Titel: Dubrunfaut, über verschiedene Eigenschaften des rohen und raffinirten Zukers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LII. (S. 224–232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041052

LII. Ueber verschiedene Eigenschaften des rohen und raffinirten Zukers, nach welchen man sich bei der Bearbeitung und dem Ankauf dieser Substanzen richten kann; von Hrn. Dubrunfaut.

Mit einigen Abkürzungen aus dem Agriculteur-Manufacturier, Februar 1831, S. 241.

Die fremdartigen Substanzen, welche immer die krystallisirbare Substanz im Zuker begleiten, sind Wasser und Schleim.81) Die anderen Substanzen, wie der Staub, der Gyps, die Kalisalze, kommen nur zufällig und in geringer Menge darin vor. Der Grad der Reinheit oder Reichhaltigkeit des Zukers hängt also von seinem Gehalt an Wasser und Schleim ab. Der Schleim, welcher im Zuker vorkommt, ist farblos und in jedem Verhältniß in Wasser auflöslich; beim Erhizen färbt er sich und zwar um so stärker, je höher die Temperatur ist. Ohne Zweifel ertheilt dieser Stoff dem Zuker die Eigenschaft sich beim Verkochen zu färben. Ein gefärbter Zuker enthält meistens Schleim, und man kann daher aus der Farbe auf die Qualität und den Werth des Zukers schließen.

Der Syrup, in welchem der Zuker krystallisirt, wird nach seiner Qualität grüner Syrup, gedekter Syrup oder Melasse genannt; wir wollen ihm den Gattungsnamen Mutterlauge beilegen. Der Zuker, welchen man durch irgend ein Mittel von seiner Mutterlauge getrennt hat, hält immer noch eine gewisse Quantität davon zurük und zwar sowohl im Innern der Krystalle als Krystallwasser, als auch auf der Oberfläche derselben. Ersteres kann nicht daraus entfernt werden, ohne daß man ihn umkrystallisirt; lezteres wird durch Auswaschen oder Deken des Zukers beseitigt. Der Schleim, welcher sich in ersterem befindet, bleibt also nothwendiger Weise im Zuker zurük; wir wollen ihn verbundenen Schleim nennen, um ihn von demjenigen zu unterscheiden, welcher die Krystalle bedekt und welchen wir zwischenliegenden Schleim nennen werden.

Man begreift nun, daß unter übrigens gleichen Umständen, ein Zuker um so reiner seyn muß, je reiner die Mutterlauge ist, aus welcher er auskrystallisirte, und daß er, um vollkommen rein zu seyn, in einem Syrup von reinem Zuker auskrystallisirt haben müßte. Man täuscht sich daher, wenn man den käuflichen weißen raffinirten Zuker für einen reinen Zuker hält: er ist nichts weniger als dieses aus chemischem |225| Gesichtspunkte betrachtet. Der käufliche weiße Kandis ist ohne Zweifel reiner, aber doch noch mit einer beträchtlichen Menge Schleim verbunden. Um einen sehr reinen krystallisirten Zuker zu erhalten, müßte man den weißesten und reinsten käuflichen Kandiszuker öfters umkrystallisiren.

