Titel: Derosne, über die Anwendung des getrokneten Blutes als Dünger.
Autor: Derosne, Christian
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXV. (S. 298–308)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041075

LXXV. Ueber die Anwendung des getrokneten Blutes als Dünger. Von Christian Derosne.

Aus dem Agriculteur-Manufacturier, April 1831. S. 22.

Die Wichtigkeit und Güte der thierischen Substanzen als Düngungsmittel wurde schon zu allen Zeiten anerkannt; je mehr thierische Stoffe daher die verschiedenen Düngerarten enthalten, je mehr sie, um diesen Ausdruk zu gebrauchen, animalisirt sind, um so höher werden dieselben von den Landwirthen geschäzt.102) Die rein oder beinahe rein thierischen Stoffe bringen daher auch auf dem Boden, auf welchem sie angewendet werden, Resultate hervor, welche in dem |299| Maße außerordentlich sind, in welchem die Anwendung derselben richtig und verständig geleitet wurde. Jedermann kennt die beinahe wunderbaren Wirkungen, die das Verscharren todter Thiere am Fuße von Bäumen erzeugt. Jedermann weiß auch, daß das Blut für sich allein ein vortreffliches Düngmittel ist; dessen ungeachtet haben jedoch die Schwierigkeiten, mit welchen die Anwendung desselben in frischem Zustande verbunden ist, die Schwierigkeiten, welche seiner Aufbewahrung und gehörigen Vertheilung auf dem Boden im Wege stehen, so wie der Ekel, der allgemein gegen diese Substanz herrscht, bisher noch immer die Anwendung desselben, von welcher sich so viel erwarten ließ, verhindert. Da mir die Schlachthäuser zu Paris im Ausstreiche zuerkannt wurden, so glaubte ich auch aus jenem Theile Blut, der größten Theiles verloren ging, Nuzen ziehen, und denselben zu einem neuen Zweke verwenden zu können; ich ließ daher alles dieses Blut troknen, und mehr oder weniger fein pülvern, um es dann als Dünger zu benuzen. Dieß sezte mich in den Stand, daß ich nun allen Landwirthen das getroknete gepulverte Blut als den kräftigsten bisher bekannten Dünger, und als ein Dungmittel empfehlen kann, welches in dem kleinsten Volumen die größte Menge fruchtbar machender Bestandtheile enthält. Wenn es, wie oben gesagt wurde, in der Landwirthschaft anerkannt ist, daß der Dünger um so kräftiger wirke, je mehr er animalisirt ist, was läßt sich nicht von einem Dünger erwarten, der eigentlich ein Extract des reinen thierischen Stoffes ist?

Ein Kilogramm getrokneten Blutes stellt vier Kilogramme flüssiges Blut vor, und nach bestimmten und sicheren Versuchen beinahe vier Kilogramme Fleisch irgend eines Thieres, denn 100 Kilogr. frisches Blut enthalten 25 Kilogr. getroknetes Blut und 75 Kilogr. Wasser, und 100 Kilogr. frisches Fleisch ohne Knochen enthalten 28 Kilogr. Fleisch und 72 Kilogr. Wasser; ein Resultat, welchem a priori wenige Leute Glauben beizumessen geneigt sind, indem sie von der Flüssigkeit des Blutes irre geführt werden.

Ein Kilogramm getrokneten Blutes ist als Dünger beiläufig einem todten Thiere gleich zu sezen, das fünf Kilogramme wiegt; denn dieses Thier besteht aus Fleisch, Knochen und Eingeweiden, und mit Ausnahme des Fleisches sind alle übrigen Bestandtheile weit weniger animalisirt als das Blut, so daß sie aus diesem Grunde als Dünger gar nicht mit demselben in Vergleich gebracht werden können. Das Muskelfleisch ist die einzige Substanz, welche, getroknet und bei gleichem Gewichte, in Hinsicht auf seine Bestandtheile, mit dem getrokneten Blute in eine Parallele gestellt werden kann.

