Titel: Dandrillon, Verfahren, um dem Krapp den rothen Färbestoff zu entziehen.
Autor: Schlumberger, Heinrich
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. XCVI. (S. 385–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/ar039096

XCVI. Ueber ein von Hrn. Dandrillon angegebenes Verfahren, wodurch man dem Krapp allen rothen Färbestoff entziehen kann; Bericht des Hrn. Heinrich Schlumberger im Namen des chemischen Comités der Société industrielle zu Mülhausen.

Mit einigen Abkürzungen aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen. N. 17. S. 130.

Hr. Dandrillon, Assistent der Chemie am Athenäum zu Marseille, gibt folgendes Verfahren an, um den rothen Färbestoff vollständig aus dem Krapp auszuziehen: er mischt 300 Grammen concentrirte Salzsäure mit 25 Liter Alkohol von 35° Cartier, theilt dieses Gemisch in fünf gleiche Theile und behandelt sodann 100 Grammen Krapp mit Einem Theile dieses Gemisches, indem er fünf Minuten lang sieden läßt, die klare Flüssigkeit abgießt und filtrirt; er behandelt den Krapprükstand zum zweiten Mal bei der Siedhize mit einer anderen Portion des gesäuerten Alkohols, und so nach einander mit den fünf Portionen. Er vereinigt die fünf Flüssigkeiten in einem gläsernen Gefäße, um sie im Wasserbade zur Trokniß abzudampfen und weicht sie sodann in 3 Liter Wasser durch Erhizen im Marienbade auf; nach dem Erkalten sezt sich ein schwarzes Pulver ab, welches er filtrirt und so lange aussüßt, bis das Wasser anfängt sich rosenroth zu färben, während es vorher gelb war; dieses Pulver wiegt getroknet 25 Grammen; er behandelt es mit einem halben Liter siedenden Alkohols und wiederholt diese Operation acht Mal oder so lange bis er sich nicht mehr färbt. Diese geistigen Flüssigkeiten werden filtrirt und sodann im Marienbade zur Trokniß verdampft; er erhält dadurch 12 Grammen eines schwärzlich braunen Extractes, welches er als den reinen Färbestoff betrachtet, weil es sich in Aezammoniak vollständig auflöst, indem es ihm eine in Violett stechende Purpurfarbe ertheilt, und eine siedende Alaunauflösung rosenroth färbt. Der in Alkohol unauflösliche Rükstand ist ein braunschwarzes Pulver, welches der Verfasser falbes Princip nennt; es ist in Ammoniak unauflöslich, aber in Aezkali und Aeznatron auflöslich. Auf diese Art findet er in 100 Grammen Avignon-Krapp:

Wasser 12 Grammen.
Holzstoff 40 –
In Wasser auflösliche Theile 23 –
Falbes Princip 13 –
Rothen Färbestoff 12 –
––––––
100 Grammen.
|386|

Um über die Arbeit des Hrn. Dandrillon den Bericht zu verfassen, womit mich das chemische Comité der Gesellschaft beauftragt hatte, stellte ich folgende Versuche an.

Ich behandelte 100 Grammen Avignon-Krapp nach der Vorschrift des Hrn. Dandrillon fünf Mal mit dem gesäuerten Alkohol bei der Siedhize; die erste Flüssigkeit, welche ich erhielt, war stark dunkelbraun gefärbt und die lezte farblos; die heiß filtrirten Flüssigkeiten ließen beim Erkalten nichts fallen. Den holzigen Rükstand, welcher hellgrau war, behandelte man zwei Mal, jedes Mal mit 4000 Grammen siedenden Wassers, filtrirte und dampfte zur Trokniß ab, wodurch man eine 7,30 Grammen wiegende schwärzlichbraune Masse erhielt, welche an der Luft etwas feucht wurde, in Aeznatron und Aezammoniak auflöslich war, und ihnen eine helle schmuzigbraune Farbe ertheilte; sie röthete weder eine siedende Alaunauflösung noch die concentrirte Schwefelsäure; Alkohol fällte aus ihrer wässerigen Auflösung hellgraue Floken. Diese Substanz ist also von gummiger Natur und enthält keinen Färbestoff.

