Titel: Bernhard's Patentplan um Wasser und andere Flüssigkeiten zu heben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XXXIX. (S. 168–173)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041039

XXXIX.  Bernhard's Patentplan um Wasser und andere Flüssigkeiten zu heben.

Aus dem Register of Arts and Journal of Patent Inventions, vom 4. Mai 1831.

Wörtlich übersezt 50).

Wir haben von Hrn. Thomas P. Hooper, von N. 14., Norfolk-Street, Park-Lane, die folgende Uebersezung von einem Auszuge eines von Hrn. v. Hunkerkhausen, königlichem Notar zu München, aufgesezten, und von zwölf Augenzeugen51) bestätigten Berichtes vom 30. October 1830 erhalten, in Betreff eines mit dem Bernhard'schen Apparate zur Hebung von Flüssigkeiten (dieses Mal von Queksilber) am 24. September im mathematisch-mechanischen Institute des Hrn. M. T. Ertel vorgenommenen Versuches, erhalten.

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Nach vorausgeschikter Beschreibung der Bauart und des Zwekes der verschiedenen Theile des Apparates fährt dieser Bericht (eigentlich das aufgenommene Protocoll) folgender Maßen fort:

„Daß an besagtem Tage die Füllröhre bis zur Höhe von 3 Fuß 3 Zoll, vom Boden aufwärts, und durch diese der Heizungs-Apparat, mit Queksilber gefüllt ward, unter welchem lezteren hernach Feuer gemacht wurde.“

„Sobald man das Queksilber für hinlänglich erhizt hielt, ward die Operation begonnen, indem man Luft aus dem Apparate pumpte, und in demselben einen leeren Raum hervorbrachte.“

„Nachdem ungefähr eine Viertelstunde gepumpt worden, stand das Queksilber im Vacuomerer auf 25 Zoll, und aus der Steigröhre begann das Queksilber mit großer Geschwindigkeit und in einem ununterbrochenen Strom (in an unbroken stream) durch einen ungefähr 6 Fuß über dem Niveau des Queksilbers (im Füllungsapparat) angebrachten Hahn auszufließen, und da dieser Hahn nicht sogleich wieder geschlossen werden konnte,52) so liefen an diesem Punkte in dem Zeitraume von 10 bis 15 Minuten beinahe 40 Pfund Queksilber aus, obwohl die Oeffnung in dem Wirbel kaum eine Linie im Durchmesser hatte.“

„Endlich ward der Hahn geschlossen, und bald darnach stieg das Queksilber bis zum zweiten Hahn, 13 Fuß und 9 Zoll über dem Niveau des Queksilbers im Füllungsrohr. Auch hier ward der Hahn zwei Mal geöffnet, aber jedes Mal nur eine kleine Quantität des Fluidums herausgelassen.“

„Das Queksilber erschien aus beiden Oeffnungen in seinem natürlichen flüssigen Zustande, und es zeigte sich kein merkbarer Unterschied zwischen demselben nach seiner Erhizung und demselben Metalle im kalten Zustande.“

„Endlich stieg das Queksilber in den Kühlapparat, 14 Fuß und 4 Zoll über das untere Niveau (was einer Wassersäule von ungefähr 200 Fuß Höhe gleich kommt), floß aus demselben durch das niedergehende Glasrohr in den Behälter, und aus diesem durch die zurükführende Röhre in das Füllungsrohr; und so ward diese Circulation hergestellt, und der vorgesezte Zwek erreicht.“

(Herr Hooper schilt diesem Auszug eine lange Nachricht von |170| einer langen Fehde zwischen Hrn. Bernhard und gewissen Correspondenten des Journal of Arts und des Repertory of Patent-Invention voraus, welche von beiden Seiten ohne hinlängliche Data geführt, unbestimmt, uninteressant und unnüz war, und von welcher wir daher keinen Theil anzuführen für räthlich befunden haben53); und er beschließt sein Schreiben in folgenden Ausdrüken:)