Wir können also als ausgemacht annehmen, daß jeder käufliche Zuker, selbst die schönsten und reinsten raffinirten Zuker, immer Schleim enthalten. Der Rohzuker und die aus dem Bastersyrup bereiteten Brode enthalten immer verbundenen und zwischenliegenden Schleim in großer Menge; dieser Schleimgehalt und folglich der Zukergehalt der Krystalle ließen sich bestimmen, wenn man die Dichtigkeit der Mutterlauge, aus welcher der Zuker krystallisirte, kennen würde. Diese Dichtigkeit wechselt von 37° bis 44° Beaumé. Es zeigen sich daher sehr große Verschiedenheiten in der Qualität des Rohzukers, zu deren Bestimmung wir noch keine leichten und schnell ausführbaren Verfahrungsweisen haben. Wenn man zwei Zukerproben zur Prüfung erhielte, wovon die eine aus einem Syrup von 37° und die andere aus einem Syrup von 44° auskrystallisirte, so wäre keine große Erfahrung nöthig um sie zu unterscheiden und der Geschmak hiezu ausreichend. Erstere hätte in der That einen viel süßeren Geschmak als leztere. Wenn man im Kosten des Zukers sehr geübt ist, unterscheidet man leicht geringere Unterschiede als bei jenen Extremen Statt finden, und ich glaube, daß man aus dem Geschmak, wenn man das Kosten mit mehr Sorgfalt als gewöhnlich vornimmt, vortreffliche Kennzeichen ableiten kann. Man müßte sich nämlich einen Rohzuker von guter Qualität verschaffen, der aber keinen fremdartigen Beigeschmak hat und jedes Mal das Typusmuster vor jedem anderen kosten, und es ist gewiß kein sehr zarter Gaumen erforderlich, um eine geringere Süßigkeit, welche ein Zeichen einer schlechten Qualität ist, zu bemerken. Der Runkelrübenzuker, dessen Melasse ein scharfes Princip enthält, hat gewöhnlich nicht den honigartigen Geschmak des Rohzukers und läßt sich daher leicht von diesem unterscheiden.

Hieraus erklärt sich auch eine noch sehr verbreitete Meinung über den zukerigen Geschmak des Runkelrübenzukers; man hält ihn für weniger süß als den anderen, und diese Meinung kann durch Personen, welche Runkelrübenzuker von schlechter Qualität kosteten, verbreitet worden seyn. Es ist Thatsache, daß roher Runkelrübenzuker, welcher aus schlechten Wurzeln erhalten wurde und aus einer Mutterlauge von 44°, deren Geschmak bitter ist, anschoß, einen schwach süßen Geschmak zeigt, was man schon findet, ohne ein Muster von gutem Zuker zur Vergleichung zu nehmen. Da ich seit einigen Jahren viele Runkelrüben aus der Umgegend von Paris bearbeitete, |226| so konnte ich mich von dieser Thatsache mit mehreren Personen überzeugen, welche fanden, daß mein Zuker nicht süß ist. Der Geschmak dieses schleimhaltigen Zukers ist am meisten einem Gemenge von Zuker und Brod ähnlich.

Ich nahm verschiedene Sorten von Rohzuker, behandelte 200 Gramme von jedem mit 50 Grammen Wasser und rührte sie von Zeit zu Zeit um, bis das Wasser gesättigt war; jeder gab einen Syrup von verschiedener Dichtigkeit und die Reihenfolge der Dichtigkeiten ergab dann diejenige der Qualitäten. Der Syrup wurde nach 36 Stunden mit einem sehr empfindlichen Beauméschen Aräometer gewogen.

Beaumé Dichtigkeit
Schöner Rohzuker N. 4. von den Colonien 36 1/4 1327
deßgleichen N. 4. gewöhnlicher 56 1/2 1330
Geringer Rohzuker N. 4. von Runkelrüben 38° 1349

Das Princip worauf sich diese Versuche gründen, ist im Agriculteur-Manufacturier Bd.i. S. 76 und 178. (polyt. Journal Bd. XXXVIII. S. 445.) angegeben, aber man kann daraus keinen Schluß auf den Schleimgehalt des Zukers ziehen, denn wenn sich nach 36 Stunden der zwischenliegende Schleim auch vollständig aufgelöst hätte, so ist doch der verbundene Schleim nicht aufgelöst.

Durch ähnliche Verfahrungsweisen, wie man sie beim Raffiniren des Zukers vornimmt, kann man sich über den Werth des Zukers Aufklärung verschaffen. Klärt man Zuker nach dem gewöhnlichen Verfahren und verkocht ihn mittelst des Thermometers, so findet man, daß er die Probe bei einer um so höheren Temperatur zeigt, von so geringerer Qualität er ist. Reiner Zuker würde die Probe bei ungefähr 87 1/2° Reaumur zeigen. Je mehr sie sich von diesem Grade entfernt, desto schleimiger ist der Zuker. In den Raffinerien macht man dieselben Beobachtungen; so findet man, daß die ordinären Melis (quatre cassons) die Probe bei 88 1/2 bis 89 Grad zeigen, die Lumpen und Bastern bei 90 bis 91°, die aus dem Bastersyrup bereiteten Brode (vergeois) bei 94°.

Aus den Eigenschaften des vom krystallisirten Zuker abgelaufenen Syrups läßt sich ebenfalls auf die Qualität des Rohzukers schließen. So zeigt der grüne Syrup von ordinärem Melis am Aräometer 38 bis 40°; dasselbe ist der Fall bei Syrup von rohem geklärtem und verkochtem Zuker und die Unterschiede in der Dichtigkeit von 38 bis 40° geben die verschiedene Qualität an; ich sage die Unterschiede in der Qualität, denn man kann aus dem specifischen Gewicht nicht auf den absoluten Schleimgehalt schließen, wohl aber annäherungsweise den käuflichen Werth der Urstoffe bestimmen. Wir wollen bei dieser Gelegenheit in Erinnerung bringen, daß die gedekten Syrupe von ordinärem |227| Melis am Aräometer ungefähr 37 Grad, diejenigen von Lumpen 38° 1/2, die grünen Syrupe von Lumpen 41° und die Melassen 43° zeigen, alles im Mittel. Der von käuflichem weißen Kandis nach dem Körnen abgelaufene Syrup zeigt beiläufig 36° 1/2; von blassem Kandis 37° und von Kandis aus Rohzuker beiläufig 37 1/2 bis 38°.

Der schleimige Zuker senkt sich sehr beim Deken mit Thon; auch kann man nur solchen Zuker vortheilhaft mit Thon deken, welcher, wie man sagt, Körper hat, d.h. viel krystallisirbare Substanzen enthält. Ein Zuker, welcher aus Mutterlauge von 44° krystallisirte, wie gewöhnliche aus Bastersyrup raffinirte Brode, würde das Deken mit Thon nicht gut ertragen.

Der schleimige Zuker kracht nicht unter den Zähnen und zergeht schnell auf der Zunge; der andere hingegen widersteht länger der Einwirkung der Zunge. Der schleimige Zuker schmilzt in feuchter Luft schneller, weil der Schleim das Wasser stärker anzieht als der Zuker. Der Schleim theilt diese Eigenschaft dem Zuker mit und Zuker in Broden hält sich daher um so länger, je reiner er ist.

Was wir von dem verbundenen und zwischenliegenden Schleim gesagt haben, ist streng genommen auch auf den Färbestoff anwendbar; der Zuker enthält verbundenen und zwischenliegenden Färbestoff; ersteren kann man nur durch öfteres Umkrystallisiren beseitigen, lezterer scheidet sich beim Deken mit Thon ab.

Die Operationen des Raffinirens haben also zum Zwek den Zuker sowohl zu bleichen als auch von Mutterlauge zu reinigen und die thierische Kohle wirkt auf den Färbestoff und den Schleim zugleich.82) Der Rohzuker enthält in seinen Krystallen eine Quantität Färbestoff und Schleim, welche zu einander in demselben Verhältnisse stehen, wie in der Mutterlauge, und deren Gesammtgewicht von dem Gehalt der Mutterlauge an beiden Substanzen abhängt. Der Färbestoff und Schleim, welche die Krystalle auf ihrer Oberfläche verunreinigen, sind nur das Resultat der Capillaradhäsion der Mutterlauge; leztere troknet auf der Oberfläche der Krystalle ein und hängt sich in desto größerer Menge an, je dichter sie ist und je kleiner die Krystalle sind.

