Titel: Saint-Etienne, Beschreibung eines Apparates zur Gewinnung des Erdäpfelmehles.
Autor: Saint‐Etienne,
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XXXII. (S. 118–128)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041032

XXXII. Beschreibung eines Apparates zur Gewinnung des Erdäpfelmehles. Von. Hrn. Saint-Etienne.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement, 1831. Fevrier S. 120.

Mit Abbildung auf Tab. III.

Dieser Apparat verrichtet drei verschiedene Arbeiten: 1) das Zerreiben des Erdapfels oder die Verwandlung desselben in einen Brei; 2) das Sieben oder Auswaschen des Breies, um das Sazmehl von feinem Parenchyme zu trennen; und 3) ein zweites Zerreiben des Parenchymes, um dasselbe bei seinem Austritte aus dem mechanischen Siebe zu pülvern, damit alles Sazmehl aus demselben ausgezogen werden kann.

Die Vereinigung dieser drei Arbeiten in einem einzigen Apparate hat den Vortheil, daß dadurch an Handarbeit, an Ausgaben und an Raum bedeutend erspart wird, und daß die Operationen selbst abgekürzt werden, was um so wichtiger ist, als der Erdapfelbrei durch längeres Verweilen an der Luft braun wird, und dann diese Farbe auch dem Sazmehle mittheilt.

Der Apparat, welcher in Fig. 1 und 2. Taf. III. im senkrechten Durchschnitte und im Aufrisse, von Vorn gesehen, dargestellt ist, ruht auf einem festen und gehörig altgebrachten Gestelle AA. Er besteht aus drei Fächern oder cylindrischen, hohlen metallenen Stüken, welche zusammen ein mechanisches Sieb, Wäscher oder Sieber (laveur ou tamiseur) genannt, und zwei verbesserte mechanische Siebe bilden.

Das erste dieser Siebe dient zur Scheidung des Sazmehles von seinem Parenchyme, d.h. Zum Auswaschen und Sieben des Breies; das zweite und dritte sind dazu bestimmt, das seine Parenchym und alle Unreinigkeiten abzuscheiden, welche dem oberen Siebe entschlüpft seyn konnten.

Die drei hohlen Cylinder, aus welchen das neue Sieb zusammengesezt ist, bestehen: 1) aus einem Ringe aus geschmiedetem Eisen, auf welchen ein Haar- oder anderes Sieb E gestellt wird, welches das feine Parenchym zurükhalten soll; 2) aus einem zweiten Ringe oder hohlen Cylinder C, auf welchen das Tuch des oberen Siebes kommt; und 3) aus einem dritten Cylinder B von der Form des zweiten. Diese drei über einander gestellten und in einander gefügten Cylinder bilden den Körper des mechanischen Siebes. Man kann noch eine größere Zahl derselben anbringen, und feinere Gewebe anwenden, wenn man ein noch reineres Sazmehl erhalten will; allein |119| je zahlreicher und enger diese Gewebe seyn werden, um so langsamer wird nothwendig die Arbeit gehen.

Zwei Oeffnungen, welche in den Cylindern BC angebracht sind, und die durch die eisernen, mit Leder gefutterten, Thürchen FF verschlossen werden, gestatten dem Parenchyme oder Marke einen Ausweg.

Die Metallgewebe würden, wenn sie nicht so theuer wären, wegen der Regelmäßigkeit ihres Gewebes zur Benüzung bei den Sieben den Vorzug verdienen; der Erfinder wendete neuerlich einen eigenen Zeug aus Haaren, Crinoline genannt, bei seinen Sieben an, und fand, daß derselbe nicht bloß in Hinsicht auf Dauerhaftigkeit, sondern auch in Hinsicht auf Wohlfeilheit, allen bisher angewendeten Zeugen vorzuziehen ist.

