Titel: Programm der von der Société d'encouragement ausgeschriebenen Preise.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XCVII. (S. 449–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/ar041097

XCVII.  Programm

der von der Société d'encouragement pour l'Industrie nationale in der General-Sizung vom 29. December 1830 für die Jahre 1831, 32, 33 und 35 ausgeschriebenen Preise.118)

Preise für das Jahr 1831.

Mechanische Künste.

1) Zwei Preise, jeder zu 12,000 Franken für Mittel zur Sicherstellung gegen die Explosionen der Dampfmaschinen und Dampfkessel.

Das große Unheil, welches das Zerplazen von Dampfmaschinen und Dampfkesseln gewöhnlich mit sich bringt, veranlaßte verschiedene Erfindungen um demselben vorzubeugen. Schon Papin brachte zu diesem Behufe die Sicherheitsklappen an, welche später, mit verschiedenen Abänderungen, allgemein angenommen wurden, und die mit Recht für eines der vorzüglichsten Mittel zur Verhütung von dergleichen Unglüksfällen gehalten werden, wenn sie zwekmäßig eingerichtet sind. Die französische Regierung befahl, nach eingeholtem Gutachten der Akademie, nicht bloß die Einführung der Sicherheitsklappen an den Hochdruk-Dampfmaschinen und an den Dampfmaschinen aller Art auf Dampfbothen, sondern sie befahl auch, die Kessel, Siedröhren etc. vorher zu probiren, und an den Kesseln zwei Metallscheiben aus einem leicht schmelzbaren Metalle anzubringen. (Hierüber, so wie über einige andere Anordnungen zur Bezwekung größerer Sicherheit vergl. die Ordonnanz vom 25. Mai 1828 im Polytechn. Journ. Bd. XXXII. S. 260.)

Ungeachtet des guten Erfolges dieser Vorkehrungen begnügte man sich nicht hiermit; man erfand die sogenannten Sicherheitsröhren und |450| die Explosionsplatten oder Kugeln, welche entweder statt der Sicherheitsklappen, oder zugleich mit diesen angewendet werden sollten. – Alle diese verschiedenen Vorrichtungen haben jedoch die Eigenschaft mit einander gemein, daß sie dem Dampfe einen Ausgang gestatten, wenn er einen bestimmten Grad von Spannung erreicht hat; so daß sie jeder Explosion vorbeugen, welche durch ein langsames und allmähliches Zunehmen der Spannung des Dampfes im Kessel hervorgebracht werden könnte. Entwikelt sich aber plözlich, mit Blizesschnelle, an irgend einem Theile des Apparates eine große Menge Dampf, so werden sie alle unnüz seyn, und der Kessel wird zerplazen, als würde er mit Pulver gesprengt. Man erzählt auch wirklich mehrere Fälle, in welchen sich das Zerplazen des Dampfkessels bloß aus einer ähnlichen Ursache erklären läßt, indem alle Apparate und der Gang der Maschine unmittelbar vor dem Zerplazen in vollkommener Ordnung waren. Man kann annehmen, daß in diesen Fällen das Wasser plözlich auf einige Theile des Kessels geschleudert wurde, die zufällig auf einen hohen Grad erhizt waren, wodurch plözlich eine wahre Detonation des Dampfes entstand. Diese größere Erhizung und selbst das Rothglühen einzelner Stellen kann erfolgen, wenn sich ein Bodensaz oder eine Incrustation in dem Kessel bildet, oder wenn die Wasserfläche unter die Circulationskanäle der Flamme sinkt. Löst sich in einem solchen Falle die Incrustation von selbst oder durch die Bewegung des Dampfbothes los, oder bringt die Speiseröhre plözlich Wasser in einen Kessel, in welchem die Wasserfläche längere Zeit gesunken war, oder hat der Druk des Dampfes im Kessel sich stark vermindert, so erfolgt ein heftiges, tumultuarisches Aufsieden, das Wasser kommt mit den glühend gewordenen Stellen in Berührung, und der Kessel zerspringt. Einige Schriftsteller glaubten auch, auf die Versuche Klaproths und Perkins's gestüzt, daß sich, durch eine gewisse Erhöhung der Temperatur der Wände des Kessels oder der Siedröhren, zwischen diesen Wänden und dem Wasser, welches sie einschließen, eine Dampfatmosphäre bilden könne, und daß, durch eine später erfolgende Verminderung der Temperatur, die plözlich wieder hergestellte Berührung der Wassermasse mit den stark erhizten Wänden einen Dampf erzeugen könnte, der häufig und stark genug wäre, um den Apparat zu zersprengen. Endlich kann auch noch eine Detonation von gekohlstofftem Wasserstoffgase, welche in den, im Inneren der Kessel befindlichen, Feuerherden Statt hat, eine Berstung veranlassen. Diese verschiedenen Fälle werden zwar selten vorkommen, allein es ist genug, daß sie Statt finden können.