Das getroknete Muskelfleisch kommt bis jezt nicht als Düngmittel |300| im Handel vor. Die tobten Thiere können nämlich nur in dem Zustande, in welchem sich dieselben vorfinden, d.h. mit einem Gehalte von wenigstens 72 Procent Wasser, in Dünger verwandelt werden; allein in diesem Zustande hat das Zerkleinern derselben seine Schwierigkeiten; auch macht der Ekel gegen diese Art von Arbeit ein großes Hinderniß, so daß man daher die Thiere lieber ganz verscharrt, obwohl auf diese Weise eine ungeheure Menge fruchtbar machender Bestandtheile, welche sich in der Luft verbreiten, verloren gehen.

Das getroknete gepülverte Blut ist röthlich schwarz und durchaus nicht ekelhaft aussehend; es besizt einen schwachen Geruch, und läßt sich äußerst fein vertheilen. Wegen dieser Feinkeit kann man es außerordentlich leicht mit der loker gemachten Erde vermischen, und daher diese Mischung in jenen richtigen Verhältnissen bewirken, welche man eben für zwekmäßig hält.

Wegen der Trokenheit und wegen ihres geringen Volumens läßt sich ferner diese Substanz mit großer Kostenersparung weit verführen. Nach sehr wahrscheinlichen Daten kann man annehmen, daß Ein Theil getrokneten Blutes 72 Theile guten Pferdedünger ersezen, so daß mithin ein Wagen, mit getroknetem Blute beladen, 72 Fuhren Pferdedünger ersezen würde. Diesen unendlichen Vortheil wird gewiß Jedermann zu ersezen wissen, der sich mit dem Akerbaue beschäftigt, dessen Gründe weiter von seinem Wohnorte entlegen sind, und der in einem Lande lebt, in welchem die Vicinalwege so schlecht sind, wie die in Frankreich.

Jene Leute, welche, ohne eigentliche Landwirthe zu seyn, sich mit dem Baue gewisser Pflanzen beschäftigen, die keinen Wechsel in der Bewirthschaftung zulassen, und welche daher die kräftigsten Düngungsmittel anwenden müssen, werden noch mehr die Vortheile fühlen, die ihnen ein so kostbarer Dünger gewahrt. Diese Pflanzungen können nun buchstäblich ohne Viehstand unternommen werden, oder wenigstens ohne einen Viehstand, welcher bloß des Düngers wegen unterhalten werden müßte; in dieser Hinsicht erkannten die Pflanzer auf unseren Colonien, deren Gründe fast lediglich zu dem, den Boden so sehr erschöpfenden, Baue des Zukerrohres bestimmt sind, und die im Allgemeinen bei Weitem nicht jenen Viehstand erhalten können, der nöthig wäre, um der Verschlechterung des Bodens durch gehörige Düngung zu steuern, sehr schnell die hohe Wichtigkeit dieses Düngers. Jährlich werden sehr bedeutende Quantitäten getrokneten Blutes in diese Colonien, und namentlich nach Guadeloupe versendet, wo jedes Jahr über 400,000 Kilogramme dieses Düngers mit dem besten Erfolge verwendet werden. Die Sclaven in jenen Ländern sind ebenso zufrieden mit diesem Dünger, wie ihre Herren, indem sie |301| natürlich die Anwendung eines trokenen und geruchlosen Pulvers dem beschwerlichen Transporte eines schweren und stinkenden Mistes vorziehen, den sie mit den Armen herbeischleppen, und mit den Händen ausbreiten müssen.

Die Knochen wurden sehr als Dünger gepriesen; wie sehr dieselben jedoch in Hinsicht auf relativen Reichthum dem Blute nachstehen, läßt sich leicht beweisen. 100 Theile Knochen enthalten 30 Theile thierischen Stoffes oder Gallerte, und 70 Theile erdige Substanzen, welchen man keine düngenden Eigenschaften bemessen kann.103) Die 30 Theile Gallerte stehen einer gleichen Menge getrokneten Blutes sehr weit nach, weil die Gallerte viel weniger Stikstoff enthält als das Blut, und daher weniger animalisirt ist als dieses.