Die Luftröhre H dient dazu, der Luft Ausgang zu verschaffen, die comprimirt wird, wenn der Raum zwischen den beiden Sieben mit Flüssigkeit angefüllt ist.

Der Brei und das Wasser erhalten, wenn sie in das Sieb gebracht sind, darin wohl eine schnelle kreisförmige Bewegung; allein, wenn die Flüssigkeit durch die Centrifugalkraft der Agitatoren ein wenig zu stark bewegt wird, so dringt sie gegen die innere Wand des Siebes und verbreitet sich nach Außen. Um diesen Uebelstand zu vermeiden, ersann der Erfinder die Stüke LL, welche er Ablenker (déviateurs) nennt; diese brechen die kreisförmige Strömung der Flüssigkeit, und bringen den Brei beständig wieder in die Mitte des Siebes zurük. Ist nun die ganze Oberfläche des Tuches bedekt, so durchdringt das Wasser, welches wie ein Regen darauf fällt, dasselbe, und reißt das Sazmehl mit sich durch das Gewebe. Damit das Sazmehl sich von dem Gewebe ablöse, muß man dasselbe sehr stark erschüttern; diese Erschütterungen werden nun hervorgebracht, wenn der durch die Agitatoren in kreisförmige Bewegung gesezte Brei gegen die Ablenker schlägt.

Der Halskragen M, der aus Leder oder aus gewöhnlichem Zeuge besteht, hat gleichen Durchmesser mit dem Siebe; in seinem Mittelpunkte befindet sich eine Oeffnung, durch welche der Brei und das Wasser, das zum Auswaschen desselben dient, gehen; er hat an seinem Umfange eine Randleiste oder einen Umschlag N, durch welchen er in der Höhe gehalten wird. Der Kreis O des Halskragens paßt in den Cylinder des oberen Siebes B, und ruht, 2–3 Zoll vom Rande entfernt, auf kleinen Stüzen, die an der inneren Wand des Cylinders angebracht sind. Dieser Kreis wird so in seiner Stellung befestigt, daß der Halskragen durch die Gewalt der Strömung der Flüssigkeit nicht von seinem Plaze entfernt werden kann.

Die Büchse Q, Fig. 3., welche dazu dient, das Gewebe des Siebes |120| im Mittelpunkte, durch welchen der senkrechte Wellbaum P geht, festzuhalten, besieht aus zwei Scheiben, von denen die eine aus Kupfer, die andere aus Eisen verfertigt ist. Diese Stüke, welche an allen ihren Flächen auf der Drehbank abgedreht seyn müssen, müssen vollkommen an einander passen; sie werden durch Schrauben aufeinander festgehalten.

Das mechanische Sieb wird, nachdem es mit allen den so eben beschriebenen Stüken versehen ist, auf den Behälter A'A' Fig. 2. gebracht, welcher auf vier Lagerhölzern ff steht. Dieser Behälter nimmt das Wasser aus dem Siebe auf, und bringt es in die Gefäße, Fig. 9 und 10., in welchen sich das Sazmehl absezt. Er ruht auf zwei hölzernen Stüzen, die mit zwei Falzen versehen sind, welche die Füße a der vier mit Schrauben versehenen Spannungsklammern, B' Fig. 5. aufnehmen, die zur Spannung der Gewebe und zur Befestigung der Siebe dienen, und die sich mit einem kleinen Winkelhaken g enden. In der Mitte des Behälters befindet sich eine Regulirschraube T, auf welcher der senkrechte Wellbaum ruht und sich dreht; diese Schraube dient auch dazu um die beiden Winkelräder, V und X mit einander in Verbindung zu sezen.