Um Unglüksfällen vorzubeugen, ist daher zu bemerken: 1) daß das Feuer immer mit größter Regelmäßigkeit geleitet werden muß, |451| daß man dasselbe nicht durch Ueberladung des Rostes mit Steinkohlen erstiken, und nie das Register des Rauchfanges ganz schließen darf. 2) daß man die verschiedenen Vorsichtsmaßregeln zur Vermeidung, Zerstörung und Entfernung des Bodensazes und der Incrustationen durchaus nicht vernachlässigen darf. 3) daß es durchaus nothwendig ist, die größte und unausgesezte Sorgfalt darauf zu verwenden, daß die Speisung immer den Verbrauch an Dampf und jeden Verlust an Wasser compensire, und daß die Wasserfläche im Kessel immer über den Kanälen für die Flamme stehe. 4) daß es zur sicherern Erreichung dieses Zwekes sehr nüzlich ist, die Speiseröhre und die Speisepumpe gehörig einzurichten, und dieselbe auch mit einem Schwimmer oder irgend einer anderen Vorrichtung zu versehen, damit obige Wirkung auch ohne das Zuthun des Führers der Maschine erreicht werde. 5) daß es für den Fall, in welchem, ungeachtet aller angewendeten Maßregeln, aus einem unvorhergesehenen Grunde, die Oberfläche des Wassers im Kessel gesunken wäre, sehr vortheilhaft ist, eine Art von Orgelpfeife an dem Kessel anzubringen, durch welche der Dampf einen Laut hervorbringt, wenn das Wasser unter ein bestimmtes Niveau gesunken ist, so daß der eingeschlafene, oder zufällig abwesende Führer oder Wächter der Maschine aufmerksam gemacht wird. 6) daß man, um zu verhindern, daß die Wände des Kessels aus irgend einem Grunde einen zu großen Hizgrad erreichen, etwas unter der Wasserfläche, und selbst an verschiedenen Tiefen unter dieser Fläche, Scheiben oder Pfröpfe aus einem Metallgemische anbringen soll, das bei einer Temperatur schmilzt, welche die gewöhnliche Temperatur dieser Wände auch nur um einige Grade übersteigt; auf diese Weise würde nämlich durch das erfolgende Ausströmen des Gases und des Wassers jeder weitere Unfall verhindert werden. 7) endlich, daß man sich, wenn man es nicht verhindern konnte, daß der Kessel Wassermangel litt, und an einigen Stellen rothglühend wurde, wohl hütet, den Dampf schnell abzukühlen, oder ihm durch eine Entladungsklappe oder Hahn Ausgang zu verschaffen, sondern daß man vorher das Feuer auslöschen muß, ehe man das Wasser und den Dampf ausleert. Verbindet man mit diesen Vorsichtsmaßregeln die Anwendung der verschiedenen Instrumente und Apparate, welche in jedem Augenblike zeigen, wie hoch das Wasser im Kessel steht (wie die Proberöhren, die Glasröhre, der Schwimmer etc.); wie groß die Spannung und Temperatur des Dampfes ist (wie die Manometer, Barometer, Thermometer etc. am Kessel, am Cylinder und Verdichter); wie groß die Schnelligkeit der Maschine ist (wie die Zähler, Tachometer etc.); so wie ferner den Gebrauch der Vorrichtungen zur unwandelbaren Regulirung des Feuers (wie des Regulators |452| mit Luft, es mag einer à main oder à flotteur seyn etc.); zur Regulirung des Spieles des Kolbens oder Stämpels (wie des kegelförmigen Pendels, der Pumpe etc.); zur Verhinderung der Beschädigung des Kessels, wenn der innere Druk schwächer würde, als jener der atmosphärischen Luft (wie der Luftklappe), und zur Anzeige mittelst eines Schlagwerkes oder eines anderen Mittels, daß der Druk des Dampfes, dessen Temperatur oder die Schnelligkeit der Bewegung die bestimmten Gränzen überschreiten; und übt man endlich beständig in jeder Hinsicht die größte Wachsamkeit aus, so wird man den Hauptbedingungen zur Vermeidung von Unglüksfällen entsprochen haben.

