Titel: Boudon de Saint-Amand, über Fabrikation aller Sorten von Töpferwaare etc.
Autor: Saint‐Amand, Pierre Boudon de
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XLIX. (S. 206–220)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041049

XLIX. Beschreibung der Verfahrungsarten und Apparate zur Fabrikation aller Sorten von Töpferwaare, Steingut, Fayence, Porcellan nach englischer Art, worauf Hr. Boudon de Saint-Amand zu Passy bei Paris ein Einführungspatent erhielt.78)

Aus der Déscription des Machines et Procédés consignés dans les Brevets d'Invention etc. publiée par Mr. Christian. Bd. XVI. S. 5.

Ueber die Urstoffe.

In England bilden wie in Frankreich die Alaunerde und Kieselerde die Basis der Töpferwaare; der Fabrikant vermengt sie nach Umständen in verschiedenen Verhältnissen; auch hängt bei der Fabrikation der feinen Fayence der Erfolg ganz und gar von der Auswahl des Thons ab. Die Engländer besizen eigenthümliche Verfahrungs-Arten zur Bereitung ihrer Teige und Glasuren. Die Basis des Teiges für alle Arten von Töpferwaaren ist ein bläulicher Thon, welchen man in den Grafschaften Dorset und Devon79) findet; er kommt fünf und zwanzig bis dreißig Fuß tief unter der Erde vor, enthält |207| wenig Sand und wird in großen Massen ausgegraben. Diese Erde besteht aus vier und zwanzig Theilen Alaunerde und fünf und siebenzig Theilen Kieselerde; oft sind noch viele andere Substanzen damit gemengt, welche aber keinen Einfluß auf die Bearbeitung haben. Dieser Thon ist sehr feuerbeständig und dabei außerordentlich weiß, daher man ihn allen anderen in Großbritannien vorzieht. Derselbe Thon ist die Basis aller Töpferwaaren aus Pfeifenerde (cream colour); so wie der Erde, welcher unter der Glasur bedrukt und Printing Body genannt wird, endlich der verglasten Töpferwaare, welche Wedgewood erfand, und des feinen Porcellans, welches man in England fabricirt.

Die gemeinste Fayence ist die Pfeifenerde; sie besteht aus dem Thon, wovon wir eben gesprochen haben, calcinirtem Feuerstein und verwittertem Granit; lezteren erhält man aus Cornwallis (unter der Benennung cormsh stone), und zerreibt ihn, ehe man ihn zur Bereitung des Teiges benuzt. Man wendet diese Substanzen nicht in allen Fabriken in demselben Verhältnisse an; eines der ersten Etablissements in der Grafschaft Stafford nimmt Folgendes:

Zusammensezung der Pfeifenerde (cream colour).

Feuerstein 20 Theile
Thon 100 –
Verwitterter Granit 2 –

Zusammensezung des Teiges, welcher unter der Glasur bedrukt wird.

Zu diesem Teige muß man mehr Kieselerde und Granit nehmen; man verwandelt die Substanzen in einen Teig von solcher Dike, daß eine Pinte von

Kiesel 32 Unzen
Granit 28 –

wiegt. Dieser Teig wird noch mit Kaolin von Cornwallis (cormsh clay) versezt; lezterer wird ebenfalls in einen Teig verwandelt, wovon die Pinte vier und zwanzig Unzen wiegen muß. Man versezt dann vierzig Maß von dem Thon (worunter immer solcher von Devon oder Dorset verstanden wird) mit

13 Maß Kiesel,
12 – Kaolin,
1 – Granit.

Man vermengt das Ganze, troknet es zur Hälfte und bringt es in die Thonschneidemaschine, um alle Theile des Teiges gut mit einander zu vermengen. Dieser Teig ist nach dem Brennen sehr weiß, sehr hart, klingend und eignet sich für alle Abdrüke unter der Glasur.

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Der thonhaltige Kaolin erhält durch den Kiesel, wenn man ihn in obigem Verhältnisse damit vermengt, ein compactes Gefüge, und der Ausdruk bleibt fest zwischen dem Teig und der Glasur, ohne weder dem einen noch der anderen von der angewandten Metallfarbe etwas mitzutheilen. Die französischen Fabriken haben bisher nur reinen Thon mit sehr wenig Kiesel zu ihrer Pfeifenerde angewandt; den Gebrauch des Granits und Kaolins kennen sie nicht. Der Granit macht den Teig fest und nach dem Brennen sehr klingend, während der Kaolin den doppelten Vortheil vereint, ihm eine angenehme Weiße und große Dauerhaftigkeit zu ertheilen. Diese beiden Materialien findet man jedoch in Frankreich in großer Menge und zu sehr mäßigen Preisen.

