Titel: Die Königliche Obstbaumschule zu Weyhenstephan bei Freysing. Arrose la plante avant qu'elle meure; ses fruits seront un jour les délices.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 39, Nr. CXIV./Miszelle 40 (S. 472–476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj039/mi039114_40

Die Königliche Obstbaumschule zu Weyhenstephan bei Freysing.
Arrose la plante avant qu'elle meure; ses fruits seront un jour les délices.

Rousseau. Emile I. 3.

Unter den großartigen Schöpfungen, welche der landesväterlichen Vorsorge Sr. Majestät verdankt werden, zeichnet sich die im Jahre 1827 errichtete Königliche Obstbaumschule zu Weyhenstephan bei Freysing ganz vorzüglich aus.

Die anerkannte Wohlthat der Obstbaumzucht schien bis jezt in mehreren Kreisen des Königreiches troz aller Aufmunterungen von Seite der Regierung doch nicht gewürdiget zu werden und alle früheren Pflanzungen von Obstbäumen gingen entweder gänzlich wieder zu Grunde, oder sie sind von so geringer Bedeutung, daß der Obstbau nicht unter Bayerns ländliche Industrie-Erzeugnisse und seine Erwerbsquellen gezählt werden konnte. Dieß war vorzüglich in den älteren Kreisen des Königreiches der Fall, wo nur an der südlichen Gebirgskette des Isarkreises, in einem Theile des Oberdonaukreises und im Unterdonaukreise gegen den bayer'schen Wald hin, ausgedehnte Obstbaumpflanzungen das Auge des Wanderers erfreuen. – Diese Leere der Landstraßen und Grundstüke konnte dem Blike unseres erhabenen Königs nicht entgehen; eine ebenso väterliche als weise Verordnung ermunterte, kurz nach der Thronbesteigung, zur Obstbaumzucht. Nicht Strenge, sondern Belehrung sollte den Landmann für den Obstbau gewinnen, und Straßen, Feldraine und Wiesen allmählich mit Fruchtbäumen schmüken.

In wiefern diese Königl. Willensmeinung befolgt oder überschritten wurde, bleibe hier unerörtert. –

Um die Obstbaumzucht auf eine eben so schnelle als zwekmäßige Weise ins Leben einzuführen, wurde ein Theil der zur Königl. unmittelbaren Staatsgüter-Administration Schleißheim gehöriger Grundstüke zu Weyhenstephan zur Anlegung einer großen Obstbaumschule allergnädigst überwiesen, und die Anlage, und Leitung derselben dem K. Hofgärtner W. Hinkert von München aufgetragen.

Es konnte wohl kein kräftigeres Mittel zur Beförderung der Obstbaumzucht aufgefunden werden, als die Errichtung einer solchen großartigen Anstalt, insonderheit unter der Direction eines sehr erfahrenen Gartenkünstlers; wenn dieser den wichtigen Umstand fest im Auge behält, nur eine Auswahl der vorzüglichsten, den klimatischen und örtlichen Verhältnissen entsprechenden Obstsorten in Vermehrung zu bringen. Dieß wird auch ohne Zweifel |473| das Bestreben des Vorstandes dieser Schule bleiben, und dadurch dem Landmanne solches Obst an die Hand gegeben werden, das ihm für den Markt wie zum ökonomischen Gebrauche die meisten Vortheile gewähren kann.

Schon bei der Wahl der Localität für die Baumschule bewahrte Hr. Hofgärtner Hinkert eine eben so große Umsicht und Sachkenntniß als unermüdliche Thätigkeit.

Der an der südwestlichen Seite der Stadt Freysing gelegene Berg von Weyhenstephan, vor alten Zeiten Tetmons geheißen, auf welchem schon im achten Jahrhunderte der heilige Corbinian die Obstbaumpflanzungen vermehrte und gesegneten Weinbau trieb, ward hinsichtlich seiner trefflichen Lage und seines schweren, kräftigen Bodens allen andern in Vorschlag gebrachten Localitäten vorgezogen, und die Bearbeitung und Umfriedigung des abgetretenen Flächenraumes am 2ten April 1827 mit allem Eifer begonnen, so wie die Aussaat der verschiedenen Obstkerne und die Anpflanzung vieler tausend Wildlinge.