Von der Anwendung des getrokneten Blutes.

Seit mehreren Jahren schon ersuche ich Leute, welche das getroknete Blut als Dünger anwendeten, mir positive Aufschlüsse hierüber im Vergleiche mit der Anwendung anderer Düngerarten zu geben; allein ich konnte nichts von ihnen erhalten. Ueberall kündigte man außerordentliche Resultate an, überall bekennt man, daß das Blut die reichsten bisher benuzten Düngerarten, wie den Staubmist, das Knochenmehl, die Oehlkuchen etc., weit übertreffe, und doch gibt man nirgends vergleichsweise Daten. Ich sehe die Schwierigkeiten einer solchen Arbeit wohl ein, und wundere mich daher nicht, daß es so wenige Personen gibt, die den Muth haben, sich derselben zu unterziehen. Aus allen Berichten, welche ich hierüber sammelte, geht jedoch dessen ungeachtet hervor, daß die Praxis die Theorie vollkommen bestätigte, d.h., daß das getroknete Blut als der beste bis jezt bekannte Dünger zu betrachten ist.

Die wesentlichen Bedingungen zur Anwendung des getrokneten Blutes sind, daß dasselbe sich im Zustande der feinsten Vertheilung befinde, und daß es so innig als möglich mit der feuchten Erde vermengt werde, damit seine Zersezung schnell vor sich gehen könne. Man muß es daher vorzüglich im Frühjahre und im Laufe des ganzen Sommers anwenden, wenn man einen nahen Regen voraussieht, denn sonst bleibt es mit der troknen Erde gemischt, ohne irgend eine Wirkung hervorzubringen. Dieser Dünger eignet sich ferner besonders für jene Fälle, in welchen man ein unmittelbares Resultat an der |302| Pflanzung, bei welcher man ihn benuzt, hervorbringen will. Sind alle Bedingungen zur schnellen Zersezung desselben vereint vorhanden, so kann man um so sicherer seyn, daß diese Zersezung direct der Pflanze zu Gut kommen wird; man darf weniger den Verlust befürchten, welchen alle Düngerarten während der Zeit erleiden, während welcher die Erde nicht mit Pflanzen bedekt ist. Wendet man am Fuße eines Baumes oder irgend einer Pflanze gepülvertes Blut an, so kann man so sehr, als es möglich ist, überzeugt seyn, daß die Elemente, welche aus der Zersezung desselben hervorgehen, von der Erde eingesogen und allmählich zur Ernährung und Entwikelung dieser Pflanze verwendet werden. Diese Zersezung erfolgt ohne Entwikelung stinkender Gase, so lange man gewisse Verhältnisse nicht übersteigt, und wenn man die Zersezung nur geschehen läßt, wenn sie zugleich von der vegetativen Kraft der Pflanzen unterstüzt wird.

Specielle Anwendung des Blutes als Dünger.

Obwohl das getroknete und gepülverte Blut im Allgemeinen überall anwendbar ist, so eignet es sich doch vorzüglich für jene Fälle, in welchen der Boden zwei Mal umgearbeitet und ausgejätet wird, wie für den Weinbau, die Cultur der Obstbäume, für Baumschulen, für die Cultur von ein- oder zweijährigen Gewächsen, Gemüsen, Mais, Erdäpfeln, Runkelrüben, Schweinsbohnen, Bohnen, Erbsen etc., und in den Tropenländern für den Kaffee-, Zukerrohr-, Baumwollen-Bau etc.

Die beste Weise das getroknete Blut bei dem Baue von bewurzelten Pflanzen, Schößlingen etc. anzuwenden, ist nun die, daß man die Erde rings um den Fuß des Stokes zerkleinert, daß man dieselbe, und vorzüglich jene, welche die Wurzeln zunächst umgibt, mit einer angemessenen Menge getrokneten gepülverten Blutes mischt, und endlich, daß man dieses Gemisch mit einer 2 bis 3 Zoll hohen Schichte nicht gemischter Erde bedekt. Die Resultate, welche man erhält, wenn man auf diese Weise verfährt, sind wahrhaft wunderbar, vorzüglich wenn man so glüklich war, eine Zeit zu treffen, wo ein stärkerer Regen bald auf die Operation folgt.