Ein regelmäßiger Krystall von Kandiszuker hat die Form der zahlreichen kleinen Krystalle des käuflichen Roh- und raffinirten Zukers. Untersucht man große Krystalle von verschiedenen Sorten von Zukerkandis, so kann man den Einfluß, welchen der Schleim und Färbestoff mit einander auf die Qualität des Zukers haben, recht gut erkennen. Ein Krystall, welcher sich in einem Syrup von reinem Zuker |228| gebildet hat, ist durchsichtig, farblos und so hart, daß er den Zähnen stark widersteht. Ein solcher Krystall ist der Typus des Rohzukers und raffinirten Zukers, deren Krystalle bei vollkommener Reinheit eine große Weiße und Härte besizen würden. Dieser Zuker würde einen farblosen gesättigten Syrup geben. Nimmt man hingegen einen Krystall von Kandis, welcher sich in einem schleimigen Syrup gebildet hat (von dieser Art ist zum Beispiel das Product der zweiten regelmäßigen Krystallisation des Rohzukers, welches Kandis N. 2. heißt), so zeigt sich dieser Krystall stark gefärbt, obgleich durchsichtig; er besizt die regelmäßigen geometrischen Formen des krystallisirten Zukers, ist aber unter den Zähnen sehr zerreiblich und auf der Zunge sehr auflöslich; dieß wäre der Typus der schleimigen Zukerarten. Da der Zukerkandis nicht so viele Zwischenräume hat, wie die verworren krystallisirten Zuker, so enthält er fast nur verbundenen Schleim und Färbestoff.

Reinigt man gelben Rohzuker durch das Deken mit Thon oder durch Aussüßen mit einem Syrup von reinem Zuker, so scheint er weiß, aber seine Krystalle sind nichts als kleine Krystalle von gelbem Kandis; denn beobachtet, man sie mit dem Mikroskop, so zeigen sie wie diese regelmäßige Formen, Durchsichtigkeit und bestehen ebenfalls aus Elementarkrystallen, welche durch eine Mutterlauge, die beim Auswaschen nicht beseitigt wurde, von einander getrennt sind. Sind die Krystalle klein, so scheint der Zuker weißer und enthält dann bei gleichem Gewichte in der That auch weniger Färbestoff und Schleim. Die Dimension der Krystalle bringt aber auch eine wirkliche Täuschung hinsichtlich der Farbe hervor, denn die vielen kleinen Krystalle machen den Zuker undurchsichtig.

Man überzeugt sich, daß dieser gebleichte Rohzuker wirklich eine beträchtliche Menge Färbestoff enthält, wenn man davon einen gesättigten Syrup macht, welcher immer gefärbt ist. Der durch das Deeken mit Thon oder Aussüßen gereinigte Rohzuker und der raffinirte Zuker halten also noch immer eine gewisse Quantität Färbestoff und Schleim zurük, je nachdem die Mutterlauge mehr oder weniger von diesen Substanzen enthielt, und ihre scheinbare Weiße hängt unter übrigens gleichen Umständen von der Größe der Krystalle ab.

Der zwischenliegende Färbestoff und Schleim erklären noch vollends die Unterschiede in der Farbe verschiedener Zukersorten. Ihre kleinen Krystalle sind durch die Mutterlauge mit einander verbunden und an einander geklebt. Bei einer Mutterlauge von reinem Zuker können sie sich einander mehr nähern und aus dieser entstehen beim Darren Zukerkrystalle, welche die Krystallmassen fest verbinden. Die schleimigen Mutterlaugen hingegen verursachen eine lokere Krystallisation.

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Alle diese Ursachen zusammengenommen, erklären die besonderen Eigenschaften und den verschiedenen Werth des raffinirten Zukers, des ordinären Melis, der Lumpen, Bastern und der aus dem Basternsyrup raffinirten Brode. Alle diese Zukersorten krystallisirten aus Mutterlaugen von verschiedenem Schleim- und Färbestoffgehalt und da diejenigen, welche mit Thon gedekt wurden, mit einem Syrup getränkt bleiben, welcher nach ihrer Qualität mehr oder weniger rein ist, so können sie nicht dieselben Eigenschaften haben.

