Titel: Beschreibung eines Flachsdarr- und Brodbakofens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. VII. (S. 33–37)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041007

VII. Beschreibung eines Flachsdarrofens nebst eines Gemeinde-Brodbakofens.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Zur Erbauung eines solchen Ofens wähle man entweder einen schon an sich trokenen Plaz, oder suche das Gebäude durch Abzugsgräben, Erhöhung der Grundmauer u.s.w. vor Nässe zu schüzen. – Ein Plaz, welcher gegen die Winde geschüzt ist, hat vor Allem den Vorzug. –

Die vollkommenste Feuersicherheit erzielt man durch die innere Einrichtung, deßhalb ist es weder nöthig, noch in vieler Beziehung gut, den Ofen außerhalb dem Orte zu erbauen. –

Zwar nicht nöthig, aber besonders polizeilich rathsam ist es mit einer solchen Dörranstalt zum Gemeinde-Gebrauch einen Bakofen mit in Verbindung zu bringen.

Der Dörrraum selbst ist eine Kammer in Quadratform von soliden Seitenmauern, mit gewölbter Deke.

Es ist nöthig, Wände und Deke möglichst wärmehaltig zu mamen, was man dadurch erreicht, wenn

  • 1) das Gewölbe aus Ziegeln gemacht und mit Lehm überschlagen wird, und daß man die Wände mit ganz schwach gebrannten oder mit Luftziegeln aussezt, welche unter die besten Wärehalter gehören und in dieser Hinsicht vor den stärker gebrannten Ziegeln den Vorzug verdienen;
  • 2) wo Lehm und Ziegel nicht leicht zu haben sind, muß man Wände und Deken von Außen mit schwachen Brettern beschlagen. Da der bloß mit Luft gefüllte Raum unter die besten Wärmehalter gehört, so ist es gut, wenn der Bretterverschlag etwas von den Wänden und dem Dekengewölbe absteht.

Unten im Dörrraum wird der Ofen angebracht, der durchaus auf Luftheizung eingerichtet seyn muß, wenn der Flachs bald dürr und möglichst schön werden soll.

In Schönbrunn ist der Ofen von Ziegel und mit einer eisernen Platte bedekt. Auf diese Platte ist von Ziegelstüken ein horizontaler Zug gemauert, der auf der einen Seite in den Rauchfang sich öffnet, |34| auf der anderen aber in den Dörrraum ausgeht. Wenn nun die Platte heiß wird, so strömt die Luft kalt bei der äußeren Oeffnung in den Zug ein, und kommt sehr heiß bei der inneren Oeffnung in den Dörrraum.

Von dem Feuerraum aus geht hier ein von Kacheln aufgesezter Rauchzug weiter in den Dörrraum horizontal hinein, theilt sich, und geht getheilt mit ungefähr 1/2 Schuh Steigung und in 2 Eken sich wendend, oberhalb des Schürloches in den Rauchfang.

Diese noch unvollkommene Einrichtung, welche wegen Mangel an Zeit oder weiterer Erfahrung nicht anders gemacht werden konnte, ist durch die Abbildungen veranschaulicht.

Nicht bloß im Dekel des Ofens, sondern auch an den Seitenwänden desselben muß der Ofen erhizt und eine dreifache Feuerung hervorgebracht werden.

Der Ofen ist von Gußeisen, 4 Schuh lang, 1 Fuß hoch und 1 Fuß weit. Die Platten sind 1/4 bis 3/8 Zoll dik.

Bei größerem Dörrraum muß der Ofen auch größer gemacht werden. Das Ofenthürlein wird nur 8 Zoll hoch. Unter der Stelle wo das Holz brennt, ist ein Rost wo der Aschenraum vom Boden bis an den Rost mit Mauerziegeln konisch aufgeführt wird, doch darf der Rost nur 3/4 Theile so lang seyn, als der Feuerraum für das Holz oder für den Torf groß ist. Der Luftkanal zu jeder von den 3 Seiten des Ofens muß von Thon (bloßem Ziegelthon und bloß gedörrt) in einem oder zwei Stüken gemacht und an den Ofenplatten so befestigt werden, daß der Ofen im Ganzen, und jede Platte für sich durch die Hize ausgedehnt und durch die Kälte zusammengezogen werden kann, ohne die Luftkanäle zu beschädigen.

Der Rauchkanal darf nicht von Kacheln seyn, welche zu viel Ruß, Pech und Asche absezen, sondern aus gutem Eisenblech gefertigt werden; derselbe muß in der Darrkammer herumgeführt werden und in einem Kamin ausmünden.

Vier Fuß über dem Fußboden der Dörrkammer werden Stängelchen auf Querbalken genagelt, welche den Flachs tragen. Zwei Geländer werden angebracht, um den Flachs anzulehnen. Auf diesem Stangenrost gehen die beiden Eingangsthürlein in die Dörrkammer. Bei dem einen Eingang hat der Rost ein Fallthürlein oder Fallgatter, um in den unteren Raum zu gelangen.

Dem Ofen gegenüber geht durch die Deke das Zugloch aus der Dörrkammer, welches mit einer nicht zu leichten eisernen Klappe zu versehen ist. –

|35|

Erklärung der Abbildungen.

Fig. 1. Ist die Ansicht der Oefen.

Fig. 2. Querdurchschnitt und

Fig. 3. Längendurchschnitt derselben.

Fig. 4. Grundriß der Brodbaköfen.

Fig. 5. Züge derselben.

Fig. 6. Ofen zur Flachsdörre.

Fig. 7. Aeußere Ansicht des Gebäudes.