Die Agitatoren, welche in Fig. 1 und 4. mit JK und jk bezeichnet sind, werden durch den senkrechten Wellbaum P, der durch dieselben läuft, in Bewegung gesezt. Sie bestehen aus einer Hülse JK, mit metallenen Schaufeln, bb; an dieser Hülse bringt man einen dreiekigen Zapfen an, der in einer Vertiefung des Wellbaumes P gleitet. Die Schaufeln sind durch die beweglichen, aus Holz oder Metall bestehenden, mit Bürsten besezten, Flügel cc verlängert. Die Bestimmung dieser Agitatoren ist: 1) den Brei stark gegen die Ablenker L zu schlagen, um durch die kreisförmige und beständige Bewegung alles Sazmehl abzuscheiden, welches noch in demselben enthalten ist; denn wenn der Brei auf diese Weise nach allen Richtungen umgekehrt wird, so bietet er alle seine Oberflächen der Wirkung des Wassers, welches darauf fällt, dar; 2) durch eine leichte Reibung ihrer Flügel auf der Oberfläche des Tuches E, den Durchgang des Wassers mit dem Sazmehle durch das Gewebe zu begünstigen; und 3) endlich, das Parenchym, nachdem es all sein Sazmehl abgegeben, durch die Thüren F, aus dem Inneren des Siebes hinauszuschaffen. Die Zahl dieser Agitatoren wechselt von Einem bis zu dreien, der erste befindet sich über dem Tuche des oberen Siebes B, der zweite auf jenem des Siebes C, und so fort, wenn noch mehrere Siebe vorhanden sind. Diese Agitatoren tragen auch eine umgekehrte Bürste d, um auch von Unten das Tuch des oberen Siebes zu reinigen.

Der senkrechte Wellbaum P, Fig. 1., wird direct durch die Achse |121| R der Reibe in Bewegung gesezt; er endigt sich in die gestählte Spize S, die sich in einer Pfanne der Regulirschraube T dreht. Soll der Wellbaum in einem mechanischen Armsiebe ohne Reibe (siehe Fig. 4.) arbeiten, so wird unter dem Behälter A''A'' das wagerechte Winkelrad V' angebracht, welches durch ein anderes Winkelrad X' getrieben wird; dieses leztere befindet sich an einem liegenden Wellbaums R', der durch eine Kurbel g', in Bewegung gesezt wird.

Zwischen dem wagerechten Rade V und der Unterlage Y ist an dem senkrechten Wellbaume P ein rollenförmiger Ring i angebracht, der die Gabel des Aushebhebels U aufnimmt.

Der Vorhang h, Fig. 2., welcher aus Leder oder starkem Zeuge gemacht ist, wird vor den Thüren des Siebes angebracht, damit der beim Siebe beschäftigte Arbeiter nicht ganz mit Mark besprizt wird, wenn dieses schnell aus dem Siebe herauskommt.

Fig. 1. zeigt in I einen Cylinder oder eine Reibe aus Ulmenholz, die sich auf ihren Zapfen YY dreht, und welche zwischen zwei starken Schraubenmüttern pp festgehalten wird, mittelst welcher sie gerade an jener Stelle befestigt werden kann, an welcher sie arbeiten soll. Auf der Oberfläche dieses Cylinders und an seinem ganzen Umfange sind Furchen angebracht, die zur Aufnahme von Sägeblättern aus Gußstahl bestimmt sind. Diese Sägeblätter können sehr leicht eingesezt und wieder herausgenommen werden, ohne daß sie jedoch von selbst, durch die drehende Bewegung allein, aus ihrer Stelle gerathen könnten.

Hr. Saint-Etienne bringt zwischen dem Reiber und den Seiten des Kastens t, Fig. 2., gut zugerichtete eiserne Platten r. Fig. 7., an. Dadurch kommen die Enden des Reibers sehr nahe an die beiden Stüke, und die Platten können die ganze Länge des Cylinders beherrschen, ohne irgend etwas zu schaden. Diese Platten verursachen, da sie nicht anschwellen können, gar keine Reibung und verhindern allen Verlust.