„„Nun, mein Herr, glaube ich nicht nöthig zu haben, noch beizufügen, daß, wenn Hr. Bernhard nur beweisen könnte, daß seine Maschine weniger kosten werde (Kraft für Kraft) als die Dampfmaschine, Sie mit Bereitwilligkeit Ihre Stimme erheben würden, um ihn in seinen Bemühungen, diese schreklich gefährliche Bewegungskraft zu ersezen, zu unterstüzen. Man muß gestehen, daß dieser Theil von Hrn. Bernhard's Angelegenheit noch eines Beweises bedarf; und meine Absicht, indem ich Sie mit diesem langen Schreiben belästige, ist bloß. Sie zu bitten, daß Sie die Gefälligkeit haben möchten, als Journalist und wissenschaftlicher Mann dem Publicum Ihre Meinung über die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit dieses zu führenden Beweises mitzutheilen; da ich überzeugt bin, daß wenn diese Ihre Meinung, wie ich zuversichtlich hoffe, günstig für ihn sich ausspricht, die Bataille gewonnen ist. (the battle is won.) Denn alsdann werden ihm ohne Zweifel bald Antrage von Kapitalisten gemacht werden, sich mit ihm zu verbinden, um seine Erfindung vorwärts zu bringen, nicht nur wegen eines Antheils an dem im Falle des Gelingens zu erwartenden ungeheueren Gewinn (the immense profits), sondern auch um den Ruhm des Hrn. Bernhard als eines Wohlthäters des menschlichen Geschlechtes zu theilen. Sollte ich mich jedoch in meiner Voraussezung, daß Sie im Stande seyn werden, ein günstiges Urtheil über diese Erfindung zu fällen, geirrt haben, so werden Sie mich dennoch verbinden, wenn Sie diese meine Mittheilung anzeigen wollen, da es Hrn. Bernhard's Wunsch ist, die weiteren Bemerkungen wissenschaftlicher Männer über diesen Gegenstand, und besonders über das Experiment von München zu erhalten.““

„Ich habe die Ehre zu seyn etc.“

Thomas P. Hooper.

Den 1. Mai, 1831.

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Hierauf antworten wir nun ohne allen Anstand, daß weder Hr. Bernhard noch feine Freunde hinlängliche Data geliefert haben, um eine ihm oder sonst Jemanden nüzliche Meinung darauf zu begründen.

Wir haben die Absicht der Specification seines Patentes vor uns, in welcher das Princip und die Wirkungsart seines Apparates in so unbestimmten (vague) Ausdrüken beschrieben sind, daß wenig Zutrauen in dieselben gesezt werden kann. Wir haben überdieß einen Bericht über einige Versuche, welche an der Kent-Straße neben dem Surry-Kanal im großen Maßstabe gemacht worden sind. Es wird darin gesagt, daß in einem 70 Fuß hohen Thurme Wasser auf eine Höhe von 50 Fuß gehoben worden ist; und es wird gesagt, daß der Herausgeber des London Journal of Patent-Inventions beträchtliche Massen (considerable volumes) von Wasser gesehen habe, welche während des Versuches von Zeit zu Zeit bis zur Höhe des Thurmes (beinahe 70 Fuß) gehoben, und daselbst in Zwischenräumen (at intervals) ausgeschüttet wurden. Alles dieses ist jedoch ganz unnüz; denn wir können weder die Wassermenge) welche im Sinne unseres Zeitgenossen eine beträchtliche Masse bildet, noch die Dauer der Zwischenräume errathen, und wir sind eben so im Dunkeln über die Menge des Brennmateriales, welches verbraucht wurde, um diese Massen zu heben. Wir müssen bekennen, daß alle diese Unbestimmtheiten einen der Erfindung des Hrn. Bernhard höchst ungünstigen Eindruk auf uns machen. Es ist nicht glaubbar, daß er mehrere tausend Pfund auf die Herstellung eines großen Apparates verwendet, und dann die Quantität von Brennmaterial, welche nöthig war, eine bestimmte Wassermenge auf eine bestimmte Höhe zu heben, verschwiegen haben sollte, wenn die Resultate für seine Erfindung günstig ausgefallen wären. Auch können wir nicht glauben, daß die Menge des verbrauchten Brennmateriales und des gehobenen Wassers, so wie der Aufwand von Kraft, welcher zur Bearbeitung der Luftpumpe erforderlich war, dem Hrn. Bernhard unbekannt geblieben sind. So viel ist gewiß, daß, nach seiner eigenen Angabe, alles gehobene Wasser ungefähr bis zu 140 Grad (Fahrenheit) über die natürliche Temperatur desselben erhizt worden ist.

Was den Bericht des Hrn. v. Hunkerkhausen betrifft, so liefert uns dieser keine besseren Data zur Begründung einer Meinung. Wir erfahren nur, daß durch Anwendung von Feuer, und nach einer viertelstündigen Bearbeitung der Luftpumpe beinahe 40 Pfund Queksilber in Zeit von 10 bis 15 Minuten auf die Höhe von ungefähr 6 Fuß gehoben wurden. Ist es nun aber nicht offenbar, daß ein Mann mittelst einer Drukpumpe in, einer Viertelstunde eine viel |172| größere Quantität von Queksilber zur Höhe von 6 Fuß heben würde?54) – Aber man sagt uns, daß bald nachdem der erste Hahn geschlossen war, das Queksilber bis zur Höhe des zweiten Hahnens von 13 Fuß und 9 Zoll stieg, daß eine kleine Quantität davon aus diesem Hahnen abgelassen, und daß alsdann die Höhe von 14 Fuß 4 Zoll über dem Niveau erreicht wurde.

