Titel: Bastenaire-Daudenart, über die Bereitung einiger Farben etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXXV. (S. 365–373)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041085

LXXXV. Ueber die Bereitung einiger Farben, um auf Glas, Email, Fayence, Metalle und Porzellan zu mahlen; von Hrn. Bastenaire-Daudenart.

Aus dem Dictionnaire technologique Bd. XVI. S. 494.

Ueber das Roth. Das Roth ist eine Grundfarbe, d.h. sie kann nicht durch die Mischung van anderen Farben hervorgebracht werden. Es gibt viele Verfahrungsarten, wodurch man sich eine rothe Farbe verschaffen kann: Einige bereiten sie durch Glühen des schwefelsauren Eisens, Andere durch Oxydation des metallischen Eisens bei starker Hize in Berührung mir Luft. Folgendes Verfahren liefert aber das schönste Roth: Man verschafft sich eine gewisse Quantität des besten und feinsten Stahls; die alten Klingen von englischen Rasirmessern eignen sich sehr gut zu diesem Zwek. Man kann zwar mit französischem Stahl und selbst Eisen, wenn sie rein sind, ebenfalls sehr genügende Resultate erhalten, da ich mich aber oft dieser Klingen bedient habe, so empfehle ich sie vorzugsweise. Man zerstößt den Stahl in kleine Stüke und bringt sie in einen Kolben, welcher verdünnte Schwefelsäure enthält. Die Auflösung kann in der Kälte gemacht werden, erfolgt aber schneller und besser mittelst der Wärme. Sobald sie bewirkt ist, gießt man sie in eine Porzellanschale, dampft |366| sie auf dem Sandbade bis zu einer gewissen Stärke ein und bringt sodann die Schale an einen kühlen Ort, wo sich Krystalle von schwefelsaurem Eisen bilden. Von diesen gießt man die Mutterlauge ab und läßt sie dann auf einem Papier gut abtropfen.

Um das schwefelsaure Salz gut zu reinigen, löst man es in ungefähr seinem dreifachen Gewichte destillirten Wassers auf, filtrirt es durch weißes Papier und dampft es zum zweiten Male ab; es bilden sich dann schöne schmaragdgrüne und sehr klare Krystalle. Nachdem sie gut abgetropft und troken sind, bewahrt man sie in einer Flasche mit weiter Oeffnung auf, die man luftdicht verschließt.

Um die rothe Farbe zu bereiten, nimmt man einen Gewichtstheil von diesem schwefelsauren Salze und den vierten Theil Alaun und zerstößt beide gröblich, um sie besser vermengen zu können; andererseits macht man ein Holzkohlenfeuer in dem Calcinirofen, legt, wenn die Kohlen glühen, eine kleine Platte von dünnem Eisenblech darauf und auf diese Platte das Pulver der beiden Salze. Sie schmelzen bald in ihrem Krystallwasser, werden hierauf weiß und endlich roth: alsdann muß man sehr darauf achten, daß die Hize nicht zu stark und folglich diese rothe Farbe dunkel wird. Endlich, wenn man bemerkt, daß die rothe Farbe überall gleichförmig ist, nimmt man das Eisenblech von den glühenden Kohlen, worauf es liegt und läßt das Gemenge erkalten. Man bemerkt deutlich, daß die rothe Farbe immer schöner wird, je mehr es sich abkühlt. Da aber in der calcinirten Masse immer einige Theile ein angenehmeres Roth darstellen, so trifft man eine Auswahl darunter, legt alle ausgewählten Stüke auf ein Glas, tränkt sie mit destillirtem Wasser und reibt sie mit dem gläsernen Läufer so lange, bis Alles in ein sehr feines Pulver verwandelt ist. Hierauf nimmt man die Farbe mit dem Messer (der Palette) weg, bringt sie in einen Pokal von Porzellan und übergießt sie darin öfters mit heißem Wasser, welches man jedes Mal abgießt, nachdem sich das Pulver ganz zu Boden gesezt hat; man troknet sodann den Rükstand bei gelinder Wärme.

Daß ich Einen Theil schwefelsaures Eisen mit einem Viertel schwefelsaurer Alaunerde verseze, geschieht nicht deßwegen weil das Roth dadurch schöner und intensiver wird, denn die Alaunerde macht im Gegentheil durch ihre weiße Farbe das Roth matter; sondern weil diese Farbe außerordentlich flüchtig ist und die Alaunerde als eine sehr feuerbeständige Substanz das Roth haltbarer macht; je mehr Alaunerde man anwendet, desto beständiger ist die rothe Farbe, aber auch um so weniger intensiv; deßwegen muß man sich in dieser Hinsicht innerhalb der gehörigen Gränzen halten.

Die alkalischen Flußmittel verbinden sich nicht gut mit der rothen |367| Farbe, viel besser die metallischen. Diese Farbe ist eine von denjenigen, welche man am leichtesten mit dem Pinsel auftragen kann; auch kann man sie mit einer sehr großen Menge Flußmittel Versezen, ohne daß sie deßwegen schwieriger auf Glas, Email oder Porzellan aufzutragen wäre.

Ueber die Fleischfarbe. Diese Farbe bereitet man ebenfalls mit schwefelsaurem Eisen, anstatt es aber wie bei dem Roth mit dem vierten Theil seines Gewichts Alaun zu vermengen, nimmt man von lezterem zwei oder drei und sogar vier Theile; da die Alaunerde eine weiße Farbe hat, so muß das Roth um Vieles blässer werden, wodurch man die Fleischfarbe erhält; übrigens versteht es sich von selbst, daß man diese Farbe mit einer großen Menge Flußmittel Versezen muß, weil die Alaunerde eine sehr feuerbeständige (schwer schmelzbare) Substanz ist.

Ueber das Grün. Man kann diese Farbe entweder mit Kupfer oder mit Chrom hervorbringen. Mittelst Kupfer erhält man sie auf folgende Art. Mall nimmt das feinste Rosettenkupfer, das man sich verschaffen kann, walzt es sehr dünn und schneidet es in kleine Stüke, welche man in ihrem drei- bis vierfachen Gewicht verdünnter Salpetersäure auflöst. Das Metall darf nur allmählich in die Säure geworfen werden, damit das Aufbrausen nicht zu heftig wird und die Säure nicht plözlich allen Sauerstoff verlieren kann. Sobald die Einwirkung aufgehört hat, sezt man wieder Metall zu und fährt auf diese Art fort, bis sie ganz gesättigt ist; man stellt sodann einen Tiegel in einen Reverberirofen (wie man sie gewöhnlich in den Laboratorien hat), erhizt denselben durch einige glühende Kohlen und füllt ungefähr den vierten Theil seines Hohlraums mit Kupferauflösung an. Die Flüssigkeit kocht bald und steigt bis an den oberen Theil des Tiegels. Wenn man befürchten muß, daß sie über den Tiegel steigt, bläst man mit einem Blasebalg mitten in dieselbe, wodurch sie sogleich bis auf den Boden fällt.

Wenn die Flüssigkeit, welche man zuerst in den Tiegel goß, ganz verdunstet ist, bringt man neuerdings etwas Kupferauflösung hinein und sezt diese Operation so lange fort, bis alle Auflösung verdampft ist, worauf der Tiegel zugedekt und bis zum Rothglühen erhizt wird; diese Hize läßt man eine Viertelstunde lang anhalten, nimmt den Tiegel sodann aus dem Ofen und läßt ihn erkälten. Nachdem er so weit erkaltet ist, daß man ihn anfassen kann, nimmt man mit einem eisernen Messer, dessen Spize zugerundet seyn muß, alles Kupferoxyd heraus, welches, wenn das Feuer nicht zu stark war, ein sehr schönes schwarzes und außerordentlich seines Pulver darstellt; war hingegen das Feuer zu stark, so erhält das Oxyd eine graue |368| Farbe und hängt sich so fest an den Tiegel an, daß man oft Mühe hat, es davon zu trennen. Um diesen nachtheiligen Umstand zu vermeiden, muß man nur ein mäßiges Feuer geben.