Der bewegliche Schieber g Fig. 8., welcher aus Holz oder Eisen besteht, ist oben an eine Eisenstange befestigt, welche die Entfernung des Kastens unterhält. Er nähert sich den Zähnen der Reibe bis auf einige Linien, und wird durch ein Gewicht in dieser Lage erhalten, welches an dem Ende einer Schraube, die die gewöhnlichen Federn ersezt, angebracht ist. Er nimmt die ganze Länge des Cylinders ein, und muß immer vollkommen frei in seinen Bewegungen seyn.

Das hölzerne Verbindungs- oder Berührungsstük j, Fig. 2., ist an dem Querriegel des Gemäuers A befestigt, und nimmt den Raum zwischen den Bogen oder dem Halse der Reibe ein; man kann dasselbe, wenn man darauf schlägt, nach Belieben gegen die Zähne der Reibe treiben, welcher leztern es immer sehr nahe stehen muß, wenn das Zerreiben |122| vollkommen werden soll. Um dieses Verbindungsstük ohne Schlag den Zähnen der Reibe so viel als möglich zu nähern, wurde eine Schraubenmutter unter demselben angebracht, welche die Schraube k aufnimmt.

An dem vorderen Theile des Kastens l, Fig. 2., welcher den Brei aufnimmt, ist eine Oeffnung angebracht, die durch ein kleines Schuzbrett, m, zum Theile geschlossen wird; dieses Schuzbrett wird von Tragleisten, nn, gehalten, und kann durch den Hebel o aufgezogen werden, um dem Breie Ausgang zu gestatten, wenn man denselben in das mechanische Sieb B bringen will.

Fig. 2., welcher sich hinter der Reibe und in der Höhe derselben befindet, muß gerade so viel Wasser enthalten, als zum Auswaschen einer bestimmten Menge Breies erforderlich ist. An dem Boden dieses Behälters befinden sich zwei Klappen, uu, durch welche das Wasser ausfließt; ein Theil desselben begibt sich durch die Röhre v auf den Grund des Kastens, um daselbst den Brei schneller herauskommen zu machen; der andere Theil fällt durch die Röhre x, welche sich in das fächerförmige Stük y endigt, direct auf das Sieb. Dieser Wasserbehälter s wird selbst wieder durch einen größeren und höher angebrachten Behälter gespeist. (Siehe die Röhre z, Fig. 2.).

Die Reibe, welche zum Zermalmen des Parenchymes dient, Fig. 11., hat die Form einer runden Büchse, und besteht aus zwei Scheiben aus Gußeisen C'C', welche mittelst Schrauben an einem Ringe von demselben Durchmesser befestigt sind. In dieser Büchse befindet sich ein gefurchter Cylinder oder eine Reibe D', die mit sehr fein gezahnten Stahlblättern bewaffnet ist. Die Achse l' dieses Cylinders geht durch die beiden Böden oder Platten, und diese dienen derselben als Pfannen. Das eine Ende der Achse trägt eine Rolle L', über welche der Riemen M' läuft, der mit der Rolle N', die an dem Wellbaume P der Reibe R angebracht ist, in Verbindung steht.

Die Parenchymreibe hat drei Oeffnungen: in E', F' und G', Fig. 11. Die Oeffnung E', auf welcher ein kleiner Trichter angebracht ist, nimmt das Parenchym bei seinem Austritte aus dem Siebe auf. Jene bei F' dient zum Ausspülen, und gestattet auch dem Parenchyme einen Abzug, wenn dieses in zu großer Menge auf die Reibe fällt; hat dieses Parenchym jedoch hier eine bestimmte Höhe erreicht, so geht es über und fällt in den Trichter E' zurük, aus welchem es neuerdings und wiederholt auf die Reibe gelangt. Nach einigen Sekunden ist das Parenchym vollkommen zerkleinert; man läßt es dann bei der unteren Oeffnung G' heraus, und schließt diese darauf, um die Operation wieder von Neuem zu beginnen. Um die Zerkleinerung |123| des Parenchymes zu erleichtern, muß man einen kleinen Strahl Wasser in den Trichter E' fließen lassen.