Die Raffinaden haben ein dichtes Gefüge; auf dem Bruch sind sie glänzend und compact wie Marmor; sie sind wenig zerreiblich, widerstehen den Zähnen und schmelzen langsam auf der Zunge; ihre Farbe ist bläulichweiß und sie geben einen fast farblosen Syrup.

Der Lumpenzuker kann bei großem Korn sehr weiß seyn; bei feinem Korn ist er matt und porös; er wiegt viel weniger als ein gleiches Volumen Raffinade, ist zerreiblich und kann sogar zwischen den Fingern leicht in Pulver verwandelt werden; er schmilzt leicht und ist so porös, daß er oft auf dem Wasser schwimmt, wenn man ihn in dasselbe taucht; seine Poren sind nämlich mit Luft gefüllt, welche erst beim Auflösen ausgetrieben wird.

Der ordinäre Melis, welcher eine Mittelsorte zwischen den Lumpen und Raffinaden ist, theilt die Eigenschaften dieser beiden Zukersorten. Seine Qualität ist sehr verschieden nach der Güte des Urstoffes, woraus er bereitet, nach der Methode, welche beim Raffiniren befolgt, der Menge von Kohle, welche angewandt wurde u.s.w. Man findet zu Paris ordinären Melis, welcher sich sehr den Raffinaden und anderen, welcher sich den Lumpen nähert. Hr. Guillot macht Zuker, welcher außerordentlich weiß und sehr porös ist und deßwegen von den Cafétiers gesucht wird. Ich glaube daß man solchen schleimigen Zuker, wenn man ihn durch Kohle gut entfärbt und dann mit Dampf verkocht, erhalten würde. Die Raffinerien, welche keine gute Sorte von ordinärem Melis bereiten wollen, beschiken grünen Syrup von ordinärem Melis mit dem Rohzuker beim Klären. Wenn man diese Methode befolgt und eine große Quantität thierischer Kohle anwendet, erhält man leicht weißen und sehr leichten Zuker, ähnlich demjenigen des Hrn. Guillon.

Der aus dem Bastersyrup bereitete Zuker ist identisch mit den lezten Producten des Rohzukers, das heißt mit demjenigen, welchen man aus einer Mutterlauge von 43 bis 44° erhält. Dieß ist in der That die Dichtigkeit der Melassen in den Raffinerien. Der aus dem Bastersyrup bereitete Zuker enthält daher eine mehr oder weniger große Menge von dieser Melasse und ihren Unreinigkeiten, sowohl verbunden |230| als zwischenliegend; er ist gewöhnlich gelb, hat kein hartes Korn, ist hygrometrisch und sehr auflöslich.

Der Runkelrübenzuker steht oft in mehrfacher Hinsicht dem Colonialzuker nach. In Frankreich erschöpft man nämlich die Melassen sehr gut, während man sie in den Colonien nur wenig oder gar nicht mehr verkocht; daher man im Handel nicht so viel schleimigen Colonial- als Runkelrübenzuker trifft.

Wenn man ein Brod von raffinirtem Zuker durchschneidet, so überzeugt man sich leicht, welchen Einfluß die Stärke der Mutterlauge auf die Qualität des Zukers hat. Betrachtet man nämlich ein Brod von ordinärem Melis von mittlerer Qualität auf dem Durchschnitt, so findet man, daß der Zuker an der Peripherie der Raffinade gleicht, deren Textur, Glanz und Härte er besizt; gegen den Mittelpunkt des Brodes wird er immer matter, zerreiblicher und poröser. Diese Erscheinung erklärt sich sehr gut, wenn man die Umstände bei der Krystallisation des Brodes untersucht. Bewegt man nämlich den Syrup in der Form gar nicht, so wird die Krystallisation in dem Maße fortschreiten, als er erkaltet; sie wird also an den Seitenwänden der Form anfangen und allmählich gegen den Mittelpunkt vorschreiten. Wenn die Krystallisation beginnt, ist der Gehalt der Mutterlauge an krystallisirbarem Zuker am stärksten, daher sich der reinste Zuker am Umkreise des Brodes findet; gegen das Ende der Krystallisation hat die Mutterlauge allen Zuker verloren, womit sie übersättigt war und der Zuker am Mittelpunkte des Brodes muß daher nothwendig von geringerer Qualität seyn. Um ein gleichförmiges Brod zu erhalten, muß der Raffineur daher den krystallisirenden Syrup in der Form bewegen.

