Titel: Ueber eine einfache Methode große Schrauben zu verfertigen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. XXVII./Miszelle 2 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/mi039027_2

Ueber eine einfache Methode große Schrauben zu verfertigen.

Vor ungefähr 40 Jahren wurde ein talentvoller Schmid zu Birmingham, Namens Anton Robinson, von dem berühmten Matthäus Brutton zu Soho aufgefordert, eine große Schraubenspindel zu einer Presse aus geschlagenem Eisen |74| zu verfertigen, die ungefähr 7 Fuß Länge und 6 Zoll im Durchmesser halten sollte. Er hatte damals noch keine der neueren Maschinen zu Gebote, deren man sich gegenwärtig bei dem Schraubenschneiden so häufig bedient, und war folglich lediglich auf sich selbst beschränkt. Nachdem er die verlangte Schraubenspindel so genau als möglich abgedreht hatte, paßte er ein Stük Papier genau um dieselbe, und nachdem er dieses Papier wieder gerade ausgezogen hatte, zeichnete er mit der Tinte eine Menge paralleler und gleichweit von einander entfernter Linien schief und quer von einer Seite zur anderen, und zwar unter dem für die Zahl der Schraubengange der Schraube, die dreifadig war, geeigneten Winkel. Dieses Papier kittete er auf dem Cylinder, aus welchem die Schraube geschnitten werden sollte, fest, und flach den Lauf dieser Linien mittelst einer kegelförmigen spizigen Punze und eines Hammers durch das Papier auf die Oberfläche des eisernen Cylinders durch, von welchem er nun das Papier wegnahm. Die ausgestochenen oder ausgeschlagenen Punkte verband er nun mittelst einer Feile, die er längs dem Laufe derselben hinzog, und bildete so eine Reihe regelmäßiger Schneken- oder Schraubenlinien auf dem Cylinder, welche in der That die Umrisse der Schrauben-Faden waren. Er stämmte nun kalt mit Hammer und Meißel das Eisen zwischen allen den Faden aus, bis er tief genug gelangte um eine Führung zu erhalten. Nun errichtete er einen starken hölzernen horizontalen Balken auf zwei festen aufrechten, in die Erde eingetriebenen Pfosten, und auf einer der aufrechten Seiten dieses Balkens befestigte er mittelst Schrauben und Niete eine starke walzenförmige Büchse aus geschlagenem Eisen, deren innerer Durchmesser größer war, als jener der Schraube, und zu beiden Seiten flache Flügel zur Aufnahme der Schraube führte. Er hing nun die Schraube senkrecht in derselben auf, schloß den unteren Theil derselben rings um die Schraube mit nassem Thone, und goß Blei (mit Zinn gehärtet) rings um die Schraube, bis die eiserne Büchse voll ward. Auf diese Weise erhielt er eine Art von weiblicher Schraube die stark genug war um die männliche Schraube in derselben genau auf und nieder zu führen, wenn jene mittelst eines Hebels unten gedreht wurde. Nun brachte er an der eisernen Büchse die nothwendigen Leitungs-Bügel und Bind- und Stell-Schrauben zur Aufnahme der schneidenden Werkzeuge an, mit welchen er den Schraubengängen bald die gehörige Gestalt und vollkommene Regelmäßigkeit geben konnte. Auf diese einfache Weise verfertigte der Schmid Robinson eine Schraube, die man zu seiner Zeit für ein außerordentliches Meisterwerk hielt.

Es mag vielleicht öfters Gelegenheit geben, diesen Wink bei Verfertigung großer Schrauben in Ermangelung anderer Vorrichtungen zu benuzen.

Die weibliche Schraube zu dieser Schraube läßt sich auf dieselbe Weise verfertigen, wie das Schraubenloch in den Schraubenstöken, von welchen im folgenden Aufsaz die Rede ist, und wodurch diese Schraubenspindel auch zur Münzpresse geeignet wird. (Aus Gill's technological and microscopic Repository. VI. Bd. Nr. 5. S. 261.)

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