Das Parenchym von einem Sester oder Mezen Erdäpfel kann noch 1–2 Kilogr. Sazmehl geben.

Der bewegliche metallene Ueberläufer O', Fig. 12., wird in die Einschnitte gebracht, welche sich an den Berührungspunkten der beiden Behälter Q'Q' befinden. Er dient dazu, daß die Flüssigkeiten von einem Gefäße in das andere überfließen können, ohne daß etwas von demselben verloren geht.

Das Verfahren, welches der Erfinder befolgt, um zu bewirken, daß sich das Sazmehl schneller und unter Anwendung einer geringeren Zahl von Gefäßen zu Boden sezt, besteht darin, daß er das, mit Sazmehl beladene. Wasser bei seinem Austritte aus dem Siebe in ein Gefäß N. 1., Fig. 9., fallen läßt, welches an seinem Boden mit einer Röhre S', die in das Gefäß N. 2. führt, versehen ist. Da das Sazmehl durch seine eigene Schwere gegen den Boden trachtet, so kann man das Niederfallen desselben dadurch beschleunigen, daß man ein oder mehrere Gewebe aus Metall, Haar, Seide oder Canevaß als Hinderniß gegen das Aufsteigen anbringt; diese, in einem eisernen Reifen gehaltenen, Gewebe werden bei T'U' befestigt.

Mit dieser, so eben beschriebenen, Maschine kann man, wenn dieselbe durch eine anhaltende und zwei Pferden gleich kommende Kraft in Bewegung gesezt wird, in Einer Stunde gleichzeitig oder einzeln 12–1500 Kilogrammen Erdapfel zermalmen und sieben; die, Maschine arbeitet so viel, als zehn mit Sieben beschäftigte Arbeiter, und gibt, verglichen mit den früher gebräuchlichen Methoden, einen Mehrertrag von 2 bis 3 p. C.

Man wirft die Erdäpfel, nachdem sie vorher gut abgewaschen worden, in den Trichter Fig. 2. Die Reibe verwandelt dieselben in Brei, der sich auf dem Boden des Kastens l, in einer Quantität von 2, 3 oder 4 Eimer anhäuft. Dann wird, indem man auf den Hebel o drükt, das Schuzbrett m geöffnet, und folglich durch die Röhre v, 1 oder 2 Eimer Wasser aus dem Wasserbehälter eingelassen, damit der Austritt des Breies in das Sieb BB schneller vor sich gehe. Das in dem Behälter noch zurükgebliebene Wasser läßt man darauf durch den fächerförmigen Leiter x in das Sieb laufen. Ist alles Wasser aus dem Behälter ausgelaufen, so öffnet man die Thüre F des oberen Siebes, um das Parenchym herauszulassen, welches in demselben auf seinem Gewebe BB zurükblieb. Ist diese Thüre wieder geschlossen, so verfährt man auf gleiche Weise mit dem unteren Siebe, aus welchem man gleichfalls das zurükgebliebene Parenchym ausläßt. Das grobe und feine Parenchym kommt, wenn es aus den |124| Sieben BC tritt, in den kleinen Trichter E' der Parenchymreibe, Fig. 11., um dort eine vollkommene Zerkleinerung zu erleiden. Sind alle Thüren des mechanischen Siebes wieder geschlossen, so beladet man die Maschine neuerdings, und fährt auf die angegebene Weise mit der Arbeit fort. Das Wasser, welches zum Abwaschen und Sieben des Breies gedient hat, und in welchem das Sazmehl enthalten ist, gelangt aus dem Behälter A'A' in das Gefäß P', Fig. 10., oder in die Gefäße 1, 2 Fig. 9., in welchen sich das Sazmehl absezt. Dieser Bodensaz bildet sich in den Gefäßen von Fig. 9. wegen des Gewebes T'U' schneller, als in jenen von Fig. 10.; allein das Wasser läuft mittelst des metallenen, beweglichen Ueberläufers beständig von einem Gefäße in das andere. Das Wasser darf, wenn es aus der lezten Kufe kommt, gar kein Sazmehl mehr enthalten.