Optimum ille locus pomis, haec optima sedes. Inter saxa pyris. – –

Die Schule selbst zerfällt in zwei Abtheilungen in einem Umfange von etwa 30 Tagwerken, welche durch einen mit hochstämmigen Obstbäumen besezten Weg durchschnitten werden. Gegen Norden dacht sich der größere Theil dieser Schule von 1065 und 863 Schuh Länge allmählich ab und gränzt mit seiner Breite von 636 Schuhe zunächst der von Vötting nach Freysing führenden Straße; gegen Westen lehnt er sich an den von der ehemaligen Benediktiner-Abtei nach dem sogenannten Schafhofe laufenden Vicinalweg, gegen Osten an Privatgründe, und gegen Süden endlich mit dem länglichten gegen Osten sich zuspizenden, unregelmäßigen Fortsaze in einer Breite von 1680 Schuhe an den mit Obstbäumen bepflanzten angeführten Theilungsweg. Diese Abtheilung ist mit Aepfel-, Birn-, Nuß-, Kirschen- und Maulbeerbäumen bestellt.

Der Flächenraum dieser ersten Abtheilung bietet ein längliches, unregelmäßiges in 30 große Beete getheiltes Vierek dar, welches in angemessenen Entfernungen mit Wasserableitungsgräben durchzogen ist. Die längs der Nord- und Ostseite hinlaufenden Rabatten sind mit Mutterbäumen vorzüglicher Kirschen- und Pflaumenarten, so wie mit einem auserlesenen Sortiment von Johannisbeeren bepflanzt.

Die zweite Abtheilung der Baumschule ist nicht sonderlich cultursfähig, und mußte zum Theil mit vieler Mühe und durch Hülfe der Kunst productionsfähig hergestellt werden. Das Land wurde längs der Umfriedigung in einer Länge von 768 Schuhe zu einer Saatschule für Kirschen-, Pflaumen-, Maulbeer- und Birnbäume benüzt, welcher sich eine Anpflanzung von Stachel- und Johannisbeeren, nebst einer Pfirschenrabatte anschließt, und dieser gegenüber eine Maulbeerbaum-, Pflaumen- und Wallnußbaumpflanzung angebracht ist.

Nicht umsonst wird in einem Briefe des achten Bischofs von Freysing Arno (st. 875.) diese Anhöhe der schöne Berg genannt; denn von diesem Punkte der Baumschule aus beherrscht man eine Aussicht, die wahrhaft bezaubernd ist, und man vergißt über dem großartigen Gemälde die Leere des sich weit ausdehnenden, moosigen Vorgrundes. –

Gegen Süden hin treten der Schloßgarten und das ehemalige Stift Weyhenstephan in die Baumpflanzung vor und geben ihre sonnenreichen Wände zur Anzucht feinerer, am Spaliere gezogenen, Bäume her. Der südliche Abhang des Berges selbst muß erst noch allmählich der Cultur übergeben werden, und soll hauptsächlich, so jähe er sich an manchen Stellen auch abdacht, zur Aufstellung von Mutterbäumen der vorzüglichsten Obstsorten dienen.

Dieses Verfahren bei Aufstellung der Mutterbäume muß als äußerst zwekmäßig angerühmt werden, da Sonne und Luft unaufgehalten darauf wirken und sie, bei ihrem stufenweisen Abstande von einander, sich gegenseitig nicht beschatten können, dabei ein sehr gesundes Wachsthum und die zur Vermehrung so nothwendige Reife des Holzes versprechen. –

Bereits ist eine Streke dieses Abhanges gartenmäßig bearbeitet und mit einer Auswahl der vorzüglichsten Rebensorten bepflanzt, welche durch die Bemühungen des K. Hofgärtners Hinkert aus dem Luxemburger Garten zu Paris gewonnen wurden.

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An der südwestlichen Seite ist dieser Berg noch mit bedeutendem Gehölze, einem Ueberbleibsel der im J. 1803 ereichteten allgemeinen Forstschule, bewachsen, und am Fuße desselben zieht sich das Flüßchen Mosach hin, an dessen rechten Ufer sich noch eine Saatschule von Mahaleb-, Kirschen-, Maulbeer- und Nußbäumen ausdehnt. Westlich an der Anhöhe ist die Wohnung des Plantagengärtners Estner mit der Aussicht auf die zunächststehenden Mutterbäume.

Das im Jahre 1827 mit voller Thätigkeit begonnene Werk steht nun in solcher Vollendung da, daß bereits im heurigen Herbste, und so fortgefahren alljährlich, mehrere Tausend Hochstämme abgegeben werden können, da nur immer eine bestimmte Fläche umgegraben, bebaut und veredelt wurde, so daß, wenn die lezten Beete ihre Bäume verlieren, im darauffolgenden Jahre die zuerst evacuirten bereits wieder zur Ablieferung reife Hochstämme tragen. Die Veredlung dieser Obstbäume geschah durchaus mittelst Oculation durch Bauernbursche, die für dieses Geschäft durch den Gärtner Estner eigens abgerichtet und in der übrigen Zeit für Herrichtung des Bodens u.s.w. benüzt wurden.