Zusammensezung der Glasuren für die Pfeifenerde (cream colour).

Die Glasuren müssen eine Verwandtschaft zu dem Teige haben, welchen sie überziehen sollen: man hat drei Arten von Glasuren, nämlich für die gemeine Pfeifenerde (cream colour), für die Erde, welche bedrukt wird (printing body) und für diejenige, welche mit Mahlereien verziert werden soll.

Erste Composition.

Bleiweiß 53 Theile
Verwitterter Granit von Cornwallis 6 –
Feuerstein 36 –
Krystall 4 –

Zweite Composition.

Bleiweiß 40 Theile
Granit von Cornwallis 36 –
Feuerstein 12 –
Krystall 4 –

Diese beiden Gemenge werden vor der Anwendung nicht gefrittet, sondern bloß zerrieben.

Glasur für alle Arten von metallischem Ausdruk.

Granit 26 Theile
Soda 6 –
Salpeter 2 –
Borax 1 –

Man frittet und versezt sodann zwanzig Pfund dieser Fritte mit:

Feldspath 26 Theilen
Bleiweiß 20 –
Kiesel 6 –
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Kohlensaurem Kalk

4 Theilen
Zinnoxyd 1 –

Dieses Gemenge versezt man mit einer geringen Quantität Kobaltoxyd, um der Glasur einen Stich ins Azurblaue zu ertheilen.

Andere Glasur zu demselben Zwek.

Krystall 20 Theile
Feuerstein 6 –
Salpeter 2 –
Borax 1 –

Man frittet und versezt sodann zwölf Theile der Fritte mit:

Bleiweiß 40 Theilen
Granit 36 –
Kiesel 8 –
Krystall 6 –

Man reibt das Ganze zusammen. Die Kapseln, in welchen man die Stüke, nachdem man die Glasurmasse aufgetragen hat, in den Ofen bringt, müssen innen mit folgender Composition überzogen werden, damit sie jenen den Metallglanz nicht benehmen:

Kochsalz 12 Theilen
Potasche 30 –

Glasur für die Pfeifenerden, welche mit Mahlereien verziert werden sollen.

Man nimmt von der Fritte, welche wir oben zu der

Glasur für Abdrüke angaben 13 Theilen
und verseze sie mit Mennige 50 –
Granit 40 –
Kiesel 12 –

und reibe das Ganze zusammen. Die vorhergehenden Glasuren geben alle vortheilhafte Resultate; sie werden durch das Messer nicht gerizt und von Schwefelsäure nicht angegriffen, daher die Pflanzensäuren und ranzigen Fette selbst beim Erwärmen nicht auf sie wirken können. Die englischen Glasuren sind der Gesundheit durchaus nicht nachtheilig: sie enthalten nur so viel Blei als nöthig ist, um sie in Fluß zu bringen, und dasselbe ist durch Kieselerde und andere Substanzen vollkommen neutralisirt. Eine gute Glasur muß sich beim Erwärmen und Erkalten mit dem Bisquit gleichmäßig ausdehnen und zusammenziehen.

Gefärbte Töpferwaare und Steingut nach Wedgewood.

Man findet in England noch verglaste Töpferwaare von allen Farben, welche man try bodis nennt und die nicht auf der Oberfläche, |210| sondern in Masse gefärbt ist. Sie wird auf zweierlei Weisen verfertigt; die eine Sorte ist unter dem Namen jaspers (Wedgewood's Jaspiswaare) bekannt; bei dieser dient der Baryt als Flußmittel des Thones und bildet ein Email.

Weiße Composition für einen verglasbaren Teig, welcher alle Metallfarben annimmt.

Schwefelsaurer Baryt (Schwerspath) 47 Theile
Granit 15 –
Thon von Devon 26 –
Schwefelsaurer Kalk 6 –
Kiesel 15 –
Strontian 10 –

Mangan färbt diese Masse purpurroth; Gold, mit Zinn präcipitirt, rosenroth; Antimon gibt Orange; Kobalt Blau; Kupfer und Nikel geben Grün. Man nimmt ungefähr ein Procent Kobaltkalk; ein halbes und sogar ein Viertel Procent würde hinreichen, um das schöne Wedgewoodblau zu erhalten; von dem Nikel, Mangan und kohlensauren Eisen (Crocus martis) muß man drei Procent nehmen. Um die schwarze Erde zu erhalten, sezen einige Fabrikanten in Staffordshire bis sieben Pfund Braunstein mit dem Eisenoxyd oder Oker zu. Nikel und Umbraerde machen ein schönes Braun. Sehr schöne Nüancen erhält man auch, wenn man das kohlensaure Eisen mit Bolus, oder Mangan mit Kobalt, oder Kobalt mit Nikel vermengt. Sezt man obigem verglasbaren Teige zwei Procent Antimon in Verbindung mit kohlensaurem Eisen zu, so erhält man eine sehr schöne Farbe.

Zweite Vorschrift für verglasbaren Teig, welcher sich viel stärker verglast als der erstere.

Granit 30 Theile
Schwefelsaurer Kalk 23 –
Kiesel 17 –
Thon 15 –
Kaolin von Cornwallis 15 –
Schwefelsaurer Baryt 10 –

Der verglasbare Teig ist sehr dehnbar und läßt sich eben so leicht bearbeiten, als die englische Pfeifenerde. Die runden Stüke werden gedreht, einige auch geformt; die ovalen Stüke werden immer geformt und die zartesten Verzierungen werden in hohlen Formen aus gebrannter Erde von Weibern und Kindern verfertigt und mit bewunderungswürdiger Geschiklichkeit an den gedrehten und geformten Gegenständen angebracht. Die gefärbten Teige haben eine so große Verwandtschaft zu einander, daß man losgerissene Verzierungen mit etwas Gummiwasser auf concaven und convexen Gegenständen |211| anbringen kann und sie sich im Feuer ohne im Geringsten zu reißen, mit ihnen vereinigen. Die gefärbten Teige erhalten nur ein einziges Feuer, ausgenommen wenn man die innere Seite emailliren oder der Außenseite Glanz ertheilen will, was die Engländer smearing nennen.

Email oder Glasur für die innere Seite der schwarzen Töpferwaare von Wedgewood.

Mennige 6 Theile
Kiesel 1 –

Mangan zwei Unzen, wenn man nach dem Pfunde mißt.

Zweites Email für die verglaste Töpferwaare oder die Töpferwaare mit Gold- und Platinglanz.

Bleiglätte 60 Theile
Granit 36 –
Kiesel 15 –

Dieses Email eignet sich für alle Töpferwaaren, nur nicht für die schwarze, welche Mangan ohne Granit erfordert.

Aeußerer Glanz der verglasten Teige.

Unter Smearing verstehen die Engländer, daß man farbigen verglasten Töpferwaaren ohne Glasur, auf ihrer Außenseite einen schwachen Glanz ertheilt. Zu diesem Ende bringt man die Gegenstände bloß in Kapseln, welche innen mit folgendem Gemenge überzogen werden:

Ueberzug für die Kapseln, in welchen man die Gegenstände brennt.

Kochsalz 12 Theile
Potasche 30 –

oder

Salz 14 –
Potasche 6 –

Hiezu sezt man noch eine kleine Menge von dem zweiten Email, welches wir oben für die verglasten Töpferwaaren angeben. Die Gegenstände werden in die mit diesem Ueberzug versehenen Kapseln gebracht, welcher ihnen dann auf der Außenseite den Metallglanz ertheilt.

Teig für Mörser. (Mortar Body)

Thon 6 Theile
Granit 3 –
Kiesel 2 –
Koalin 1 –

Nachdem wir nun alle gefärbten Teige von Wedgewood beschrieben |212| haben, wollen wir uns mit dem englischen Porcellan beschäftigen, welches in alle Länder ausgeführt wird, obgleich die französischen Fabriken ein viel besseres Product liefern und ihm mehr Eleganz ertheilen als alle anderen Nationen Europa's.

Das englische Porcellan ist Glasporcellan (Frittenporcellan, porcelaine tendre), das heißt, es besteht nicht wie in Frankreich aus Kaolin und Petunze, wird bei einer niedrigeren Temperatur gebrannt und ist mit einem künstlichen Email überzogen. Es mißräth nie beim Brennen und da es hiebei so wenig Brennmaterial erfordert, so ist es außerordentlich wohlfeil.

Zusammensezung des englischen Glasporcellans, welches man im Lande selbst Eisenstein-Porcellan (iron stone china) nennt.

Granit 60 Theile
Thon 40 –
Krystall 2 –

Andere Vorschrift.

Granit 42 Theile
Thon 42 –
Kiesel 10 –
Krystall 8 –

Glasur dieses Porcellans.

Granit 30 Theile
Kiesel 15 –
Mennige 6 –
Soda 5 –

Man frittet und versezt vier und vierzig Theile der Fritte mit:

Krystall 42 Theilen
Bleiweiß 15 –

Glasur für die zweite Vorschrift.

Krystall 8 Theile
Granit 36 –
Bleiweiß 40 –
Kiesel 20 –

Compositionen für das gemeine Porcellan.

In den englischen Porcellanfabriken bereitet man einen besonderen Teig für das Tafel- und einen anderen für das Dessert- und Theeservice; beide sind nicht gefrittet, sie haben dann noch einen dritten, welcher gefrittet ist und unserem Bildhauerteige entspricht, womit man Figuren und alle Arten der feinsten Verzierungen macht.

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Erste Composition.

Kiesel 75 Theile
Gebrannte Knochen 180 –
Thon 70 –
Kaolin 40 –

Zweite Composition.

Kiesel 36 Theile
Gebrannte Knochen 100 –
Kaolin 96 –
Granit 80 –

Dritte gefrittete Composition.

Sand von Lynn in der Grafschaft Norfolk 150 Theile
Gebrannte Knochen 300 –
Potasche 10 –

Man sezt hundert Pfund Kaolin zu.

Glasuren für die drei verhergehenden Compositionen.

Granit 45 Theile
Kiesel 9 –
Borax 21 –
Krystall 20 –
Salpeter 4 –

Man frittet und sezt zwölf Pfund Mennige zu.

Für die gefrittete Composition, welche der schmelzbarste Teig ist, muß man zur Glasur zwölf Theile Kiesel anstatt neun nehmen und den Borax auf funfzehn Theile reduciren. Man bedrukt das Porcellan auf dieselbe Art unter der Glasur wie die Pfeifenerde. Hiebei sind folgende Verfahrungsarten gebräuchlich.

Bereitung des Kobalts.

Man macht damit Abdrüke in sehr verschiedenen Nüancen, indem man mehr oder weniger Kobalt anwendet. Nachdem man dieses Oxyd auf gewöhnliche Art gereinigt hat, vermengt man es mit einer gewissen Quantität Kiesel und schwefelsaurem Baryt; dieselbe ist unbestimmt und hängt von der Nüance ab, welche man dem Abdruk geben will. Diese drei Substanzen werden zusammen gefrittet: man zerreibt sie und versezt sie vor dem Ausdruken mit einem Flußmittel, welches press flux genannt wird.

Zusammensezung des Flußmittels.

Man versezt den Kobalt mit seinem gleichen Gewichte Krystall und Kiesel; dadurch erhält man ein Flußmittel, welches die Farbe auf |214| dem Bisquit so befestigt, daß die Glasur den Abdruk nicht verwischen kann und welche sowohl den Fluß des Kobalts als der Glasur begünstigt. Durch die Verbindung des Kobalts mit Kiesel und schwefelsaurem Baryt erspart man an Kobalt; je mehr man von diesen anwendet, desto heller wird die Farbe und umgekehrt.

Nach denselben Verfahrungsweisen drukt man in Staffordshire alle Farben auf die Töpferwaaren: es gibt aber noch eine eigenthümliche Art von Abdrüken, welche jezt in den englischen Töpfereien üblich sind: nämlich weiße und gelbe Abdrüke auf gefärbter Töpferwaare.

Composition für die gelben Abdrüke auf brauner Töpferwaare.

Man zerreibt Oker mit einer kleinen Menge Antimon; das Flußmittel ist dasselbe wie der press flux.

Composition für die weißen Abdrüke.

Man zerreibt Kiesel, mengt ihn mit dem press flux und drukt wie bei den blauen Farben auf brauner oder anders gefärbter Töpferwaare auf, bei welcher Abdrüke in zarten Farben in die Augen fallen können.

Englisches Verfahren um mit Oehl zu druken.

