewöhnlichen Unreinigkeiten des Schwefels, nämlich kohlensaurer und schwefelsaurer Zink, Eisenoxyd und Schwefeleisen, Schwefelarsenik und Kieselerde, löst das flüchtige Oehl nicht auf und man kann sie dann einer weiteren Analyse unterwerfen, obgleich eine solche wenig praktischen Nuzen gewährt.

Man hat den Schwefel für die Pulverfabriken auf zweierlei Art raffinirt, durch Schmelzen und durch Destillation. Da derselbe bei einer Temperatur von ungefähr 230° F. (88° R.) vollkommen flüssig wird, so kann man die schweren und leichten Substanzen, welche ihn verunreinigen, durch Absezenlassen und Abschäumen beseitigen; ich nehme mir aber die Freiheit hier zu bemerken, daß der französische Schmelztopf, welcher in dem ausgezeichneten Werke der HHrn. Bottée und Riffault beschrieben ist, mir sehr unzwekmäßig zu seyn scheint, denn das Feuer wird gerade unter ihm angebracht und spielt auf seinem Boden, während der Boden eines Topfes zum Absezen bis auf |274| vier oder sechs Zoll die Seiten hinauf in Thon oder Mörtel eingebettet und nur um seine mittlere Zone herum der circulirenden Flamme des Feuers ausgesezt seyn sollte. Diese Anordnung ist in mehreren unserer bedeutendsten chemischen Fabriken angenommen und wird sehr vortheilhaft befunden. Vermittelst eines solchen Kessels würde man, wie ich glaube, durch geeignetes Erhizen den rohen Schwefel sehr gut reinigen können, während wenn man die Hize auf den Boden des Gefäßes leitet, die Unreinigkeiten in die Höhe getrieben und der Masse einverleibt werden.

Der käufliche Schwefel kommt hauptsächlich in drei Farben vor: citronengelb, in Grün stechend; dunkelgelb und braungelb. Da diese verschiedenen Farben von den verschiedenen Hizgraden herrühren, welchen er bei seiner ursprünglichen Abscheidung im Großen ausgesezt war, so können wir daraus entnehmen, wie stark er neuerdings bei dem Schmelzen Behufs des Raffinirens erhizt werden darf. Der Schwefel mag was immer für eine Farbe besizen, so besteht die Kunst des Raffinirers darin, die Hize so zu reguliren, daß er nach der Operation eine schöne gelbe in Grün spielende Farbe besizt.

Man muß den Schwefel zuerst nach seiner Farbe sortiren; ist er grünlich, so muß diese Sorte, weil sie bei ihrer Ausscheidung nur schwach erhizt wurde, sehr rasch zum Schmelzen gebracht werden, oder man muß das Feuer so lange anhalten lassen, bis alles bis auf die oberste Schichte geschmolzen ist.

Dunkelgelber Schwefel kann keine so große Hize ertragen und daher muß man das Feuer entfernen, sobald drei Viertel der ganzen Masse geschmolzen sind.

Da brauner Schwefel schon überhizt wurde, so muß man ihn möglichst wenig erhizen und das Feuer beseitigen, sobald die Masse zur Hälfte geschmolzen ist.

Anstatt Schwefel von verschiedenen Farben besonders zu schmelzen, kann man auch den Topf zur Hälfte seines Hohlraumes zuerst mit grünlichem Schwefel füllen, über diese Lage einen Viertels Raumtheil dunkelgelben legen und sodann den Topf bis zum Rande mit braunem füllen. Das Feuer muß ausgelöscht werden, sobald der gelbe geschmolzen ist. Man verschließt sodann den Topf einige Zeit lang mit einem gut passenden Dekel, worauf sich die leichteren Unreinigkeiten auf der Oberfläche als eine schwarze Schlake sammeln, die man abschäumt, während die schwereren sich auf dem Boden absezen. Der Schwefel selbst muß zehn oder zwölf Stunden lang in dem Topf gelassen werden, worauf man ihn in Kufen oder Fässer zum Krystallisiren ausleert.

Durch Destillation kann man den Schwefel mit weniger Abgang |275| und wohlfeiler reinigen; sie kam zuerst in den französischen Pulverfabriken in Gebrauch, als die englische Marine die Einfuhr des besten italiänischen und sicilianischen Schwefels verhinderte. Der Schwefel braucht hiebei nicht in dünnen Dämpfen überzugehen und sich in pulverförmiger Gestalt den sogenannten Blumen abzusezen, denn der Zwek des Raffinirers ist kein anderer, als daß aller reine Schwefel in die Verdichtungskammer übergeht und alle Unreinigkeiten im Destillirkolben zurükbleiben. Man erhizt daher lezteren sehr stark, damit sich eine dichtere Dampfmasse von gelblicher Farbe erhebt und in den Verdichter übergeht, worin sie sich in flüssigem Zustande zu Boden sezt, während nur einige wenige leichtere Theilchen sich oben und an den Seiten ansezen. Der Raffinirer muß daher bei dieser Operation eine sehr intensive Hize geben; in einiger Höhe über dem Rande des Kessels sollte er eine geneigte Ebene anbringen, wodurch der Anfangs überkochende Schwefel in einen Sicherheits-Recipienten überlaufen kann. Die Verdichtungskammer sollte heiß genug seyn, um den destillirten Schwefel in flüssigem Zustande zu erhalten, was leicht dadurch bezwekt wird, daß man die Röhren von mehreren Destillirt töpfen in sie leitet, während man den Fortgang der Operationen dadurch sichert, daß man jeden Kolben abwechselnd oder der Reihe nach beschikt. Der Recipient darf nie so heiß seyn, daß der Schwefel Syrupsconsistenz erhält, wodurch seine Farbe verdunkelt würde.