Aus diesem geht hervor, daß eine Queksilbersäule von 14 Fuß und 4 Zoll gehoben worden ist; man läßt uns jedoch über den körperlichen Inhalt des Kessels ganz im Dunkeln; und daher mag wohl Alles durch einen dem gewöhnlichen Thermometer dem Principe nach gleichenden Apparat bewirkt worden seyn55). Offenbar sind |173| Hr. Bernhard und seine Freunde entweder selbst von den Mangeln dieser Erfindung vollkommen überzeugt, oder sie sind entschlossen, das Publicum über die Vortheile derselben in Unwissenheit zu lassen.

Wir haben von dieser in England, Frankreich, Holland, Oesterreich. Preußen und Bayern patentirten Erfindung in unserem Journale, Band XXXI. S. 74.; Bd. XXXII. S. 169.; Bd. XXXIV. S. 305 und 445., alle bis jezt in englischen Journalen vorgekommenen Nachrichten und darüber gemachten Bemerkungen unseren Lesern treulich mitgetheilt, und auf Hrn. Bernhard's Verlangen auch ein von ihm selbst eingesendetes Wort über die Theorie und Nuzanwendung seines Kraft- oder Hebe-Apparates, worin er seine Erfindung gegen eine im London Journal of Arts and Sciences enthaltene Beurtheilung zu vertheidigen gesucht hat, als Beilage zum 2. Februarheft des gegenwärtigen Jahres, aufgenommen. Wir glauben daher, auch dieses neueste Urtheil eines der gediegensten englischen Journale unseren Lesern um so weniger vorenthalten zu dürfen, als diese Erfindung, durch welche nach der Behauptung des Hrn. Bernhard alle Dampfmaschinen verdrängt werden sollen, überall bereits das größte Aufsehen erregt hat, und es, so lange die Erfahrung über den Werth derselben nicht unwidersprechlich entschieden hat, nicht nur jedem Sachverständigen erlaubt ist, seine Meinung darüber zu äußern, sondern die Wichtigkeit des Gegenstandes selbst erfordert, daß alle Stimmen darüber vernommen werden. A. d. R.

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Wir müssen hier bemerken, daß unter diesen zwölf Augenzeugen kein Sachverständiger sich befand, welcher über Gegenstände dieser Art ein richtiges Urtheil zu fällen im Stande gewesen wäre.

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Nach der Aussage eines sehr glaubwürdigen und verständigen Mannes, welcher diesem Versuche beiwohnte, war der stählerne Wirbel dieses kleinen Hahnens durch die heftige Hize, welcher derselbe (so wie die ganze Steigröhre) von der sie rings umspielenden Flamme ausgesezt war, so stark angeschwollen, daß er ganz fest stelle, und daß man die größte Mühe und Gewalt anwenden mußte, um ihn wieder los zu machen. A. d. Ue.

|170|

Wir verweisen unsere Leser, welche diese Polemik interessiren mag, auf den oben angeführten Aufsaz des Hrn. Bernhard, welchen wir dem zweiten Februarhefte unseres Journales von gegenwärtigem Februar beigelegt haben. A. d. R.

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Bekanntlich vermag ein Mann von mittlerer Stärke ohne sonderliche Anstrengung eine Last von 30 Pfund in einer Sekunde 2 Fuß hoch zu heben, also 10 Pfund auf eine Höhe von 6 Fuß. Er kann daher in 15 Minuten oder 900 Sekunden, bei einer zwekmäßigen Anordnung, 9000 Pfund Queksilber auf dieselbe Höhe schaffen. Folglich hat bei diesem Versuche die Bearbeitung der Luftpumpe allein 225 Mal so viel Kraft erfordert, als zur Hervorbringung des erhaltenen Effectes, ohne allen Aufwand von Brennmaterial, nöthig gewesen wäre! – A. d. Ue.