Der holzige Rükstand wog 35 Grammen, war hellgrau und gab an eine siedende Alaunauflösung keine Spur Färbestoff ab. Da der Verfasser die gummige Substanz nicht abschied, so erhielt er 40 Grammen Holzstoff bei seiner Analyse.

Die geistigen Flüssigkeiten wurden abgedampft bis sich salzsaure Dämpfe entwikelten, und sodann mit 3 Liter siedenden Wassers behandelt; nach dem Erkalten filtrirte man und süßte mit Wasser so lange aus, bis es sich schwach rosenroth färbte. Diese wässerige Auflösung, zur Trokniß verdampft, hinterließ 35,60 Gr. eines sauren, schwärzlichen, die Feuchtigkeit stark anziehenden Rükstandes, in welchem weder durch concentrirte Schwefelsäure noch durch eine siedende Alaunauflösung rother Färbestoff entdekt werden konnte. Aezendes Kali, Natron und Ammoniak, so wie ihre einfach-kohlensauren Salze, bringen in dieser wässerigen Auflösung einen schmuzig graubraunen flokigen Niederschlag hervor, welcher sich in einem großen Ueberschuß der äzenden Alkalien nicht wieder auflöst. Dieser Niederschlag ist nach dem Aussüßen und Troknen hellbraun und wiegt 9,40 Grammen.

Als das schwärzliche in Wasser unauflösliche Pulver bis zur gänzlichen Erschöpfung der ausziehbaren Substanzen mit siedendem Alkohol behandelt wurde, hinterließ es 3,40 Grammen eines bräunlichen Rükstandes, welcher in siedendem Wasser und in Ammoniak unauflöslich war, hingegen in Aeznatron und Aezkali sich vollständig auflöste und sie dunkelbraun färbte. Concentrirte Schwefelsäure und eine siedende Alaunauflösung wiesen darin keine Spur rothen Färbestoffes nach.

Die verschiedenen Substanzen, welche wir bisher aus dem Krapp |387| ausschieden, enthielten alle keine Spur Färbestoff; lezterer muß also nothwendiger Weise vollständig in der geistigen Auflösung enthalten seyn, welche wir noch zu untersuchen haben und die beim Verdunsten zur Trokniß 6,80 Grammen hinterläßt.

Man erhielt also aus diesen 100 Grammen Avignon-Krapp:

Wasser 11
Holzstoff 35
Gummige Substanz 7,30
Schleimige, zukerige etc. Theile 35,60
In Alkohol unauflösliche Substanz oder falbes Princip 4,30
Färbestoff 6,80
––––––
100.

Daß diese Analyse so sehr von derjenigen des Hrn. Dandrillon abweicht, rührt ohne Zweifel von der großen Verschiedenheit der Krappsorten her.

Das chemische Comité hat schon früher149) bemerkt, daß wenn man verschiedene Krappsorten mit verdünnten Säuren in der Siedhize behandelt, die Flüssigkeit beim Erkalten Färbestoff absezt, dessen Gewicht sehr verschieden ausfällt, je nachdem der Krapp mehr oder weniger schleimige, zukerige etc. Theile enthielt, so daß ein mit siedendem Wasser ausgesüßter Krapp eben so viel Färbestoff wie ein nicht ausgesüßter gab; ferner, daß Krapp, welchen man der faulen Gährung ausgesezt hatte, um die auflöslichen Substanzen zu zerstören, sogar zwei Mal so viel Färbestoff gab. Dieser Unterschied rührt daher, daß die schleimigen Theile mit dem Färbestoff eine Verbindung eingehen, welche in der Säure in der Kälte unauflöslich ist. Man wollte sich überzeugen, ob nicht eine ähnliche Verbindung auch bei Behandlung des Krapps mit gesäuertem Alkohol Statt findet und behandelte daher auch noch gegohrenen und auch mit kaltem Wasser ausgesüßten Krapp auf die oben angegebene Weise.