In obigen Figuren bezeichnen dieselben Buchstaben gleiche Gegenstände.

a, Baköfen. b, Zuglöcher der Baköfen, mittelst welcher beim Baken die Hize in den Flachsdörrofen geleitet wird. c, Rost zum Flachsdörrofen, d, Ofen, durch welchen der Flachs gedörrt wird. a, Plaz, woselbst der Flachs aufgestellt wird. f, Eingangsthüren zum Aufstellen des Flachses. g, Zug zur frischen Luft, die erhizt durch den Flachs geht und die Dämpft vertreibt. h, Abzugsöffnung der Dämpfe. i, Rauchöffnung vom Darrofen.

Einige Bemerkungen beim Flachsdörren.

Beim Flachsdörren ist Folgendes zu beobachten.

Der Flachs wird in der Kammer auf den Rost gebracht, daselbst aufgebunden, und auf die Spizen ganz loker, fast senkrecht, an die Geländer gelehnt. Würde man denselben auf die Wurzeln stellen, so würde er ungleich dörren.

Das Feuer muß man schon des eisernen Ofens wegen Anfangs ganz schwach unterhalten, und erst dann muß stärker geschürt werden, wenn der Ofen ganz durchwärmt ist. Die Klappe in der Deke muß so lange offen gelassen werden, bis der Flachs aufhört zu schwizen und das Feuern nöthig ist. Erst wenn man aufhört zu feuern wird die Klappe geschlossen.

Es kann während des Brechens selbst mit geringem Aufwand von Brennstoff der leer werdende Raum durch neue Beschikung von Flachs benuzt werden.

Von der dießjährigen Ernte, welche troken war, wurde der Flachs frühestens in 3, spätestens in 5 Stunden im ganzen Ofen brechbar.

Das Meiste was in einem Male gedörrt wurde, waren 33 Büschel mit doppelter Strohlänge von hiesigem Roggenstroh gebunden, das nicht allzulang ist.

|36|

Vom Bakofen.

Da im Bakofen besonders nach Oben Wärme ausströmt, so ist es gut, einen solchen unterhalb der Dörrkammer anzubringen.

Der hier beschriebene Bakofen weicht von den gewöhnlichen Hausbaköfen dadurch ab,

  • 1) daß er ein 8 Zoll hohes und 1 1/2 Fuß weites Mundloch hat, welches durch einen Schieber, der sich nach Oben schiebt, gut verschlossen ist;
  • 2) daß neben dem Mundloch ein kleines Loch zur Unterhaltung eines Leuchtfeuers befindlich ist, um den Ofen während der Arbeit mit dem Brode zu erhellen;
  • 3) daß das Gewölbe des Ofens möglichst flach, und nicht über 14 Zoll an der höchsten Stelle hoch ist. Die Wölbung fängt 5 Zoll oberhalb des Herdes an, so daß die Seitenwände noch 5 Zoll senkrechte Höhe haben;
  • 4) steigt der Herd von Vorne nach Hinten 1 1/2 Zoll aufwärts. Vier Zuglöcher werden ganz hinten im Ofen angelegt und gehen über der Deke desselben mit 2 Zoll Steigung auf den Fuß gegen den Schornstein, wo sie mit gut schließenden Schiebern beliebig geöffnet und verschlossen werden. Schieber sind besser, als die bei den Bäkern gewöhnlichen Dippel.

Bei der Anlage ist besonders zu beobachten:

  • 1) daß unter dem Herde alle Feuchtigkeit abgeleitet werde.
  • 2) Unter dem Herde darf kein feuchter Schutt, auch kein Sand, aufgeschüttet werden, weil dieser die Wärme zu sehr ableitet. Am besten nimmt man ganz trokenen Lehm, oder ein Geröll von Thonschiefer, das recht viel Zwischenräume von Luft gibt, oder Schlaken, besonders recht trokenes Kohlenlösch. Nur ein wenig feiner Sand ist zum Legen der Herdziegel anzuwenden.
  • 3) Die Seitenwände des Ofens soll man nicht unmittelbar der atmosphärischen Luft aussezen, sondern sie durch einen verschlossenen Luftraum von den Außenwänden des Gebäudes trennen.
  • 4) Weder der Herd noch die Dekenziegeln dürfen stark gebrannt seyn.
  • 5) Auf der Deke des Ofens wird der Zwischenraum zwischen den 4 Zügen nicht ausgefüllt, sondern nur bedekt, weil der luftleere Raum die Wärme hält.
  • 6) Wenn unter dem Herde 2 eiserne Anker (Schaudern) quer durch den Ofen kommen, daß es nicht nöthig ist, daß man das Ofengewölbe |37| kuppelförmig führt, sondern es kann als ein flach gedrüktes Tennengewölb aufgesezt werden.13)
|37|

Der vorstehend beschriebene Flachsdarrofen besteht in der Hauptsache im Darren des Flachses mittelst erhizter Luft. Die Beschreibung ist zwar nicht ganz deutlich, indeß finden sich Sachkenner leicht daraus. Gin solcher ist in der Nähe bei Wunsiedel aufgeführt, und soll hauptsächlich zum Darren von ungerottetem Flachse dienen. In wie ferne er sich hiezu ganz eignet, muß die Erfahrung lehren. Zum Darren von gerottetem Flachs verdient eine solche Darranstalt in Bezug auf Beseitigung von Feuersgefahr, besondere Empfehlung. Lezteres gilt auch von dem Brodbakofen, als Gemeindegut, weil von einem guten Bakofen zum Theil auch die Gewinnung eines gesunden Brods abhängt. A. d. R.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: