Titel: Neue Dampfbothe-Gesellschaft in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. XCVIII./Miszelle 3 (S. 402–403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/mi039098_3

Neue Dampfbothe-Gesellschaft in England.

Es bildet sich in England, wie wir aus dem Mech. Mag. Nr. 375, 16. Oct. 1830 sehen, eine neue Dampfbothe-Gesellschaft, an welcher die angesehensten Mechaniker, Fawcett, Laird, Braithwaite und Ericsson, Nimmo, Hartley, Vignoles, Price an der Spize stehen, und welche sich den Titel The South and West of England Steam Navigation Company gibt. Sie fordert 600,000 Pfd. Sterling Actien.

Die Dampfschifffahrt, sagt sie im Prospectus, ist in England noch in ihrer Kindheit. Sie beschränkt sich im Lande bloß auf die Flüsse Clyde, Thames, Forth, Mersey und Liffey, während die britischen und irländischen Küsten in vielen Streken noch kein Dampfboth kennen. Man kann jezt leichter Heu aus der Mitte von Irland auf englischen Märkten finden, als aus Hampshire. Es ist jezt etwas Gewöhnliches, heute Ochsen zu Dublin schlagen, und morgen ihr Fleisch zu Manchester, 150 englische Meilen von der Schlachtbank, auf dem Markte zu verkaufen. Middlesex und Surrey schikt mit dem, täglich aus der Themse nach Edinburgh fahrenden Dampfbothe seine Producte dahin, und Devonshire erstikt in seinen Schäzen, weil es keine Dampfbothe hat. Nach dem Auslande machte man bisher meistens nur Fahrten, die zwei oder drei Tage dauern. Ein einziges Dampfboth von 300 Tonnen fuhr über den westlichen Ocean; 2 oder 3 fuhren nach Ostindien; einige fanden ihren Weg in das mittelländische Meer.

Ueberdieß ist die Segel-Schifffahrt in England dort stehen geblieben, wo sie bereits vor 100 Jahren war, und der heutige Act, durch welchen das Parliament den Tonnengehalt der Schiffe bestimmt, nämlich nach Länge und Breite, ist ein Act zur Aufmunterung, schlechte Schiffe und kostbare Hafen zu bauen. Die englischen Kauffahrdei-Fahrer bauen daher ihre Schiffe tief, und segeln folglich schlechter als die schwedischen und amerikanischen. Es ist daher dringendes Bedürfniß, mehr Dampfschiffe in England zu bauen, Süd-Wales, Süd-Irland, Land's-End mit England und unter sich, England mit dem mittelländischen Meere und Spanien und Italien, Liverpool mit Amerika in Verbindung zu bringen. Bei den neuen Dampfbothen dieser Gesellschaft fällt aller Rauch weg; |403| sie werden gar keinen Schornstein führen. Die Kessel werden um drei Viertel kleiner und um zwei Drittel leichter seyn, als die bisherigen, und nicht halb so viel Brennmaterial fordern; sie werden also mehr Waaren und Reisende laden können und die Bewegung des Schiffes wird sanfter seyn.

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