Titel: Haycraft, Bemerkungen über die Anwendung des überhizten Dampfes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXVIII. (S. 326–334)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041078

LXXVIII. Bemerkungen über die Anwendung des überhizten Dampfes; von Dr. Haycraft.

(Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Julius 1831, S. 25.)

Die in der vorhergehenden Abhandlung beschriebene Erfindung übergebe ich dem Publikum in dem vollen Vertrauen, daß sie eine wirkliche Verbesserung der Dampfmaschine ist und die Aufmerksamkeit der Gelehrten und Fabrikanten sehr verdient. Seit mehreren Jahren bin ich mit Versuchen über die mechanischen Eigenschaften des Dampfes, besonders des sogenannten überhizten Dampfes, beschäftigt; unter überhiztem Dampf versteht man solchen, der einer höheren Temperatur ausgesezt wurde, als diejenige ist, bei welcher er sich erzeugte; der Dampf nimmt bei dieser Operation mit wenig Brennmaterialaufwand an Volumen und verhältnißmäßig auch an mechanischer Kraft zu. Im Verlauf meiner Versuche mit überhiztem Dampf fand ich, daß wenn der Cylinder der Maschine zwekmäßig construirt ist, eine viel größere Kraft als mit gewöhnlichem Dampf, hervorgebracht wird; ich baute nun eine Maschine von 12 Pferdekraft, deren Wirkungen die Wahrheit meiner Principien auf die genügendste Weise erwiesen. Ehe ich jedoch ausführlicher von dieser Maschine spreche, will ich mich bemühen, einige Irrthümer zu berichtigen, in welche sowohl Praktiker als Gelehrte in Bezug auf die Anwendung des Dampfes als Triebkraft verfielen.

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Man nimmt allgemein an, daß wenn Dampf über die Temperatur erhizt wird, bei welcher er sich erzeugte, seine Kraft nicht zu-, sondern im Gegentheil abnimmt, und daß die Ueberhizung seine Elasticität auf irgend eine Art vermindert; zu dieser Annahme führte folgender Versuch, welchen Hr. Perkins mit Hrn. Penn d. J. in seiner Dampfmaschinenfabrik zu Greenwich anstellte. Man verschaffte sich überhizten Dampf, indem man kleine Quantitäten Wasser durch ein System von gußeisernen Röhren, welche auf eine hohe Temperatur erhizt waren, laufen ließ; diesen überhizten Dampf benuzte man dann zu einer Maschine von 6 Pferdekraft, welche dadurch in kurzer Zeit ihre Kraft verlor, sobald nämlich der Cylinder überhizt wurde, obgleich Dampf in reichlicher Menge vorhanden war.

Was konnte die Ursache von dieser Erscheinung seyn? die meisten Praktiker würden sagen, daß der Dampf seine Elasticität verlor, und daher die Maschine nicht mehr treiben konnte. Die HHrn. Penn und Perkins entdekten aber den Fehler und bemühten sich ihn zu beseitigen. Er bestand darin, daß, sobald der Cylinder beträchtlich erhizt war, die Liederungen des Kolbens und der Kolbenstange den Dampf nicht mehr länger zurükhalten konnten, und es zeigte sich bei der Untersuchung, daß diese Liederungen vollkommen ausgetroknet worden waren und daher leicht von Dampf durchdrungen wurden, daß er folglich seine Kraft nicht auf den Kolben ausüben konnte. Um diesem abzuhelfen, ließ man den überhizten Dampf zuerst über die Oberfläche von Wasser streichen, welches in einem zweiten Kessel enthalten war; er absorbirte dann Wasser, bis er gesättigt war, wo sodann die Maschine vollkommen gut ging. Der Leser wird jedoch bemerken, daß in diesem Falle der überhizte Dampf, indem er mehr Wasser aufnahm, sich in gewöhnlichen Dampf verwandelte, welcher, wenn man ihn in einen Cylinder leitet, bekanntlich einen Theil seines Wassers absezt, weil der Cylinder eine niedrigere Temperatur hat als der Kessel. Dieses Wasser befeuchtet die Liederungen und macht sie dadurch wenigstens in gewissem Grade dampfdicht. Dieselbe Erscheinung wurde auch bei Verdichtungsmaschinen beobachtet, wenn manchmal der Kessel fast leer war und man das Feuer verstärkte, so daß der obere Theil des Kessels außerordentlich heiß und der Dampf dadurch überhizt wurde. In diesem Falle wird die Maschine, obgleich Dampf von gewöhnlichem Druk in reichlicher Menge vorhanden ist, nicht wirken.

