Titel: Brazier Verfahrens, und vegetabilische Substanzen in Zuker zu verwandeln.
Autor: Brazier, Amable
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXI. (S. 289–290)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041071

LXXI. Beschreibung eines verbesserten Verfahrens, um Roggen und andere Getreidearten, ferner Kartoffeln und andere vegetabilische Substanzen in Zuker zu verwandeln, worauf Amable Brazier aus Philadelphia in den Vereinigten Staaten ein Patent erhielt.

Aus dem Register of Arts. Julius 1831 S. 118.

In irgend ein geeignetes Gefäß (das jedoch aus einem Material gefertigt seyn muß, welches von verdünnter Schwefelsäure nicht angegriffen wird) bringe ich hundert Theile von einer der oben genannten Substanzen, nebst ein bis drei hundert Theilen Wasser, welche mit zwei bis vier Theilen Schwefelsäure gesäuert sind, erhize das Ganze zum Sieden und erhalte es während des ganzen Verlaufs der Operation im Kochen. Das erhizte Wasser verwandelt zuerst das in der angewandten Substanz enthaltene Sazmehl in einen Schleim (mucilage), welcher sodann durch die Einwirkung der Säure flüssig wird, und indem leztere die Masse in flüssigem Zustande erhält, begünstigt sie die Zukerbildung. Wenn die angewandte Substanz fein zertheilt ist, wirkt das erhizte Wasser auf das ganze Sazmehl auf Einmal und die große Menge des gebildeten Schleims verdikt die Masse sehr stark; ich seze daher, wenn ich nur wenig Wasser anwende, nicht das Ganze der Substanz auf Einmal zu, sondern behalte einen Theil davon zurük, um ihn portionenweise zuzusezen, wenn die Masse flüssig geworden ist. Ist hingegen die Substanz nicht fein zertheilt, so wirkt das erhizte Wasser nicht so schnell auf das Sazmehl, der Schleim wird zum Theil eben so schnell flüssig, als er sich bildet, die Masse verdikt sich nicht so wie in dem ersten Falle und ich seze daher das Ganze der Substanz gleich Anfangs zu; auch rühre ich um, damit die Substanz um so besser zertheilt wird, während die Einwirkung der Hize und das gesäuerte Wasser sie erweichen.

Die Menge des zuzusezenden Wassers richtet sich nach der Stärke, von welcher man den Syrup zu erhalten wünscht, und wenn man die Masse durch Dampf, den man in sie leitet, erhizt, so muß man eine Quantität Wasser, gleich derjenigen, welche sich durch die Verdichtung des Dampfes bildet, von der ursprünglichen Quantität abziehen. Die Zeit, welche zu der Operation erforderlich ist, ist nach der Natur und dem Zustande der angewandten Substanzen sehr verschiden; |290| je dichter und je weniger zertheilt dieselben sind und je weniger Säure angewandt wird, desto länger muß das Kochen fortgesezt werden; manchmal über vier Tage. Man kann hingegen die Operation in weniger als sechs Stunden beendigen, wenn man eine große Quantität Säure anwendet und die Substanz porös oder fein zertheilt ist: was ich hinsichtlich der Zeit bemerkt habe, dient bloß als Leitfaden, denn man muß sich jedes Mal von der Beendigung der Operation durch Jodtinctur überzeugen, welche die Flüssigkeit blau oder purpurroth färbt, so lange noch etwas Stärkmehl vorhanden ist, das nicht in Zuker verwandelt wurde.

Ich neutralisire dann die Säure mit Kalk oder kohlensaurem Kalk und sondere, wenn es nöthig ist, den Syrup durch Filtriren von dem Saze ab. Den so erhaltenen Syrup kann man dann abdampfen, gähren lassen, oder auf beliebige Art verwenden. Was ich als neu und als meine Entdekung in Anspruch nehme, ist die Verwandlung des Sazmehls der genannten Substanzen in Zuker, ohne daß sie vorher zerrieben werden, und ohne daß man das Sazmehl zuvor von ihren übrigen Bestandtheilen absondert.

Ganz nach demselben Verfahren verwandle ich auch Reiß und Mais in Zuker. Wird das höchste Verhältniß von Säure angewandt, so verwandelt sich ungebrochener Mais in ungefähr vierundzwanzig Stunden und sein Mehl in ungefähr sechs Stunden in Zuker. Reiß wird sowohl in Körnern als gemahlen in ungefähr sechs Stunden in Zuker verwandelt. Wird hingegen das kleinste Verhältniß von Säure angewandt, so erfordert Reiß in Körnern vierundzwanzig, sein Mehl aber nur ungefähr sechs Stunden; ungebrochener Mais kann über vier Tage und sein Mehl sechsunddreißig Stunden erfordern. Man muß sich übrigens jedes Mal durch Jodtinctur überzeugen, wenn die Operation beendigt ist.

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