Bei der Emsigkeit, mit welcher man bei der Anlage, Herbeischaffung der Wildlinge, und der sehr bedeutenden Menge von Edelreisern zu Werke ging, dringt sich mir der Zweifel auf, ob eine strenge Wahl in Bezug auf das Obstsortiment möglich war, und ob nicht nachtheilige Verwechselungen vor sich gegangen seyn könnten? – Dieser Fall ist nicht nur allein möglich, sondern selbst höchst wahrscheinlich,188) und konnte troz aller Genauigkeit und Vorsicht des K. Hofgärtners Hinkert und seines untergeordneten Plantagengärtners gar leicht Plaz greifen. –

Eine systematische, Prüfung ist hier nothwendig, und der Ausspruch des Fabricius an seinem Orte:

Systema, genere distincta, determinata, et species et differentia munitae ideoque magis necessaria, ne omnia confundantur; at hic labor, hic opus.

Wer kann wohl die Versicherung geben, daß die, wenn auch aus guten Schulen bezogenen Edelreiser wirklich ächt sind, und in der Folge jene Obstsorten liefern, mit deren Namen sie bezeichnet sind? – Und wenn ferner sich ergeben wird, daß Verwechselungen im Obstsortimente Statt finden, wer wird im Stande seyn, den Wirrwarr zu sichten, da bei uns in Bayern die Pomologie noch keine Freistätte gefunden hat, und so zu sagen nur dem Namen nach bekannt ist? –

Es ist jedoch unerläßliche Bedingniß einer guten Baumschule, und um so mehr einer auf Kosten des Staates errichteten, daß die darin veredelten Bäume durchaus ächt befunden werden, und dabei auch das gewünschte, für die klimatischen und örtlichen Verhältnisse entsprechende Obst liefern. –

Wenn nun aber bei Statt findenden Verwechselungen von den angezogenen Fruchtbäumen immer wieder Reiser geschnitten und auf die jungen Wildlinge übergetragen werden, muß dabei nicht nothwendiger Weise die Verwirrung ins Unendliche fortgepflanzt werden, und wäre es nicht von hoher Wichtigkeit für eine Anstalt, wie die K. Obstbaumschule Weyhenstephan ist, einen eigenen Pomologen zur systematischen Bestimmung der verschiedenen Obstsorten, zum Entwurfe eines beschreibenden Kataloges und zum mündlichen und praktischen Unterrichte in der Baumzucht aufzustellen, dem es nebstbei zum besonderen Geschäfte gemacht würde, pomologische Excursionen durch die verschiedenen Kreise vorzunehmen, die dort vorkommenden Sorten zu untersuchen, und die Landbewohner zum Obstbau zu ermuntern? – Es würden solche pomologische Ausflüge dem Vaterlande größeren Nuzen verschaffen, als manchem seefahrenden Staate die Ausrüstung eines Schiffes auf Entdekungsreisen nach den entferntesten Gewässern. –

Einem Manne, wie der K. Hofgärtner H., der außer der Besorgung der K. Baumschule in München auch noch das Technische dieser neuen Obstbaumschule leitet, und beiden Attributen die unermüdlichste Sorgfalt widmet, kann die scientivische Berichtigung der Sorten niemals überbürdet werden; denn es ist |475| ein viel schwereres Geschäft, als Nichtkenner dafür halten, die geradezu glauben, es sey genug, den Apfel von der Birne, die Kirsche von der Pflaume unterscheiden zu können. – Es ist die Pomologie, richtiger Oporologie,189) ein Theil der Pflanzenkunde, und wegen der ins Unendliche gesteigerten Anomalien, der schwierigste, der ein weites Feld der Bearbeitung offen hält. Seit Joh. Mayers trefflicher Pomona Françonica, die im J. 1776 zu Nürnberg im Druk erschien, liegt dieses Feld der Wissenschaft verödet, und nur ein Bayer ist mir bekannt, der seine Erholungsstunden ausschließlich dem Studium eines eben so edlen als nüzlichen Zweiges der Naturgeschichte zum Opfer bringt. Es ist dieses der rechtskundige Magistratsrath Dr. Radelkofer 190) in München, dessen auserlesene Sammlung pomologischer Prachtwerke den Kenner eben so sehr überrascht, als er die herrliche Topforangerie bewundert, deren Zusammenbringung, Auswahl und systematische Bestimmung man ihm zu danken hat.