Wir hatten eine vortreffliche Gelegenheit diesen scheinbaren Kraftmangel des überhizten Dampfes bei einer kleinen Verdichtungsmaschine zu beobachten. Bei dieser Maschine wurde der Dampf durch Hochdrukdampf, welcher den Cylinder umgab, erhizt. Der Kolben wurde mit Metallplatten versehen, welche gut wirkten; die Kolbenstange |328| hatte die gewöhnliche Hanfliederung. Die Maschine ging einige Zeit lang gut, bis die Kolbenstange sehr heiß und ihre Liederung troken wurde, wo man dann plözlich die Luft durch die Liederung sausen hörte, eine Quantität Luft von der Luftpumpe aufgepumpt wurde und die Maschine ihre Kraft verlor; umsonst befeuchteten wir die Liederung; wir gossen dann Oehl hinein, welches auch nichts half, aber mit der größten Schnelligkeit durchging.

Aus den vorhergehenden Bemerkungen ersieht man, daß der scheinbare Mangel an Kraft bei dem überhizten Dampfe dem Umstande zugeschrieben werden muß, daß es so schwierig ist, die Fugen und Liederungen dicht zu halten, welche leztere der überhizte Dampf leicht austroknet und beschädigt.

Die Versuche, durch welche wir schon vor mehreren Jahren die größere Kraft des überhizten Dampfes direct erwiesen, sind sehr einfach. Wir wogen eine kupferne Kugel, welche Dampf von der Siedehize enthielt, möglichst genau, tauchten sie dann in erhiztes Oehl, bis sie die Temperatur von 312° F. erreicht hatte, ließen den überschüssigen Dampf durch eine sehr kleine Oeffnung entweichen und verschlossen leztere dann sehr fest; als wir nun das Gewicht der leeren Kugel von den beiden Gewichten abzogen, ergab sich, daß Dampf, welcher 100° F. über den Siedepunkt erhizt ist, 110° von gewöhnlichem Dampf wiegt, indem er noch den atmosphärischen Druk aushält; ein Volumen wird so in zehn Volumen verwandelt, von denen jedes, wenn seine Temperatur beibehalten wird, eine mechanische Kraft, gleich dem ursprünglichen Volumen hervorbringt; das heißt, wir vergrößern die ganze Kraft um das Zehnfache.

Die Frage war nun, wie können wir diesen überhizten Dampf so einsperren, daß er sich als Triebkraft benuzen läßt? Wir haben schon gesehen, daß überhizter Dampf deßwegen so leicht unbenuzt entweicht, weil er die Liederungen austroknet. Nach vielen Versuchen mit verschiedenen Flüssigkeiten fanden mein Bruder und ich, daß sich durch Wasser, welches man zwischen den überhizten Dampf und den Kolben bringt, der beabsichtigte Zwek erreichen läßt. Bekanntlich geht das Wasser sehr schwer durch compacte organische Substanzen; man sieht dieß an den hydraulischen Pressen, wo das Wasser unter einem Druk von mehreren tausend Pfund auf den Quadratzoll durch einen einfachen ledernen Kranz dicht gehalten wird. Um uns zu versichern, ob dieß auch bei der Dampfmaschine ausführbar ist, verfertigten wir ein Modell, wobei man nach Belieben Wasser zwischen den Kolben und den (als Triebkraft dienenden) Dampf einführen konnte. Wenn man kein Wasser zwischen dieselben brachte, drang der Dampf durch die Liederung bei einem Druk von 30 Pfund; als |329| aber Wasser dazwischen war, ging die Maschine bei einem Druk von mehr als 600 Pfund auf den Quadratzoll, vollkommen dicht.