Potasche und Soda schlagen das Kupfer aus seiner Auflösung in Salpetersame mit bläulichgrüner Farbe nieder. Durch Glühen wird der Niederschlag schwarz. Dieses Verfahren kann man ebenfalls anwenden; ich will aber im Vorbeigehen bemerken, daß das erstere mir immer gelang.

Das Kupferoxyd liefert eine sehr schöne grüne Farbe, wenn es mit den Flußmitteln verglast ist; sie ist aber etwas schwierig mit dem Pinsel aufzutragen. Indessen ist diese Farbe unentbehrlich und liefert eigenthümliche Nüancen, welche man durch Chromoxyd nicht darstellen kann.

Um das Chromgrün darzustellen, verfährt man folgender Maßen: Chromeisenstein wird in einem Mörser gepulvert und das Pulver durch ein sehr feines Sieb geschlagen, hierauf mit ungefähr seinem gleichen Gewicht Salpeter, welcher ebenfalls gepulvert ist, innig vermengt. Mit diesem Gemenge füllt man einen hessischen Tiegel zu drei Viertel an, bedekt ihn und erhizt ihn in einem Reverberirofen. Ich muß bemerken, daß das Feuer nur allmählich verstärkt werden darf. Sobald die Masse rothglühend wird, geräth sie durch die Zersezung des salpetersauren Kalis in lebhafte Bewegung und die Gasblasen entweichen zwischen dem Dekel und dem oberen Rande des Tiegels. In dem Tiegel bleibt viel chromsaures Kali, Alaunerde, Kieselerde und Eisenoxyd zurük. Die Operation muß eine halbe oder drei Viertelstunden bei anhaltendem Feuer dauern: hierauf nimmt man den Tiegel aus dem Ofen, läßt ihn erkalten, zerschlägt ihn, pulvert den Inhalt, kocht das Pulver mit seinem vier- bis fünffachen Gewicht Wasser in einem kupfernen Kessel eine Viertelstunde lang und gießt dann die goldgelbe Flüssigkeit von dem Saze ab. Die Flüssigkeit wird hierauf durch Papier filtrirt, der Rükstand aber neuerdings mit Wasser ausgekocht, man filtrirt wie das erste Mal und sezt diese Operation so lange fort, bis das Wasser fast nicht mehr gelb gefärbt ist.

Andererseits löst man in Salpetersäure eine gewisse Quantität Queksilber auf, und gießt die Auflösung in das chromsaure Kali. Es entsteht sogleich ein rother Niederschlag, welcher nach der Reinheit der beiden Auflösungen mehr oder weniger lebhaft ist; die über demselben stehende Flüssigkeit, welche klar und farblos seyn muß, gießt man sodann ab. Der rothe Niederschlag, welcher das chromsaure Queksilber ist, wird ausgesüßt. Um daraus das Chromoxyd zu erhalten, bringt man ihn troken oder feucht in einen Tiegel und erhizt ihn so, |369| daß nach einer Viertelstunde alles Queksilber verflüchtigt ist, wo sodann das Chromoxyd als ein leichtes, sehr feines und schön dunkelgrünes Pulver zurükbleibt. Will man das Queksilber nicht verlieren, so kann man das Glühen des Niederschlags in einer Retorte mit Vorlage vornehmen.

Man kann das Chromoxyd auch direct durch Glühen von chromsaurem Kali, welches mit seinem doppelten Gewicht Schwefelblumen gemengt ist, erhalten. Bei dieser Operation bildet sich Schwefelkalium und schweflichsaures Kali, welche man in heißem Wasser auflöst, wobei das Chromoxyd zurükbleibt.109)

Dieses Chromoxyd ist sehr feuerbeständig und wird bei der größten Hize des Porzellanofens nicht verflüchtigt. Man kann seine grüne Farbe durch Zusaz von etwas Blau oder Gelb beliebig abändern. Diese Farben brauchen vor der Anwendung selten verglast zu werden, daher man sie außerordentlich leicht mit dem Pinsel auftragen kann.

Ueber die gelbe Farbe. Diese Farbe ist ebenfalls eine Grundfarbe; man erhält sie mit mehreren Metallen, wie Antimon, Blei, Zinn und selbst Silber. Das Antimonoxyd, womit man verschiedene gelbe Nüancen darstellen kann, bereitet man folgender Maßen.