Wendet man das Blutpulver bei dem Baue der Erdäpfel, der Zukerrohrableger oder anderer Pflanzen an, welche zarte Keime bilden, so muß dieß mit mehr Vorsicht geschehen, als bei Gewächsen, die bereits stark bewurzelt sind. Würde hier das Blut nicht innig mit der Erde vermengt, oder würde es in zu großer Menge angewendet, so würde man Gefahr laufen, daß die Hize, welche durch die Zersezung des Blutes entsteht, die Keime verbrennt, und daß Alles zu Grunde ginge; dieß geschah auch wirtlich auf mehreren Pflanzungen unserer Colonien, als dieses Düngmittel daselbst eingeführt wurde.

|303|

Um diesem Nachtheile auszuweichen, muß man das Blut nur in geringen Mengen unter die Erde mischen; ich glaube, daß man in diesen Fällen nicht wohl mehr als Einen Theil Blut auf 50 Theile Erde anwenden dürfe. Zu diesem Behufe nun mischt man das Blut und die Erde in der Grube, in welche die Pflanze gesezt werden soll, bedekt diese dann mit dem Gemische und breitet zulezt noch eine Schichte ungemischter Erde darüber. Bei diesem Verfahren kann man des Gelingens sicher seyn; auf dieselbe Weise behandelt man alle größeren Samen, wie Schweinsbohnen, Bohnen, Mais etc.

In allen Fällen, in welchen Samen ausgesäet werden, für welche die Wirkung der Zersezung des Blutes zu heftig werden möchte, könnte man auf folgende Art verfahren; man bereitet vorher eine Art von Gemisch aus Blut und Erde und begießt es, wodurch es, wenn man es auf einem Theile des Feldes, welches besäet werden soll, sich selbst überläßt, unter starker Entwikelung von Wärme die erste Gährung erleiden würde; nach 6–7 Tagen könnte man dieses Gemisch wieder aufnehmen, und es Hand- oder schaufelweise in die Furchen streuen, in welche gesäet werden soll; darauf würde nun ausgesäet, und der Same unmittelbar darauf mit dem Gemische bedekt etc. Ich glaube nicht, daß bei diesem Verfahren viel von den wirksamen Bestandtheilen des Blutes verloren gehen wird; allein es ist mehr zusammengesezt, und wir haben noch keine Erfahrungen über die Vortheils desselben im Vergleiche mit jenen, welche das Blut hervorbringt, wenn es unmittelbar an die Pflanzen gebracht wird, deren Wachsthum man begünstigen will.

Das Blutpulver läßt sich auch sehr gut bei dem Getreidebaue, und bei allen Samen anwenden, die frei mit der Hand ausgeworfen werden. Ich erhielt die besten und entsprechendsten Nachweisungen über die Versuche, welche hierüber im Großen angestellt wurden. Doch glaube ich, daß diese Art von Bau eine derjenigen ist, in welcher dieser kostbare Dünger verhältnißmäßig am wenigsten Vortheile darbietet. Ich fürchte nämlich, daß, wenn man das Blut vor oder nach dem Pflügen so wie den Samen auf die Erde aussäet, ein Theil desselben zersezt wird, ohne dem Samen Nuzen zu bringen, indem wegen der geringen Menge, in welcher sowohl der Samen als das Blut ausgesäet werden, die Berührungspunkte zwischen beiden zu selten werden würden. Ein Theil dieser Nachtheile verschwindet jedoch, wenn man, wie oben gesagt wurde, das Blut und den Samen furchenweise ausstreut, denn dann ist mehr Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß beide in unmittelbare Berührung mit einander gelangen, werden, so daß der Erfolg sicherer seyn wird.

