Titel: Bericht über Gavard's Zeichenmaschine.
Autor: Francoeur, Louis Benjamin
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXXI. (S. 345–354)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041081

LXXXI. Bericht, welchen Hr. Francoeur im Namen des Comité der mechanischen Künste über eine neue Zeichenmaschine erstattete, die Hr. Gavard, Lieutenant im Corps royal des ingénieurs-géographes, place du Marché Saint-Honoré No. 15, erfand.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Novbre. 1830. S. 470.

Mit Abbildung auf Tab. VI.

Um das Spiel dieses Apparates zu begreifen, muß man das Grundprincip einer jeden Perspective im Gedächtnisse haben. Man denkt sich zwischen dem Auge und den Gegenständen, welche man zeichnen will, ein senkrecht gestelltes Glas; führt man nun Sehstrahlen auf die Umrisse dieser Gegenstände, so gehen diese an gewissen Punkten durch das Glas. Sezt man ferner, daß diese Punkte ihren Abdruk auf dem Glase zurüklassen, so erhielte man auf diese Weise Umrisse, welche, wenn sie mit den Farben und der Beleuchtung oder Beschattung der Gegenstände versehen würden, ein vollkommen getreues Bild von denselben geben würden. Diesen eingebildeten Abdruk nenne ich den Plan des Gemähldes. Alle Maschinen, welche man bisher erfand, um Fernscheingemählde zu zeichnen, so wie das geometrische Verfahren bei dieser Kunst beruhen zulezt auf der Anwendung von geeigneten Mitteln, um auf einer horizontalen Fläche die Reihe von Abdrüken hervorzubringen, welche man sich auf der Fläche des eingebildeten senkrechten Glases denkt. Hr. Gavard bewirkt diese Umschaffung oder Uebertragung auf folgende Weise.

Man bringt auf einen ebenen Tisch eine Art von Wagen, der die Form eines T hat; den kürzeren und Querarm desselben will ich, zur |346| Erleichterung meiner Beschreibung, den Kopf nennen, während ich den Längenarm den Schweif heiße. Dieser Wagen ruht auf drei kleinen Rädern, die unter den Enden der Arme angebracht sind; da sich der Wagen nur genau nach Rechts oder nach Links bewegen darf, so sind die beiden Räderchen des Kopfes rollenförmig ausgehöhlt, damit sie längs einer Stange aus Stahl laufen können. Die Einrichtung dieser Stange und des Wagens, welcher senkrecht auf derselben steht, ahmt gleichfalls die Form des Buchstabens T nach. Diese Stange, welche die beiden vorderen Räder leitet, ist mit zwei in den Tisch eindringenden Spizen befestigt, und bleibt parallel mit dem Plane des Perspectivgemähldes; oder vielmehr man denkt sich, daß das Glas zum Entwurfe der Zeichnung senkrecht über dieser Stange angebracht ist. Der Wagen kann auf diese Weise sehr leicht auf seinen drei Rädern nach Rechts oder Links gerollt werden; auch kann man ihn an jede beliebige Stelle des Tisches bringen. In der Mitte des Kopfes des T, und an dem vorderen Ende des Schweifes erhebt sich ein senkrechter halbflacher Schaft, welchen ich den Führer nennen will, indem er wirklich dem kleinen Läufer, der längs seiner Seite steigen und fallen kann, als Führer dient. Dieser Läufer hat die Gestalt eines vierekigen, mit einer kleinen Glastafel geschlossenen, Rahmens; auf dieser Glastafel befindet sich ein schwarzer oder weißer Punkt, dem ich den Namen Signal geben will. Die Bewegung dieses Läufers längs seines Führers ist durch angebrachte Rollen sehr erleichtert; auch ist Alles so eingerichtet, daß sich der Rahmen nicht wie eine Windfahne um seine Achse drehen kann, sondern daß er bloß steigen und fallen, und dabei in der senkrechten Fläche des Führers bleiben muß. Hieraus ergibt sich, daß, wenn man den Läufer, welchen man in der Hand hält, längs seines Führers gleiten läßt oder führt, der Punkt, welcher als Signal dient, eine Senkrechte beschreibt; und daß, wenn man zu gleicher Zeit den Wagen seitwärts stieße, das Signal durch jeden beliebigen Punkt des Raumes auf dem senkrechten Plane des Gemähldes, welchen man sich über dem Kopfe des T vorstellt, gehen würde. Wenn man also das Signal durch alle Umrisse der Gegenstände gehen ließe, so würde dasselbe, wenn es Spuren von seinem Gange zurükließe, genau die Ansicht derselben beschreiben. Das Auge darf bei dieser Operation seine Stellung nicht verändern; es ist daher ein Stük schwarzes Eisenblech, welches von einem Stiele getragen wird, an dem Tische befestigt, damit der Zeichner sein Aug an das darin angebrachte Loch, welches als Ocular dient, bringen kann. Allein das Signal des Läufers läßt keine Spuren seines Ganges, und die Zeichnung, welche wir so eben geschildert haben, ist so zu sagen nur eine eingebildete; und doch ist |347| es dieses System von Figuren, doch sind es diese verschiedenen Umrisse, welche das Signal durchläuft, welche man auf dem horizontalen Tische nachahmen muß. Da es überdieß auch sehr unbequem wäre den Arm zur Bewegung des Läufers immer gestrekt zu halten, so muß die Bewegung des Signals auf eine andere Weise bewirkt werden. Längs des Schweifes des Wagens ist zu diesem Behufe ein anderer Läufer angebracht, der ein Bleistiftrohr ähnlich demjenigen an den Pantographen enthält; ein Becherchen über diesem Bleistiftrohre nimmt einige Bleikörner auf, um den Bleistift auf das Papier zu drüken, auf welches die Striche kommen. Wenn man den Finger auf einen schnellbalkenähnlichen Drüker stüzt, so wird der Bleistift leicht in die Höhe gehoben, so daß er nicht zeichnet, wenn man will, daß das Papier keine Spuren der Bewegungen desselben trage. Der Läufer des Bleistiftrohres kann mit großer Leichtigkeit von Vorn nach Rükwärts gleiten, und dadurch eine Linie parallel mit dem Schweife des T der ihm als Führer dient, beschreiben. Verbindet man nun den Gang des Bleistiftes mit jenem des Wagens, so läßt sich der Bleistift an alle Punkte des Tisches bringen, wobei er überall Spuren von seinem Gange zurüklassen wird. Ein äußerst feiner und biegsamer Metalldraht stellt durch Rollen eine Verbindung zwischen dem Bleistiftrohre und dem Rahmen des Signales her, so daß alle Bewegungen des ersteren mit der vollkommensten Treue und Genauigkeit auch dem zweiten mitgetheilt werden. Der Nahmen geht durch sein Gewicht allein herab, wenn der Draht nachgelassen ist; er steigt, wenn sich dieser spannt; dadurch werden die Bewegungen des Bleistiftes und der Hand, welche ihn führt, dem Signale mitgetheilt, so daß man diesen schwarzen Punkt nach und nach auf die Linien aller Sehstrahlen führen kann. Dieser Punkt wird durch die bloße Ortsveränderung des Bleistiftes die sichtbaren Stellen der Gegenstände in den Raum zeichnen.

Es ergibt sich hieraus, daß es, bei einiger Uebung in der Handhabung dieses Mechanismus, leicht ist, die Bleistiftröhre auf dem Zeichentische dahin zu führen wohin es nöthig ist, um das Signal zu leiten und es in dem Raume den sichtbaren Umriß der Gegenstände durchlaufen zu machen. Die Spize des Bleistiftes wird auf dem Blatt Papier eine Zeichnung dieses Umrisses zurüklassen. Um zu begreifen wie diese Züge ein getreues Bild der Zeichnung sind, welches man sich auf dem Raume des Glases, dem sogenannten Plane des Gemähldes, denkt, braucht nur bemerkt zu werden, daß jeder Punkt dieser Zeichnung durch zwei Coordinate bestimmt wird, von welchen die eine nach der Länge der Stange, die den Kopf des T bildet, die andere aber senkrecht in dem Raume berechnet wird; diese |348| beiden Coordinate sind jene des Signales in einer seiner Stellungen. Die Spize des Bleistiftes hat aber ihrer Seits auch zwei Coordinate, von welchen die eine parallel mit dem Kopfe, die andere parallel mit dem Schweife des T läuft. Hieraus erhellt, daß bei allen Bewegungen des Signales und der Spize des Bleistiftes, die gezeichneten Figuren gleich sind, indem die Coordinirten der verschiedenen Punkte ebenfalls gleich sind.

Das Ocular, welches der Sehpunkt ist, kann nach Belieben angebracht werden; es muß bloß, wenn es ein Mal bestimmt ist, auch fest an diesem Orte bleiben. Je mehr es dem Gemählde, dem senkrechten Plane auf dem Führer des Wagens, genähert wird, um so kleiner wird die Zeichnung werden; während das Bild um so größer seyn wird, je offener der Winkel ist. Mit einer großen Zeichenmaschine werden die Fernscheingemählde größer und getreuer werden. Die Verkleinerung verhalt sich zu dem zu verkleinernden Gegenstande, wie die Entfernungen des Oculars sich zum Gegenstande und zum Plane des Fernscheingemähldes verhalten. Um also einen Gegenstand um die Hälfte zu verkleinern, muß das Signal oder dessen Rahmen den Raum zwischen dem Ocular und dem Gegenstande in zwei gleiche Theile theilen. Will man denselben bis auf ein Drittel verkleinern, so muß dieser Raum in drei gleiche Theile getheilt, und das Ocular durch den ersten Theil von dem Signale getrennt werden. Dieses Instrument kann also auch dazu dienen, um die Gemählde auf jede beliebige Größe zu reduciren. Hr. Gavard behält sich's vor der Gesellschaft bald einen Pantograph vorzulegen, der nach denselben Grundsäzen verfertigt ist.

Das von Hrn. Gavard erfundene Instrument um Fernsichten zu zeichnen, ist gewiß die glüklichste unter allen bisherigen Erfindungen dieser Art. Der Apparat des Hrn. Boucher (Bulletin de la Société d'encouragement 1821 Juin S. 164) gibt zwar sehr genaue Zeichnungen; allein er liefert bloß einzelne Punkte der Fernsicht, welche man später verbinden muß, wodurch die Arbeit etwas langwierig wird. Dieß ist auch wahrscheinlich der Grund, warum dieses sinnreiche Instrument wenig Glük machte, und warum man fortfuhr der Camera obscura den Vorzug zu geben, mit welcher sich leichter arbeiten läßt. Allein die Camera obscura ist lästig zu transportiren, und gibt nur unreine und unsichere Umrisse. Das Instrument des Hrn. Gavard, welches er Diagraph nennt, ist leicht transportabel, und liefert sehr vollkommene Resultate; auch lernt man sehr schnell mit demselben zu arbeiten. Man kann damit, wie uns der Erfinder durch Versuche zeigte, Skizzen von Gemählde, Kupferstichen, Landschaften, Porträten nach der Natur etc. aufnehmen. Der |349| Preis desselben wechselt nach der Größe und Eleganz der Stüke von 100 bis 200 Francs. Hr. Gavard kann mit seinem Diagraph selbst etwas in die Perspective bringen, was er nicht wirklich sieht, wenn man ihm dazu nur den Plan und die Höhe angibt. Er braucht dazu nur den senkrechten Schaft, welcher das Signal führt, zu graduiren; denn wenn die Perspective des vorgeschlagenen Planes gemacht ist, so wird, wenn man auf die angegebene Weise verfährt, die Höhe eines jeden Punktes über seiner Scheindarstellung durch die Eintheilungen des Führers gegeben. Man sieht wohl, daß man auf diese Weise bloß die Perspective gewisser einzelner Punkte erhält, allein dieß reicht auch meistens für diejenigen hin, welche diese Arten von Perspectiven wollen. Die auf diese Weise bestimmten Punkte müssen durch Züge verbunden werden.

Durch eine Veränderung, welche Hr. Gavard an seinem Diagraph anbrachte, machte er denselben auch zur Zeichnung von Panoramen geeignet, welche, wie Jedermann weiß, nicht auf senkrechte ebene Flächen, sondern auf cylindrische Oberflächen gezeichnet werden. Der Zuschauer denkt sich zwischen sich und den Gegenständen ein kreisförmiges senkrechtes Glas, durch welches seine Sehstrahlen mit Zurüklassung ihrer Spuren gehen; alle diese Spuren zusammen bilden, wenn man das Licht und die Farben wirken läßt, die verlangte Zeichnung. Der Zuschauer, welcher in die Achse eines cylindrischen Saales versezt ist, hat die, auf die eben angegebene Weise gezeichnete, Perspective oder Fernsicht vor sich. Das Neorama des Hrn. Allaux, welches das Innere großer Monumente darstellt, hat gezeigt, bis auf welchen Grad von Vollkommenheit es die Kunst in Nachahmung der Natur bringen kann; es gelang ihr die Täuschung aufs Höchste zu bringen, so daß das Auge lange gerade Linien zu sehen glaubt, während es in der That krumme, auf eine cylindrische Fläche gezeichnete Linien sieht. Zur Verfertigung solcher Darstellungen begnügt sich Hr. Gavard nicht damit, den Wagen des Diagraphs in gerader querer Richtung zu ziehen, sondern er gibt ihm einen Kreisbogen zum Führer, der sich, wenn der Wagen von Rechts nach Links geht, von Vorwärts nach Rükwärts bewegt. Das Bleistiftrohr wird durch diese concentrische Achse an der Basis des Cylinders der Darstellung geführt, und in seinem Gange modificirt. Das Auge des Anschauers befindet sich in der Achse dieses Cylinders. Wir wollen hier jedoch nicht weiter in die Erklärung dieses Mechanismus eingehen, indem sich der Erfinder vorgenommen hat, einen Unterricht druken zu lassen, in welchem er die Principien entwikeln will, auf welchen seine Instrumente beruhen, um die Zeichner in Stand zu sezen, sich derselben mit Sicherheit zu bedienen.

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Das äußerst sinnreich erdachte Instrument des Hrn. Gavard befreit zwar nicht von der Nothwendigkeit die Lehre von der Perspective zu kennen, vorzüglich wenn es sich darum handelt Gegenstände der Architektur darzustellen, die nur im Vorschlage existiren; allein es wird selbst in diesem Falle dem Zeichner sehr behülflich seyn, und seine Operationen abkürzen.

Beschreibung des einfachen Diagraphs des Gavard.

Dieses Instrument besteht aus zwei stählernen Stäben ab, a'b', Fig. 1, welche vollkommen parallel und gerade sind, und die auf einer Seite von der einzigen Rolle c, und auf der anderen von dem Wagen d getragen werden, welcher mit zwei kleinen Rädern ee versehen ist, die sich auf einem Zapfen drehen, und sich in einer und derselben, senkrecht auf den beiden Stäben stehenden, Ebene befinden. Diese beiden Räder sind rollenartig ekig ausgehöhlt, und rollen auf einem runden Stabe aus polirtem Stahle f; sie haben folglich nur zwei Berührungspunkte mit dem Stabe, der keine Fehler haben darf und so gerad als möglich seyn muß. Dieser Stab endigt sich mit zwei kupfernen Stüken gg, welche unten mit stählernen Spizen versehen sind, damit sie nicht ausgleiten können. Sollte der Wagen für den Stab zu schwer seyn, und denselben biegen, was übrigens nur einen sehr unmerklichen Fehler in der Zeichnung bewirken würde, so kann man in gewissen Entfernungen von einander kleine Stüzen für denselben anbringen. Das Rad c ist nicht ausgerinnt und rollt frei auf dem Tische; es muß eine solche Höhe haben, daß die beiden Stäbe ab, a'b' parallel auf den Tisch gestellt werden können, auf welchem man zeichnen will. –

Längs der beiden Stäbe ab, a'b' gleitet ohne Schwierigkeit und ohne Spielraum eine Platte h, welche zu diesem Behufe an ihrem unteren Theile, wie Fig. 7 zeigt, eine vierekige Büchse i, und an dem anderen Theile ein Stük einer solchen Büchse j von derselben Größe trägt. Da die innere Breite der Büchse dem Durchmesser der Stäbe gleich ist, so wird diese Platte dieselben nur an wenigen Punkten berühren, und folglich sehr genau und ohne Schwierigkeit an ihnen gleiten. An dieser Platte ist senkrecht eine Röhre k befestiget, und durch diese Röhre geht ein Bleistiftrohr!, welches jenen Röhren, die bei den gewöhnlichen Pantographen zu demselben Zweke angewendet werden, vollkommen ähnlich ist. Ueber diesem Bleirohre, welches mittelst eines Wagbalkens oder Drükers n in die Höhe gehoben werden kann, befindet sich ein kleines Beken m zur Aufnahme der Gewichte. o ist ein Knopf, der sich nach Belieben drehen läßt und |351| der dazu dient einen Faden auf- oder abzurollen, der an dem unteren Theile p dieses Knopfes befestiget wird.

Eine Schraube q, welche sich über dem Wagen d befindet, dient dazu, die Stäbe ab, a'b' so zu befestigen, daß man die Entfernung des Wagens von dem Rade c nach Belieben größer oder kleiner machen kann.

Ueber dem Wagen d erhebt sich ein Führer (conducteur) r, Fig. 2 und 3, dessen Durchschnitt die Form T hat; er besteht aus zwei kupfernen, auf einander angeschraubten Linealen. Dieser Führer kann alle Neigungen annehmen, und durch eine Drukschraube s befestigt werden; über ihm befindet sich die Rolle t, und das kleine Gehäuse u kann leicht und ohne Spiel an der ganzen Länge desselben hin und her gleiten. Dieses Gehäuse enthält einen sehr dünnen Faden oder Draht, in dessen Mitte man mittelst eines Pinsels einen Punkt schwarz oder weiß bezeichnet hat. An diesem Gehäuse ist, nahe an dem Führer, ein Faden v befestigt, welcher, nachdem er über die Rolle t, dann über eine zweite Rolle x, die senkrecht an dem Wagen d angebracht ist, und endlich über eine dritte Rolle y, die horizontal bei dem Rade c befestigt ist, gelaufen, an den Knopf p unter der Platte h gebunden wird. Dieser Faden muß an jenem Theile, welcher den Knopf mit der Rolle y verbindet, und an jenem, der das Gehäuse an die Rollet knüpft, parallel mit den Stäben laufen. Bei den übrigen Rollen ist der Parallelismus nöthig. Man könnte statt der beiden Stäbe ab, a'b' auch ein einziges halbflaches Lineal z aus Stahl anbringen, wie man es in Fig. 3 und 4 sieht. Fig. 6 zeigt ein Ocular von Vorn und im Profil; die Schraube c' dient dazu dasselbe an dem Tische zu befestigen; es läßt sich verlängern oder neigen, damit man ihm die gehörige Stellung geben kann. Man muß, wenn man es ein Mal gestellt hat, die Schrauben c'd'e' anziehen, damit es nicht mehr in Unordnung geräth, f' ist eine ziemlich breite Platte aus geschwärztem Kupfer, auf welcher das Auge ruht, welches nicht arbeitet, damit man es nicht zu schließen braucht. Die Größe des Sehloches läßt sich nach Belieben mittelst einer Reihe anderer Löcher von verschiedener Größe, die in einem Kreisabschnitte g' angebracht sind, abändern. Man kann zur Reduction oder Verkleinerung der Gemählde statt dieses Oculares auch ein anderes nehmen, welches zu größerer Sicherheit zwei Stüzen hätte, und welches aus zwei Kreisen bestände, die dadurch, daß sie sich nach allen Richtungen bewegen ließen, ohne den Mittelpunkt des Oculars zu verrüken, gestatten würden, daß man von einem einzigen Punkte aus ein großes Gemählde, es mag der Person, |352| welche zeichnet, so nahe seyn als es will, ganz und mit großer Leichtigkeit zu übersehen.

Projectier-Diagraph. (Diagraphe projetant.)

Um einen solchen Diagraph zu erhalten, braucht man dem ersteren einfachen nur noch einen zweiten Führer h' hinzuzufügen, der übrigens dem Führer r vollkommen ähnlich ist; er wird über dem Rade c angebracht, und kann, wie der vorhergehende, unter jeder Neigung befestigt werden.

Ein Ocular i', welches, wie in Fig. 6, aus einer einfachen Platte besteht, steigt und fällt längs diesem Führer, und steht mit dem Bleistifte durch einen zweiten Faden k' in Verbindung, der über eine Rolle l', an der Spize des Führers h' läuft, dann durch eine kleine Zurükführungsrolle m' eine Rolle n' umgibt, die unter dem Führer, an der Seite des Rades c, horizontal angebracht ist, und der zulezt an einen zweiten Knopf o' angebunden wird, welcher an der Platte des Bleistiftrohres befestigt ist, und so wie der erste Knopf den Faden länger oder kürzer machen kann.

Die Linie p', welche das Ocular mit dem Visierpunkte verbindet, muß, wenn dieses Instrument vollkommen genau seyn soll, parallel mit dem stählernen Lineal z laufen. Gut ist es, wenn man einen Faden aus einer elastischen Substanz wählt, denn sonst würde der Bleistift zeichnen, ehe der Visierpunkt oder das Ocular bewegt wird. Man bedient sich aber am besten eines äußerst feinen, gut ausgeglühten Kupferdrahtes.

Schattenzeichnender Diagraph. (Diagraphe umbritrace.)

Dieser besteht aus dem einfachen Diagraph, wenn der Schatten von einem beleuchteten Punkte getragen werden soll; aus dem Projectierdiagraph hingegen, wenn der Schatten von parallelen Strahlen getragen werden soll; nur kann das Ocular hier auf die rechte oder linke Seite seines Führers gebracht werden.

Panoramazeichnen der Diagraph. (Diagraphe panoramotrace.)

Anstatt den gewöhnlichen Diagraph mit einem zweiten Führer zu vermehren, bringt man über dem Rade c ein kupfernes Stük q' an, welches an seinem Ende mit einer kleinen elfenbeinernen Scheibe besezt ist, wie man in Fig. 1 und 8 sieht. Diese kleine Scheibe kann zwischen zwei vollkommen parallelen krummen Linien s's' gleiten, und hat nur so viel Spielraum als zum Rollen nöthig ist. Diese krummen Linien werden an ihren Enden von zwei Wagen t't' getragen, die wie jene des Wagens d mit Räderchen u'u' mit einer |353| ekigen Rollenaushöhlung versehen sind. Diese krummen Linien können mittelst der Schrauben x'x', die dieselben an die Wagen befestigen, nach Belieben durch andere ersezt werden. Zwei kleine Stäbe v'v', welche dem großen ähnlich sind, werden auf dieselbe Weise senkrecht auf den ersten gestellt, und eine Röhre y', die das Ocular z' trägt, wird an die innere krumme Linie so angeschraubt, daß das Sehloch in die Mitte der beiden Wagen kommt. Das Ocular kann steigen und fallen, und auch durch eine Schraube a'' befestigt werden. Die krummen Linien sind ganz jenen des Panorama gleich, welches man zeichnen will; wenn man sich dieses Instrumentes bedient, so muß man den Wagen d dem Rade c so weit nähern, bis der Raum zwischen dem Ocular und dem Visierpunkte dem Radius des Kreises gleich ist, wenn das Panorama eine kreisförmige Krümmung hat, oder im Allgemeinen bis er der halben großen oder der kleinen Achse dieser Krümmung gleich ist. In diesem Falle ist es zwekmäßig die krumme Linie so zu nehmen, daß das Ocular, in die Mitte gestellt, die Krümmung in zwei gleiche Theile theilt.

Erklärung der Figuren.

Fig. 1. Ansicht der vereinigten Instrumente zum Zeichnen auf ebenen Flächen und zum Zeichnen von Panoramen; von Oben gesehen.

Fig. 2. Aufriß derselben Instrumente von Vorne gesehen.

Fig. 3. Aufriß des projectier- und schattenzeichnenden Diagraphes im Profile.

Fig. 4. Grundriß desselben.

Fig. 5. Wagen im Aufrisse und nach einem größeren Maßstabe.

Fig. 6. Ocular, von Vorne und von der Seite gesehen.

Fig. 7. Bleistiftrohr von Vorne und im Profile.

Fig. 8. Aufriß jenes Theiles des Instrumentes, welches mit dem Panoramazeichner verbunden wird.

Fig. 9. Schaft, welcher das Ocular des Panoramazeichners trägt.

Dieselben Buchstaben bezeichnen an allen Figuren auch dieselben Gegenstände.

aa', bb', Stählerne Stäbe des Instrumentes.

c, Rad, auf welchem ein Ende des Instrumentes rollt.

d, Wagen, der mit zwei ausgerinnten Rädern ee versehen ist.

ff, runder stählerner Stab, der senkrecht auf den Stäben aa', bb' steht.

gg, kupferne Stüke, die mit Spizen bewaffnet sind, damit das Instrument nicht ausgleiten kann.

h, Platte, welche längs der beiden Stäbe aa', bb' gleitet.

ij, vierekige Büchsen, durch welche diese Stäbe gehen.

|354|

k, Röhre, durch welche das Bleistiftrohr l geht.

m, kleines Beken über dem Bleistiftrohre zur Aufnahme von Gewichten.

n, Wagbalken zum Heben des Bleistiftrohres.

op, Knopf zum Auf- und Abrollen eines Fadens.

q, Schraube zum Befestigen der Stäbe aa', bb'.

r, Führer von der Form eines T, der aus zwei kupfernen Linealen besteht.

s, Schraube zum Befestigen des Führers.

t, Rolle an der Spize des Führers.

u, Gehäuse, welches längs des Führers gleitet, und durch welches ein sehr zarter Faden geht.

v, Faden, der über die Rollen t, x, y läuft, und an den Knopf p gebunden ist; er läßt das Gehäuse u steigen und fallen.

z, halbflaches Lineal, welches die Stäbe aa' und bb' ersezen kann.

c', Schraube, welche zum Befestigen des Oculars an dem Tische dient.

d'e' andere Schrauben zur Versicherung der Stellung des Oculars.

f', Platte des Oculars aus geschwärztem Kupfer.

g', Segment mit Löchern von verschiedener Größe.

h' Führer des Projectier-Diagraphes.

i', Ocular dieses Diagraphes.

k', Faden, der über die Rollen l', m' und n' läuft und sich an den Knopf o' befestigt; er bewegt das Ocular i'.

p', Linie, welche das Ocular i', mit dem Visierpunkte u verbindet.

q', Stük aus Kupfer, welches den gewöhnlichen Diagraph mit dem panoramazeichnenden Diagraph verbindet.

r', elfenbeinerne Scheibe, dir zwischen den beiden parallelen krummen Linien s's' gleitet.

t't', Wagen des Panoramazeichners mit zwei ausgerinnten Rädern u'u', die auf den Stäben v'v' rollen.

x'x'. Schraube, mit welcher man andere krumme Linien auf den Wagen t, t, befestigt.

y', Röhre, die das Ocular z' des Panoramazeichners, das durch die Schraube a'' befestigt wird, trägt.

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