Titel: Ueber den Purpur des Cassius.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. LXXXVI./Miszelle 9 (S. 328)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/mi039086_9

Ueber den Purpur des Cassius.

Wir haben im pol. Journ. Bd. XXXVIII. S. 296. eine Abhandlung des Hrn. Buisson über den Goldpurpur mitgetheilt. Hr. Robiquet hatte einige Einwendungen gegen die von Hrn. Buisson aufgestellte Ansicht über die Zusammensezung des Goldpurpurs gemacht, was lezteren zu einer Vertheidigung im Journal de Pharmacie, Dec. 1830. S. 755. veranlaßte Hr. Buisson sagt, daß das Gold im Purpur des Cassius in metallischem Zustande und in einem besonderen Zustande von Zertheilung vorhanden sey, der ihm seinen gewöhnlichen Glanz benimmt und ihm die Purpurfarbe ertheilt. Darüber wird sich Niemand wundern, welcher den merkwürdigen Versuch von Benedict Prevost kennt, der zeigte, daß die gelbe Farbe des reinen Goldes vierzehn bis funfzehn Mal wiederholt, ein sehr dunkles Orangeroth gibt. Hieraus kann man folgern, daß in diesem eigenthümlichen Zustande von Zertheilung die zahlreichen Goldlamellen, welche gelb seyn würden, isolirt dunkelroth oder purpurroth erscheinen müssen, indem sich ihre Farbe oft wiederholt. Hr. Buisson behandelte ferner troknen und gepulverten Goldpurpur bei 100 bis 150° C. mit Queksilber; er entfärbte sich fast augenbliklich, indem sich das Gold im Queksilber auflöste und das Zinnoxyd unaufgelöst zurükblieb. Er bemerkt endlich sehr richtig, daß man nicht wohl begreifen kann, wie der Purpur des Cassius Goldoxyd enthalten sollte, da man solchen Purpur erhält, wenn man Chlorgold oder Schwefelgold auf Porcellanscherben ausbreitet und sie bloß calcinirt; das Goldoxyd ist bekanntlich durch bloßes Erhizen sehr leicht reducirbar, wie sollte es bei einer hohen Temperatur sich bilden und bestehen können? Wenn man frisch gefällten Goldpurpur mit Salzsäure kocht, so löst sich das Zinnoxyd auf und das Gold bleibt entweder im metallischen Zustande oder als ein blaues Pulver zurük. Hr. Buisson fand, daß man bei Anstellung dieses Versuches kein Gold in der sauren Auflösung findet, und daß auch kein Chlor entbunden wird, was offenbar geschehen müßte, wenn Goldoxyd in dem Purpur enthalten gewesen und reducirt worden wäre.

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