Auf diese Art gelangten wir zu zwei wichtigen Thatsachen; die erste ist, daß der Dampf durch Ueberhizen an Kraft und Volumen in gleichem Verhältniß zunimmt; die zweite, daß wir ein vollkommenes Gefüge durch Dampf ganz undurchdringbar machen können, indem wir Wasser zwischen den Dampf und die Liederung bringen. Wenn wir jedoch das Wasser geradezu zwischen den überhizten Dampf und einen gewöhnlichen Kolben brächten, so würde es bald weggetroknet werden und umsonst angewandt worden seyn; um diesem zu begegnen, wurde die in der vorhergehenden Abhandlung beschriebene Einrichtung getroffen. Bei meiner Experimentir-Maschine ist die Wirkung des überhizten Dampfes ganz außerordentlich. Wird überhizter Dampf angewandt, so braucht die Maschine nicht den zehnten Theil des Dampfes und hat dann, was merkwürdig ist, eine größere Kraft. Bei dieser Maschine ist der Kessel nicht groß genug, um Dampf von 30 Pfd. auf den Quadratzoll zu liefern; sobald aber der Dampf überhizt ist, steigt der Dampfdruk in dem Kessel nach und nach bis auf 200 Pfd., während die Maschine stets mit ihrer ganzen Kraft geht; es entweicht offenbar mehr Dampf durch das Sicherheitsventil, als die Maschine verzehrt. Wenn der überhizte Dampf aus der Maschine entweicht, ist er vollkommen unsichtbar, was seine außerordentliche Verdünnung beweist. Bei der Maschine von 12 Pferdekraft, welche wir herstellten, getrauten wir uns aus den unten angegebenen Gründen nicht, den Dampf so sehr zu überhizen, und doch darf man mit ihren Leistungen vollkommen zufrieden seyn.

Ein anderer, für Mechaniker sehr wichtiger Umstand, entging bisher allen Schriftstellern über Dampfmaschinen und blieb auch dem berühmten Watt unbekannt, daß nämlich in dem Cylinder durch die Verdunstung des in ihm abgesehen Wassers Kälte entsteht. Diese Verdunstung findet Statt, so oft sich ein leerer Raum bildet, sie erzeugt daher Kälte, wodurch wieder Dampf verdichtet und als Wasser abgesezt wird. Obgleich Hr. Watt diese Erscheinungen nicht kannte, so war er doch vollkommen überzeugt, daß es sehr nüzlich ist, den Cylinder auf der gehörigen Temperatur zu erhalten. Zu diesem Ende umgab er ihn mit Dampf von dem Kessel, in der Meinung, daß der Cylinder dadurch auf derselben Temperatur wie der Dampf erhalten und die Verdichtung dieses lezteren ganz verhindert wurde. Hätte er gewußt, daß jener Abkühlungsproceß Statt findet, so würde er wahrscheinlich zur Verhinderung desselben es für zwekmäßig erachtet haben, den Cylinder mit Dampf zu umgeben, welcher |330| eine höhere Temperatur hat als der im Cylinder enthaltene, wo dann keine Verdichtung, folglich keine Verdunstung, kein Abkühlen des Cylinders u. f. w. Statt finden kann. Wenn man diese Anordnung trifft, zeigt sich jedoch eine praktische Schwierigkeit; versucht man sie nämlich bei gewöhnlichen Maschinen, so troknen die Liederungen, da sich kein Wasser mehr niederschlägt aus, und bleiben nicht mehr länger dampfdicht. Bei meiner Hochdrukdampfmaschine kann dieses Austroknen nicht Statt finden, und wenn auch das überhizte Ende des Cylinders eine noch so hohe Temperatur erhalten sollte, indem das Wasser auf der anderen Seite des Kolbens das Austroknen der Liederungen stets verhindert.

Einen hinreichenden Beweis für die Richtigkeit unserer Ansichten liefert die Wirkung von Woolf's Dampfmaschine. Man glaubte, daß die Ersparung an Brennmaterial bei dieser Maschine daher rührt, daß man zwei Cylinder, einen Hochdrukcylinder und einen Verdichtungscylinder anwendet und den Dampf durch Ausdehnung wirken läßt. Daß zu dieser Ersparung auch noch ein anderer Umstand beiträgt, zeigte sich unlängst zufällig bei einer Maschine dieser Art in der Spinnerei des Hrn. Newcombe. Bekanntlich ist der Verdichtungscylinder bei Woolf's Maschine mit Hochdrukdampf umgeben; nun traf es sich, daß der Hochdrukdampf-Behälter beschädigt wurde, daher der Mechaniker die in ihn führende Dampfröhre absperrte; der Cylinder war nun nicht mehr mit Hochdrukdampf umgeben, der Dampf im Cylinder also nicht mehr überhizt, und in Folge hievon konnte die Maschine nicht mehr im Gang bleiben. Nachdem die Hülse ausgebessert worden war, ging die Maschine wieder vollkommen gut. Bei dieser Maschine sind Hanfliederungen aus den angegebenen Gründen unnüz; man gebraucht statt derselben metallne Kolben, welche, wenn der Dampf nur schwach überhizt und von mäßigem Druk ist, dem Zwek vollkommen entsprechen.

Wenn man Dampf von größerem Druk, als man ihn bei Maschinen von gewöhnlicher Einrichtung anwenden kann, gebraucht, so hat man noch einen anderen großen Vortheil. Mein Bruder Samuel Haycraft fand, daß man bei Anwendung von Hochdrukdampf nicht in dem Verhältniß mehr Dampf braucht, als man den Druk verstärken will, indem die Quantität des angewandten Dampfes sich nur wie die Quadratwurzel aus dem Druk verhält; das heißt, wenn man den Druk vervierfachen will, ist nur zwei Mal so viel Dampf erforderlich, wodurch man also im Verhältniß zur erzeugten Kraft die Hälfte des Brennmaterials erspart; will man den Druk auf das Neunfache bringen, so braucht man nur drei Mal so viel Dampf zu erzeugen, erspart also zwei Drittel an Dampf und so |331| fort in diesem Verhältnisse. Dieß kann jedoch bei gewöhnlichen Maschinen nicht sehr weit getrieben werden, weil die Liederungen bei hohem Druke nicht dicht genug sind; bei unserer verbesserten Maschine können hingegen die Liederungen einen Druk von mehr als 600 Pfd. auf den Quadratzoll aushalten. Die größten Vortheile erlangt man durch Anwendung des überhizten Dampfes von hohem Druk; so fanden wir, daß bei unserer Experimentirmaschine, welche mit überhiztem Dampf von 200 Pfd. auf den Quadratzoll arbeitet, nur ein Zehntel so viel Dampf nöthig ist, als wenn nicht-überhizter Dampf von 30 Pfd. auf den Quadratzoll angewandt wird; die Kraft ist also im Verhältniß zur Quantität des Dampfes um mehr als das Sechzigfache vergrößert, und die Maschine geht vollkommen dicht.

Die Maschine von 12 Pferdekraft, wovon wir oben sprachen, hat die in unserem Patent beschriebene Einrichtung. Der Kessel hat die Größe, welche bei einer Dampfmaschine von 4 Pferdekraft gebräuchlich ist, und treibt die Maschine mit der größten Geschwindigkeit und ganzen Kraft von 12 Pferden, wobei wir 220 Pfd. Druk auf den Kolben für jedes Pferd, ausschließlich der Reibung, rechnen. Der Kessel liefert offenbar mehr Dampf als nöthig ist, indem solcher beständig durch das Sicherheitsventil entweicht, wenn die Maschine mit ihrer ganzen Kraft geht, obgleich nur ein schwaches Feuer unter dem Kessel unterhalten wird und der Ofen mit einem sehr kurzen Rauchfang versehen ist. Dazu kommt noch, daß die Maschine nicht einmal unter Dach steht. Der Kessel ist ein Cylinder von sechs und zwanzig Zoll Durchmesser und zehn Fuß Länge; er ist aus dem besten geschmiedeten Eisen verfertigt und für mehr als 500 Pfd. Druk auf den Quadratzoll geprüft. Die Maschine ist für den Verbrauch eines halben Bushel Steinkohlen auf die Stunde angefertigt; dieß ist ungefähr halb so viel als eine Woolf'sche Maschine von gleicher Kraft braucht.

Bei dieser Maschine suchten wir das Ueberhizen des Dampfes und den hohen Druk nicht möglichst weit zu treiben, weil ohnedieß der Erfolg unseren Erwartungen hinreichend entsprach und die Ersparung an Brennmaterial so groß ist, als man sie, wenigstens bei einer feststehenden Maschine, nur wünschen kann.

Die Vorzüge dieser Maschine beschränken sich aber nicht auf die Ersparung an Brennmaterial, denn offenbar erspart man noch weit mehr an Wasser. Bei allen Dampfmaschinen und besonders bei den Hochdrukdampfmaschinen gelangt eine große Menge Wasser von dem Kessel mit dem Dampf in den Cylinder, und zwar nach der Schäzung der Mechaniker wenigstens die Hälfte des angewandten Wassers, während bei unserer Maschine alles Wasser in Dampf verwandelt und daher zwei Mal so viel Wasser als Dampf erspart wird. Nun beträgt die Ersparung |332| an Dampf in Vergleichung mit den gewöhnlichen Hochdrukdampfmaschinen wenigstens drei Viertel der ganzen Quantität, indem die Maschine mit überhiztem Dampf nur den vierten Theil des Brennmaterials und folglich nur den achten Theil des Wassers erfordert. Wir wollen hievon eine Anwendung auf die fortschaffenden Maschinen (Dampfwagen) machen: 1) die last, welche zur Beschikung der Maschine erforderlich ist, besteht aus einem Theil Steinkohlen auf sechs Theile Wasser, weil ein Pfund Steinkohlen sechs Pfund Wasser verkocht. Nehmen wir daher die Last, welche zum Speisen der Maschine nöthig ist, zu zwei Tonnen an, so würde

das Gewicht der Kohlen betragen Ctr. 5 2 24
Das Gewicht des Wassers. 34 1 4
––––––––––––––
Ctr. 40 0 0
Bei unserer Maschine mit überhiztem
Dampf wird das Gewicht der Steinkohlen
seyn
1 1 20
Das Gewicht des Wassers 4 1 4
––––––––––––––
5 2 24
Die Last würde also vermindert auf Ctr. 34 1 4
––––––––––––––

Der große Vortheil, welchen eine Verminderung der Last bei fortschaffenden Maschinen, besonders wenn sie für die Landstraßen bestimmt sind, gewahrt, springt in die Augen, denn sie vergrößert die Kraft der Maschine und folglich die Schnelligkeit des Wagens. Indem wir die für die Maschine nöthige Last vermindern, können wir auch um so viel mehr Brennmaterial und Wasser mitnehmen, daß wir drei oder vier Mal weiter zu reisen im Stande sind, ohne frische Ladung. Auch können wir die Dampfkraft sehr verstärken.

Die Hauptschwierigkeiten eines vollständigen Erfolges von Dampfwagen auf gewöhnlichen Landstraßen sind, daß man keine Dampfkraft hat, welche mit der erforderlichen Last in passendem Verhältniß steht, und daß man zu oft anhalten muß, um Steinkohlen und Wasser einzunehmen. Diese beiden Hindernisse wird unsere Maschine mit überhiztem Dampf vollständig beseitigen. Sie nimmt auch einen kleineren Raum ein als jede andere, weil nur ein sehr kleiner Kessel oder Generator erforderlich ist.

Ich muß noch bemerken, daß diese Schäzung der Brennmaterial- und Wasser-Ersparung nach dem ungünstigsten Maßstabe gemacht ist. Ich habe gezeigt, daß wenn man einen beträchtlichen Dampfdruk anwendet (200 Pfd. auf den Zoll) und den Dampf ganz überhizt, die erzeugte Kraft um das Sechzigfache vergrößert wird, |333| in Vergleichung mit derjenigen, welche eine gleiche Quantität nicht überhizter Dampf hervorbringt; und diese fast unglaubliche Wirkung erhielten wir durch ein mäßiges Feuer, welches wir geradezu an dem überhizten Theil des Cylinders anbrachten. Die Maschine ließ man seit vielen Monaten oft einige Stunden lang auf diese Art gehen, und obgleich der Cylinder aus Messing ist, so wurde er doch nie im Geringsten durch das Feuer beschädigt; auch die Kolbenliederung und die anderen Gefüge waren immer vollkommen dicht. Wenn aber auch nach längerer Zeit der Cylinder beschädigt werden sollte, so kann man denjenigen Theil desselben, welcher dem Feuer ausgesezt ist, in wenigen Stunden durch einen anderen vorräthigen ersezen. Auf diese Art läßt sich die Dampfersparung möglichst weit treiben.