Erklärung der Figuren auf Taf. III.

Fig. 1. Senkrechter Durchschnitt der Maschine zum Zermalmen und Sieben der Erdapfel zum Behufe der Sazmehlgewinnung, mit allen ihren einzelnen Theilen.

Fig. 2. Aufriß derselben von Vorn.

Fig. 3 Das Sieb im Grundriß.

Fig. 4. Durchschnitt eines mechanischen Siebes ohne Reiber, welches mit den Armen bewegt wird.

Fig. 5. Spannungsklammer.

Fig. 6. Einrichtung der Parenchymreibe in Verbindung mit dem Zermalm- und Siebapparate.

Fig. 7. Gewölbte Platte aus Gußeisen, welche einen Theil der Reibe umgibt.

Fig. 8. Beweglicher Schieber von Vorn und von der Seite.

Fig. 9 und 10. Behälter, in welche das mit Starkmehl beladene Wasser gelangt.

Fig. 11. Die Parenchymreibe für sich allein.

Fig. 12. Metallenes Stük, welches auf die Behälter 10 gebracht, und Ueberläufer genannt wird.

Dieselben Buchstaben bezeichnen in allen Figuren auch dieselben Gegenstände.

AA, Gestell, auf welchem der ganze Apparat ruht.

BB, Oberer eiserner Cylinder, der das erste Sieb enthält.

CC, Unterer Cylinder, in welchem sich das zweite und dritte Sieb befindet.

DD, Ring aus geschmiedetem Eisen, in den der Cylinder C eingefügt wird.

E, Haarsieb.

F, Thüren, mit Leder gefüttert, zum Austritte des Parenchymes.

|125|

G, Kurbel, mit welcher die Reibe und die Agitatoren gedreht werden.

H, Luftröhre für den Austritt der zwischen den beiden unteren Sieben enthaltenen Luft.

I, Reibe mit Sägeblättern, welche sich über dem Siebapparate befindet.

J, Hülse, welche an dem Wellbaume P angebracht ist, und die oberen Agitatoren trägt.

K, Hülse, die den unteren Agitator trägt.

LL, Stüke, welche die kreisförmige Strömung der Flüssigkeit brechen, und Ablenker genannt werden.

M, Halskragen aus Leder oder Zeug, auf den der Brei bei seinem Austritte aus dem Zermalmapparate fällt.

N, Ring des Halskragens.

O, Umschlag, welcher den Halskragen zurükhält, und ihn am Ausgleiten hindert.

P, Senkrechter Wellbaum, an dem die Agitatoren befestigt sind.

Q, Kupferne Büchse, in der Mitte des Siebes E, durch die der Wellbaum P geht.

R, Wellbaum, der die Reibe trägt.

S, Zapfen des Wellbaumes P.

T, Regulirschraube unter dem Wellbaume P, welche ein Pfanne hat, in der sich der Zapfen S dreht.

U, Aushebhebel.

V, Großes, horizontales Winkelrad, an dem Wellbaume P angebracht.

X, Winkeltriebrad an dem Wellbaume R, welches das vorhergehende Rad bewegt.

YY, Zapfen des Wellbaumes R.

Z, Anwellen der Zapfen YY.

A'A', Trog, in welchen das mit Sazmehl beladene Wasser fällt.

B', Spannungsklammer.

C', Platten, zwischen welchen sich die Parenchymreibe befindet.

D', Parenchymreibe.

E', Trichter derselben.

F', Röhre für den Durchgang des Ueberläufers.

G', Kurbel des kleinen Siebapparates.

H', Luftröhre desselben.

I', Achse der Parenchymreibe.