|172|

Auf eine andere Weise läßt sich auch diese Erscheinung, wenn es wirklich wahr seyn sollte, daß das Queksilber in concret flüssigem Zustande durch den Druk der Atmosphäre auf diese Höhe gehoben worden ist, nicht erklären: denn die Behauptung des Hrn. Bernhard: daß dieses Fluidum, so wie das Wasser, durch angebrachte Hize vom Gefrierpunkte bis zum Siedepunkte sich stufenweise ausdehnen und specifisch leichter werde, streitet gegen alle gesunde Theorie und selbst gegen die Erfahrung; da wir wissen, daß diese Ausdehnung bei dem Wasser nur 4 pro Cent, und bei dem Queksilber kaum 2 pro Cent beträgt, und daß der Uebergang zu einer 1800. bis 2000 maligen Ausdehnung, d.h. vom tropfbar flüssigen Zustande des Wassers zum elastischen Dampfe, bei Erreichung des Siedegrades plözlich erfolgt. Dieß hat die Natur auch sehr glüklich für uns so eingerichtet; denn wenn das erhizte Wasser, nach der neuen Lehre des Hrn. Bernhard, sich in seinem concreten Zustande (so wie die comprimirte Luft) allmählich bis zu einem 1700 Mal größeren Raum ausdehnte, so wären wir in unseren Wohnungen täglich den Gefahren einer Ueberschwemmung ausgesezt; das in einem Topfe an's Feuer gestellte Wasser würde, wie der Pudel Mephistopheles bei Faust, sich riesenmäßig aufblähen, und bis an die Deke der Küche und in den Schornstein sich erheben, und unsere armen Köchinnen müßten in dem verdünnten Wasser jämmerlich ersaufen! –

Es unterliegt indessen keinem Zweifel, und alle Sachverständigen und Gelehrten, welche den Apparat des Hrn. Bernhard gesehen haben, oder aus der Zeichnung und Beschreibung kennen, sind einstimmig der Meinung, daß in der von allen Seiten auf einen sehr hohen Grad erhizten eisernen Steigröhre das Wasser oder Queksilber nicht in flüssigem Zustande, sondern als Dampf emporsteigt, und daß also das Ganze nichts weiter als ein Destillir-Apparat ist, wobei die Verdampfung und das Aufsteigen des Dampfes durch den oben angebrachten luftleeren Raum noch besonders erleichtert und befördert wird. Einen ziemlich fühlbaren Beweis von der Richtigkeit dieser Ansicht gaben eben jene ersten Versuche im mechanischen Institute des Hrn. Ertel zu München, da der ganze Raum, in welchem der Apparat sich befand, mit Queksilberdampf, der durch die nicht ganz dichten Fugen der eisernen Röhren und durch die einige Zeit lang geöffneten Hahne hervordrang, so angefüllt wurde, daß ein Paar Arbeiter davon vergiftet in das allgemeine Krankenhaus gebracht werden mußten, und daß der Erfinder selbst mehrere Wochen lang an den unangenehmsten Folgen einer starken Queksilbervergiftung zu leiden hatte. Hierauf wurden, um jede Verbreitung solcher |173| schädlichen Dampfe zu verhüten, jene Hahnen an der Steigröhre unbeweglich befestigt und mit Lehm überstrichen, die Steigröhre selbst aber in einen gemauerten Schornstein eingeschlossen. Nach diesen, allerdings sehr nothwendigen, Sicherheitsmaßregeln wurden in den Monaten März, April und Mai des gegenwärtigen Jahres mehrere öffentliche Proben mit diesem sogenannten Kraftapparate vorgenommen, wozu Hr. Bernhard durch gedrukte Karten die halbe Stadt einlud, und wo dann, zum Erstaunen aller anwesenden Laien, wirklich etwas Queksilber aus dem Verdichtungsapparate durch eine gläserne Röhre herabträufelte.

Die Mittel, wodurch diese außerordentliche Wirkung hervorgebracht wurden, bestanden 4) in einem ziemlich starken, beständig unterhaltenen, Feuer unter dem Röhrenkessel) 2) in einem Manne, welcher unten eine Drukpumpe bearbeitete, durch welche der Verdichtungsapparat mit einem bedeutenden Zuflusse von kaltem Wasser versehen wurde; 3) aus zweien Männern, welche oben an der Luftpumpe arbeiteten. Da der Punkt, an welchem das verdichtete Queksilber zum Vorschein kam, oder die eigentliche nuzbare Höhe, auf welche dasselbe gefördert wurde, nur 11 Fuß unter dem Füllungsrohre, wo man es aufgab, und über dem Niveau desselben im Kessel, erhoben war, so hatten die drei Männer ohne alle Beihülfe von Feuerung wenigstens 300 Mal so viel Queksilber auf dieselbe Höhe pumpen oder schöpfen können, und das kleinste Modell einer Dampfmaschine würde mit demselben Aufwande von Brennmaterial, ohne alle Mitwirkung von menschlichen Kräften, mehr als zwanzig Mal so viel als dieser sogenannte Kraftapparat leisten.

München, den 3. Julius 1831. A. d. Ue.

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