Ich glaube, daß es am besten wäre, das Getreide erst als |304| zweite Ernte zu bauen, das heißt, es in einen solchen Boden zu bauen, in welchen man eine ziemlich große Menge Blut gebracht hätte, und auf welchem bereits etwas Anderes gebaut worden ist. Die Zeit, seit welcher dieser Dünger angewendet wird, ist jedoch zu kurz, als daß man sichere Daten haben könnte, nach welchen sich die Wirksamkeit des Blutes bei einer zweiten Ernte bestimmen ließe. Die Theorie, welche aus der schnellen Zersezung des Blutes dessen Wirksamkeit ableitet, scheint diesem Verfahren nicht besonders günstig zu seyn; dock hatte ich Gelegenheit zu beobachten, daß die Wirkung des Blutes auch bei einer zweiten Ernte, die auf einen Bau folgt, bei welchem gejätet wurde, noch sehr bemerkbar war.

Auf Rasenpläze, natürliche oder künstliche Wiesen angewendet, bringt das getroknete Blut gleichfalls ein vortreffliches Resultat hervor; man säet es in Form eines feinen Pulvers im Frühjahre und bei regnerischem Wetter aus, damit es schnell zersezt werde. Auch zu diesem Zweke verdient das Blut weit den Vorzug vor dem Staubmiste, den Oehlkuchen etc.; allein da dasselbe bei dieser Anwendung nicht mit der Erde vermischt wird, so kann leicht ein Theil seiner Bestandtheile während der Gährung verloren gehen, und ich halte diesen Dünger für zu kostbar, als daß man nicht suchen müßte, ihn bloß in jenen Fällen anzuwenden, in welchen man alle die Vortheile erhält, die er gewähren kann.

Das Blut läßt sich auch noch auf eine andere Weise benuzen, welche in vielen Fällen sehr vortheilhaft werden könnte; man kann nämlich durch dasselbe die Zusezung der vegetabilischen Substanzen beschleunigen, und dadurch die düngenden Eigenschaften dieser lezteren erhöhen. So kann man das Blutpulver vorher oder an Ort und Stelle mit verschiedenen Substanzen mischen, welche für sich allein nur ein schlechter Dünger wären, wie mit Blättern, Strohhäkerling, Sägespänen, Haferspreu und anderen kleinen Abfällen trokener Pflanzen. Der Transport dieser Substanzen wird in trokenem Zustande immer wohlfeiler seyn, als in nassem. Nach Umständen könnte man es der Luft überlassen, diese Gemische zu befeuchten, oder sie müßten mit dem Wasser der Graben und Pfüzen begossen werden. Auf thonigem Boden, der zertheilt und aufgelokert werden muß, wären solche Gemische besonders vortheilhaft; denn das Blut allein würde wegen der geringen Menge, in welcher es angewendet wird, in diesem Falle nicht dieselbe Wirkung hervorbringen. Sehr vortheilhaft würde sich das Blut auch erweisen, wenn man sich desselben bediente, um die Kraft der Gewächse zu erhöhen, die zur Besserung und Düngung des Bodens gebaut werden. Man müßte hier das getroknete Blut in dem Augenblike auf die grünen Saaten, wie auf Wiken, |305| Heidekorn, Klee etc. streuen, in welchem dieselben unter die Erde gebracht werden sollen. Die Mischung einer thierischen Substanz mit diesen rein vegetabilischen Düngungsmitteln könnte bloß einen vortrefflichen Erfolg haben; denn hier wird das Blut unter einem Zusammenflusse günstiger Umstände angewendet, und diese sind: die Leichtigkeit des Transportes, der Vertheilung, des Ausstreuens, und das Vorhandenseyn einer hinlänglichen Menge von Feuchtigkeit zur schnellen Zersezung des Blutes, dessen Bestandtheile von der Erde aufgesogen werden, die die umgestürzten Pflanzen bedekt. Auch mit Unkräutern, Sumpfpflanzen, verdorbenem Heu etc. kann man das Blut mischen, und auf diese Weise einen Dünger bereiten, der dem so eben beschriebenen gleichkommen wird.