J'K', Agitatoren des kleinen Apparates.

L', Rolle an der Achse I' der Parenchymreibe.

|126|

M', Riemen, der über die Rolle und über jene N am Wellbaume R läuft.

O', Metallenes Stük, Ueberläufer genannt.

P', Q', R', Kufen, in welche das Wasser mit dem Sazmehle gelangt.

S', Röhre, welche die obere Kufe 1, Fig. 9., mit der unteren Kufe 2 in Verbindung sezt.

T', U' Siebe in dieser lezteren Kufe.

a, Fuß der Spannungsklammer, Fig. 5.

b, Metallene Schaufeln der Agitatoren.

c, Bewegliche, mit Bürsten besezte Flügel, die an den Schaufeln b angebracht sind.

d, Umgekehrte Bürste zum Reinigen des Siebes E von Unten.

e, Spannungsschraube.

ff, Lagerhölzer des Troges A'A'. g, Haken der Spannungsklammer. h, Lederne Vorhange vor den Thüren FF.

i, Ring, der den Aushebhebel aufnimmt.

j, Verbindungsstük.

k, Schraube dieses Stükes.

l, Kasten, der den Brei aufnimmt.

m, Schuzbrett.

nn. Tragleisten, in welchen sich dieses auf und ab bewegt.

o, Hebel zum Oeffnen und Schließen des Schuzbrettes.

pp, Schraubenmutter um die Reibe I anzuziehen.

q, Beweglicher Schieber aus Holz.

r, Gewölbtes Stük aus Metall, welches die Reibe umgibt.

s, Wasserbehälter.

t, Kasten, in welchem sich die Reibe dreht.

uu, Klappen des Behälters s.

v, Röhre, welche das Wasser leitet, das den Brei auf das Sieb treibt.

x, Röhre, welche Wasser auf das Sieb gießt.

y, Fächerförmiges Ende dieser Röhre.

z, Röhre, welche zu einem höheren Behälter gehört.

Anhang.

Hr. Mallet erstattete im Namen einer Specialkommission, die aus den HHrn. Bouriat, Labarraque, Francoeur und Vallot bestand, der Société d'encouragement einen sehr vortheilhaften Bericht über den Apparat des Hrn. St. Etienne, der in dem Februarhefte des Bulletin de la Société d'encouragement S. 116. abgedrukt ist. Wir geben hier, mit Hinweisung auf das, was bereits |127| im XXXVIII. Bande des polyt. Journales S. 450. über diesen Apparat gesagt wurde, folgenden kurzen Auszug aus diesem Bericht. Hr. Saint-Etienne verfertigt seine Apparate (an welchen eigentlich die mechanischen Siebe seine Erfindung sind, da die Reibe dieselbe, wie die von Burette angegebene ist) von zwei verschiedenen Größen. An jenen erster Größe hat die Reibe 65 Centimeter im Durchmesser, und 22 1/2 Centimeter in der Länge; die Höhe des Siebes beträgt 65, sein Durchmesser 54 Centim. An den Apparaten zweiter Größe sind diese Verhältnisse wie 49 zu 25 und wie 64 zu 49 Centimeter. Die Preise der verschiedenen Apparate des Hrn. Saint-Etienne (der rue de la Colombe. N. 4., quartier de la Cité) wohnt, sind folgende:

Einfaches mechanisches Sieb, welches in Einer Stunde
mit 4 Sester oder Mezen arbeitet

600 Fr.
Mechanisches Sieb mit zwei Fächern, welches in Einer
Stunde mit 6 Sester arbeitet

1000 –
Reibe mit einem mechanischen Siebe zu zwei Fächern
von zweiter Größe, und in Einer Stunde mit
6 Sester arbeitend


1500 –
Reihe mit einem mechanischen Siebe zu zwei Fächern,
von erster Größe und mit einer Reibe zum
Zerkleinen des Markes oder Parenchymes, in Einer
Stunde mit 8–10 Sester arbeitend