Man findet im Handel Zukersorten in Broden, welche man nicht lange im Magazin aufbewahren kann, ohne daß sie eine merkwürdige Veränderung erleiden; sie zerbrechen alsdann unter dem geringsten Stoß und zerfallen in Pulver, wie Mehl. Diese Erscheinung stellt sich um so schneller ein, je feuchter das Magazin ist und findet in einem troknen oder geheizten Zimmer nicht Statt. Um diesen Uebelstand zu vermeiden, welcher von dem zwischenliegenden Schleim herrührt, muß man entweder den Zuker so lange mit Thon deken, bis der gedekte Syrup beim Ablaufen von dem Brode dieselbe Dichtigkeit hat, wie ein mit reinem Zuker gesättigter Syrup, oder man muß ihn mit einer gesättigten Auflösung von reinem Zuker aussüßen, und aufhören, sobald dieselbe beim Ablaufen von dem Brode ihre anfängliche Dichtigkeit zeigt.

Es kommt im Handel kein Zuker vor, der nicht bei der Temperatur des siedenden Wassers einen Gewichtsverlust erleidet; sie enthalten |231| also alle Wasser; so verliert der weiße Kandis 0,0022; schöner ordinärer Melis 0,003; schöne Lumpen eben so viel; schöner Martinique N. 4. 0,0354.

Erdige Substanzen findet man nur in den geringen Sorten von raffinirtem Zuker. Gut fabricirter Kandiszuker ist davon ganz frei. Die Brode enthalten bisweilen Kalksalze, welche sich während des Verkochens und Erkaltens des Syrups niederschlugen; auch beim Deken mit Thon kommen oft einige erdige Theilchen mehr oder weniger weit hinein. Solche Zukersorten trüben immer merklich das Wasser. Der Rohzuker enthält wenigstens 1 bis 2 Procent erdige Substanzen und Unreinigkeiten, wie Staub, Nägel, Holz. Der mit Thon gedekte Zuker enthält 2 bis 3 Procent Erde und ist in dieser Hinsicht unreiner als der Rohzuker, aus welchem er bereitet wurde; beim Deken mit Thon wird nämlich das Gewicht des Zukers um ungefähr 1/3 vermindert, aber es werden ihm dabei nur die auflöslichen Substanzen entzogen, während die Erde mit allen unauflöslichen Substanzen in ihm zurükbleibt.

Der Rohzuker der französischen und englischen Antillen wird durch die Körnung in großen hölzernen Gefäßen, oder auch in den Fässern, worin man ihn verschikt, bearbeitet. Da er nicht sehr stark eingekocht wird, so kann er durch Abtropfen hinreichend gereinigt werden. Auf Bourbon und in vielen ostindischen Fabriken wird der Zuker stärker eingekocht, nicht so gut von Melasse gereinigt und an der Sonne getroknet; solcher Zuker hat daher für den Raffineur einen viel geringeren Werth. Der teigartige Zuker, welchen wir in leinenen Säken von Indien erhalten und welcher gewöhnlich feucht und nicht körnig ist, enthält sehr viel Schleim, wird aber von den Zukerbäkern sehr geschäzt: 1) wegen seines süßen und aromatischen Geschmakes; 2) weil er einen wenig gefärbten Syrup gibt; 3) endlich, weil man ihn auf die Dichtigkeit der Conserve, nämlich auf 36° Beaumé concentriren kann, ohne daß er krystallisirt, was bei Syrup von derselben Dichtigkeit, aus gedektem Zuker von gleicher Farbe bereitet, geschehen würde.