Die auserlesenen Obstsorten dieser Topforangerie, welche nur das Studium und die Prüfung der verschiedenen Gattungen, Arten und Abarten zum Zweke hat, sind aus den Baumschulen des berühmten Pomologen Dr. A. F. A. Diel aus Dietz an der Lahn, dessen pomologische Verdienste der König von Preußen mit dem rothen Adlerorden belohnte; nebstdem bezog Hr. Dr. Radelkofer auch mehrere Edelreiser von Liegel in Braunau, aus dem Gräfl. v. Montgelas'schen Garten in Bogenhausen, dessen Obergärtner Seimel als ein eifriger Beförderer einer systematischen Obstcultur angerühmt werden muß; und überhaupt nur aus den zuverlässigsten Quellen; er verschaffte sich das Truchseß'sche Kirschensortiment, und unterwarf aber dabei jede neue Frucht seiner Baumchen der sorgfältigsten Prüfung. –

Dasselbe sollte meines Dafürhaltens auch in der K. Obstbaumschule zu Weyhenstephan, wo die Diel'schen, Truchseß'schen und Liegel'schen Sorten ebenfalls aufgestellt sind, geschehen, eine strenge Untersuchung aller dort vermehrten Obstarten vorgenommen, die falschen Benennungen, wo sich deren vorfinden, ausgemerzt, und dadurch die Schule selbst auf die ehrenvollste Rangstufe gehoben werden. Auch würde es dieser Anstalt um so ersprießlicher werden, wenn, troz dem schönen Wachsthume der darin angezogenen Bäume, die Abgabe an die Unterthanen auf das nächstfolgende Jahr hinausgerükt und die Zwischenzeit zur Purification des Sortiments verwendet würde; was wenigstens zum Theil noch geschehen könnte, da die größte Anzahl der Mutterstämme sich in der K. Baumschule zu München theils in Töpfen, theils als Hochstämme vorfindet, und die übrigen Edelreiser von verbreitungswerthen Fruchtbäumen aus benachbarten Gärten erholt wurden.

Sind die angedeuteten Vorbedingnisse erfüllt, und sind nur Obstsorten in der Schule aufgenommen, die in unserem Vaterlande auch ihre völlige Reife und Schmakhaftigkeit gewinnen, die für den Markt und die Haushaltung den vorzüglichsten Werth haben, ist dabei auf Herbst- und Winterobst der gehörige Bedacht genommen, auf rauhes Gebirgsklima wie auf das mildere der Ebenen und Thäler, so wie noch auf die mannichfaltigen Arten des Bodens gesehen, sind Bäume, angezogen worden, die nicht der Anzeige in Büchern nach, sondern in der freien Natur sich als besonders geeignet an Haupt- und Vicinalstraßen, auf Feldern, Wiesen, Oedungen und Moorgründen, an Bachen, Flüssen und Strömen bewähren, dann erst wird der Obstbau in den älteren Kreisen feste Wurzel schlagen, dann erst werden dem Pflanzer Vortheile seiner Bemühungen aufblühen und sich so die landesväterliche Absicht des edelsten Königs in ihrem ganzen Umfange verwikelichen Fruchtbäume, an ihre geeigneten Stellen, in ihnen vorzüglich angemessene Klimate zu pflanzen und ihnen die zwekmäßigste Unterlage anzuweisen, gehört zu dem philosophischen Theile der Baumpflanzung, und dieser ist der wichtigste, der einflußreichste für den Emporschwung der Obstbaumzucht im Großen. –

Der Reisende in der Schweiz bewundert im Frühlinge die blühenden Obstwälder, das vor ihm ausgegossene Blüthenmeer der malerischen Thäler, aber er kehre im Herbste wieder und koste die Früchte! Seine Bewunderung wird zum schmerzlichen Befremden herabgestimmt, wie man statt edler, nur schlechte, unschmakhafte Sorten vermehren konnte!

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Wir bedürfen Früchte für die Tafel, für den Markt und für den Haushalt, Früchte, deren Ertrag zur Erweiterung der Pflanzungen anzureizen vermögen.

Es soll hier keineswegs weder der K. Obstbaumschule zu Weyhenstephan noch dem K. Hofgärtner Hinkert im Geringsten nahe getreten, sondern nur darauf aufmerksam gemacht werden, welche Nachtheile für das Land in Bezug auf Obstbaumzucht, und vorzüglich, welcher üble Ruf für die Anstalt selbst und ihrem thätigen Vorstande hervorgehen müßte, wenn keine strenge Prüfung aller dort angezogenen Obstsorten, vor ihrer Abgabe, vorgenommen würde.

Das Größte ist bereits geschehen; die Pflanzung steht in vollster Jugendblüthe und Kraft bereits da, und viele Tausend veredelte Stämme könnten schon jezt in die Hände der Communen und Privaten übergehen, wenn man die schnellere Rente der immer gewissen aber auch mit der Ehre der Schule verträglichen vertauschen wollte, und es nicht lieber vorzöge, auch das Ausland zu überzeugen, daß in Bayern nicht nur wohlthätige Ideen geboren, sondern auch mit vollster Umsicht zum allgemeinen Besten groß gezogen, Halbthun und Hudelei verachtet werde. –

Damit jedoch es nicht den Anschein gewinnen mag, als ob den Verfasser dieses Aufsazes etwa Privatabsicht bestimme, als ein Cicero pro domu die Nothwendigkeit einer Revision der zu Weyhenstephan gezogenen Obstsorten nachzuweisen, so verwahrt er sich hier öffentlich dagegen, indem er sich zu geringe Erfahrung im Fache der Obstkunde zutraut, und auch zu wenig Umgang mit diesem Zweige der Botanik pflog, als daß er den damit verbundenen Anforderungen volle Genüge zu leisten im Stande wäre. Die vaterländische Obstbaumzucht ist es, ihr Flor, und die innerste Ueberzeugung, daß in diesem Augenblike noch entschieden werden kann, ob die Obstbaumschule Weyhenstephan gleich der Karthäuser Schule zu Paris als ein Muster für alle gelten, oder in die Kategorie gemeiner Bamberger Baumhändlerschulen herabsinken soll; dieß ist es, was mich zur Anregung dieses wichtigen Gegenstandes ermunterte. Im lezteren Falle ist ohnehin nie mehr etwas Rühmliches von dieser Anstalt zu erwähnen, und es bedarf dann wahrlich keines Gesezes gegen Obstbaumfrevel und Obstdiebstahl; die Sache selbst zerfällt aus gerechtem Mangel an Vertrauen wieder in sein altes Nichts, und das darauf verwendete Capital umfangt mit den vielen früheren, der heimischen Obstcultur schon vergeblich geopferten, Summen vielleicht ein und dasselbe Grab.

Ein solches Loos wird aber, das dürfen wir von einer weisen und väterlichen Regierung zuversichtlich hoffen, der jugendlich aufgeblühten Königl. Baumschule nicht fallen; sie wird ihren Schwestern in den benachbarten Staaten, in Würtemberg, Preußen, Oesterreich und Sachsen sich würdig zur Seite stellen, und an ihrem Schooße einen unversiegbaren Reichthum des werthvollsten, dem vaterländischen Klima angemessensten Obstes über alle Kreise verbreiten, den Bürger und Landmann für den Obstbau gewinnen und dadurch erhöhten Wohlstand über viertausend Familien ausgießen. Diese K. Obstbaumschule kann und wird, ich bei dessen gewiß, unter den oben bezeichneten Verhältnissen, nebst dem noch, bei gehöriger Würdigung des köstlichen Schazes an den edelsten Rebensorten, die Mutter eines ergiebigen Weinbaues werden.

Lasse Du, mein theures Vaterland, das schön begonnene Werk zu einem würdigen Tempel der Pomona werden, darin sie ihre edelsten, besten Kinder um sich versammelt sieht, und verbanne alles Gemeine und Falsche aus seiner Nähe zu Deinem Ruhme, Deiner Wohlthat!

Der Göttin reichlichster Segen wird sich über deine saatenreichen Fluren ergießen, Felder, Hügel und Berge mit dem Schmuke güldener Früchte bekleiden; an bräutlicher Schone werden alle Gauen Teutoniens Dich beneiden, Dich den Schönsten, den Glüklichsten, den erlesenen Liebling der Ceres, der Pomona bewundernd Dich preisen!

Sterler.

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Man will bestimmt wissen, daß in der K. Baumschule zu München durch einige boshafte Gärtnerbursche beim Veredeln die Reiser absichtlich verwechselt worden seyen!

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τὰ ὀπωριαῖα, alle Sommer; und Baumfrüchte.

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Hr. Pfarrer Mayer in Hof, und der Waisenhaus-Inspector Hr. Geiger in Regensburg verdienen gleichfalls einer rühmlichen Erwähnung.

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