Titel: Boussingault, Analyse eines neu aufgefundenen Minerales.
Autor: Boussingault, Jean-Baptiste
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. CVIII. (S. 436–438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/ar039108

CVIII. Analyse eines neuen in Paramo-Rico bei Pamplona (in Südamerika) aufgefundenen Minerales; von Hrn. J. B. Boussingault.

Aus den Annales de Chimie et de Physique. Novbr. 1830. S. 325.

In geringer Entfernung vom Dorfe Montuosa-Baja in Panoramo-Rico, dessen absolute Höhe 3800 Meter beträgt, findet man in einem zersezten Syenit eine gelbe, schwere Substanz, welche man nach der unten folgenden Analyse für eine neue Art Minerales halten zu müssen scheint.

Dieses Mineral findet sich in Gestalt kleiner Concretionen; seine Farbe ist Gelb in Grün spielend, sein specifisches Gewicht 6,00 (das Wasser bei 24° C. als Einheit genommen). Auf Kohle vor dem Löthrohr schmilzt es leicht zu einem Kügelchen von dunkler Farbe; mit Soda erhält man leicht ein Bleikügelchen und es bildet sich zu gleicher Zeit eine unschmelzbare Schlake; auf einen neuen Zusaz von Soda zieht sich die Schlake in die Kohle und durch Zerreiben und Schlämmen erhält man aus dieser Kohle ein graues, schweres, metallisches Pulver, welches einem Molybdänkönig gleicht; in der That findet man auch auf nassem Wege eine beträchtliche Menge Molybdänsäure in dem Minerale.

Dieses Mineral löst sich in Salpetersäure mit Aufbrausen auf; |437| die Auflösung wird durch salpetersaures Silber gefällt. Von Salzsäure wird es schnell angegriffen; es bildet sich Chlorblei, die Flüssigkeit nimmt eine grüne Farbe an und zu gleicher Zeit entwikelt sich ein sehr merklicher Geruch nach Chlor.

Nachdem ich durch vorläufige Versuche gefunden hatte, daß das Mineral von Pamplona aus Bleioxyd, verbunden mit Molybdänsäure, Kohlensäure, Salzsäure und Chromsaure besteht, analysirte ich es auf folgende Art: 100 Gran des gepulverten Minerales wurden bei der angehenden Rothglühhize calcinirt und dadurch 2,9 Gr. Kohlensäure ausgetrieben. Das geglühte Mineral wurde in Salpetersäure, welche mit ihrem doppelten Volum Wasser verdünnt war, aufgelöst; die Auflösung war blaßgelb; man hatte einen Rükstand von 3,7 Gr. Quarz.

Die salpetersaure Auflösung wurde mit Schwefelsaure versezt, wodurch schwefelsaures Blei gefällt wurde, welches geglüht 95,9 Gr. wog und 76,6 Bleioxyd entspricht.

Die von Blei befreite Flüssigkeit versezte man sodann mit salpetersaurem Silber in sehr geringem Ueberschuß, wodurch 6,6 Gr. Chlorsilber erhalten wurden, die 1,3 Gr. Salzsäure entsprechen. Das überschüssige Silber wurde sodann durch einige Tropfen Salzsäure gefällt und der Niederschlag abfiltrirt; man goß hierauf Ammoniak in die Flüssigkeit, wodurch ein gallertartiger Niederschlag entstand, welcher geglüht 7,1 Gr. wog.

Dieser Niederschlag konnte Bleioxyd enthalten und wurde daher mit siedender Salzsäure behandelt; es bildete sich Chlorblei, welches man dadurch abschied, daß man die saure Flüssigkeit mit Alkohol versezte; das Chlorblei wog 4,0 Gr. und entspricht 3,2 Gr. Oxyd; im Ganzen sind folglich 73,8 Gr. Bleioxyd im Mineral von Pamplona enthalten. Die saure geistige Auflösung wurde concentrirt und mit Aezkali in Ueberschuß versezt, um die Alaunerde aufgelöst zu erhalten und das Eisenoxyd abzuscheiden, welches 1,7 Gr. wog; die alkalische Auflösung, welche die Alaunerde enthielt, wurde mit Salpetersäure übersättigt und die Alaunerde mit Ammoniak gefällt; sie wog geglüht 2,2 Gr.