Es gibt in Frankreich gegenwärtig noch eine Art von Alchymisten, welche darauf ausgehen, ein Verfahren aufzufinden, wodurch man aus gutem Rohzuker sein fast gleiches Gewicht Raffinade erhält. Viele Raffineurs, welche sich einbildeten, daß die Melasse ein Product ihres unvollkommenen Verfahrens beim Raffiniren ist, konnten diesen Charlatanen Glauben schenken und verloren ihr Vermögen durch Versuche dieser Art. Ohne behaupten zu wollen, daß durch die Processe beim Raffiniren der Zuker nicht zum Theil verändert wird, glaube ich doch die Fabrikanten vor jenen Receptenkrämern warnen zu müssen. Was sich bis jezt über den Gehalt der Zukersorten an reiner krystallisirbarer |232| Substanz und über die wahrscheinliche Gränze der Vervollkommnung des Raffinirungsprocesses festsezen läßt, besteht in Folgendem:

Durch das zwekmäßigste Verfahren beim Raffiniren erhält man aus einem Centner Rohzuker 98 Pfund Product mit 2 Procent Verlust. Das Product besteht aus 18 Procent Melasse und 80 Procent Raffinade von verschiedenen Qualitäten, nämlich ordinärem Melis, Lumpen, Bastern und aus dem Bastersyrup raffinirten Broden. Die 18 Pfund Melasse bestehen aus:

Wasser 3,56
Zuker 7,15
Schleim 7,29
–––––
18,00

Würden die 80 Procent raffinirter Zuker bloß aus reinem Zuker bestehen, so könnte man annehmen, daß ein Centner Rohzuker 87,15 Pfund reinen Zuker enthält und daß man durch den vollkommensten Raffinirungsproceß ungefähr 87 Procent Raffinade erhielte. Die 80 Procent Raffinade, welche man verkauft, sind aber nichts weniger als rein; das erste Product, der ordinäre Melis, enthält Schleim, die Lumpen enthalten noch mehr und so auch die Bastern und die aus dem Bastersyrup bereiteten Brode, daher man ohne Uebertreibung annehmen kann, daß mit den 80 Procent Raffinade wenigstens halb so viel Schleim verkauft wird, als in den Melassen enthalten ist, nämlich 3,65; hiernach würde ein Centner Rohzuker nur 83 1/2, Pfund reine krystallisirbare Substanz enthalten und die 16 1/2 Procent fremdartiger Substanzen bestünden aus:

Schleim 10,44
Erdiger Substanz 2,00
Wasser 4,06
–––––
16,50

Nach unserer Schäzung verkauft man also mit den Raffinaden ungefähr 4 1/2 Procent Schleim; und wenn man es dahin brächte, aus den Melassen ihren Zukergehalt auszuziehen, so würde er wahrscheinlich auch mit wenigstens 4 1/2 Procent Schleim verbunden bleiben. Man dürfte es also höchstens dahin bringen, daß man aus den 18 Procent Melasse 7,5 Zuker erhält. Vielleicht können wir uns durch Anwendung von thierischer Kohle in starker Dosis diesem Ziele nähern; sollte es aber ganz erreicht werden, so müssen wir eine Substanz ausfindig machen, wodurch man den Melassen allen Schleim entziehen kann.

|224|

Unter dem Worte Schleim (mucilage) verstehen wir die unkrystallisirbare Substanz im Zuker und diese Benennung bezeichnet also den flüssigen Zuker, wenn eine solche Zukerart in der That existirt. A. d. O.

|227|

Ueber die Wirkung der thierischen Kohle auf den Schleim hat Hr. Dubrunfaut interessante Versuche angestellt, welche wir im polytechn. Journal Bd. XL. S. 434. mittheilten. A. d. R.

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