Von der Menge, in welcher das Blut angewendet werden soll.

Ich wurde schon oft darum gefragt, wie viel getroknetes Blut man auf eine Hectare braucht; die Antwort auf diese Frage hängt von einer solchen Menge von Umständen ab, daß ich dieselben nicht gehörig abzuschäzen weiß, und daß deren Aufzählung hier viel zu weitläufig werden würde. Hr. Payen, dessen Abhandlung über die Benuzung todter Thiere im April 1830 von der Société centrale d'Agriculture gekrönt wurde, hat hergestellt, daß ein Kilogramme getrokneten Blutes 3 Kilogrammen grob gepulverten Knochen oder 72 Kilogr. guten Pferdemistes gleichkommt, und daß dieser Dünger alle bisher bekannten Düngerarten weit übertreffe. Dieser Grundsaz des Hrn. Payen kann, bis auf einen gewissen Punkt, als allgemeine Norm für die Menge des Blutes dienen, welche man anzuwenden hat; allein Jedermann wird auch einsehen, daß sie nicht für alle Fälle gelten kann. Bei jedem Baue, bei welchem ausgejätet wird, würde ich die Menge des anzuwendenden Blutes lieber nach der Zahl und der Stärke der Stöke berechnen, welche ein gewisser Raum aufzunehmen im Stande ist. Sezen wir z.B., daß in einem Weinberge die Stöke in jeder Richtung Einen Meter oder 3 Fuß von einander entfernt sind, so glaube ich, daß man auf jeden Stok mit großem Vortheile ungefähr 75 Grammen oder 2 1/2 Unzen getroknetes Blut nehmen kann; dieß gäbe mithin für Eine Hectare von 10,000 Meter zehntausend Mal 75 Grammen oder 750 Kilogrammen getrokneten Blutes. Bei Erdäpfeln oder anderen Pflanzen, welche 66 Centimeter oder 2 Fuß in jeder Richtung von einander entfernt sind, hat man 15,000 Stöke auf einer Hectare; in diesem Falle nun werden 50 Grammen oder etwas über 1 1/2 Unzen auf den Stok hinreichen, so daß hier ebenfalls 750 Kilogrammen auf die Hectare |306| kommen werden. In allen Fällen, in welchen die Pflanzen 33 Centimeter oder Einen Fuß weit von einander stehen, wird man 30,000 Pflanzen auf Einer Hectare haben, und für jede Pflanze 26 Gammen oder etwas über 0 Quentchen brauchen, so daß man auch hier wieder 750 Kilogrammen auf die Hectare erhält. Diesen Angaben zufolge kann man also rechnen, daß Eine Hectare, um gut gedüngt zu werden, beiläufig 750 Kilogrammen oder 1500 Pfund getroknetes Blut erfordert; übrigens wird Jedermann einsehen, daß diese Menge nach Umständen bald erhöht, bald vermindert werden muß. Dieselbe Berechnung gilt auch für alle Pflanzungen oder Saaten in Furchen, indem man die Entfernung derselben von einander in Betracht zieht, und für eine Furche die Menge getrokneten Blutes berechnet, die man angewendet haben würde, wenn der Bau mit von einander entfernten Pflanzen getrieben worden wäre. Diese Berechnungen führen mich unwillkürlich zu dem Vergleichungspunkte, welchen ich am Anfange dieser Abhandlung zwischen dem flüssigen Blute, dem Fleische und dem Pferdemiste aufstellte; ich bemerke daher hier summarisch, daß wenn man

75 Grammen getrokneten Blutes an den Fuß eines Weinstokes oder
einer anderen Pflanze, die Einen
Meter von einer anderen entfernt
50 – – – steht; an den Fuß eines Erdäpfelstokes
oder eines anderen Gewächses, welches
in Entfernungen von 66 Centimetern
gebaut wird;
25 – – – an den Fuß einer Runkelrübe oder irgend
einer anderen Pflanze, die man in Entfernungen
von 33 Centimeter oder von einem Fuße sezt,

bringt, dieß eben so viel ist, als wenn man

300 Grammen oder beiläufig 10 Unzen flüssiges Blut oder Fleisch
oder 5 K., 300 Pferdemist
200 Grammen oder etwas mehr als
6 Unzen dieser Substanzen oder 1 K., 500 –
100 Grammen oder etwas über 3 Unzen oder 750 Gr. –

auf jeden einzelnen Stok anwendete.

Die Angabe der Mengen dieser bekannteren Substanzen macht das Blut als Düngungsmittel nur schäzbarer, indem sie die Summe der Vortheile bei der Anwendung desselben nur noch deutlicher zeigt.

Ich habe jezt nur noch zu bestimmen, auf welchen Preis dem Landwirthe das getroknete gepülverte Blut zu stehen kommt. Da diese Fabrikation bis jezt nur in Folge eines Monopols Statt haben konnte, das auf einem Handel beruht, der auf langen Termin mit den Fleischereien |307| zu Paris abgeschlossen wurde, so läßt sich der Preis nicht bestimmen, um welchen diese Substanz einst verkauft werden wird, wenn ihre Erzeugung aller Fesseln und aller Lasten befreit seyn wird, welche jezt dieselbe hemmen. Ich zweifle aus mannigfachen Gründen, daß dieser Preis viel geringer werden könne als der ist, den ich bestimmte, und der 20 Francs für 100 Kilogrammen in der Fabrik und ohne Emballage beträgt Bei diesem Preise kommen 750 Kilogrammen getroknetes Blut, welche ich zum Düngen einer Hectare im Durchschnitte für nöthig hatte, auf 150 Fr., eine Summe, die mir viel geringer scheint, als der Preis von 54,000 Kilogr. Pferdemist, die nöthig wären, um die befruchtende Kraft von 750 Kilogr. getrokneten Blutes zu ersezen.

Man hat gegen den Vorschlag, das getroknete Blut als Dünger zu verwenden, den Einwurf gemacht, daß diese Substanz nie der Gegenstand eines bedeutenden Handels werden könne, indem es sehr schwer ist, dieselbe in großen Massen zu sammeln, so daß man sich immer nur kleine Quantitäten davon verschaffen könnte; allein ich glaube nicht, daß dieser Einwurf von einigem Werthe ist. Die Menge des Blutes, welche sich sammeln läßt, ist nichts weniger als gering, denn das Blut bildet im Durchschnitte mehr als den 10ten Theil des Fleisches der Thiere. Dieses Blut ist zwar in so vielen feinen Blutgefäßen vertheilt, daß es unmöglich ist, es aus denselben ganz zu gewinnen und es zu troknen; allein in allen den größeren Städten werden Schlachthäuser errichtet, und in allen diesen Schlachthäusern wäre es von großem Vortheile das Blut zu sammeln und zu troknen. Würde übrigens aus der Bekanntmachung dieser Abhandlung auch nur der Vortheil entstehen, daß man aufmerksam auf die Vortheile würde, die man aus dem Blute ziehen kann, so würde ich schon deßhalb die Zeit, welche ich darauf verwendete, nicht bereuen. Man muß das Blut eben nicht durchaus in trokenem Zustande anwenden; es ist weit einfacher, dasselbe flüssig oder als Gerinnsel zu benuzen, wenn es nicht anders seyn kann. Ich schmeichle mir, daß einige Landwirthe, durch diese Abhandlung besser aufgeklärt über den Werth des Blutes als Düngungsmittel, dasselbe nun mehr zu schäzen wissen werden, so daß man nun seltner als bisher diese kostbare Flüssigkeit in Ausgüssen und Flüssen unbenüzt abfließen sehen wird. Es kann sogar noch ein anderer Vortheil aus der Bekanntmachung dieser Abhandlung entspringen: wenn viele thierische Substanzen bisher unbenuzt verloren gingen, so lag der Grund vorzüglich darin, daß keine derselben für sich allein die Mühe und die Auslagen lohnte, die die Gründung einer Anstalt, in welcher dieselbe zur Düngerbereitung hätten benuzt werden können, erforderte; man wurde auch von |308| der Furcht keinen Absaz zu finden, zurükgehalten. Ich sing mit dem Blute an, indem ich mir durch ein Monopol große Mengen desselben zu verschaffen im Stande war, und weil das Abfließen dieser Flüssigkeit mit so großer Leichtigkeit Statt hat; das Publicum darf aber versichert seyn, daß ich binnen Kurzem auch noch andere bisher verloren gegangene Substanzen zu benuzen wissen werde. Das Feld der Industrie ist in dieser Hinsicht noch sehr weit, und man wird gewiß noch die todten Thiere, ihre Knochen, die nicht gegohrenen Fäcalmaterien derselben, und viele andere thierische Abfälle mit großem Vortheile als Dünger verwenden lernen. Alle diese Körper lassen sich in ein trokenes Pulver verwandeln, das die höchste düngende Kraft besizt, unbestimmt lange aufbewahrt, und mit der größten Leichtigkeit an die entferntesten Orte verführt werden kann. Ich hoffe sogar, daß es einst auch gelingen wird in großen Städten den Urin zu concentriren, und auf diese Weise einen Dünger zu erzeugen, der ungefähr das 25fache eines ursprünglichen Gewichtes darstellen wird. Brachte man diese concentrirte Substanz auf die Felder, und verdünnte man sie da mit dem Wasser der Gräben und Pfüzen, so könnte man auf diese Weise den Urin mit allen seinen ursprünglichen Eigenschaften wieder herstellen.