Die ammoniakalische Flüssigkeit, aus welcher die Alaunerde, das Eisenoxyd und das rükständige Bleioxyd abgeschieden worden waren und welche die Molybdänsäure und Chromsäure enthalten mußte, wurde abgedampft; sie nahm bei der Concentration eine dunkelgelbe Farbe an. Nach Verflüchtigung der Ammoniaksalze blieb eine pulverförmige grünlichweiße Substanz zurük, welche ein Gemenge von Molybdänsaure und Chromoxyd war.

An den Seitenwänden der Platinschale, worin die Ammoniaksalze verflüchtigt worden waren, bemerkte man eine klebrige, schmelzbare, |438| außerordentlich saure Substanz, welche alle Eigenschaften der Phosphorsaure besaß. Diese Säure wurde in Alkohol aufgelöst, die geistige Auflösung mit Wasser verdünnt, und gekocht um den Alkohol zu verjagen; man neutralisirte sie sodann mit Ammoniak und fällte sie mit salpetersaurem Ammoniak, wodurch man 4,0 Gr. phosphorsauren Baryt enthielt, welcher 1,3 Gr. Phosphorsaure entspricht.

Die mit Chromoxyd gemengte Molybdänsäure wurde mit einer Auflösung von Aezkali behandelt; das Gemenge, welches 10,9 Gr. wog, hinterließ dabei 0,9 Gr. Chromoxyd, welche 1,2 Gr. Chromsäure entsprechen. Das Mineral von Pamplona enthält nach dieser Analyse:

Bleioxyd 73,8
Molybdänsaure 10,0 Die in diesem Mineral enthaltenen Säuren müssen mit
Bleioxyd verbunden seyn:
Kohlensäure
Salzsäure
Phosphorsäure
Chromsäure
2,9
1,3
1,3
1,2
Die Kohlensäure muß aufnehmen
Die Salzsäure
Die Phosphorsäure
Die Chrömsäure
14,6 Gr.
5,3 –
4,1 –
2,4 –
von diesem Oxyd.
26,4 Gr.
Eisenoxyd 1,7 Es bleiben folglich 47,4 Gr. Bleioxyd, welche mit der
Alaunerde 2,2 Molybdänsäure verbunden seyn müssen.
Quarz 3,7
––––
98,1

In dem neutralen molybdänsauren Blei (b o²) ist die Säure zur Basis in solchem Verhältnisse, daß die im Minerale enthaltenen 10 Gr. Molybdänsäure nur 15,2 Gr. Bleioxyd erfordern würden; die Menge Oxyd, welche hier mit Molybdänsäure verbunden ist, beträgt sehr nahe drei Mal so biet als im neutralen Salze. Das analysirte Mineral scheint also ein neues molybdänsaures Blei zu seyn, welches drei Mal so viel Oxyd als das von Hatchett analysirte neutrale molybdänsaure Blei enthält. In dem molybdänsauren Salze von Pamplona ist der Sauerstoff der Basis dem Sauerstoff der Säure genau gleich; es ist Molybdas triplumbicus und seine Formel o².

Man kann dieses Mineral daher betrachten als bestehend aus:

Basisch molybdänsaurem Blei 56,7
Kohlensaurem Blei 17,5
Salzsaurem Blei 6,6
Phosphorsaurem Blei 5,4
Chromsaurem Blei 3,6
Gangart 7,6
Ueberschüssigem Bleioxyd 0,7
––––
98,1

Rio Sucio de Engruma, Mai 1830.

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