Titel: Bestandtheile des Schießpulvers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. LXXVI./Miszelle 9 (S. 230–231)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/mi039076_9
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Bestandtheile des Schießpulvers.

Dr. Ure hat verschiedene Arten von Schießpulver analysirt. Die Resultate einer Unternehmungen sind folgende:

Textabbildung Bd. 39, S. 231

Das Verfahren, sagt Dr. Ure, dessen man sich bei der Analyse des Schießpulvers gewöhnlich bedient, scheint so ziemlich genau. Der Salpeter wird zuerst durch heißes destillirtes Wasser abgeschieden, dann abgeraucht und gewogen. Man kann allerdings auf einen kleinen Verlust von diesem Salze gefaßt seyn, indem es bekanntlich bei der Temperatur des kochenden Wassers sich verflüchtigt. Ich habe immer im Dampfbade abgeraucht. Es ist wahrscheinlich, daß ein geringer Antheil des leichteren und lokereren Bestandtheiles des Schießpulvers, der Kohle nämlich, während des Körnens und Stäubens sich verflüchtigt. Daher kann auch die Analyse ein kleines Deficit bei der Kohle unter der ursprünglich bei der Mischung des Pulvers angegebenen Menge derselben geben. Der Rükstand an Kohle und Schwefel auf dem doppelten Filtrum wird, nachdem er durch gewöhnliche Dampfhize getroknet wurde, wie gewöhnlich, nach dem Unterschiede des Gewichtes des inneren und äußeren Papieres bestimmt. Er wird mittelst einer Zahnbürste in einen Platinnatiegel gethan, und in einer verdünnten Kaliauflösung bei Siedehize digerirt. Drei Theile Kali reichen vollkommen hin, um einen Theil Schwefel aufzulösen. Wenn diese Auflösung auf das Filtrum gebracht, und ihr Rükstand auf demselben Anfangs mit einer sehr verdünnten siedend heißen Kaliauflösung, dann mit siedendem Wasser ausgewaschen und hierauf getroknet wird, bleibt die Kohle rein zurük. Das Gewicht derselben, abgezogen von jenem des gemengten Pulvers, gibt das Gewicht des Schwefels.

Dr. Ure sagt, daß er mehrere und mehr directe Methoden versuchte, die Menge des Schwefels zu bestimmen, z.B. durch Auflösung in heißem Terpenthinöhle, durch Verwandlung in Schwefelsäure mittelst Salpetersäure und chlorsaurem Kali, alle ohne genügenden Erfolg.

„Wenn wir, sagt Dr. Ure, untersuchen, wie das Maximum des Gas-Volumens durch die chemischen Einwirkungen der Elemente des Salpeters auf Kohle und Schwefel entsteht, so werden wir finden, daß es durch Erzeugung von Kohlenstoffoxyd und schwefeliger Säure geschieht mit Entwikelung von Stikstoff.

Dieß leitet uns zu folgenden Verhältnissen dieser Bestandtheile:

1 Aequivalentdes Salpeters 102 75,00 p. C.
1 dito – Schwefels 16 11,77 –
3 ditoder Kohle 18 13,23 –
–––– –––––––––
136 100,00 –

Die Salpetersäure enthält 5 Aeq. Sauerstoff, wovon drei sich mit den 3 der Kohle verbindend, 3 kohlensaures Gas geben, während die 2 noch übrigen das Eine Aeq. des Schwefels in schwefeligsaures Gas verwandeln. Das einzelne Aequivalent Stikstoff wird also, nach dieser Ansicht, allein entwikelt.

Das Gas-Volumen, welches, unter dieser Voraussezung, aus 136 Gran Schießpulver entwikelt wird, die, ihrem Volumen nach, 75 Gran Wasser gleich sind, oder drei Zehntel Kubikzoll, wird, bei der Temperatur der Atmosphäre folgende Verhältnisse darbieten:

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d.h. Ein Volumen dehnt sich in 787,3 aus. Da aber die Temperatur der Gase in dem Augenblike ihrer Bildung durch Verbrennung Glühhize seyn muß, kann man dieses Volumen sicherlich drei Mal so hoch annehmen, oder wenigstens bedeutend größer als zweitausend Mal der Umfang des Schießpulvers selbst.“ Journ. of the Roy. Inst. Phil. Mag. Novemb. 1830. S. 384.

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