Man nahm 100 Grammen von demselben Krapp wie oben und ließ sie bis zur Fäulniß gähren, indem man sie nämlich in Wasser aufgeweicht funfzehn Tage lang an einem mäßig warmen Orte stehen ließ; als man sie sodann ganz auf dieselbe Art wie den nicht gegohrenen Krapp behandelte, erhielt man folgende Producte:

Holzstoff 35 Grammen.
In Wasser auflösliche Theile 17,25 –
Falbes Princip 1,75 –
Färbestoff 6,70 –

Man nahm noch 100 Grammen von demselben Krapp, welcher zu den vorigen Versuchen angewandt wurde um sie mit 2500 Grammen |388| Wasser von 15° C. auszuwaschen, was man zwei Mal unter Vermeidung alles Verlustes an unauflöslichen Substanzen wiederholte, worauf man sie mit gesäuertem Alkohol behandelte u.s.w., wie oben bei dem nicht ausgesüßten Krapp. Man erhielt:

Holzstoff 35 Grammen
In Wasser auflösliche Substanz 8 –
Falbes Princip 0,85 –
Färbestoff 5,20 –

Bei Behandlung der beiden lezteren Krappquantitäten, welche man zuvor gähren ließ und aussüßte, erhielt man eben so wie bei gewöhnlichem Krapp, alle fremdartigen Theile ganz frei von Färbestoff und beinahe ganz von denselben Eigenschaften, so daß man ebenfalls alle Färbetheile in dem geistigen Extract hatte.

Wenn man das Gewicht des Färbestoffes dieser drei Krappsorten vergleicht, so ergibt sich, daß bei Behandlung des Krapps mit gesäuertem Alkohol die schleimig-zukerigen Theile nicht dieselbe Rolle spielen wie wenn man bloß gesäuertes Wasser anwendet, in welchem lezteren Falle sie sich mit dem Färbestoff vereinigen und dadurch dessen gänzliche Ausziehung verhindern; so daß in dieser Hinsicht die vom Hrn. Dandrillon angewandten Lösungsmittel allen bisher gebrauchten bei weitem vorzuziehen sind, indem sie die fremdartigen Theile ganz frei von Farbestoff ausscheiden; es blieb aber noch zu untersuchen übrig, ob das so erhaltene geistige Extract nicht noch andere Bestandtheile enthält, oder ob dieses der reine Färbestoff ist.

Seine Farbe ist dunkelbraun, er fühlt sich sehr fett an, dringt bei gelinder Wärme in Papier wie eine fette Substanz ein und läßt sich nicht pulvern, sondern sammelt sich beständig in dem Mörser zu einem Teige.

Wenn man ihn mit concentrirter Schwefelsaure anrührt, so färbt sich leztere röthlichbraun, schwärzt sich nach einer Viertelstunde und läßt auf Zusaz von Wasser schmuzig-zimmetfarbige Floken fallen, während das Purpurin der HHrn. Robiquet und Colin 150) und besonders der Färbestoff, welchen man durch Einwirkung der concentrirten und siedenden Essigsäure151) auf Krapp erhält, sich durch concentrirte Schwefelsäure sehr schön purpurroth färben, ohne sich nach längerer Zeit zu verändern, indem sie auf Zusaz von Wasser orangefarbige Floken fallen lassen.

Ammoniak löst ihn selbst in der Wärme nicht ganz auf und färbt sich schmuzig-dunkelroth, während der durch Essigsäure erhaltene Färbestoff es lebhaft purpurroth färbt.

|389|

Aezendes Kali und Natron lösen ihn vollständig auf, wobei sie eine schmuzig-bläulichrothe Farbe annehmen.

Als ich ihn vermittelst der Weingeistlampe in einer an einem Ende verschlossenen Glasröhre zu sublimiren suchte, schmolz er zuerst wie ein Fett, blähte sich sehr stark auf, entwikelte dann viel schmuzig-orangegelben Dampf, dessen Geruch demjenigen ähnlich war, welcher sich bei Bereitung des Alizarins der HHrn. Robiquet und Colin entwikelt und hinterließ eine sehr voluminöse Kohle. Als ich davon 1 Gramm (welcher in heißem Alkohol aufgeweicht und sodann in Wasser gegossen wurde, um ihn gut zu zertheilen) drei Mal, jedes Mal mit 2000 Grammen Essigsäure von 1 1/2° Baumé eine halbe Stunde sieden ließ und heiß filtrirte, war die leztere Flüssigkeit ganz farbenlos; die vereinigten Flüssigkeiten sezten beim Erkalten einen großen Theil Färbestoff ab, indem sie den übrigen in Auflösung erhielten; auf dem mit reinem Wasser gut ausgesüßten Filter blieb eine schmuzig-gelblichbraune Substanz zurük, welche 0,56 Grammen wog, sich sehr fett anfühlte, keine Spur rothen Färbestoff anzeigte, weder mit concentrirter Schwefelsaure noch mit einer siedenden Alaunauflösung, und bei der Sublimation schmuzigweiße Dämpfe gab, wobei sich derselbe Geruch verbreitete wie bei der Sublimation des Alizarins; sie war in Aeznatron auflöslich, welches sie bräunlichgrau färbte, in concentrirtem und siedendem Aezammoniak fast unauflöslich.

Man behandelte noch 1 Gramm von dem Färbestoff des Hrn. Dandrillon vier Mal, jedes Mal mit 2000 Grammen einer in der Kälte gesättigten Alaunauflösung; die erste Flüssigkeit war schön roth gefärbt und die vierte farbenlos. Man ließ sodann den im Alaun unauflöslichen Theil mit 1000 Grammen Wasser sieden, welches mit Schwefelsäure schwach angesäuert war, um die Alaunerde aufzulösen, welche sich während des Siedens mit dem Alaun, mit der fetten Substanz verbunden haben konnte, hierauf filtrirte man und süßte mit reinem Wasser gut aus; man erhielt so 0,57 Grammen eines Rükstandes, welcher in jeder Hinsicht dieselben Eigenschaften besaß wie der oben mit Essigsäure erhaltene.

Obgleich diese Versuche erwiesen, daß der Färbestoff des Hrn. Dandrillon unrein ist, so prüfte man ihn doch noch, indem man damit gebeiztes Baumwollenzeug färbte; Anfangs weichte man diese Substanz geradezu mit dem Zeuge im Wasser ein und erhizte allmählich bis zum Sieden, wobei jedoch derselbe fast farbenlos blieb; als man aber vorher den Färbestoff in siedendem Alkohol auflöste und sodann die Auflösung in Wasser goß, welches sich dadurch stark trübte, färbte sich der Zeug sehr gut. Indem man so 0,40 Grammen für ein Bad nahm, erhielt man ein Muster von eben so dunkler Farbe, als mit 10 |390| Grammen Krapp von guter Qualität; was eine 25 Mal größere Färbungskraft, als der Krapp hat, ergeben würde; andererseits aber ist der Färbestoff, welchen man durch Essigsäure erhält, beim Färben und ohne Alkohol, 85 Mal ergiebiger als der Krapp, und läßt nach dem Färben ein fast farbloses und klares Bad zurük, während der Färbestoff des Hrn. Dandrillon ein trübes Bad und etwas braunen Saz hinterläßt.

Es ist jedoch zu bemerken, daß dieser harzige Färbestoff des Hrn. Dandrillon auf gebeizten Baumwollenzeug solidere Farben gibt als der durch Einwirkung der Essigsäure auf Krapp erhaltene Färbestoff, und als der Krapp und mehrere Krappproducte geben, wenn sie selbst mit einer außerordentlich schwachen Säure behandelt worden sind. Sollte daher der harzige Theil zur Festigkeit der Krappfarben beitragen oder sogar dazu nöthig seyn? Dieß ist nicht wahrscheinlich, denn der gewöhnliche Krapp, welchen man mit Wasser auswäscht, welches nur 1/1000 Weinsteinsäure enthält, gibt keine soliden Farben mehr und enthält doch gewiß seinen harzigen Theil noch eben so gut als der bloß mit reinem Wasser ausgewaschene Krapp, welcher indessen in der Färberei sehr solide Farben gibt; ferner, wenn man gebeizten Zeug mit dem Alizarin färbt, welches man durch das Verfahren der HHrn. Robiquet und Colin erhält, so erhält man Farben von geringer Festigkeit, und dennoch ist dieses Alizarin, welches man durch Sublimation erhält, eine Verbindung des harzigen Theiles mit dem Färbestoff, zu dessen Bereitung man aber Schwefelsäure anwandte; man versuchte endlich auch Baumwollenzeug mit dem Farbestoff, welchen man durch Essigsäure erhält, zu färben, versezte aber diesen Färbestoff zuvor mit seinem gleichen Gewicht von der durch Essigsäure ausgeschiedenen harzigen Substanz des Krapps und ließ das Gemenge mit Alkohol kochen; in diesem Falle und bei diesem künstlichen Gemenge trug die harzige Substanz ganz und gar nichts dazu bei, die Farben beim Aviviren mit Seife, Säure und Licht solider zu machen. Hiernach dürfte man vielleicht annehmen, daß der Färbestoff mit der Säure in Verbindung tritt, daß er in diesem Zustande sich zwar noch eben so gut mit dem Zeuge und den Beizen verbindet, aber doch weniger solide Farben gibt, und daß, wenn man alsdann durch ein gehöriges Mittel die Säure von dem Färbestoff abscheidet, ehe man ihn zum Färben anwendet, derselbe dadurch in Freiheit gesezte Färbestoff neuerdings solide Farben geben kann. Man würde sich dann erklären können, warum Krapp, welcher bereits zum Färben diente und den man mit einer verdünnten Säure, z.B. Schwefelsäure von 1 1/2° Baumé behandelt, beim neuen Färben alsdann auf gebeiztem Zeuge sehr gute Farben, jedoch von geringer Festigkeit, gibt.

|391|

Die Wirkung des Alkohols auf diese verschiedenen gesäuerten Färbestoffe trägt schon viel bei, die Farben, welche man damit erhält, solider zu machen; wenn man folglich den Krapp gleich Anfangs mit diesem Lösungsmittel behandelt, wie es Hr. Dandrillon thut, so könnte dieses leicht den Färbestoff verhindern sich mit der Säure zu vereinigen, was sodann die Ursache wäre, warum das geistige Extract solidere Farben gibt.

Nach diesen Versuchen bleibt kein Zweifel mehr, daß der Färbestoff, welchen man nach Hrn. Dandrillons Verfahren erhält, mehr als die Hälfte seines Gewichts von dem harzigen Stoff enthält. Der Färbestoff, welchen man mit Essigsäure erhält, ist viel reiner; nach den damit angestellten Färbeversuchen und den obigen Versuchen möchte es sogar scheinen, daß dieß der reine Färbestoff des Krapps ist, allein man erhält damit so solide Farben, als die gewöhnlichen Krappfarben sind; indessen kann man den Färbestoff mit Essigsäure bei weitem nicht vollständig aus dem Krapp ausziehen; die kalten sauren Auflösungen, so wie der Holzstoff halten bei seiner Bereitung einen bedeutenden Theil davon zurük.152)

Ueber Prüfung der Krappsorten vermittelst des Kalkchlorürs.