Die Société d'encouragement hat (obschon sie von der Wirksamkeit der bisher angewendeten oder vorgeschlagenen Mittel gegen die Explosionen der Dampfmaschinen überzeugt ist), in Betracht, daß diese Mittel sowohl in Hinsicht auf Verfertigung, als Unterhaltung und Ausbesserung der dazu erforderlichen Instrumente und Apparate verschiedene Verbesserungen zulassen; und in Betracht, daß es sehr zu wünschen wäre, daß ein Dampfkessel ausgedacht würde, dessen Einrichtung so getroffen wäre, daß er ohne alle Gefahr bersten könne, beschlossen, zwei Preise auszuschreiben, und zwar „den einen für denjenigen, welcher die bisher in Anwendung oder in Vorschlag gebrachten Versicherungsmittel gegen das Bersten der Dampfmaschinen und Dampfkessel verbessern und vervollständigen, oder statt derselben bessere angeben wird; den zweiten hingegen für denjenigen, der eine Form oder eine Einrichtung ausfindig macht, durch welche jeder Gefahr einer Berstung vorgebeugt, oder jede Gefahr beim Bersten aufgehoben würde.“

Jeder dieser Preise wird aus 12,000 Franken bestehen, und wird in der allgemeinen Sizung des zweiten Semesters des Jahres 1831 jedem Franzosen oder Ausländer zuerkannt werden, der desselben würdig befunden wurde, und der folgende Bedingungen erfüllte: 1) Die Mittel, welche von den Preisbewerbern vorgeschlagen werden, müssen einfach, leicht anwendbar, wenig kostspielig, und auf alle Dampfmaschinen von irgend einem Druke, so wie auf alle Dampfkessel anwendbar seyn. 2) Diese Mittel müssen durch eine ununterbrochene, 6 monatliche Erfahrung an einer Hochdruk-Dampfmaschine von der Kraft von wenigstens 10 Pferden oder an einem Dampfkessel mit hohem Druke bewährt seyn, welcher wenigstens eine solche Quantität Dampf liefert, als für eine Maschine von der angegebenen Kraft nöthig ist. 3) Die Wirksamkeit dieser Mittel und die Dauer der Probe müssen durch authentische Zeugnisse beurkundet werden, welche die HHrn. Präfecten eingeladen werden, auf die Berichte der Straßen- und Brüken-Ingenieure oder der Berg-Ingenieure hin, auszustellen. 4) |453| Die Preisbewerber entsagen der Befugniß ein Patent auf ihre Erfindung zu nehmen, und überlassen dieselbe der Société d'encouragement, welche sich vorbehält sie bekannt zu machen. 5) Die Abhandlungen, Zeichnungen oder Modelle, Berichte und Zeugnisse müssen vor dem 1. Jul. 1831 eingesendet werden.

2) Preis von 1000 Franken für eine Handmühle zum Schälen der Hülsenfrüchte.

(Genau wie im Polytechnischen Journale, Bd. VII. S. 108. Die Concurrenten müssen bis zum 1. Jul. 1831 ein arbeitendes Modell ihrer Erfindung oder eine Zeichnung derselben nach dem Maßstabe, nebst den Zeugnissen der Ortsbehörden darüber, daß die Mühle mit gutem Erfolge angewendet wurde, und die verlangten Resultate gab, eingesendet werden.)

Chemische Künste.

3) Preis von 3000 Franken für die Fabrikation eines Papieres, welches alle Eigenschaften des besten chinesischen Papieres besizt, das zum Abziehen von Kupferstichen und Steindruk angewendet wird.

Hierüber vergleiche man Polytechnisches Journal, Bd. VII. S. 244, wo das Wesentlichste vorkommt. Das Programm gibt hier eine vollständige Uebersezung des japanesischen Verfahrens, welches Kämpfer in seinen Amoenitatibus exoticis mit seiner gewohnten Genauigkeit beschreibt. Wir liefern dieselbe unten, da des trefflichen Kämpfer's Werk nicht bekannt genug ist. Das Programm bemerkt ferner, daß es nicht die leichte Färbung ist, wegen welcher die Kupferstecher das chinesische Papier so schäzen, sondern daß sie dasselbe lieber ebenso weiß, wie das europäische, hätten; der große Vorzug des chinesischen Papieres liegt in seinem seidenartigen Aussehen, und in seiner äußerst feinen und schwammigen Masse, welche die Schwärze gieriger aufnimmt, als unser Papier. Es ist daher wohl zu bemerken, daß die Rinde des Papier-Maulbeerbaumes (Brous sonetia papyrifera) einer jener Faserstoffe ist, die am meisten von jener klebrigen Substanz enthalten, welche die Papiere aus grünem Zeuge für Kupferstiche untauglich machen. Die Preisbewerber müssen daher diesen Ueberschuß der klebrigen Substanz durch eine lange und gutgeleitete Maceration zerstören, und dürfen ihr Papier nicht pressen. – Obschon die Rinde des Papier-Maulbeerbaumes das geeignetste Material zur Nachahmung des chinesischen Papieres ist, indem sie von den Chinesen selbst dazu verwendet wird, so dürfen doch die Preisbewerber jedes in- oder ausländische Material anwenden, nur muß dasselbe leicht zu erhalten seyn, und bestimmt angegeben |454| werden. Kurz, woraus das Papier immer bestehen mag, so wird die Aufgabe erfüllt seyn, wenn das Papier alle Eigenschaften des besten chinesischen Papieres besizt, und nicht zu theuer ist. – Ein großer Nachtheil des chinesischen Papieres ist, daß es wegen seiner Dünne auf ein anderes Blatt Papier aufgeleimt werden muß, wodurch Insecten angelokt werden, und wodurch das Reinigen eines solchen Kupferstiches in der Zukunft sehr schwierig wird; deßwegen wäre es gut, wenn das von den Preisbewerbern eingesendete Papier wenigstens zum Theil die Dike unseres Kupferstich-Papieres hätte.

Der Preis von 3000 Franken wird in der zweiten allgemeinen Sizung des Jahres 1831 zuerkannt werden. Die Gesellschaft verlangt von den Preisbewerbern nur Einen Riß im Format Jésus; allein sie verlangt von ihnen auch wenigstens 50 Bogen von der Dike des Papieres, wie es zu Abdrüken von Kupferstichen angewendet wird. Die Papiere müssen vor dem 1. Jul. 1831 eingesendet werden.)

Kämpfer gibt in seinen Amoenitatibus exoticis folgende sehr ausführliche Beschreibung der Art und Weise, auf welche die Japaneser ihr Papier bereiten. „Man schneidet im December, wenn die Blätter abgefallen sind, die Jahrestriebe, besonders die stärkeren, ab, und bildet daraus Bündel von beiläufig 3 Fuß, welche in Wasser, das mit Asche gemischt wurde, gekocht werden. (Sollten die Bündel vor dem Kochen getroknet worden seyn, so müßte man sie vor demselben 24 Stunden lang in gewöhnlichem Wasser einweichen.) Zu diesem Behufe bindet man dieselben fest zusammen, und stellt sie aufrecht in einen Kessel, worin man sie so lang läßt, bis die Rinde in Folge ihres Zusammenziehens, einen halben Zoll des Holzes unbedekt läßt. Dann werden sie herausgenommen, und nach dem Abkühlen gespalten, um die Rinde herabzunehmen. Hierauf schabt man das Oberhäutchen und den Splint, welcher den Bast bedekt, ab, entfernt sogleich die Rinde, welche sich in der Nähe der Knoten befindet und beseitigt alle anderen schlechten oder schadhaften Theile; Alles dieß wird mit der Rinde, die schon über ein Jahr alt ist, bei Seite gelegt, und dient zur Verfertigung einer mittelmäßigen Sorte Papier.“

„Das beste und weißeste Papier wird aus der diken Rinde, welche während eines Jahres wuchs, bereitet; während die dünne Rinde, welche die jungen Sprößlinge119) bedekt, nur schwärzliches und schlechtes Papier gibt.“

„Sind die Zubereitungen beendigt, so läßt man die Rinde in einer alkalischen, klaren und filtrirten Lauge kochen, wobei man beständig |455| mit einem Stabe umrührt und von Zeit zu Zeit Lauge zusezt, um das Aufsieden zu mäßigen und das zu ersezen, was durch die Verdampfung verloren ging. Dieses Kochen wird so lang fortgesezt, bis die Substanz so erweicht ist, daß sie nur mehr einen faserigen Teig zwischen den Fingern bildet.“

Nun beschreibt der gute alte Kämpfer, wie die Asche hierzu ausgelaugt wird, und fährt dann folgender Maßen fort: „Das Auswaschen der Rinde, welches nun folgt, ist nicht ohne Einfluß und Folgen auf die Fabrikation des Papieres; denn geschieht es zu schnell, so wird das Papier wohl stark, aber grob und von geringem Werthe seyn; wird es hingegen zu lang fortgesezt, so wird das Papier wohl sehr weiß, allein zum Fließen geneigt, und daher zum Schreiben untauglich werden:120) es ist daher sowohl das eine, als das andere dieser beiden Extreme sorgfältig zu vermeiden. Die Rinde wird in einer Wanne in fließendes Wasser gebracht, und darin mit den Händen und den Armen beständig umgerührt, bis sie ganz in weiche und dünne Fasern aufgelöst ist. Um feines Papier zu verfertigen, wiederholt man das Auswaschen, und bedient sich dabei eines Tuches statt einer Wanne, um die dünnen Fasern während des Umrührens zurükzuhalten und am Entweichen zu hindern. Die gröberen Fasern, welche beim ersten Aussuchen übersehen worden, werden hierbei beseitigt.“

„Nun bringt man die Substanz auf einen ebenen und diken, hölzernen Tisch, wo sie von 2 bis 3 Arbeitern mit Stäben aus hartem Holze so lang geschlagen wird, bis sie den Grad von Feinheit erhalten, welchen man wünscht; sie wird dadurch in der That gekautem Papiere ähnlich, und fähig, sich wie Mehl im Wasser zu vertheilen. Diese Art von Brei gibt man in eine kleine Wanne, und sezt ihm dikes Reißwasser und den klebrigen Aufguß der Orenj-Wurzel121) zu; diese drei Substanzen werden nun mit einem sehr zwekmäßigen Stabe so lang umgerührt, bis sie eine ganz gleichförmige Masse von der gehörigen Consistenz bilden. Die Mischung erfolgt in einem kleinen Kübel besser; später wird sie aber in Kufen gegossen, die jenen unserer Papierfabriken ähnlich sind, nur daß sie keinen Ofen haben. Aus diesen Kufen wird ein Bogen nach dem anderen mit einer Form gehoben, die aus dünnen Bambus-Blättchen, statt aus Messingdrähten gemacht ist.“

„Von der Form werden die Bogen auf einen Tisch, der mit zwei Matten bedekt ist, gelegt und aufgeschichtet; die untere Matte ist gröber; die obere hingegen besteht aus feineren und weiter von einander |456| entfernten Fasern, so daß sie das Wasser leicht durchläßt. Zwischen jedes Blatt wird überdieß eine kleine Bambus-Platte gelegt, welche an den Rändern vorsteht, und die zum Aufheben der Blätter dient, wenn die Zeit dazu gekommen ist. Auf die Stöße Papier werden dünne Platten gelegt, auf die man Anfangs nur leichte Gewichte bringt, damit durch einen stärkeren Druk die noch feuchten Blätter nicht fest an einander kleben. Nach und nach wird jedoch der Druk verstärkt, um das überschüssige Wasser auszupressen. Den Tag darauf hebt man die Blätter mittelst der kleinen eingelegten Bambus-Platte ab, und leimt sie dann mit der flachen Hand auf langen, ebenen Brettern, an denen sie wegen des geringen Grades von Feuchtigkeit, den sie noch besizen, leicht ankleben.122) In diesem Zustande werden dieselben der Sonne ausgesezt, und wenn sie troken sind, beschnitten und in die Form gebracht, in welchen sie im Handel vorkommen.“

„Das Reißwasser ist zur Papierfabrikation durchaus nothwendig. Die gummiartige Substanz, welche in demselben enthalten ist, gibt nämlich dem Papiere Consistenz; überdieß erhält es durch dieses Wasser auch die Weiße, die es auszeichnet. Reißmehl würde nicht dieselben Dienste leisten, weil es diesen gummiartigen Bestandtheil nicht enthält.123) Zur Bereitung dieses Reißwassers bringt man den vorher befeuchteten Reiß in einen nicht überfirnißten, irdenen Topf, rührt ihn gegen die Wände des Gefäßes, gibt ihn dann in ein Tuch, und zieht den gummiartigen Bestandtheil aus, indem man kaltes Wasser darauf gießt. Dieses Verfahren wird so oft wiederholt, bis kein Extractivstoff mehr im Reiß enthalten ist. Der japanesische Reiß ist besser als jeder andere asiatische Reiß, indem er eine größere Quantität von dem leimenden Bestandtheile enthält.“

Der Aufguß der Orenj-Wurzel wird auf folgende Weise bereitet: man schneidet die Wurzel in kleine Stüke, die man in reines Wasser bringt, worin man sie über Nacht liegen läßt; das dadurch schleimig gewordene Wasser wird durch ein Tuch geseiht.

„Die Eigenschaften dieses Aufgusses, sagt Kämpfer, sind nach den Jahreszeiten verschieden. Im Sommer ist er, wegen der Hize, flüssiger, weßwegen man dann eine größere Menge davon nimmt, als im Winter. Im Allgemeinen gilt: daß wenn man zu viel davon nimmt, |457| das Papier dadurch zu dünn wird; während im Gegentheile, wenn man zu wenig nimmt, der schlecht vertheilte Zeug ein wolkiges und ungleiches Papier gibt. Eine gute proportionirte Menge dieses Aufgusses bewirkt vorzüglich, daß der Zeug sich gleichmäßig auf der Form absezt. Uebrigens ist es immer Zeit dem Mangel oder dem Ueberschusse an Orenj-Schleim abzuhelfen.“ (Man vergl. unten S. 464 den Preis auf Reinigung der Rinden.)

4) Drei Preise, jeden zu 3000 Franken für Verbesserungen an dem Baue der Oefen.

(Genau wie im Polytechnischen Journale Bd. XIX. S. 205. Die Abhandlungen und Tabellen mußten bis zum 1. Jul. 1831 eingesendet werden.)

5) Preis von 3000 Franken für Errichtung einer Fabrik im Großen zur Erzeugung von feuerfesten Schmelztiegeln.

(Das Programm ist genau dasselbe, wie jenes im Polytechnischen Journale Bd. VII. S. 494; nur hat die Gesellschaft sehr weise den Preis von 2000 Fr. auf 3000 erhöht. Die Muster und Abhandlungen mußten bis zum 1. Jul. 1831 eingesendet werden.)

6) Preis von 2400 Franken für Entdekung eines Verfahrens, mittelst welchem man die Vermischung des Getreide-Mehles mit Sazmehl erkennen kann.

Die Vermischung des Getreide-Mehles mir dem Sazmehle aus Erdäpfeln oder verschiedenen Hülsenfrüchten vermindert das Erträgniß an Brod und die nährenden Eigenschaften desselben. Wenn auch das Mikroskop immer ein Mittel an die Hand gibt, um die Gegenwart dieser fremden Körper zu erkennen, so ist doch der hohe Preis dieses Instrumentes, und die Uebung, welche der Gebrauch desselben erfordert, ein großes Hinderniß für die tägliche Anwendung dieses Mittels. Es ist daher sehr nothwendig, daß ein Mittel ausfindig gemacht werde, durch welches der Bäker in Stand gesezt wird, selbst, und in allen Fällen diese Verfälschung zu erkennen. Ehedem, wo man das Sazmehl bloß durch einfaches Beuteln mit dem Mehle vermischte, konnte man dasselbe leicht mit freiem Auge oder mit Beihülfe einer schwachen Lupe erkennen; seit man aber das Sazmehl mit der Grüze unter die Mühlsteine bringt, wird es so zerbrochen und von Mehl eingehüllt, daß man es nicht mehr auf diese Weise zu erkennen im Stande ist.

Die Anwalte der Bäkerinnung zu Paris lieferten, in der Absicht dem Handel Mittel an die Hand zu geben, durch welche sich ein, für ihre Interessen so nachtheiliger, Betrug entdeken ließe, die Fonds |458| zu einem Preise, dessen Programm sie die Société d'encouragement zu redigiren baten. Dieser Preis von 2400 Franken wird demjenigen zuerkannt werden, der ein einfaches, leichtes und schnelles, von allen Bäkern anwendbares, und kein besonderes Studium erforderndes Mittel angibt, durch welches sich die Vermischung des Mehles mit Erdäpfel-Stärkmehl erkennen, und das Verhältniß, in welchem dieselbe Statt fand, beiläufig oder wenigstens innerhalb weiter Gränzen bestimmen läßt, damit der Bäker nicht in Irrthum über den Werth des Mehles geführt werden könne. Da man sich jedoch nicht des Stärkmehles allein zur Verfälschung des Mehles bedient, sondern da man auch Bohnen-, Erbsen-, Feldbohnen-Mehl etc. und Stärke aus Getreide dazu verwendet, so müssen die Preisbewerber auch die Mittel zur Erkennung der Verfälschung mit diesen Substanzen angeben, indem alle bisher angewendeten Entdekungsmittel keine hinlänglich einfachen und genauen Charaktere abgeben. Die von Hrn. Rodriguez (Polytechn. Journ., erstes Januarheft 1831 S. 89) bekannt gemachten Verfahrungsarten zur Entdekung der verschiedenen Sazmehlarten im Mehle, sind nicht für Bäker anwendbar. Die approximative Bestimmung der Menge der fremden Substanz im Mehle wird ebenfalls von der Gesellschaft berüksichtigt werden, ohne daß jedoch diese Bedingung durchaus nothwendig wäre.

Die Preisbewerber müssen, wenn es nöthig seyn sollte, die besonderen Mittel angeben, welche die verschiedenen Arten Mehl, die auf den Getreidemarkt von Paris kommen, erfordern; kurz sie müssen den Bäker selbst in Stand sezen, daß er sich gleich beim Kaufe mit Gewißheit von der Natur irgend eines Mehles versichern kann. Der Preis wird in der öffentlichen Sizung des zweiten Semesters des Jahres 1831 zuerkannt werden.)

Oekonomische Künste.

7) Preis von 1500 Franken und von 4000 Franken für Errichtung von Runkelrübenzuker-Fabriken mit landwirthschaftlichen Benuzungen.

(Die schnelle Vermehrung der Runkelrübenzuker-Fabriken, welche in den lezten Jahren besonders im nördlichen Frankreich Statt fand, deuten an, daß dieser Fabrikationszweig bald eine bedeutende Ansdehnung erhalten, und daß Frankreich einst selbst die Menge Zukers erzeugen wird, die es bedarf. Bis jezt entstanden jedoch nur große Fabriken, die vorzüglich die Nachtheile einer Wirthschaft haben, die vieler Menschenhände bedarf, denen die Schwierigkeiten, welche daraus entspringen, daß die Zeit der Ernte mit jener der Aussaat zusammenfällt, und vorzüglich die Schwierigkeiten der Aufspeicherung |459| und guten Aufbewahrung mehrerer Millionen Kilogramme Runkelrüben große Hindernisse machen. Bei einer sehr großen Fabrik ist es sehr schwer eine gehörige Koppelwirthschaft einzurichten, und die Rükstände der Fabrikation so vortheilhaft als möglich zu benuzen. Selten besizt eine solche Anstalt einen so großen Viehstand, als er zur Verzehrung des rückständigen Markes nöthig ist, so daß dasselbe um einen niedrigen Preis weggegeben werden, oder ganz zu Grunde gehen muß. Alle diese Nachtheile verschwinden bei kleineren Anstalten oder bei solchen großen Fabriken, welche durch Vereinigung vieler Oekonomen in einem kleinen Bezirke gegründet werden. Dadurch wird die Cultur verbessert, die Ernte und Aufbewahrung in vieler Hinsicht erleichtert, und die Verwendung der Rükstände zur Viehmastung ohne Verschleuderung möglich gemacht werden. Der Viehstand Frankreichs wird sich durch den Runkelrübenbau, welcher für den ganzen Winter, und selbst für den ersten Theil des Frühjahres Futter abwirft, bedeutend vermehren können, und durch die Vermehrung des Düngers als Folge davon wird sich wieder eine Verbesserung der Cultur des Bodens ergeben.

