Titel: Ueber den Verfall der Londoner Akademie oder Royal Society.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. LIV./Miszelle 34 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/mi039054_34
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Ueber den Verfall der Londoner Akademie oder Royal Society.

Seit Babbage in seinem Werke über den Verfall der Wissenschaften in England so zu sagen das Signal gegeben hat, machen nun alle Journale sich über diese gelehrte Menagerie lustig. Das Mechanics' Mag. N. 379, 13 Nov. geht S. 203. auf die Zeiten Addison's und Steele's zurük, und zeigt, wie diese großen Männer schon in ihren Tagen die Royal Society als „eine Verschwörung gegen Gelehrsamkeit, Geschmak und Edelsinn“ erklärten. (Tatler No. 236). Dr. Joh. Hill schrieb in seiner Review of the Works of the roy. Society 1751 keine Satyre, sondern eine Kritik dieser Gesellschaft, die äußerst lehrreich ist. Der berühmte Arzt Pringle gab die Präsidentschaft über eine solche Gesellschaft aus Unwillen auf, und als der berühmte Sir Jos. Banks ihm folgte, trat Bischof Horsley mit einer Menge anderer Mitglieder aus.

In neueren Zeiten ging's nicht viel besser, zumal mit Verwaltung früherer Vermächtnisse. Ein Hr. Fairchild vermachte 25 Pfd. Sterl. unter der Bedingung, daß von dem Ertrage der Interessen jährlich eine Vorlesung gehalten werden sollte. Man ließ aber statt einer Vorlesung eine Predigt halten, und Hr. Ellis predigte 26 Jahre lang an Fairchild's Lecture. Dr. Croone hinterließ ein Legat für eine jährlich abzuhaltende Vorlesung über Muskelbewegung. Sir Everard Home hat seit 20 Jahren diese Vorlesungen jährlich gehalten. Die 257 Abbildungen, die Sir Home in den Philos. Transact. herausgegeben hat, kosten der Royal Society 2594 Pfd. Sterl., und finden sich wieder in allen Werken Home's, ohne daß daselbst die Quellen angegeben wären, woher die Abbildungen genommen sind. Um den berühmten Buchhändler Murray zur Herausgabe eines Werkes Davy's zu vermögen, kaufte ihm die R. Society 500 Exemplare um den Ladenpreis ab, und verkaufte dieselben wieder an die Mitglieder unter dem Ladenpreise, sezte aber nur 27 Exemplare davon ab. Die Folioausgabe der Greenwicher astronomischen Beobachtungen (Greenwich Observations) zur Royal Society gehörig, wurde in Pappendekel umgewandelt: ein Krämer in Thamesstreet kaufte neulich 2 1/2 Tonnen (50 Ztr.) das Pfd. für 4 Pence (12 kr.). Hr. Pond ist, wie Babbage versichert, der Meinung, daß sein Ruhm desto mehr gewinnen muß, je weniger Exemplare von diesem Werke in Umlauf kommen.

Wenn nur die Hälfte von dem wahr ist, was im Mech. Mag. N. 380. S. 216 über Banks, der kaum lesen und schreiben gekonnt haben soll, und über seine Administration der Royal Society gesagt wird, so ist diese Royal Society erbärmlicher als irgend eine ähnliche Anstalt auf dem festen Lande. Sir H. Davy und Hr. Davies Gilbert wollten allerdings etwas Besseres; allein man fand, daß das, was war, gut war; die Herren mußten nachgeben, und es ward noch schlechter, so daß man gegenwärtig kein anderes Mittel, als gänzliche Auflösung dieser Anstalt, zur Rettung des wissenschaftlichen Geistes in England mehr übrig findet.

Der Herzog von Sussex, den man zum Präsidenten wünschte, hat diese Stelle förmlich abgeschlagen, und Hr. Gilbert das Präsidium niedergelegt, so daß also gegenwärtig ein neuer Präsident gewählt werden muß. Man wünscht, daß Hr. Herschel, gegenwärtig der erste Mathematiker Englands, diese Stelle annehmen möchte, fürchtet aber, daß er es nicht thun wird.

Das Mech. Mag. ist übrigens der Meinung, daß das Institut in Frankreich noch schlechter ist, und wir glauben, daß es sich täuscht, obschon wir zugeben müssen, daß dasselbe seit der Restauration um Vieles schlechter geworden ist. Es behauptet ferner gegen Hrn. Babbage, daß zu keiner Zeit die Wissenschaften, zumal die mathematischen, in England in einem blühenderen Zustande sich befanden, als gerade jezt.

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