Titel: Ueber Verfertigung dichter und hohler Schrauben zu Schraubstöken, Pressen, Wagenwinden etc. Von Hrn. Gill.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. XXVII./Miszelle 3 (S. 74–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/mi039027_3

Ueber Verfertigung dichter und hohler Schrauben zu Schraubstöken, Pressen, Wagenwinden etc. Von Hrn. Gill.

Die Schraubstök-Macher bedienen sich, so viel wir wissen, einer ganz eigenen Methode Schrauben zu fertigen, die wir bei anderen Arbeitern nirgendwo wieder gesehen haben; wir sahen sie zuerst bei einem Zweige der Familie. Wright, der seit vielen Jahren zu Birmingham ansässig ist; der ursprüngliche Siz dieser Familie ist Worcester, wo sie seit undenklichen Zeiten wegen der ausgezeichneten Güte ihrer Waaren berühmt war.

Die dichten Schrauben werden aus dem besten Klein-Eisen (scrap iron) verfertigt, das folglich theuer ist, indem nur Eisen von der besten Qualität die Behandlung auszuhalten vermag, die zur Verfertigung der vierekigen Schraubengänge der Schraube nach der unten zu beschreibenden Art erforderlich wird.

Nachdem der eiserne Cylinder zur Schraube sorgfältig ausgeschmiedet wurde, wird er zwischen den Baken einer starken Schraubenklammer senkrecht festgehalten, welche in einem hölzernen, in der Erde befestigten Bloke angebracht ist. Der vierekige gehärtete stählerne Blok, welcher das Schraubenloch enthält, befindet sich in einem vierekigen Loche, welches im Mittelpuncte eines starken eisernen, fünfzehn Fuß langen Hebels vorgerichtet ist, und ist daselbst mittelst Binde-Schrauben gehörig befestigt.

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Der eiserne Cylinder, welcher die Schraube bilden soll, ist kleiner im Durchmesser als die obersten Theile der Faden der Schraube, so daß diese in Folge der Wirkung der hohlen Schraube im Bloks auf dem Eisen, welche nicht schneidend wirkt, zum Theile eingebissen, zum Theile gefletscht werden. Der Hebel wird von einem Arbeiter oder von mehreren Arbeitern an jedem Ende desselben, nach der Größe der Schraube, in Thätigkeit gesezt: diese Arbeiter rüken im Verlaufe der Schraubenbildung abwechselnd gradweise vor und zurük; sie tröpfeln öfters Oehl auf die hohle Schraube, so wie sie in ihrer Arbeit fortschreiten, um sich dieselbe in einem gewissen Grade zu erleichtern, indem sie, was wir gern glauben, sehr mühesam ist. In Folge der starken Verdichtung des Eisens, welche durch dieses Verfahren bewirkt wird, erhalten diese Schraubstöke und andere Schrauben jene Härte und große Dauerhaftigkeit, wegen welcher sie allgemein berühmt sind.

Wir wissen nicht, wie die Schraubstökmacher ursprünglich die hohlen Schrauben in ihren stählernen Blöken verfertigten: es hält aber jezt nicht schwer dieß zu leisten.

Wenn einmal die Faden rings um die dichten Schrauben gebildet sind, so bedient man sich zur Bildung der hohlen Schrauben oder Büchsen, wie man sie nennt, folgender Methoden. Man schmiedet eine eiserne Stange sorgfältig so aus, daß sie in die Furchen zwischen den Faden paßt und dieselben ausfüllt, macht sie aber ehe noch etwas breiter, da sie sich über die obersten Enden derselben erstrekt, wenn sie um die Schraube herumgewunden wird. Man schließt nun diesen Winkel in ein walzenförmiges Gehäus aus geschlagenem Eisen, welches bloß aus einer Eisenplatte besteht, die um den Wikel so geschlagen wird, daß die Kanten desselben aneinander stoßen. Ein flacher Flügel oder Streifen von Eisen wird dann längs dem Gefüge und ein anderer auf der entgegengesezten Seite hingelegt, und beide werden an ihrer Stelle mittelst eiserner Reife oder Bänder festgehalten, die fest über denselben angetrieben werden. Diese Flügel sollen dazu dienen, daß sie das Drehen der Büchse in den Baken der Schraube, oder in den zur Aufnahme derselben in dem Gestelle der Presse angebrachten Löchern hindern, für welche sie bestimmt sind. Wenn nun eine Schraubstok-Büchse verfertigt werden soll, so wird an dem einen Ende derselben ein Knopf und ein eiserner Ring angebracht, der größer ist, als die Büchse; und wenn Alles so gestellt ist, so wird zu festerer Vereinigung und Verbindung des Ganzen auf folgende Weise gelöthet.

Streifen von altem Messing werden innenwendig in der Büchse der Länge nach hingelegt, und einige auch außen, und das Ganze wird sorgfältig in ein Gehäus aus plastischem Thon eingeschlossen, der so darüber angebracht wird, daß die Theile, welche zusammengelöthet werden sollen, von lezterem frei und unbedekt bleiben. An dem offenen Ende der Büchse wird gleichfalls ein kleines Loch durch den Thon gebildet, alle übrigen Theile aber bleiben sorgfältig geschlossen. Dieses Thongehäus wird dann etwas getroknet, indem man es in die Nähe der Esse bringt, und zulezt selbst in das Feuer derselben stellt, das man so lang anbläst, bis man den Zink-Rauch aus dem geschmolzenen Messing durch das Loch im Thone entweichen sieht, welches man zu diesem Ende, wie bereits bemerkt wurde, offen läßt. Das Stük muß, während es im Feuer liegt, gelegentlich umgekehrt werden, damit es sich gleichförmig erwärmt. Wenn die Zinkdämpfe anfangen sich zu entwikeln, wird die Büchse aus dem Feuer genommen, und auf die Erde gelegt, wo man sie einige Zeit über vor- und rükwärts rollt, damit das geschmolzene Messing sich gleichförmig zwischen jenen Theilen verbreitet, welche durch dasselbe vereinigt werden sollen. Man läßt sie nun kalt werden, bricht die Thonrinde weg und entfernt die eisernen Reise. Nun kann die Schraube in die Büchse eingepaßt werden, was dadurch geschieht, daß man leztere in einen Schraubstok bringt, und die Schraube darin mittelst eines Hebels vorwärts und rükwärts treibt, welcher in dem im Kopfe desselben angebrachten Loche eingeschoben wird: zugleich wird Sand und Wasser angewendet, um das Schleifen dadurch zu erleichtern, und den Weg durch die Faden in der Buchst durch zu machen. Der Sand muß später wieder sorgfältig ausgewaschen werden. Wir wissen nicht, ob Boran bei diesem Löthen gebraucht wird; wir glauben, daß er für jeden Fall gut thun würde.

Die Schlosser bedienen sich eines ähnlichen Verfahrens beim Löthen ihrer Gehäuse: sie wikeln jedoch zuweilen ein Blatt starkes Papier herum, um zu hindern, daß kein Thon eintritt.

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Auf ähnliche Weise kann auch eine Büchse oder hohle Schraube zu einer so großen Schraube verfertigt werden, wie wir so eben (S. 291) (oben S. 74.) beschrieben haben. Es scheint uns auch, daß man aus Glokenspeise oder Stükgut eine hohle Schraube um eine Schraubenspindel gießen kann, wenn man leztere mit einem eigenen Gehäuse umgibt, und die Schraube vorläufig mit Pfeifenthon bekleidet, damit das geschmolzene Messing nicht mit demselben in Berührung kommt. (Aus Gill's technological and microscopic Repository Bd. VI. Nr. 5. S. 280.)

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