Metallisches Antimon wird sehr fein gepulvert und gesiebt, worauf man einen Theil davon innig mit anderthalb Theilen gepulverten Salpeters vermengt; man stellt einen Tiegel von gutem Thon in einen stark ziehenden Ofen und wirft das Gemenge portionenweise hinein. So oft eine Portion in den Tiegel kommt, geräth die Masse in sehr lebhafte Bewegung, und es zeigt sich eine glänzende Flamme, welche man ganz erlöschen läßt, ehe man eine neue Portion von dem Gemenge zusezt. Auf diese Art fährt man fort, bis der Tiegel ganz voll ist, worauf man ihn zudekt und eine gute Viertelstunde lang ein starkes Feuer gibt. Man nimmt den Tiegel sodann aus dem Ofen, zerschlägt ihn und trennt davon die schwere Masse, welche an ihm hängt; sie wird gepulvert, mit Wasser auf Glas gerieben, dann das Ganze in einen porzellanenen Pokal gebracht und öfters heißes Wasser aufgegossen. Das überschüssige Kali löst sich auf und das weiße Antimonoxyd bleibt zurük. Dieß ist was man ausgesüßtes Antimonium diaphoreticum nennt.

Um eine feuerbeständige gelbe Farbe zu erhalten, versezt man sehr genau Einen Theil von diesem Antimonoxyd mit Einem bis zwei Theilen rothem Bleioxyd oder Mennige und erhizt sie in einem Tiegel bei mäßigem, aber drei Stunden anhaltenden Feuer. Der Tiegel wird sodann aus dem Ofen genommen und zerschlagen; er enthält eine sehr satte gelbe Farbe.

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Man kann auf diese Weise ein mehr oder weniger dunkles Gelb erhalten; je mehr Bleioxyd man anwendet, desto blasser wird die Farbe. Man macht auch ein sehr schönes Gelb, indem man Einen Theil weißes Antimonoxyd mit anderthalb Theilen Bleiweiß und Einem Theil Salmiak vermengt. Diese Substanzen werden gepulvert, gesiebt und auf einem Scherben im Calcinirofen sehr stark erhizt, um den Salmiak zu zersezen und zu verflüchtigen. Die Operation ist beendigt, wenn sich durchaus kein Rauch mehr zeigt; die Masse, welche dann eine gelbe Farbe haben muß, nimmt man hierauf ans dem Ofen, läßt sie erkalten und süßt sie mit vielem Wasser aus.

Ein anderes Gelb erhält man mit zwei Theilen weißem Zinnoxyd, ein Theil Mennige, ein Theil Alaun und einem halben Theil salzsaurem Silber (Hornsilber).

Ueber das Weiß. Obgleich das Miß keine eigentliche Farbe ist und dieselbe bei der Glas-, Email- und Porzellanmahlerei nicht häufig angewandt wird, weil diese Substanzen schon an und für sich weiß sind, so braucht man diese Farbe doch manchmal wo das Weiß besonders hervorstechen muß. Mit weißem Email kann man sehr gut einen Glanz hervorbringen, da es aber so zu sagen bloß aus Kieselerde besteht, so ist es sehr schwer mit dem Pinsel anzuwenden. Diejenigen welche sich mit der Bereitung von Farben beschäftigten, mußten daher ihr Augenmerk auf andere Substanzen richten, um das weiße Email zu ersezen. Hrn. von Montancy gelang es nach vielen Versuchen ein nicht verglastes Weiß, welches sich zu diesem Zwek eignet, hervorzubringen. Ich habe sein Verfahren wiederholt und es auf so verschiedene Art ausgeführt, daß ich es, wenn nicht vereinfacht, doch gewiß viel sicherer gemacht habe; es besteht in Folgendem:

Man muß sich das feinste Zinn (Banca oder Malacca Zinn) verschaffen, es sehr dünn walzen, und dann in kleine Stüke schneiden, welche man in einen Kolben bringt, der verdünnte Salpetersäure enthält. Sobald das Zinn in die Säure kommt, braust dieselbe stark auf, wobei sich die Masse erhizt; man erhält dadurch sehr weißes Zinnoxyd. Diese Operation sezt man so lange fort, bis sich eine hinreichende Menge Oxyd gebildet hat, worauf man es öfters mit siedendem Wasser durch Decantiren aussüßt und zulezt auf weißem Papier abtropfen läßt. Wenn dieser Niederschlag troken ist, vermengt man ihn mit ungefähr seinem gleichen Gewichte krystallisirten und ganz weißem salzsauren Natron (Kochsalz), pulvert das Gemenge außerordentlich fein und schlägt es durch ein Seidensieb, damit es innig gemischt wird; hierauf bringt man es in einen neuen hessischen oder noch besser in einen Platintiegel, welchen man drei Stunden lang glüht, aber die beiden ersten Stunden gelinde, damit die Masse vollkommen |371| calcinirt wird. Dann nimmt man den Tiegel aus dem Ofen und läßt ihn erkalten. Sobald man ihn anfassen kann, zerschlägt man ihn und trennt die Masse, welche er enthält, möglichst sorgfältig los, damit keine kleinen Theilchen von der Erde des Tiegels unter sie kommen.

Diese Masse wird neuerdings pulverisirt und muß alsdann glänzend weiß seyn, wenn die Operation gut geleitet wurde. Das Pulver reibt man mit Wasser auf Glas, bis es wie ein Rahm ist; man süßt es dann in einem großen Topf von Porzellan öfters mit heißem Wasser aus, filtrirt und troknet es bei gelinder Wärme. Bisweilen wird diese Substanz erst bei den lezten Manipulationen ganz weiß.

Eine solche Farbe ist in der Glasmahlerei sehr wichtig und besonders beim Mahlen auf Email und Porzellan nüzlich. In der That müssen fast alle Farben, womit man diese Körper bemahlt, sehr oft in ihrer Intensität geschwächt werden. Die ungemischten Farben haben ohne Zweifel einen großen Glanz, aber die Halbfarben heben denselben heraus. Trägt man eine Farbe schwach und sehr verdünnt auf, so wird sie blaß und spielt die Halbfarbe; sie verliert aber alsdann beträchtlich an Glanz durch das wenige Flußmittel, welches ihr beigemengt ist; wird sie hingegen mit einer anderen Farbe gemengt, welche ihre zu große Lebhaftigkeit schwächt und ihr doch den eigenthümlichen Charakter ertheilt, der sie schäzbar macht, so erlangt man in diesem Falle einen großen Vortheil. Wollte man das Gegentheil hievon behaupten, so würde man damit sagen, daß das Roth, so leicht aufgetragen, daß es gleichsam nur noch ein Hauch ist, eine Fleischfarbe wird; dieß würde man aber, wenn die Erfahrung gelehrt hätte, daß die Sache möglich ist, gewiß ausgeführt haben. Die Plans lehrt im Gegentheil, daß dieß nicht Statt finden kann, well wir, wie bereits bemerkt wurde, zur Nachahmung der Fleischfarbe bloß rothes Eisenoxyd, mit Alaunerde gemengt, anwenden, welche leztere durch ihre weiße Farbe die Intensität des Roth schwächt; dieselbe Eigenschaft besizt aber das weiße Zinnoxyd im höchsten Grade, man mag es mit irgend einer Glasfarbe vermischen.

Ueber das Schwarz. Auf den ersten Blik scheint es sehr leicht zu seyn ein gutes Schwarz hervorzubringen; es zeigen sich hiebei aber zwei große Schwierigkeiten: die Farbe troknet gewöhnlich zu schnell in dem Pinsel und ist nicht intensiv genug. Waltet nämlich das Flußmittel zu sehr vor, so finden beide Uebelstände zugleich Statt, vermindert man hingegen die Menge des Flußmittels oder, was dasselbe ist, vermehrt man die Menge des Oxyds, so erhält man nur eine matte, |372| glanzlose Farbe. Man muß hiebei die richtige Mitte treffen, was sehr schwierig ist.