Der Kobalt oder irgend eine andere Farbe, deren man sich bedienen will, muß mit einem fetten Oehle, woraus die Druker ein großes Geheimniß machen, geknetet werden. Um dieses Oehl zu erhalten, kocht man

ein Quart Leinöhl,

vier Unzen Harz,

ein halbes Pfund Theer von den Barbades,

eine halbe Pinte flüssigen Amber

bis zur Consistenz eines diken Honigs mit einander. Dieses Oehl ist zäh und muß erhizt werden, wenn man sich desselben bedienen will. Der Druker breitet es auf einer Palette aus Gußeisen aus, welche er über einem Ofen erhizt, um das Oehl und den Kobalt immer in einem halb-flüssigen Zustande zu erhalten.

Kupferplatten.

Die Platten sind aus Kupfer und zwei oder drei Mal tiefer als in den französischen Fabriken gravirt. Der Druker legt seine mit fettem Oehl gemischte Farbe auf die heiße Platte, breitet sie auf der ganzen Oberfläche aus, streicht die überschüssige Farbe mit einem breiten Messer weg und reinigt seine Platte mit einem ledernen Bällchen, welches mit Kleie gefüllt ist (er wischt sie aber nicht ab, sondern fährt bloß leicht darüber hin als wenn er Staub beseitigen wollte); nach dieser Operation wird das zu bedrukende Papier, welches vorher mit Seife |215| (nicht mit Salz, wie man in Frankreich zu thun pflegt) getränkt worden ist, ganz feucht auf die heiße Platte gelegt; er gibt sodann einen Schlag mit der Presse und überliefert den Abdruk sogleich den Weibern, welche man Uebertragerinnen nennt; sie zerschneiden ihn in einzelne Stüke und legen die verschiedenen Gegenstände auf die Bisquitstüke. Das Fayencebisquit erhält vor dem Auftragen des bedrukten Papieres nie eine besondere Zubereitung, weil das Drukeröhl vermöge seiner Zusammensezung das bedrukte Papier stark befestigt.

Die Uebertragerinnen bedienen sich nicht wie in Frankreich kleiner Walzen, um den Abdruk auf das Bisquit zu pressen und loszutrennen, sondern fest zusammengeschnürter flanellner Stäbe, welche anderthalb Zoll im Durchmesser haben und zwölf bis funfzehn Zoll hoch sind. Man gebraucht diese Stäbe wie die Polirwerkzeuge; man stüzt nämlich einen Theil gegen die Schulter, und reibt den entgegengesezten Theil stark auf dem Papier, welches dann alle Striche des Abdrukes auf das Bisquit überträgt.

Die Bisquitstüke werden sogleich in Wasser eingeweicht, damit man das Papier, auf welchem nichts mehr zurükbleibt, desto leichter lostrennen kann. Porcellanene Gegenstände hingegen werden vor dem Eintauchen in Wasser erhizt, denn da sie schon verglast sind, so legt sich das Papier stärker an, als auf dem Bisquit und kann nur mit einer harten Bürste beseitigt werden. Die Abdrüke, welche man solchergestalt auf Bisquit aus Pfeifenerde und auf Glasporcellan (Frittenporcellan) aufgetragen hat, bringt man unter die Muffel, um sie zu befestigen und zur Annahme der Glasur empfänglich zu machen. Auf diese Art bedrukt man Gegenstände aller Art mit beliebigen Farben. Man hat noch ein anderes wesentlich verschiedenes Verfahren, um ohne Presse auf die Glasur zu druken.

Verfahren, um Abdrüke auf die Glasur zu bringen.

Man schmilzt in einer großen ovalen Platte eine dünne Schichte sehr reinen flandrischen Leim, um eine zwei bis drei Linien dike Masse von der Consistenz der Gallerte zu erhalten, welche man nach dem Erkalten in kleine Platten zerschneiden kann, die in ihrer Form bleiben; man zerschneidet sie nach dem auszuführenden Gegenstande und der Größe der Platten, welche man damit bedeken muß. Die Arbeiterin (es sind immer Mädchen oder Weiber, welchen dieses Geschäft übergeben wird) überstreicht die kupferne Platte schwach mit Leinöhl, welches zu einer diken Consistenz verkocht wurde, legt sogleich eine kleine Tafel flandrischen Leim darauf und preßt diesen mit einem seidenen Bällchen, welches mit Kleie gefüllt ist, so daß sie alles Oehl, welches in die Striche der Platte eindringt, beseitigt; sie nimmt dann das Leimstük weg, trägt es auf den emaillirten Gegenstand, welcher |216| den Abdruk erhalten soll und durch einen schwachen Druk, welchen sie mit demselben seidenen Bällchen ausübt, zwingt sie so zu sagen das Oehl, welches sie der Kupferplatte entzog, sich von dem Leimstük zu trennen und zu übertragen. Man nimmt endlich den flandrischen Leim, welcher seine öhligen Theile, die sich nun auf dem emaillirten Gegenstand befinden, gänzlich verloren hat, vorsichtig weg und reibt die gepulverten Metallfarben auf den Gegenstand mit etwas Baumwolle auf; sie hängen sich dann nur an die mit Oehl versehenen Theile an.

Diese Verfahrungsarten befolgt man in Staffordshire, um auf und unter die Glasur Abdrüke zu bringen; sie sind wesentlich von den in Frankreich gebräuchlichen verschieden und werden unglaublich schnell ausgeführt.

Nach dem so eben beschriebenen Verfahren wird auch der Gold-, Platin- und Eisenglanz hervorgebracht, denn da man die Metalle in Königswasser auflöst, so kann man sich ihrer nicht auf Metallplatten bedienen, welche die Säuren zerfressen würde, wenn man sie immer über dem Feuer halten müßte.

Ueber die Anwendung der Moletten, um Eindrüke zu machen, welche sodann mit Teig von verschiedenen Farben ausgefüllt werden.

In Frankreich kennt man bloß die Moletten, welche Erhabenheiten hervorbringen, in England ist es gerade umgekehrt. Die Molette, welche den Strich macht, muß erhaben seyn, um Vertiefungen zu bilden: man läßt sie über eine Tasse, einen Teller oder irgend einen Gegenstand laufen; die Vertiefungen, welche sie zurükließ, werden mit dikem Teige ausgefüllt, welchen der Arbeiter mit dem sogenannten Blasetopf (blowing pot) ausbreitet; der Blasetopf ist ein Gefäß, welches einer Theekanne sehr ähnlich und mit gefärbtem Teige gefüllt ist. Man stekt eine Pfeifenröhre in den oberen Theil und verschließt denselben luftdicht mit einem Stük Thon. Der Arbeiter bläst durch die Pfeifenröhre und treibt so durch den Schnabel des Blasetopfes einen Teig aus, welchen er nach Belieben auf dem Gegenstande, welcher sich auf der Drehscheibe befindet, anbringt; die Vertiefungen, welche die Molette vorher auf demselben hervorbrachte, werden auf diese Art mit Teig von einer anderen Farbe, als der Gegenstand hat, ausgefüllt. Wenn der Gegenstand die zur Bearbeitung erforderliche Consistenz erhalten hat, beseitigt der Arbeiter mit seinem Instrument den überschüssigen Teig, bis er das Dessin der Molette entdekt. Indem man so mit dem Blasetopf mehrere Schichten gefärbten Teiges aufträgt, erhält man mit einer unglaublichen Geschwindigkeit eine Menge verschiedenfarbiger Verzierungen.

|217|

Arbeiten dieser Art, welche besonders bei gemeiner Töpferwaare ausgeführt werden, haben für den Unbemittelten keinen geringeren Reiz als die Vergoldungen und Farben, welche von berühmten Künstlern mit der größten Sorgfalt angebracht werden. Wedgewood wandte diese Methode auch zuweilen bei seiner so allgemein bewunderten feinen Töpferwaare an. Man hat auch Blasetöpfe aus Eisenblech, welche in drei Abtheilungen gefärbten Teig, jeden von einer besonderen Farbe enthalten; der Teig läuft aus jeder durch eine besondere Röhre ab und bildet auf dem auf der Drehscheibe befindlichen Gegenstande serpentinartige Verzierungen.

Der gefärbte Teig muß so viel als möglich eine solche Zusammensezung haben, daß er sich mit der Masse des Gegenstandes verbindet. Das Blau wird niemals schön, wenn der gefärbte Teig nicht aus den bei der Composition der feinen (verglasbaren) Pfeifenerde angegebenen Substanzen bereitet wurde.

Verfertigung der Formen.

Man nimmt in allen Töpfereien Formen aus Gyps und gebrannter Erde für die feinen Verzierungen und Garnituren. Das Modell, nach welchem man die Form von gebrannter Erde macht, muß ebenfalls aus derselben Substanz bestehen.

Zusammensezung des Formteiges.

Roher Thon von Devon 20 Theile
Derselbe gefrittet und zerrieben 40 –

Ich mache die Formen für die feinsten Verzierungen durch einen einzigen Schlag auf folgende Art: ich gebe einer Masse Erde oben eine kegelförmige Gestalt, lege das Modell, wovon ich einen Abdruk nehmen will, auf einen sehr festen Tisch, schmiere es mit ein wenig Oehl vermittelst eines Pinsels von Dachshaaren ein, stelle mich dann gerade gegen die Mitte des Tisches, ergreife mit beiden Händen die zubereitete Erde, hebe sie mit ausgestrekten Armen über meinen Kopf und schleudere sie heftig auf das Modell, wovon ich augenbliklich einen Abdruk erhalte. Der umgekehrte Kegel trifft zuerst gegen die Mitte des Modells, und durch die Elasticität der Erde, welche sich senkt, wird die Luft, welche dem Abdruk schaden würde, ausgetrieben; würde die Erde flach auffallen, so könnte sie sich nicht über die ganze Oberfläche des Modelles verbreiten, denn dasselbe würde dann auf allen Punkten zugleich getroffen, wodurch man nie einen vollkommenen Abdruk erhielte.

|218|

Beschreibung der in den Töpfereien von Staffordshire gebräuchlichen Verfahrungsarten, um den Gold-, Platin- und Eisenglanz so wie die Aventuringlasur hervorzubringen.

Feines Gold 48 Gran
Salpetersäure 1/2 Unze
Salzsäure 1/2 –
Destillirtes Wasser 1/2 –

Man löst das Gold im Marienbade vollständig auf und achtet wohl darauf, daß die Auflösung nicht krystallisirt. Man nimmt als dann Zinn in Körnern, schmilzt und gießt es in kaltes Wasser; von den kleinen Zinnkügelchen, welche sich am Boden befinden, löst man 48 Gran in derselben Menge Säure wie das Gold auf. Eine Hand voll Hopfen wird dann in einer Theekanne mit siedendem Wasser infundirt und dasselbe nach Verlauf einer Stunde filtrirt. Man gießt hierauf in eine Tasse 30 Tropfen von der Infusion, 40 von der Goldauflösung und 7 von der Zinnauflösung. Das Ganze wird gut mit einander gemischt und diese Composition auf den Gegenstand mittelst eines Bällchens aus Musselin, das mit Baumwolle gefüllt ist, gestrichen; man troknet ihn in einer Muffel aus Gußeisen aus, ehe man ihn in den gewöhnlichen Muffeln brennt. Ist der Glanz zu schwach, so sezt man Gold, und im Fall er nicht genug violett und purpurfarbig ist, Zinn zu.

Stahlfarbe durch Platin hervorgebracht.

Man löst Platin in Königswasser auf, welches man aus zwei Theilen Salzgeist und einem Theile Salpetergeist zusammensezt. Nachdem die Auflösung erkaltet ist, gießt man sie in eine Schale, sezt tropfenweise Theergeist (dessen Bereitung unten angegeben ist) zu und rührt dabei immer mit einem Glas- oder Porcellanstabe um, damit die Mischung nicht über die Schale hinaufsteigt; ist Alles gut gemischt, so läßt man die Auflösung sezen, um die Probe zu machen; findet man sie zu stark, so versezt man sie mit Theergeist, scheint sie hingegen zu schwach zu seyn, so läßt man sie sieden, um sie zu concentriren. Der Gegenstand, auf welchem sie aufgetragen wurde, wird, wenn er aus der Muffel kommt, eine Stahlfarbe haben.

Bereitung des Platinoxydes, wodurch man der Töpferwaare Platinglanz ertheilen kann.

Man bereitet sich eine Auflösung von Platin in gleichen Theilen Salpeter- und Salzgeist, gießt sie in heißes Wasser, welches sich in einer weiten Porcellanschale befindet und schlägt sie vollständig mit einer Auflösung von Salmiak nieder. Der Niederschlag wird sehr gut ausgeflüßt, getroknet und aufbewahrt.

|219|

Verfahren, um der Töpferwaare Platinglanz zu ertheilen.

Man trägt die mit Theergeist gemischte Platinauflösung mit einer sehr dünnen Bürste auf, darf aber hiezu nicht den Saz der Bouteille anwenden; der Gegenstand wird sodann in der Muffel bei derselben Temperatur wie das vergoldete Porcellan gebrannt, wodurch er das Ansehen von polirtem Stahle erhält. Nun muß aber noch Platinoxyd aufgetragen werden; zu diesem Ende leert man die Flasche, welche das Platinoxyd enthält, in eine Porcellanschale in Wasser aus, und läßt sezen, zerreibt den Saz, versezt ihn mit etwas Wasser und trägt ihn auf den Gegenstand auf, welchem bereits die Stahlfarbe ertheilt wurde, troknet ihn und brennt ihn in besonderen Muffeln bei einer halben Weißrothglühhize; man hält einen angezündeten Papierstreifen in die Muffel, um zu sehen, ob das Platinoxyd schwarz geworden ist, weil dann die Operation beendigt ist. Nach dem Erkalten sind die Gegenstände schwarz, erhalten aber durch Reiben mit Baumwolle eine so glänzende Oberfläche wie Silber.

Eisenglanz.

Die Engländer lösen ein Stük Stahl in Salzsäure auf, vermischen diese Auflösung mit Theergeist und tragen sie wie die anderen Präparate für Metallglanz auf ihre Töpferwaaren auf. Alle diese Präparate werden ohne Flußmittel angewandt, weil in England die Glasur der Töpferwaare und des Porcellans immer eine Frittenglasur ist und Bleioxyd enthält. Da der metallische Ueberzug immer auf den äußeren Theilen angebracht wird, folglich weder mit den Nahrungsmitteln noch mit Flüssigkeiten etwas zu thun hat, so hat man, um einen schöneren Metallglanz hervorbringen zu können, eine besondere Glasur für diese Art von Verzierungen ausgemittelt, welche Blei genug enthält, um leicht zu schmelzen; sie ist folgender Maßen zusammengesezt:

Bleiglätte 60 Pfd.
Granit 36 –
Feuerstein 12 –

Aeußere Aventuringlasur der englischen Töpfer waaren.

Man nimmt obige Glasur und vermengt sie mit einer gewissen Quantität Blattsilber, welches man mit Honig abgerieben und dann mit heißem Wasser gut ausgewaschen hat.

Theergeist für den Platinglanz.

Man löst zwei Unzen Theer in einer Pinte Leinöhl durch Erwärmen auf, indem man sie beständig umrührt, bis sie anfangen zu sieden, stellt das Gefäß dann in kaltes Wasser, um das Gemisch erkalten |220| zu lassen, wobei man beständig umrührt, und treibt die Masse hierauf durch Leinwand.

Den Gold- und Platinüberzug bringt man auf Töpferwaare von jeder Farbe an, sie nehmen sich aber besser auf dunkler als auf weißer Waare aus; um verschiedene Nüancen beim Gold-, und Platinüberzug zu erhalten, bringen die Engländer vorher verschiedene Schichten gefärbten Teiges auf oben angegebene Weise auf die Töpferwaare.

Bereitung eines braunen Teiges für den Gold- und Platinüberzug.

Thon 4 Theile
Kaolin 4 –
Granit 6 –
Kiesel 4 –

Soll braune Masse in weiße eingelegt werden, so muß man aus jener einen Teig machen, wovon die Pinte sechs und zwanzig Unzen wiegt, damit sie sich beim Brennen gut verbinden.

Den blau und gelb gefärbten Teig bringt man auch, den einen auf brauner, den anderen auf weißer Töpferwaare an. Man versezt sie mit Metalloxyden, nach der Nuänce, welche man zu erhalten wünscht. Auf gefärbte Masse nimmt sich der metallische Ueberzug ganz anders aus, er läßt so zu sagen die verschiedenfarbigen Böden, auf welchem er angebracht ist, durchsehen.

Dieses Patent wurde am 27. September 1822 auf fünfzehn Jahre ertheilt; der Patentträger leistete aber vor Ablauf dieser Zeit auf sein Recht Verzicht. A. d. R.

|206|

In Frankreich kann man den Thon von Montereau mit einem Theile desjenigen in der Umgegend von Provins und Coisténière bei Rambouillet Dpt. de Seine et Oise verbinden, wo man sodann genau den Teig der englischen Töpfer erhält. A. d. O.

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