Der einzige Vorwurf von Belang, welcher von den vielen Mechanikern, denen ich meine Maschine zeigte, gemacht wurde, ist dieser: daß in Folge der sehr großen Kolbenstange (welche man in der That als einen zweiten Kolben betrachten kann) die Reibung vermehrt wird. Dieß ist gewiß wahr, aber die Vortheile, welche diese Vorrichtung gewährt, sind so groß, und die Kraft der Maschine wird dadurch so sehr verstärkt, daß man sie in demselben Lichte wie Watt's Anwendung einer Luftpumpe bei der Verdichtungsmaschine betrachten muß, die zwar wegen ihrer Reibung u. f. w. einige Triebkraft erfordert, aber zugleich die Kraft der Maschine so vermehrt, daß sie im Ganzen doch eine wirkliche Verbesserung ist. Da aber der Cylinder bei meiner Maschine so klein ist, so muß seine Reibung offenbar geringer als bei einer Verdichtungsmaschine seyn.

Viele Personen behaupten mit Unrecht, daß die Anwendung von Hochdrukdampfmaschinen mit Gefahr verbunden ist; vielleicht sind sie im Ganzen sogar sicherer als andere, weil man bei der Anfertigung eines Kessels oder Generators von der größtmöglichen Stärke mit mehr Vorsicht verfährt. Bei der Maschine, welche wir verfertigten, wurde der Kessel auf mehr als 500 Pfd. auf den Quadratzoll geprüft, so daß ein Irrthum von mehr als 400 Pfd. aus den Quadratzoll vorgegangen seyn müßte, um sie unsicher zu machen, was wohl schwerlich begegnen kann: andererseits möchten wenige Kessel mit niederem Druk bei einem Druk von 25 Pfd. auf den Zoll sicher seyn, so daß ein Irrthum von 20 Pfd. bei Versperrung des Sicherheitsventils gefährlich seyn würde. Da bei der Maschine mit überhiztem Dampf der Kessel so klein ist, so ist er auch um so sicherer. Bekanntlich arbeitet Woolf's Maschine, so wie sie Hr. Hall verbessert hat, mit einem Hochdrukkessel, und doch ist man allgemein damit zufrieden. Meine Dampfmaschine mit überhiztem Dampf beruht, |334| was die Anwendung des überhizten Dampfes betrifft, auf demselben Princip, wie Woolf's Maschine, nur daß bei der lezteren der Dampf sehr schwach überhizt ist. Bei unserer Dampfmaschine ist der Dampf vollständig überhizt, und man zieht daher aus dem Princip möglichst Vortheil. Da Woolf's Maschine auch nach dem Verdichtungsprincip construirt ist, so eignet sie sich nicht für Dampfwagen, und weil sie etwas complicirt ist, so taugt sie vielleicht auch nicht ganz so gut für Dampfbothe, obgleich sie für Spinnereien u.s.w. die beste bisher bekannte Dampfmaschine ist. Meine Maschine mit überhiztem Dampf hingegen eignet sich ganz vorzüglich für jene Zweke, weil sie wenig Raum einnimmt, viel Steinkohlen und Wasser erspart und eine sehr große Kraft ausübt; auch zweifle ich fast nicht, daß sie allgemein in Gebrauch kommen wird.

Meine Dampfmaschine (welche ich surcharged steam engine nenne) hat also vor anderen zwei wichtige Vorzüge; der erste ist eine vollkommene dampfdichte Kolbenliederung. Bekanntlich glaubte der berühmte Watt, daß die Hauptursache des Dampfverlustes bei der Dampfmaschine diese ist, daß der Kolben nicht dicht genug ist, und er arbeitete auch viele Jahre vergeblich darauf hin, diesem Umstande abzuhelfen. Seitdem bemühten sich viele geschikte Mechaniker umsonst dieses Ziel zu erreichen. Der zweite Vorzug meiner Maschine ist, daß durch den verlängerten Kolben oder Stämpel das überhizte Ende des Cylinders von dem anderen Theile vollkommen abgesondert wird, so daß der Dampf in vollkommen überhiztem oder verdünntem Zustand angewandt werden kann; und da der Kolben auch mit Wasser in Berührung ist, so kann er nicht leicht beschädigt werden.

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