Drei Metalloxyde bilden zusammen das Schwarz: nämlich Mangan-, Kupfer- und Kobaltoxyd. Diese drei Oxide enthalten zusammen die Elemente der drei Grundfarben und man sollte daher glauben, daß ein Gemenge von Blau, Roth und Gelb ein sehr schönes Schwarz liefern würde. Dessen ungeachtet hat das Schwarz, welches man aus diesem Gemenge erhält, nicht ganz die gewünschte Farbe, sey es daß man nicht genau die erforderlichen respectiven Quantitäten trifft oder daß die Oxide nur selten gänzlich auf der gehörigen Oxydationsstufe sind. Rothwendiger Weise müssen diese beiden Umstande einen großen Einfluß auf das Resultat haben, denn wie bereits bemerkt wurde, finden sich die drei Grundfarben in den genannten Oxiden; dieß geht ans Folgendem hervor.

Das Blau, welches man aus Kobalt erhält, ist (für den Mahler) offenbar eine Grundfarbe, da man sie aus keiner anderen zusammensezen kann; wenn man sie aber mit anderen Grundfarben vermischt, so kann man die mannigfaltigsten Farben hervorbringen, welche alle unter die zusammengesezten gehören. Das Manganoxyd, welches ein mehr oder weniger intensives Violett entwikelt, besteht selbst nur aus Blau und Roth, zwei Grundfarben. Das Kupferoxyd, welches die Flußmittel immer grün färbt, wenn es allein angewandt und nicht zu stark erhizt wird, kann man auch aus Blau und Gelb zusammengesezt betrachten. Man ersieht hieraus, daß alle Grundfarben zusammen das Schwarz bilden; will man aber direct diese drei Farben verbinden, so erhält man nicht die gewünschten Resultate. Was ist die Ursache dieser Eigenthümlichkeit? Da diese Frage nicht in das Gebiet der Technologie gehört, so enthalte ich mich davon eine Erklärung zu geben.

Nachdem wir nun die Bereitung des Eisen-, Kupfer-, Chromoxyds u.s.w. mitgetheilt haben, wollen wir auch noch angeben, wie man sich das Manganoxyd verschafft. Man nimmt käuflichen Braunstein, dessen Farbe oft in das Violette sticht; der beste ist derjenige, welcher sehr schwarz ist. Das Mineral wird gepulvert und das Pulver so lange calcinirt, bis es die Eigenschaft hat die Finger beim Reiben stark schwarz zu färben: alsdann kann man annehmen, daß die Molekule des Oxyds hinreichend getrennt sind, um die Wirkungen, welche man davon erwartet, hervorzubringen. Man wird bemerken, daß dieses Pulver benächtlich an Gewicht verloren hat, indem die flüchtigen Körper, welche die Theile unter einander verbinden, während des Calcinirens verflogen. Sollte das Manganpulver beim Glühen zusammengebaken seyn, so pulvert man es neuerdings, siebt es durch ein Seidensieb und bewahrt es in Glasflaschen auf.

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Das Schwarz erhält man durch Vermengen von 1 Theil Manganoxyd, 1 Theil Kobaltoxyd und 1 Theil Kupferoxyd. Sollte es etwas in Grün stechen, so müßte man weniger Kupferoxyd anwenden und wenn es in Blau sticht, weniger Kobaltoxyd.

Ueber die Schattenfarbe. Die Schattenfarbe sezt man eben so zusammen wie das Schwarz: der Unterschied besteht bloß darin, daß man weniger Flußmittel anwendet, weil sie dazu bestimmt ist, die Rippen und alles was ein wenig scharf bezeichnet auf den Blättern der Bäume und Blumen ist, vorzustellen, und die Striche daher in einander fließen würden, wenn das Flußmittel zu sehr vorwaltete. Diese Farbe wird gewöhnlich nur über und unter dem Grün angewandt; man sezt sie aus 1 Theil Manganoxyd, einem halben Theil Kobaltoxyd und 1 Theil Kupferoxyd zusammen.

Ueber das Braun. Man hat sieben bis acht und noch mehr braune Farben, bei denen das Eisen der Färbestoff ist; sie unterscheiden sich nur durch die größere oder geringere Intensität; so daß die dunkelste fast schwarz ist.

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Dieses Verfahren ist im polytechn. Journal Bd. XXX. S. 315. aus für jährlicher beschrieben. A. d. R.

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