Titel: Watt's Patentmittel gegen thierische Gifte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. XCVIII./Miszelle 13 (S. 405–406)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/mi039098_13

Watt's Patentmittel gegen thierische Gifte.

Ein Chirurg, Namens Jak. Watt, Stracey Street, Stepney, Middlesex, hatte die Unverschämtheit, sich am 29. April 1828 ein Patent auf Mittel ertheilen zu lassen, welche er entdekte, wo durch Einwirkung eines gewissen chemischen Reagens thierisches Gift zerstört, und der durch dasselbe entstehenden Krankheit vorgebeugt werden kann.

Diese Mittel sind nun ein Waschwasser zur Zerstörung des Anstekungs-Stoffes |406| gewisser Krankheiten, welchen Stoff der elende Patent-Träger thierische Gift nennt.

Wenn man sich die Krankheit bereits durch Berührung einer damit angestekten Person zugezogen hat, so muß der Theil, welcher in Berührung kam, mit Seife und Wasser gehörig abgewaschen, und dann mit Wasser, welches stark mit Chlorine geschwängert ist, gewaschen werden. Der Theil muß, sagt der Patent-Träger, damit gleichsam gebähet, d.h. mit Lappen bedekt werden, die in diese Flüssigkeit eingetaucht wurden.

Er empfiehlt das Wasser mit Chlor-Gas mittelst einer Drukpumpe in einem geschlossenen Gefäße so zu schwängern, wie man gewöhnlich Soda-Wasser bereitet, und dieses Wasser dann in gut gestöpselten Flaschen aufzubewahren.

In einigen Fällen wendet er auch die Chlorine oder das Chlor als Gas an; empfiehlt aber, wo dieß nicht angeht, das Chlor-Wasser.

Das London Journal of Arts bemerkt allerdings N. 29. S. 274, daß für Patente auf Arzneimittel das Geld hinausgeworfen ist, indem es jedem Arzte frei steht, sich des Patent-Mittels, wenn er will, mit oder ohne Vorwissen des Patent-Trägers zu bedienen; das London-Journal hätte aber noch bemerken sollen, daß 1) jeder Arzt oder Wundarzt, welcher ein geheimes Mittel, ein Arcanum anwendet, ein Charlatan, ein Meineidiger ist, der seinen Schwur brach, welchen er bei Erlangung der Licenz zur Praxis geschworen hat: der leidenden Menschheit nach allen seinen Kräften zu dienen.“ Dient man da der Menschheit, wenn man das Mittel, durch welches man ihr nüzen kann, ihr vorenthält, geheim hält? Die wahren Aerzte aller Zeiten und Völker beeilten sich mit der Bekanntmachung derjenigen Mittel, welche sie zufällig als nüzlich und wohlthätig für die Menschheit gesunden haben; nur Charlatane und Betrüger halten auf ihren Arcanen. 2) Daß Hr. Watt ein unverschämter Lügner ist, wenn er behauptet, Er habe die Entdekung gemacht, daß Chlor die Anstekungs-Stoffe zersezt. Diese Entdekung hat der unsterbliche Procureur du Roy, Guyton-Morveau, vor mehr dann 50 Jahren gemacht, und die Aerzte aller Völker Europens fanden sie zeither in vielen Fällen bestätigt, jedoch nicht in allen; denn es gibt thierische Gifte (anstekende und nicht anstekende), welche leider selbst dem Chlor zu widerstehen vermögen. Daß Hr. Watt das Publicum prellen will durch sein Patent, ist unter den englischen Aerzten und Wundärzten, von welchen ein guter Theil zu den abgefäumtesten Charlatanen gehört, kein Wunder; daß aber das Patent-Office den Surgeon Watt noch früher prellte, als er das Publicum, zeigt die Moralität des englischen constitutionellen Justiz-Ministeriums, das nicht selten schlechter ist als das empörendste Verbrechen selbst.

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