Wenn man den Schwefel sublimirt, so kann ein ungefähr vier Zentner enthaltender Topf nur Einmal in vier und zwanzig Stunden ausgearbeitet werden, weil man seine Temperatur mäßig unterhalten und aus Vorsicht eine geneigte Ebene anwenden muß, die ihm dasjenige wieder zurükgibt, was zufälliger Weise übergekocht ist; bei dem Destillationsproceß hingegen kann ein volle zehn Zentner enthaltender Topf Einen Proceß in höchstens neun Stunden beendigen, und zwar mit beträchtlicher Ersparniß an Brennmaterial. Bei jenem Proceß können die Beschikungen nur in Zwischenräumen auf einander folgen, bei diesem aber muß die Operation beständig im Gange bleiben, damit der Apparat sich nicht abkühlt: bei dem Sublimationsproceß, wo eine Communication der atmosphärischen Luft mit der Verdichtungskammer unumgänglich nöthig ist, findet oft eine Explosion erregende Entzündung der Schwefeldämpfe Statt, wodurch schwefliche Säure in reichlicher Menge erzeugt wird und so Schwefel verloren geht, ein Nachtheil, wovon der Destillationsproceß großen Theils frei ist.

Ich will hier den Destillirapparat beschreiben, welchen man in Marseille zur Reinigung des Schwefels für die königlichen Pulverfabriken anwandte und den man für den Bedarf derselben unter Napoleon's |276| großem Reiche zureichend fand. Dieser Apparat besteht nur aus zwei gußeisernen Kolben, welche wie das breitere Ende eines Eies gestaltet sind; jeder hat ungefähr drei Fuß im Durchmesser, ist zwei Fuß tief, am Boden nahe einen halben Zoll dik, aber oben viel dünner und mit einem vier Zoll breiten horizontalen Rand versehen. In einem solchen Topf von gutem Gußeisen kann man 1000 Tonnen Schwefel destilliren, ehe er durch die Einwirkung desselben auf das Eisen bei starker Rothglühehize unbrauchbar wird. Der Topf ist mit einem abhängigen Dach von Mauerwerk bedekt, dessen oberes Ende an das Mauerwerk des gewölbten Verdichtungsdoms stößt. Unter der Oeffnung des Topfes ist in dem Mauerwerk eine weite Thüre angebracht, durch welche er beschikt und entleert wird; und zwischen dem Dachraum, über dem Topf und der Höhlung der Wölbung, ist ein weiter Gang offen. Hinter dem Topf erhebt sich ein steinerner Gang, damit der Schwefel nicht in den Verdichter überkocht. Die Wölbung ist ungefähr zehn Fuß weit innen, und vierzehn Fuß vom Boden bis zur Mitte des Domes, in welchem ein Schornstein eingesezt ist von ungefähr zwölf Fuß Höhe und zwölf Zoll innerem Durchmesser.

Da der Dom der Expansivkraft einer starken Hize und einem sehr beträchtlichen Druk von Gasarten und Dämpfen ausgesezt ist, so muß er eine große Festigkeit haben und daher mit eisernen Reifen gebunden seyn. Zwischen dem Kolben und der damit in Verbindung stehenden Mauer der Verdichtungskammer muß ein Raum für die Circulation der Luft übrig gelassen werden, eine Vorsichtsmaßregel, welche die Erfahrung als unumgänglich nöthig erwies, denn durch die Berührung der Oefen mit der Mauer der Kammer entsteht eine solche Hize, daß sie springt und sodann der flüssige Schwefel austreten kann. Die Seiten der Kammer sind aus starkem Mauerwerk verfertigt, vierzig Zoll dik, und auf ihnen steht ein Dom von feuerfesten Steinen, die mit einer Lage gewöhnlicher Steine bedekt sind. Der Boden ist mit Ziegeln gepflastert; auch die Seiten sind damit bis zum Dom belegt; in einer Seite ist ein vierekiges, mit einer starken eisernen Thüre versehenes Loch, bei welchem man den flüssigen Schwefel in geeigneten Zwischenräumen abzieht. In dem Dache der Wölbung sind zwei mit leichten Platten von geschlagenem Eisen bedekte Ventillöcher, welche sich an einem Ende frei auf Angeln drehen, so daß sie leicht jeder plözlichen Expansion von innen her nachgeben und so gefährlichen Explosionen vorbeugen.

Da die Kammer ein längliches Vierek ist, welches sich oben in ein längliches Gewölbe endigt, so besteht sie unten aus einem Parallelepipedum und oben aus einem Halbcylinder, welche folgende Dimensionen haben: –

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Länge des Parallelepipedums 16 1/2 Fuß.
Weite 10 4/5 –
Höhe 7 1/4 –
Halbmesser des Cylinders 5 2/5 –
Höhe oder Länge d. Halbcylinders 16 1/2 –

Wenn der Arbeiter jeden Topf mit zehn oder zwölf Zentner rohem Schwefel beschikt hat, verschließt er die Beschikungsthüren sorgfältig mit ihren Eisenplatten und Kreuzstangen und lutirt sie dicht mit Lehm. Er zündet sodann das Feuer an und bringt den Schwefel zum Sieden. Eines seiner ersten Geschäfte (dessen Vernachlässigung traurige Folgen haben könnte) ist dieses, die Dachventile zu untersuchen und zu reinigen, damit sie frei spielen und jedem Druk von innen nach außen nachgeben können. Vermittelst eines Seiles und einer Kette, die mit einem an den Ventilen angebrachten Knie verbunden sind, kann er sich von Zeit zu Zeit ihres Zustandes versichern, ohne auf das Dach zu steigen. Man fand es zwekmäßig einen der Töpfe einige Zeit in Gang zu erhalten, ehe man unter dem anderen Feuer anmacht. Je stätiger man Schwefeldämpfe von den Ventilen austreten sieht, desto weniger atmosphärische Luft kann in der Kammer enthalten seyn und desto weniger Gefahr einer Verbrennung ist daher vorhanden. Wenn aber scharfer Nordwind geht, folglich die Luft kalt ist und dabei keine Dämpfe austreten, so muß der Arbeiter auf seiner Hut seyn, denn unter solchen Umständen kann eine gefährliche Explosion Statt finden.

Sobald beide Kessel in vollem Gange sind, die Luft ausgetrieben ist, die Dämpfe nachlassen und alle Gefahr aufhört, sollte er seine ganze Aufmerksamkeit darauf richten, jede Verbindung mit der Atmosphäre abzuschneiden, indem er bloß darauf sieht, daß die Ventile beweglich bleiben und eine anhaltende starke Destillation Statt findet. Er überzeugt sich von der Beendigung des Processes, indem er durch eine kleine hiezu in der Mauer angebrachte Oeffnung seinen Sondirstab in den Topf stekt. Man muß ihn sodann neuerdings mit rohem Schwefel beschiken.

Wenn obiger Proceß gut geleitet wird, so erhält man dadurch den Schwefel in so reinem Zustande als ihn die Künste nur immer erfordern mögen, und es werden nicht mehr als vier Procent Schwefel dabei verzehrt; der unverbrennliche Rükstand beträgt je nach der Qualität des Rohschwefels fünf bis acht Procent. Wenn man aber den Schwefel sublimirt, wobei oft eine Verbrennung unvermeidlich ist, so verliert man ungefähr zwanzig Procent Schwefelblumen.

Der Schmelzungsproceß, welchen man in einigen königlichen Fabriken in England anwendet, liefert keine Ausbeute, welche mit derjenigen |278| der französischen Fabriken vergleichbar wäre, obgleich man in England einen besseren Rohschwefel bearbeitet. Nach zweimaligem Schmelzen des Rohschwefels (wie man ihn von Sicilien oder Italien einführt) erhält man höchstens vier und achtzig Procent gereinigten Schwefel, wobei das ganz reine Product wahrscheinlich weniger als achtzig Procent beträgt, weil es jedenfalls dem durch Destillation erhaltenen nachsteht.

3. Ueber die Holzkohle.

Ein weiches und leichtes Holz, welches eine zerreibliche und poröse Kohle gibt, die rasch wegbrennt, am wenigsten Asche hinterläßt und daher am meisten Kohlenstoff enthält, sollte jedem anderen zur Verkohlung in Pulverfabriken vorgezogen werden.

Nach vielen Versuchen zog man vor längerer Zeit schon schwarzen Hartriegel jeder anderen Holzart zu diesem Zweke vor, aber neuere Versuche erwiesen, daß viele andere eine gleich gute Kohle geben. Man verkohlte Holz von schwarzem Alder, von Pappeln, Linden, Roßkastanien und Kastanien genau unter denselben Umständen und erhielt mit jedem ein ähnliches Pulver, welches mit demselben Probemörser geprüft wurde. Die Resultate waren folgende:

Toisen. Fuß.
Pappel 113 2
Schwarzer Alder 110 4
Linden 110 3
Roßkastanie 110 3
Kastanie 109

Spätere Versuche, welche die obigen bestätigten, ergaben ferner, daß die Weide dieselben Vortheile darbietet wie die Pappel, und daß verschiedene Staudengewächse, wie die Haselnuß, der Spindelbaum, Kornelkirschen, Hollunderbaum, die gemeine Saalweide und einige andere eben so vortheilhaft gebraucht werden können; was man aber immer für Holz anwenden mag, so muß man es stets schneiden, während es noch vollsaftig und nie nachdem es abgestorben ist; man sollte Aeste wählen, die nicht älter als fünf oder sechs Jahre sind und sie sorgfältig schalen, weil die alten Aeste und die Rinde mehr erdige Bestandtheile enthalten. Die Aeste sollten nicht über drei Viertels Zoll dik und die größeren sollten der Länge nach in vier zertheilt werden, so daß das Mark leicht weggebrannt werden kann.

In England verkohlt man das Holz Behufs der Pulverfabrikation gewöhnlich in gußeisernen Cylindern, welche mit ihrer Achse horizontal liegen und so in dem Ofen eingemauert sind, daß die Flamme um sie herumstreichen kann. Ein Ende des Cylinders ist mit einer Thüre versehen, wodurch man das Holz hinein- und die Kohle herausschaffen |279| kann; das andere endigt sich in eine mit einer Spiralröhre versehene Vorlage, damit die Holzsäure sich verdichten und die Kohlenwasserstoffgasarten entweichen können. Gegen das Ende der Operation sollte die Verbindung des Cylinders mit dem Holzsäurebehälter abgeschnitten werden und die flüchtigen Substanzen sehr frei entweichen können, weil sich sonst die Kohle leicht mit einem rusigen Ueberzug belegt und sogar von verdichtbaren Substanzen durchdrungen wird, wodurch ihre Qualität wesentlich leidet.

In Frankreich verkohlt man das Holz für die Pulverfabriken entweder in länglichen gewölbten Oefen oder Gruben die mit gebrannten Steinen ausgelegt sind, oder in Cylindern aus starkem Eisenblech. In beiden Fällen liefert die unvollkommene Verbrennung des zu verkohlenden Holzes selbst die Hize. Im Durchschnitt erhält man bei diesem Verfahren sechszehn bis siebenzehn Theile Kohle von hundert Theilen Holz. Man glaubt, daß der Grubenproceß eine größere Quantität Kohle und ein besseres Product liefert, weil bei weitem mehr Holz auf Einmal verkohlt wird und die rusigen Dämpfe ungehinderter entweichen können. Die Oberfläche einer guten Kohle soll nicht rauh, aber auch nicht glänzend seyn.

Die unterrichtetsten Fabrikanten sind der Meinung, daß die Kohle bei der Wandelbarkeit ihrer Beschaffenheit der einflußreichste Bestandtheil des Schießpulvers ist; der Director der Pulverfabrik sollte ihrer Bereitung daher immer seine besondere Aufmerksamkeit widmen. Wenn sie einige Zeit lang aufbewahrt oder vorher mit Wasser abgelöscht worden ist, so ist sie zu gegenwärtigem Zwek untauglich. Kohle, welche in einem verschlossenen Gefäße durch Ausschluß der Luft gelöscht und sodann der Atmosphäre ausgesezt wurde, absorbirt nur drei bis vier Procent Feuchtigkeit; während Kohle, welche rothglühend mit Wasser abgelöscht wurde, durch Troknen neun und zwanzig Procent verlieren kann. Wenn man Kohle von der lezteren Art zu Schießpulver verwendet, so muß man das Wasser, welches sie enthält, am Gewicht ausgleichen: aber Kohle, welche lange Zeit mit Feuchtigkeit getränkt blieb, liefert ein sehr nachtheiliges Ingrediens für Schießpulver.

4. Ueber das Vermischen der Bestandtheile.

Die drei Bestandtheile werden nun, nachdem sie so zubereitet wurden, 1) jeder für sich zu einem feinen Pulver gerieben, welches man durch Seidensiebe oder Siebmaschinen laufen läßt; 2) in den gehörigen Verhältnissen, wovon weiter unten, mit einander vermengt; 3tens wird dann das Gemenge auf die Pulvermühle geschikt, welche aus zwei Marmorwalzen besteht, die durch einen Schaft verbunden mit ihren runden Seitenflächen auf einem horizontal liegenden Marmor |280| sich umwälzen und beim Anschlagen an Stahl nicht wie Sandsteine Funken geben können. Auf dem horizontal liegenden Marmor breitet man das Gemenge aus und befeuchtet es mit einer geringen Menge Wasser, so daß es unter dem Gewicht der sich drehenden Steine in einen Kuchen, keineswegs aber in einen teigartigen Zustand verwandelt wird. Ein harter kupferner Streicher geht mit der Walze auf dem festliegenden Marmor herum und streicht die verbreitete Masse immer wieder in die Bahn des Läufersteins ein. Es werden bei jeder Operation unter jedem Mühlstein funfzig bis sechzig Pfund Kuchen bearbeitet. Wenn so die Masse ganz durchgeknetet worden ist, schikt man sie in das Körnungshaus, wo der Kuchen auf einer besonderen Mühle, in Körner geformt wird. Er wird hier zuerst in eine harte feste Masse gepreßt, hierauf in kleine Klumpen zerbrochen, worauf man den Körnungsproceß vornimmt, indem man diese Klumpen in Siebe bringt und sodann in jedes Sieb auf denselben eine Scheibe von Lignum vitae (Pockholz, Franzosenholz) legt. Die Siebe bestehen aus Pergamenthäuten, welche mit einer Menge runder Löcher durchbohrt sind. Mehrere solcher Siebe werden in einem Kasten befestigt, welchem durch eine Maschinerie eine solche Bewegung ertheilt wird, daß die Scheibe sich in jedem Siebe mit beträchtlicher Geschwindigkeit herumbewegt, die Klumpen des Kuchens niederbricht und ihre Substanz in Körnern von gewisser Größe durch die Löcher drükt. Diese körnigen Theile werden sodann von dem feineren Staube durch geeignete Siebe und Haspel gesondert.

Das gekörnte Pulver muß nun gehärtet und seine Rauhigkeiten beseitigt werden, indem man es in einem geschlossenen Fasse oder Haspel, der sich schnell um seine Achse dreht, bewegt. Dieses Gefäß gleicht einigermaßen einem holländischen Butterfaß und ist oft innenwendig mit vierekigen Stangen parallel auf seiner Achse versehen, um das Poliren durch Abreibung zu befördern.

Das Pulver wird zulezt getroknet, welches jezt gewöhnlich durch Dampfhize geschieht, in einigen Fabriken aber auch dadurch, daß man einen vorläufig in einem anderen Zimmer erhizten Luftstrom über Kannefaßstüke streichen läßt, worauf die feuchten Pulverkörner liegen.

5. Ueber das Verhältniß der Bestandtheile.

Im J. 1794 wurde eine lange Reihe von Versuchen, um das Verhältniß der Bestandtheile, welches das beste Pulver gibt, zu bestimmen, von einer Commission französischer Chemiker und Artilleristen angestellt. Man bereitete Pulver in den fünf folgenden Verhältnissen:

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Salpeter. Kohle. Schwefel.
1. 76 14 10 Basler Schießpulver.
2. 76 12 12 Schießpulver der Fabrik zu Grenelle.
3. 76 15 9 Hr. Guyton de Morveau.
4. 77,32 13,44 9,24 Derselbe.
5. 77,5 15 7,5 Hr. Riffault.

Das Resultat von mehr als zweihundert Schüssen mit dem Probemörser zeigte, daß das erste und dritte Pulver am stärksten sind und die Commission empfahl daher das Verhältniß von Nro. 3. anzunehmen; wenige Jahre hernach aber hielt man es für zwekmäßig das Verhältniß von Nro. 1. zu substituirt, weil man es eben so stark wie das andere befunden hatte und das Pulver dauerhafter ist, indem es etwas mehr Schwefel und weniger Kohle enthält. In der neuesten Zeit endlich ist die französische Regierung – einen so hohen Werth legt sie auf die Dauerhaftigkeit des Schießpulvers – auf ihre alte Dosirung von fünf und siebenzig Salpeter, zwölf ein halb Kohle und zwölf ein halb Schwefel zurükgekommen. In lezterer Mischung ist der die Feuchtigkeit stark anziehende Bestandtheil, nämlich die Kohle, noch mehr reducirt und durch Schwefel, welcher das Pulver haltbar macht, ersezt.

Wenn wir untersuchen, wie das größte Volum von Gasarten durch Einwirkung, der Bestandtheile des Salpeters auf Kohle und Schwefel hervorgebracht wird, so finden wir, daß es durch Bildung von Kohlenoxyd und schweflicher Säure mit Entbindung von Stikstoff geschieht. Dieß führt uns auf folgende Verhältnisse dieser Bestandtheile:

Wasserstoff = 1. Procente.
1 Mischungsgewicht Salpeter 102 75,00
2 – Schwefel 16 11,77
3 – Kohle 18 13,23
––––––––––– ––––––
136 100,00.

Der Salpeter enthält fünf Mischungsgewichte Sauerstoff, wovon drei sich mit drei M. G. Kohle zu drei M. G. Kohlenoxydgas vereinigen, während die übrigen zwei M. G. Sauerstoff das eine M. G. Schwefel in schweflichsaures Gas umändern; das einzelne M. G. Stikstoff wird daher bei dieser Ansicht für sich entbunden.

Hundert sechs und dreißig Gran Schießpulver, welche den Raum von fünf und siebenzig und einem halben Gran Wasser einnehmen, müssen bei dieser Annahme ein Gasvolum geben, das bei der Temperatur der Atmosphäre beträgt

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Grane. Kubikzolle.
Kohlenoxyd 42 = 141,6
Schwefliche Säure 32 = 47,2
Stikstoff 14 = 47,4
–––––––––
236,2

was eine Ausdehnung von einem Volum zu 787,3 ergibt. Da aber die Gasarten im Augenblik ihrer Entbindung glühend seyn müssen, so kann man dieses Volum sicher als drei Mal so groß annehmen, so daß es also um mehr als zwei tausend Mal größer als das Volum des Pulvers ist.

Obige Angabe der Gasarten, welche sich nach der Theorie entwikeln müßten, stimmt jedoch nicht gut mit den Producten der Versuche, obgleich wir leztere wahrscheinlich nicht genau kennen. Es soll sich viel Kohlensäure, eine beträchtliche Menge Stikstoff, etwas Kohlenoxyd, Wasserdampf mit Kohlenwasserstoff und Schwefelwasserstoff entbinden. Aus den unten angegebenen Versuchen schließe ich, daß sich in der That sehr wenig Wasserdampf, Kohlen- und Schwefelwasserstoff entbinden kann und diese füglich bei der Berechnung vernachlässigt werden dürften, denn frisches Schießpulver enthält nicht mehr als Ein Procent Wasser und kann daher wenig wasserstoffhaltige Producte geben, auch ist der Wasserstoff in der Kohle zu unbeträchtlich.

Es ist klar, daß, je mehr Schwefel das Pulver enthält, desto mehr schwefliche Säure erzeugt wird und da diese sehr dicht ist, die explodirende Kraft des Pulvers in demselben Verhältniß geschwächt wird. Dieß wird hinreichend durch die Versuche zu Essonne bestätigt, wo das Schießpulver, welches zwölf Procent Schwefel und eben so viel Kohle enthielt, die Bombe nicht so weit trieb als dasjenige, welches nur neun Schwefel und funfzehn Kohle enthielt; die Dauerhaftigkeit des Pulvers ist jedoch eine so wichtige Sache, besonders für unsere entfernteren Colonien und feuchte Klimate, daß sie ein kleines Opfer an der Stärke, welches jedes Mal durch eine etwas größere Ladung ersezt werden kann, rechtfertigt.

Tabelle über die Zusammensezung verschiedener Schießpulver.

Salpeter. Kohle. Schwefel.
Königliche Pulverfabrik (Royal Mills)
bei Waltham Abbey

75

15

10
Frankreich, königliche Fabrik 75 12,5 12,5
Französisches Jagdpulver 78 12 10
Französisches für Bergwerke 65 15 20
Vereinigte Staaten von Amerika 75 12,5 12,5
Preußen 75 12,5 12,5
Rußland 73,78 13,59 12,63
|283| Salpeter. Kohle. Schwefel.
Oesterreich 76 11,5 12,5
Spanien 76,47 10,78 12,75
Schweiz (ein rundes Pulver) 76 14 10
China 75 14,4 9,9
Theoretische Verhältnisse (wie oben) 75 13,23 11,77

Ueber die chemische Untersuchung des Schießpulvers.

Ich habe fünf verschiedene Sotten untersucht; 1) das Pulver von den königlichen Mühlen bei Waltham Abbey; 2) das Schießpulver, welches von John Hall in Dartford fabricirt wird; 3) das dreifach starke Schießpulver von Charles Lawrence und Sohn; 4) das Dartforder Schießpulver von Pigou und Wilks; 5) das superfeine dreifach starke Jagdpulver von Curtis und Harvey. Elfteres ist grobkörnig, alle anderen sind sehr fein. Das specifische Gewicht von jedem bestimmte ich in Terpenthinöhl; bei dem ersten und den drei lezten war es genau gleich, nämlich 1,80; bei dem zweiten 1,793 auf das Wasser als Einheit reducirt.

Obige Dichtigkeit des ersten Musters kann folgendermaßen berechnet werden: –

75 Theile Salpeter, specifisches Gewicht = 2,000
15 – Kohle, – = 1,154
10 – Schwefel – = 2,000

Das Volum dieser Bestandtheile ist 55,5, und wenn man damit ihr Gewicht 100 dividirt, so ist der Quotient 1,80.

Das specifische Gewicht der ersten und zweiten Sorte obiger Pulver beträgt mit Einschluß der Zwischenräume ihrer Körner, wenn sie in einer Phiole wohl niedergeschüttelt worden sind, 1,02. Dieses Resultat ist deßwegen merkwürdig, weil die Größe der Körner außerordentlich verschieden ist. Jenes von Pigou und Wilks ergibt bei einer ähnlichen Prüfung nur 0,99, das von Charles Lawrence und Sohn 1,03, und jenes von Curtis und Harvey nahe 1,05. Das Schießpulver hat also bei gleichem Volum ziemlich dasselbe Gewicht wie Wasser, so daß ein Gallon zehn bis zehn und ein halbes Pfund wiegen wird.

Die Menge Wasser, welche 100 Gran von jedem im Marienbade ausgeben und in vier und zwanzig Stunden unter einem befeuchteten in Wasser stehenden Recipienten verschluken, ist folgende: –

nehmen über Wasser auf
100 Gran von Waltham Abbey verlieren
durch Dampfhize

1,1

0,8
von Hall 0,5 2,2
– Lawrence 1,0 1,1
– Pigou und Wilks 0,6 2,2
– Curtis und Harvey 0,9 1,7
|284|

Hieraus ersehen wir, daß das grobkörnige Pulver der königlichen Mühlen dem Einfluß der Feuchtigkeit besser widersteht, als die übrigen, unter welchen jedoch dasjenige von Lawrence ihm sehr nahe kommt.

Das gewöhnliche Verfahren, das Schießpulver zu analysiren, scheint ziemlich genau zu seyn. Man scheidet zuerst den Salpeter durch heißes destillirtes Wasser ab, dampft ab und wiegt ihn. Hierbei darf man aus einen kleinen Verlust rechnen, weil Salpeter sich mit siedendem Wasser etwas verflüchtigt. Ich habe immer im Marienbade abgedampft. Bei der Operation des Körnens und Staubens verstiegt wahrscheinlich etwas Kohle in den Pulverfabriken, so daß die Analyse etwas weniger Kohle ergeben mag, als ursprünglich angewandt wurde. Die Kohle und der Schwefel, welche auf dem doppelten Filter zurükbleiben, werden bei der Temperatur des siedenden Wassers scharf getroknet und ihr Gewicht ergibt sich aus der Gewichtsdifferenz zwischen dem inneren und äußeren Filter. Dieser Rükstand wird mit einer weichen Bürste in einen Platintiegel abgestreift und in einer verdünnten Aezkalilauge gekocht. Drei Theile Kali reichen vollkommen hin um Einen Theil Schwefel aufzulösen. Diese Auflösung bringt man auf ein Filter, süßt es zuerst mit sehr verdünnter siedendheißer Kaliauflösung, dann mit siedendem dem Wasser aus, und troknet es, wobei die Kohle zurükbleibt, deren Gewicht von jenem des gemengten Pulvers abgezogen, den Schwefelgehalt ergibt.

Ich habe viele andere Methoden versucht, den Schwefel im Schießpulver directer zu bestimmen, allein keine genügenden Resultate erhalten. Wenn man auf dem Boden eines Platintiegels Pulver ausbreitet und ihn in Oehl auf 400° F. (163° R.) erhizt, so erheben sich schnell Schwefeldämpfe, aber selbst nach Verlauf mehrerer Stunden beträgt der Verlust nicht mehr als die Hälfte seines Schwefelgehaltes.

Wird der Rükstand von Kohle und Schwefel mit heißem Terpenthinöhl digerirt, so löst sich der Schwefel leicht auf, aber es ist kaum möglich die lezten Portionen Oehl von der Kohle oder dem Schwefel abzuscheiden.

Wenn man Schießpulver bei gelinder Wärme mit chlorsaurem Kali und verdünnter Salzsäure digerirt, so wird der Schwefel in Schwefelsäure verwandelt, aber dieses Verfahren ist langwierig und unangenehm und erfordert viel chlorsaures Kali. Wenn man sodann die Schwefelsäure mit salpetersaurem Baryt fällt, so erfährt man die Menge des Schwefels im Schießpulver. Bei diesem Versuche zeigte sich ein sonderbarer Umstand: – Nachdem der Schwefel und die Kohle des Pulvers ganz gesäuert worden waren, goß ich etwas Barytsalz in die Mischung, welche jedoch dadurch nicht getrübt wurde. Als ich aber zur Trokniß verdampfte und den Rükstand wieder in Wasser aufnahm, blieb |285| der schwefelsaure Baryt (welcher folglich zehn für vier Schwefel betrug) zurük.

Die Säuerung des Schwefels durch Salpetersäure oder Salpetersalzsäure erfolgt auch langsam und ist eine unangenehme Operation.

Indem ich Schießpulver mit Aezkalilauge digerirte, so daß der Schwefel in ein Schwefelmetall verwandelt wurde, dieses mit Salpeter in großem Ueberschuß vermischte, troknete und verpuffte, hoffte ich den Schwefel rasch in Schwefelsaure zu verwandeln, als ich aber die geschmolzene Masse mit verdünnter Salpetersäure behandelte, entband sich mehr oder weniger schwefliche Säure; dieß geschah sogar wenn ich den Salpeter noch mit chlorsaurem Kali vermischte.

Folgendes sind die Resultate meiner Analyse nach der zuerst beschriebenen Methode: –

100 Gran von Salpeter. Kohle. Schwefel. Wasser.
Waltham Abbey 74,5 14,4 10,0 1,1
Hall, Dartford 76,2 14,0 9,0 0,5 Verlust 0,3
Pigou und Wilks 77,4 13,5 8,5 0,6
Curtis und Harvey 76,7 12,5 9,0 1,1 – 0,7
Charles Lawrence und Sohn 77,0 13,5 8,0 0,8 – 0,7

Aus den schon angegebenen Gründen weichen wahrscheinlich die Verhältnisse, worein die Fabrikanten die Ingredienzien mischen, von den obigen ein wenig ab.

Das englische Jagdpulver war seit langer Zeit ein Gegenstand des Verlangens und der Nacheiferung in Frankreich: die großen Vorzüge, welche es für Vogelflinten vor dem aus den königlich französischen Pulvermühlen hervorgehenden hat, ist unbestreitbar: Hr. Vergnaud, französischer Artillerie-Capitän, behauptet in einer kleinen unlängst erschienenen Schrift über Knallpulver geradezu, daß die englischen Fabrikanten von Jagdpulver Knallpulver damit vermengen. Um mich von der Richtigkeit dieser Angabe wenigstens hinsichtlich obiger fünf berühmten Pulversorten zu überzeugen, stellte ich folgende Versuche an:

Ich vermengte Einen Gran Knallqueksilber in krystallinischen Theilchen in Wasser mit 200 Gran Schießpulver von Waltham Abbey und digerirte das Gemenge über einer Lampe mit ein wenig Salzsäure. Die filtrirte Flüssigkeit reagirte deutlich auf Queksilbersublimat, in welchen das Knallqueksilber augenbliklich durch Salzsäure verwandelt wird, denn Kupfer überzog sich darin mit Queksilber, Aezkali brachte eine weiße Trübung hervor, welche gelb wurde und Schwefelwasserstoffgas einen schmuzigen gelblichweißen Niederschlag. Als ich das Pulver von Waltham Abbey allein mit verdünnter Salzsäure digerirte, brachte Schwefelwasserstoff in der filtrirten Flüssigkeit gar keine Veränderung hervor.

|286|

Zweihundert Gran von jedem der obigen Jagdpulver wurden genau auf dieselbe Art behandelt, aber auch die empfindlichsten Reagentien zeigten keine Spur Queksilber an. Da durch dieses Verfahren ohne Zweifel 1/10000 Knallqueksilber entdekt werden konnte, so können wir hieraus schließen, daß Capitän Vergnauds Beschuldigung grundlos ist. Die Vorzüge unseres Jagdpulvers rühren, wie diejenigen unserer Baumwollenfabrikate, von der Sorgfalt unserer Fabrikanten in Auswahl der besten Materialien und von ihrer Geschiklichkeit in Verbindung derselben her.

7) Ueber Knallpulver.

Dieser Gegenstand ist dem Bericht der HHrn. Aubert, Pellissier und Gay-Lussac (Polyt. Journal Bd. XXXVI. S. 24.) so gut behandelt worden, daß ich mich darauf beschränken werde einige wenige Bemerkungen, meistens Resultate meiner eigenen Erfahrung, hier mitzutheilen.

Hr. Howard bediente sich bei Bereitung seines Knallqueksilbers folgender Verhältnisse:

Queksilber 100 Gran.
Salpetersäure, spec. Gewicht 1,3. 1 1/2 Unzenmaße = 884 –
Starker Weingeist, 2 Unzenmaße = 750 –

Das Queksilber wird durch Erhizen in der Säure aufgelöst. – Die Auflösung läßt man bis zur Blutwarme abkühlen und gießt sie dann in den Alkohol. Wenn man die Mischung schwach erhizt, erfolgt bald ein Aufbrausen; sobald dieses anfängt, muß man die Retorte oder den Kolben vom Feuer nehmen, denn wenn sie noch etwas länger erhizt wird, so wird die chemische Einwirkung außerordentlich heftig und man erhält ein durch basisch salpetersaures Queksilber verunreinigtes Knallqueksilber. Wenn sich das krystallinische Pulver abgesezt hat, filtrirt man, süßt aus und troknet den Rükstand im Marienbade.

Die Verfasser des obigen Berichts sagen, die besten Verhältnisse zur Bereitung des Knallqueksilbers seyen Howards, geben sie aber unrichtig an, denn sie schreiben zwölf Theile Salpetersäure und zwölf Theile Alkohol (dem Gewichte nach) auf Einen Theil Queksilber vor; wir sehen hieraus, daß beträchtliche Abweichungen in diesen Verhältnissen möglich sind. Ich halte jedoch das von den französischen Gelehrten angegebene Verhältniß für verschwenderisch, denn 100 Queksilber mit 950 Salpetersäure (von 1,35 spec. Gew.) und 850 Alkohol (von 0,835 spec. Gew.) geben ungefähr 120 Theile knallsaures Queksilber. Die darüber stehende Flüssigkeit enthält nahe 5 Procent von dem Queksilber, denn man kann daraus durch Ammonium fünf Gran eines dunkelgrauen Oxydes erhalten.

|287|

Ich habe das Knallpulver von funfzig Zündhütchen aus einer französischen Fabrik, welche sich in der Anwendung als sehr gut erwiesen, analysirt. Das Ganze wog genau 16,3 Gran, was ungefähr ein Drittels Gran auf das Zündhütchen beträgt. Mit heißem Wasser behandelt gab es 8,5 Gran auflöslicher Substanz, wovon 7,0 Gran Salpeter und 1,5 salpetersaures Queksilber waren, die von der schlechten Bereitungsart des knallsauren Salzes herrührten. Als man dieses wieder in Wasser kochte, verwandelte es sich in ein gelbes basisch salpetersaures Salz.

7,2 Gran unauflösliche Substanz wurden von dem getrokneten Filter abgebürstet und mit verdünnter Salzsäure erhizt. Die Auflösung hinterließ beim Filtriren Einen Gran Schwefel und Kohle, während 6,2 Gran knallsaures Queksilber im Zustande von Bichlorid aufgelöst blieben. Dieses Knallpulver muß daher aus 8 Gran einer Art Schießpulver und ungefähr eben so viel unreinem knallsaurem Queksilber bestanden haben; dennoch explodirte es sehr gut; es enthielt offenbar mehr Salpeter, als gewöhnlich im Schießpulver vorkommt. Die Mitglieder der französischen Commission empfahlen als Resultat ihrer ausgezeichneten Arbeit zehn knallsaures Salz und sechs Mehlpulver (Staubpulver).

Hundert Gran Knallqueksilber, welche man mit dreißig Gran Wasser und sechzig Schießpulver vermittelst eines hölzernen Läufers auf Marmor zerreibt, reichen hin um vierhundert Zündhütchen zu beschiken.

Ich machte neulich eine sonderbare Beobachtung bei Bereitung von Knallqueksilber; ich hatte eine Mischung überhizt, und goß von Zeit zu Zeit etwas Alkohol zu, um die Reaction zu mäßigen, wodurch ich jedoch die Menge des Alkohols beinahe um die Hälfte vermehrte. Nachdem das knallsaure Salz ausgewaschen und auf dem Filtrirpapier an der Luft ausgebreitet worden war, erschienen, als es beinahe troken war, kleine glänzende Punkte an verschiedenen Stellen, welche immer größer und sodann für Queksilberkügelchen erkannt wurden: diese Reduction schritt ruhig und langsam vor, bis beinahe die Hälfte des Pulvers verschwand und wurde wahrscheinlich durch einen ätherischen Kohlenwasserstoff veranlaßt.120)

Wir haben über diesen Gegenstand aus dem Novemberhefte des Philosophical Magazine eine Miszelle in dem vorhergehenden Hefte S. 231. mitgetheilt, glauben aber des Interesse des Gegenstandes' wegen die vollständige Abhandlung aus dem uns später zugekommenen Repertory of Patent-Inventions noch nachträglich aufnehmen zu müssen. A. d. R.

|270|

Dieß glaubte man früher nach Gay-Lussacs Versuchen, seitdem hat aber Hr. Prof. Fuchs in München gezeigt, daß das reine Kochsalz genau eben so viel heißes als kaltes Wasser zu seiner Auflösung bedarf; vergl. Polytechn. Journal Bd. XXI. S. 51. A. d. R.

|287|

Mein sehr einsichtsvoller Freund, Hr. Major Moody, Director der königlichen Pulverfabriken, lenkte meine Aufmerksamkeit zuerst auf die Haltbarkeit mehrerer Pulversorten und mit seinem Beistande hoffe ich in einer anderen Abhandlung diesen wichtigen Gegenstand verfolgen zu können. A. d. O.

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