Anmerkung.

Die Anstalt zum Troknen des Blutes für Dünger befindet sich Barriére des Fourneaux, extra muros, N. 3, service de Vaugirard.

|298|

Es ist in neuerer Zeit ein Lieblingsbestreben geworden, Alles zu animalisiren, ein Ausdruk der ganz unpassend ist, und der eigentlich bloß so viel sagen will, etwas mit Stikstoff mehr oder weniger zu versehen. Dem. Grundsaze des Hrn. Derosne, daß ein Dünger um so besser sey, je mehr er Stikstoff enthalte, können wir durchaus nicht unbedingt beistimmen. Der reinste, natürlichste und zwekmäßigste Dünger für Pflanzen wurde bisher ziemlich allgemein, und wie es scheint mit vollem Rechte, im vegetabilischen Dünger, im Humus, gesucht. Nur wo dieser fehlt, oder wo es an Mitteln gebricht, denselben in hinlänglicher Menge zu erzeugen, soll man seine Zuflucht zum thierischen Dünger nehmen. Uebrigens handelt es sich hier hauptsächlich darum, ob der Landwirth mehr auf Quantität als Qualität seines Productes sieht; ist Ersteres der Fall, so wird er fleißiger thierischen Dünger anwenden müssen, ist hingegen Letzteres der Fall, so wird er ihn so viel als möglich zu vermeiden haben. Um dieß zu beweisen, wollen wir bloß erwähnen, daß Tabak, auf Boden gebaut, der frisch mit thierischem Dünger gebaut wurde, so unangenehm riecht, daß er zu Rauchtabak mehr oder weniger unbrauchbar ist; daß Wein von frisch gedüngten Weingärten jedes Mal weniger feinen Geschmak besizt, als Wein, der auf ungedüngtem Boden gebaut wurde; eben dieß gilt vom Obste, von den Erdäpfeln und so herab bis zum Heu. Abgesehen davon ist es aber auch physiologisch unrichtig, daß die Pflanze um so besser gedeihe, je mehr man sie in den Stand sezt, Stikstoff aufnehmen zu können. A. d. Ue.

|301|

Auch diese Behauptung ist zu weit getrieben, und durch die Erfahrung widerlegt, denn wie könnten sonst Mergel, Gyps, Sand und dergl. in gewissen Arten von Boden so treffliche Wirkungen hervorbringen? Zudem sind die erdigen Bestandtheile der Knochen ja auch salziger Natur, und daß viele Salze düngen, weiß Jedermann. A. d. Ue.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: