Titel: Dubrunfaut, über die thierische Kohle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XII. (S. 57–59)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041012

XII. Ueber die Verfahrungsarten, wodurch man die bereits zum Entfärben des Zukers angewandte thierische Kohle wieder brauchbar machen kann; von Hrn. Dubrunfaut.

Aus dem Agriculteur-Manufacturier, Febr. 1831, S. 261.

Seitdem man die Kohle in den Zukerraffinerien im gekörnten Zustande anwendet, wodurch man ihren Zusaz sehr zu vergrößern im Stande ist, wird es wichtiger als je sie zum nochmaligen Gebrauch zubereiten zu können.20) Schon im J. 1823 schrieb die Société d'Encouragement einen Preis auf ein hiezu anwendbares Verfahren aus, weil man besorgte, daß endlich Mangel an Knochen zur Bereitung thierischer Kohle eintreten möchte. Der Preis wurde Hrn. Cavaillon zuerkannt und die Gesellschaft sicherte gegen ihre Gewohnheit demselben seine Erfindung durch ein Patent. Es scheint jedoch, daß sein Verfahren kein Glük gemacht hat, denn man sprach nicht mehr davon; |58| es wurde sogar behauptet, daß es den beabsichtigten Zwek nicht erfüllt und daß sich die Gesellschaft in dieser Hinsicht getäuscht habe.

Hr. Payen übergab zu derselben Zeit der Gesellschaft eine Abhandlung, worin er durch statistische Untersuchungen bewies, daß die Besorgnisse derselben hinsichtlich eines wahrscheinlich eintretenden Mangels an Knochen nicht gegründet seyen. Derselbe Chemiker hat sich aber auch mit dem Zugutemachen der thierischen Kohle beschäftigt, worüber man in seiner von der Société de Pharmacie gekrönten Preisschrift über die thierische Kohle folgende Bemerkungen findet:

„.... Aus dem Vorhergehenden ergibt sich, daß die Abnahme der Entfärbungskraft der thierischen Kohle mit ihrem Gehalt an fremdartigen Substanzen oder ihrer chemischen Veränderung in geradem Verhältnisse steht; ich habe mich hievon noch vollends dadurch überzeugt, daß ich alle mit der bereits zum Entfärben gebrauchten Kohle gemengten fremdartigen Substanzen absonderte, ehe ich sie nochmals calcinirte, wo sie dann nach dem Calciniren wieder ihre anfängliche Entfärbungskraft besaß. Dieß gelang mir durch mehrere Verfahrungsweisen.

1) Ich sonderte durch ein feines Sieb die groben festen und sodann durch Wasser die auflöslichen vom Zuker herrührenden Gemengtheile von der zum Raffiniren gebrauchten Kohle ab, behandelte sie mit äzendem Ammoniak und süßte sie hierauf mit vielem Wasser aus, worauf ich sie troknete, schwach calcinirte, und pulverte: ihre Entfärbungskraft war alsdann beträchtlicher als vor ihrer ersten Anwendung.

2) Nachdem ich die bereits zum Raffiniren angewandte thierische Kohle wie zuvor von den Holzstüken, dem Sand u.s.w. gereinigt hatte, ließ ich sie, um die Zukertheile zu zerstören, bei einer Temperatur von 25° C. (16° R.) in einem feuchten Raume gähren; es entwikelte sich dadurch viel Kohlensäure, Alkohol, Essigsäure, Schwefelwasserstoff u.s.w., kurz alle Producte der geistigen, sauren und faulen Gährung, welche nach einander eintraten. Ich süßte sie hierauf mit vielem Wasser aus und behandelte sie mit Ammoniak, um eine geringe Menge thierischer Substanzen, welche der Gährung entgingen, abzusondern; dann wurde sie nochmals mit reinem Wasser ausgewaschen, bei der Rothglühhize calcinirt und der kohlige Rükstand schwach zerrieben, ich fand, daß er wenigstens eben so stark entfärbte, als die frisch bereitete Kohle.“

Im nördlichen Frankreich scheint ein Fabrikant bei Valenciennes das Geheimniß zu besizen, die Kohle wieder brauchbar zu machen, was aus folgendem

Circular der HHrn. Tancrède und Levêque zu Marly bei Valenciennes an die Zukerfabrikanten

hervorgeht.

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„Wir erbieten uns Ihnen die bereits gebrauchte thierische Kohle zu 6 Franken das Hectoliter oder die 200 Kilogramme (den Doppelzentner) abzukaufen; Sie erhalten dadurch in der That einen Rabat von ungefähr 10 Franken auf 100 Kilogr. frische Kohle; denn man hat durch wiederholte Versuche (wovon sich Jeder überzeugen kann) gefunden, daß 100 Kilogramme grobe neue Kohle, welche vor ihrer Anwendung den Raum von 1 5/16 Hectoliter einnehmen, nach ihrem Gebrauch nur 1 5/8 Hectoliter messen. Auch haben diese Versuche ergeben, daß diese 100 Kilogr. neue Kohle, nachdem man sie vierundzwanzig Stunden lang gut abtropfen ließ, 160 Kilogr. wiegen. Wenn der Zukerfabrikant 100 Kilogr. zu 6 Fr. verkauft, so erhält er also wirklich sein Beinschwarz für 12 Fr. anstatt 22 Fr., denn man hat die Proportion 100 Kilogr.: 6 = 160 Kilogr.: x = 9 Fr. 60 Ct. Verkauft man das Hectoliter für 6 Fr., so hat man 1 Hect.: 6 = 1 Hect. 3/8 : x = 9 Fr. 75 Ct. etc.“

Man hat mir gesagt, daß das Verfahren der HHrn. Levêque und Tancrède darin besteht, die Kohle zu troknen, mit dem empyreumatischen Oehl, welches man durch Destillation der Knochen erhält, zu vermengen, und sodann neuerdings zu calciniren.

In diesem Jahre haben mehrere Fabrikanten, unter anderen die HHrn. Blanquet zu Famars ihr Beinschwarz selbst wieder zu gute gemacht, wobei sie folgendes Verfahren befolgt haben sollen: die (gekörnte) Kohle wurde sowohl mit heißem als mit kaltem Wasser durch Decantiren öfters ausgewaschen, um alle auflöslichen und fremdartigen Substanzen zu beseitigen, hierauf getroknet und wieder calcinirt. Ich gestehe, daß ich nicht glaube, daß die Kohle hiedurch alle ihre anfänglichen Eigenschaften wieder erhält.

Endlich nahm Hr. Serbat ein Patent auf ein Verfahren, die thierische Kohle wieder brauchbar zu machen und verband sich mit den HHrn. Derosne und Dumont zu dessen Ausführung; diese Gesellschaft hat sich nun mit den HHrn. Payen, Lecerf und Didier, welche schon eine Beinschwarzfabrik zu Grenelle besizen, vereinigt. Ueber das Verfahren des Hrn. Serbart ist durchaus nichts bekannt geworden. Er soll aber der Kohle in der That ihre anfänglichen Eigenschaften durch dasselbe wieder vollkommen zu ertheilen im Stande seyn.21)

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Wir haben über die Anwendung der thierischen Kohle im gekörnten Zustande beim Raffiniren des Zukers im XXXVIII. Bd. S. 443. des polyt. Journ. das Nöthige mitgetheilt. Seitdem ist noch kein Verfahren bekannt gemacht worden, wodurch man die Kohle, ohne eine beträchtliche Menge Pulver zu erhalten, in diesen Zustand Versezen könnte. Im Kleinen erhielt Hr. Dubrunfaut, indem er die Kohle in einer Kaffeemühle mahlte, nach dem Sieben durch ein Seidensieb 2 Theile Körner auf 1 Theil Pulver. Gefurchte Cylinder, wie man sie zum Brechen des Malzes in den Brauereien anwendet, dürften sich noch am besten zum Körnen der Kohle eignen. Da die calcinirten Knochen so zerreiblich sind, so wird es wohl nie gelingen, Körner ohne Pulver zu erhalten. Gegenwärtig zahlt man in Frankreich für den metrischen Zentner Knochenkohle 5 bis 6 Fr. mehr, wenn sie in Körnern ist, anstatt in Pulver. Wendet man die gekörnte Kohle so lange zum Entfärben der Zukers an, bis sie nicht mehr wirkt und pulvert sie dann, so zeigt sie noch eine große Entfärbungskraft. Diesen Umstand, sagt Hr. Dubrunfaut (Agr. man. Bd.i. S. 289.) haben bereits einige Fabrikanten benuzt; sie kaufen nämlich die gekörnte Kohle wieder zu 2/3 ihres anfänglichen Werthes auf, calciniren sie und verkaufen sie gepulvert für sich oder mit neuer Kohle versezt, wieder an die Raffineurs. A. d. R.

|59|

Hr. Dubrunfaut bemerkt, daß er erst nach dem Druk dieser Notiz eine genaue Beschreibung des im nördlichen Frankreich gebräuchlichen Verfahrens, um die Kohle wieder brauchbar zu machen, erhalten hat und dasselbe demnächst bekannt machen wird. A. d. R.

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