2000 –

Die Commission begab sich, um die Maschine arbeiten zu sehen, zwei Wal in die Brauerei des Hrn. Houlette, wo mit einer Maschine zweiter Größe Erdapfelstärkmehl gewonnen wird. Der Versuch, dem dieselbe am 7. Julius beiwohnte, begann um 10 Uhr 36 Minuten mit 8 Hectoliter Erdäpfel, von welchen ein jeder ungefähr 65 Kilogrammen wog. Um 8 Uhr 38 Minuten waren die zwei ersten Kilogramme zermalmt, und das Sieben begann; diese leztere Operation war um 11 Uhr 14 Minuten beendigt, was 36 Minuten für 8 maliges Sieben oder für das Sieben von 8 Hectoliter, jeden zu 65 Kilogrammen oder im Ganzen für 520 Kilogrammen gibt. Man kann also mit diesem Apparate in einer Stunde 866 Kilogramme zerreiben und sieben, und da die Zeit, während welcher in einer Starkmehlfabrik gearbeitet wird, 10 Stunden beträgt, so kann man die Fabrikation in einem Tage auf 8660 Kilogrammen (133 Hectoliter oder 61 1/2 Sester oder Mezen) bringen. Die zwei Werde, welche bei diesem Versuche angespannt waren, schienen sehr ermüdet zu werden; allein die Art, nach welcher dieselben angespannt waren, war auch äußerst schlecht und fehlerhaft; auch mußten die beiden Pferde zugleich die Speisepumpe in Gang sezen. Das Wasser wurde auf 24 |128| Meter gehoben, und betrug 43 Liter in Einer Minute; dieß gibt, wenn man 800 Einheiten für die wirkliche Arbeit eines der Pferde während 6 Stunden annimmt, die Hälfte der nüzlichen Arbeit eines Pferdes. Ein Weib war damit beschäftigt die Erdäpfel in den Kasten zu werfen, und ein einziger Mann leitete den Apparat. Aus den Beobachtungen mehrerer Stärkmehlfäbrikanten, welche bei dem Versuche gegenwärtig waren, geht hervor, daß das Parenchym ganz ausgezogen oder erschöpft war. Hr. Houlette, der den Winter 1829/30 über mit diesem Apparate arbeitete, erklärte, daß er, während seiner ganzen Arbeit, im Durchschnitte 25 Kilogrammen getroknetes oder gebeuteltes Stärkmehl aus einem Sester oder Mezen von 140 bis 145 Kilogrammen, also 17 bis 18 p. C., erhielt, nach Abzug alles Verlustes auf dem Speicher und beim Beuteln. Das Parenchym, welches man aus dem Apparate des Hrn. Saint-Etienne erhält, ist viel feiner, als jenes aus den gewöhnlichen Handsieben, indem es mit weit größerer Kraft herausgepeitscht wird; es wird daher feiner zertheilt und dadurch mehr geeignet, das Sazmehl abzugeben. Ein anderer Vortheil des Apparates des Hrn. Saint-Etienne besteht darin, daß er von Jedermann, ohne alle vorhergegangene Uebung dirigirt werden kann; weder Hr. Houlette, noch seine Brauknechte, welche er dazu braucht, arbeiteten vorher je damit. Es ergibt sich also aus den Untersuchungen der Commission, daß durch diesen Apparat in einer Werkstätte, in welcher 140 bis 150 Hectoliter verarbeitet werden, wenigstens die Arbeit von fünf Menschenhänden erspart wird; daß die Producte desselben regelmäßiger und schöner sind; daß die Arbeit viel leichter zu leiten und daß ein weit kleinerer Raum für die Manipulation erforderlich ist, als dieß früher der Fall war. Die Commission schlägt daher vor, dem Hrn. Saint-Etienne für seine Erfindung eine Medaille zu verleihen.

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