Die Société industrielle zu Mülhausen hatte auch eine in deutscher Sprache geschriebene Abhandlung erhalten, deren Verfasser ein schleuniges Verfahren, den Werth verschiedener Krappsorten gegen einander zu bestimmen, auszumitteln bemüht war. Er schlägt vor den Krapp im Marienbade auszutroknen und ihn dann zu einem sehr feinen Pulver zu zerreiben; er nimmt von demselben eine gewisse Quantität, z.B. 10 Grammen, und läßt sie einige Zeit mit Schwefelsäure, die mit ihrem acht- bis zehnfachen Volum Wasser verdünnt wurde, in Berührung. Das Ganze wird sodann auf ein Filter gebracht und mit kleinen Portionen Wasser so lange ausgesüßt, bis die Flüssigkeit, welche Anfangs mit falber gelber Farbe abläuft, röthlich zu werden anfängt. Der so gereinigte Krapp wird mit Alkohol von 0,85 spec. Gew. behandelt, um ihm allen rothen Färbestoff zu entziehen; wenn er ganz entfärbt ist, gießt man alle geistigen Flüssigkeiten zusammen und concentrirt sie auf ein bestimmtes Volum. Man bringt sodann in eine Flasche, welche verschlossen werden kann, ein gewisses |392| Volum Chlorkalkauflösung, die mit verdünnter Salzsäure neutralisirt wurde und auch ein Volum der geistigen Auflösung des rothen Krapppigments. Die zur Entfärbung eines constanten Volums der geistigen Auflösung erforderliche Quantität Chlorür soll den relativen Werth der Krappsorten angeben. Hr. Weber bemerkt in dem Bericht, welchen er über dieses Verfahren im Namen des chemischen Comités der Société industrielle erstattete (Bulletin N. 17. S. 125.), daß der Alkohol nicht nur den rothen Färbestoff des Krapps, sondern auch das Harz und andere analoge Substanzen auflöst, auf welche das Chlor eben so gut wie auf den rothen Färbestoff selbst wirkt, wodurch dieses Reagens in diesem Falle unanwendbar wird. Würde der Alkohol bloß den rothen Färbestoff auflösen, so könnte man außerdem zu größerer Sicherheit ein gewisses Volum des geistigen Extracts zur Trokniß verdampfen und den Rükstand wiegen. Das chemische Comité hat mehrere Sorten Avignon-Krapp von verschiedenem Werth nach obigem Verfahren geprüft und dabei ganz gleiche Resultate erhalten.

Ueber die Einwirkung der Essigsäure auf den Krapp.

Die Société industrielle hatte im J. 1829 hinsichtlich ihrer über Prüfung des Krapps ausgeschriebenen Preisfragen zwei Abhandlungen erhalten, deren Verfasser hiezu die Anwendung der Essigsäure empfahlen.153) Der eine bemerkte, es genüge gemahlenen Krapp, ohne daß mit diesem eine vorläufige Behandlung vorgenommen wurde, mit destillirtem Essig bis aller Färbestoff desselben ausgezogen ist, zu kochen und die bloße Erkaltung der Flüssigkeit würde dann hinreichen, den rothen Färbestoff niederzuschlagen.

Die Gesellschaft ließ über dieses Verfahren Versuche anstellen. Man kochte Krapp mit 500 Theilen Essigsäure, wodurch ihm aller Färbestoff hätte entzogen werden sollen, denn als man ihn neuerdings mit Essigsäure kochte, blieb leztere ganz farblos. Als man aber den Rükstand mit Alaunauflösung kochte, färbte diese sich noch stark roth und auch die Essigsäure, aus welcher der Färbestoff beim Erkalten sich niedergeschlagen hatte, wurde durch Ammoniak noch roth gefällt. Durch dieses Verfahren erhält man daher nur einen Theil des Färbestoffes; derjenige aber, welchen man erhält, ist sehr rein, denn er ist beim Färben ergiebiger als das Purpurin, welches man durch Alkohol aus der schwefelsauren Kohle nach dem Verfahren der HHrn. Robiquet und Colin (Polyt. Journ. Bd. XXVII. S. 203.) |393| ausgezogen hat, und lezteres ist selbst dreißig Mal reicher an Färbestoff als der Krapp.

Der Verfasser der anderen Abhandlung schlug folgendes Verfahren zur Prüfung des Krapps vor: Man nimmt eine Glasröhre, welche wie ein Alkalimeter von unten nach oben in 100 Grade eingetheilt ist; jeder dieser Grade kann einen halben Gramm destillirten Essig von 1 1/2 Grad Beaumé (bei 15° C. Temperatur) enthalten. Man wiegt 1/2 Gramm Thon ab, welcher frei von kohlensaurem Kalk ist, zerreibt ihn in einem Mörser und rührt ihn sorgfältig in 50 Grammen Essig von 1 1/2 Graden ein, wodurch der ganze Hohlraum des Instrumentes bis zu N. 100. der Skale ausgefüllt wird. Dieser Essig, worin Thon suspendirt ist, wird neuerdings in das Maß gegossen, worin man ihn 24 Stunden lang läßt, indem man von Zeit zu Zeit dem Alkalimeter einen schwachen Stoß auf den Tisch gibt, um die Fällung des Thones zu befördern. Diese Erde gibt sodann einen Saz, welcher genau fünf Grade des Krappmessers ausfüllt. Hierauf bringt man 1 Gramm Krapp mit 90 Grammen desselben Essigs in ein Arzneiglas und bemerkt das Niveau der Phiole. Man sezt 10 Grammen Säure zu und läßt so lange kochen, bis die Flüssigkeit durch die Verdampfung auf das Niveau der 90 Grammen zurükgebracht wurde. Man bringt das Ganze siedend auf ein Papierfilter, und gießt die zuerst durchgelaufenen Portionen wieder auf dasselbe zurük. Von dieser Flüssigkeit gießt man bis auf 2 oder 3 Grade über N. 100. in die Glasröhre, damit sie nach dem Erkalten genau die ganze Skale ausfüllt. Wenn die Flüssigkeit erkaltet ist, rührt man darin 1/2 Gr. Thon ein und läßt sie ruhig stehen. Nach 24 Stunden nimmt der Saz eine gewisse Zahl Grade der Skale ein und wenn man von diesen den Raum, welchen der Thon einnahm, abzieht, nämlich 5 Grade, so hat man das Volum des Färbestoffes.

Aus den Versuchen, welche die Gesellschaft über das vorhergehende Prüfungsmittel anstellen ließ, ergab sich daß die Essigsäure, selbst wenn man davon 500 Theile anwendet (und hier werden nur 100 vorgeschrieben), dem Krapp nicht allen Färbestoff entzieht. Auch wurde bemerkt, daß der Essig beim Erkalten nicht allen von ihm aufgelösten Färbestoff absezt; dieß ist selbst bei Thonzusaz der Fall, daher obiges Verfahren nicht genügen kann, wie aus folgendem Resultat verschiedener Versuche, welche die Gesellschaft anstellen ließ, erhellt:

Grade.
Avignon-Krapp, gute Qualität zeigte 6
Avignon-Krapp, etwas geringere Qualität 3
Leztere Krappsorte mit 10 Procent Sägespänen versezt 2,75
Dieselbe mit 25 Procent Sägespänen 2,50
|394| Grade.
Avignon-Krapp, welcher in den Fässern verdorben war und
beim Färben schlechte Resultate gab

5,50
Mit kochendem Wasser ausgesüßter Krapp, welcher bei den
Färbeoperationen kein Pigment mehr abgab

3
Krappblumen des Hrn. Lagier,154) welche fünf Mal
mehr Färbestoff als der gewöhnliche Krapp enthielten

8
Elsasser Krapp, fast so gut wie derjenige von Avignon 1,50
Gegohrener Krapp 7

Im Allgemeinen bemerkte man, daß je mehr schleimige etc. Theile ein Krapp enthält, welche die Auflösung des Pigments begünstigen, desto weniger Niederschlag beim Erkalten der essigsauren Auflösung entsteht.

|387|

Man vergleiche unten S. 393. A. d. R.

|388|

Vergl. Polyt. Journ. Bd. XXVII. S. 200.

|388|

Vergl. unten S. 392. A. d. R.

|391|

Obgleich Hr. Dandrillon diesen in der Preisaufgabe ausgesprochenen Bedingungen nicht ganz Genüge leistete, so beschloß die Société industrielle doch ihm eine Medaille zuzuerkennen, weil er ein bisher unbekanntes Mittel entdekte, den Färbestoff von dem größten Theile der fremdartigen Substanzen abzuscheiden.

|392|

Wir theilen aus dem Bulletin de la Soc. industr. N. 10. S. 407. das Hauptsächlichste davon der Vollständigkeit wegen hier noch mit, besonders in Bezug auf obigen Bericht des Hrn. Schlumberger. A. d. R.

|394|

Man vergl. darüber Polyt. Journ. Bd. XXXIII. S. 158.

A. d. R.

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