Die Runkelrübenzuker-Fabrikation ist heute zu Tage so einfach geworden, daß sie wohl in die Hände einfacher Oekonomen gelegt werden darf. Die Ausgaben, welche sie erfordert, möchten zwar für kleine Besizer zu groß seyn; allein jeder etwas Begüterte wird sie bestreiten können, wenn er sich auf das durchaus Nöthige, und auf einfache und leicht anwendbare Verfahrungsweisen, die keine zu kostspieligen Apparate erfordern, beschränkt. Arbeitet ein solcher Güterbesizer jährlich nur mit 75 bis 100,000 Kilogrammen Runkelrüben, so kann er dadurch sein Einkommen bedeutend erhöhen; er kann, wenn er seine Arbeit gut dirigirt, Handarbeit und eine Menge Ausgaben ersparen, welche in großen Fabriken mit baarem Gelde bestritten werden müssen. Ebenso vortheilhaft oder noch vortheilhafter wäre es, wenn sich mehrere solche Eigenthümer zur Errichtung einer gemeinschaftlichen, gleichsam bannherrlichen, Fabrik vereinigen möchten, in welcher täglich die Bearbeitung der Runkelrüben geschähe, welche jeder Eigenthümer bringt. Das Reiben, Pressen, die Anwendung der chemischen Reagentien, die Eindikung des Saftes etc. könnte um einen Preis geschehen, über welchen man sich verständigt hätte; jeder Eigenthümer bliebe für die Qualität seiner Runkelrüben verantwortlich, und die Quantität Zuker, die man erhält, würde für jeden einzeln berechnet. Nur das Mark würde täglich an die Eigenthümer im Verhältnisse zu der Menge Runkelrüben vertheilt, welche sie sich nach der Ernte der Anstalt zu liefern anheischig machen.

Aehnliche, gemeinschaftliche Fabriken findet man in der Schweiz |460| und in der Franche-Comté zur Käsefabrikation; in neuerer Zeit vermehren sich sogar diese Anstalten in der alten Franche-Comté bedeutend, ein Beweis, daß jeder Eigenthümer seinen Vortheil dabei findet. In diesen Gegenständen nun ließen sich auch am ersten gemeinschaftliche Runkelrübenzuker-Fabriken einführen, indem die Bewohner schon mit den Einrichtungen solcher Communal-Fabriken bekannt sind, und indem ihnen diese Fabrikation im Winter hinlängliche Nahrung für ihr Vieh gewährte; so daß sie auch im Winter die Käsefabrikation fortsezen könnten, und nie gezwungen wären, im Winter ihr Vieh zu verkaufen (wie dieß aus Mangel an Futter der Fall ist), um es im Frühjahre theuer zu kaufen.

Die Société d'encouragement sezt, in der Ueberzeugung der Vortheile, welche die Vermehrung der Runkelrübenzuker-Fabriken für Frankreich bringen würde, folgende zwei Preise aus, die in der zweiten allgemeinen Sizung des Jahres 1831 werden zuerkannt werden:

Einen Preis von 1500 Franken für denjenigen, welcher diese Fabrikation mit einer Landwirthschaft verbindet, und dieselbe so gut als möglich mit dieser lezteren in Einklang bringt, und zwar, sowohl in Hinsicht auf Wechsel- oder Koppel-Wirthschaft, als in Hinsicht auf Vermehrung des Viehstandes und des Düngers. Um den Preis zu erlangen muß der Bewerber eine Unternehmung gegründet haben, welche anderen derlei Fabriken als Muster dienen könnte, und welche Ersparniß bei der Anschaffung des Materiales der Fabrik, und Einsicht in der Wahl der Instrumente und des Verfahrens beurkundet. Er muß in einer Abhandlung alle Berechnungen liefern, welche die Vortheile beweisen, die er aus der Zukerfabrikation, als Nebensache seiner Oekonomie, welche immer die Hauptsache bleiben muß, zog. Er muß wenigstens mit 100,000 Kilogr. Runkelrüben gearbeitet, und wenigstens 5000 Kilogr. Rohzuker erzeugt haben.

Der zweite Preis von 4000 Franken wird jener Gesellschaft von Landwirthen zuerkannt werden, die wenigstens aus 15 bis 20 Mitgliedern besteht, und die sich dazu verbanden eine Runkelrübenzuker-Fabrik zu gründen, deren Hauptzwek wäre, daß jeder einzelne dadurch die Cultur seines Bodens verbesserte, indem er durch dieselbe in Stand gesezt würde seinen Viehstand zu vermehren. Die Société verlangt, daß das Material der Anstalt auf Kosten der Gesellschaft angeschafft werde; daß in derselben jede zur Fabrikation des Zukers erforderliche Arbeit geschehe, und daß täglich das Mark, welches zur Nahrung des Viehes bestimmt ist, vertheilt werde. Die Cultur, das Aufbewahren und das Zuführen der Runkelrüben zur |461| Fabrik kann von den einzelnen Mitgliedern geschehen. Die Société fordert ferner, daß die Anstalt wenigstens 25,000 Kilogrammen Rohzuker erzeugt habe. Die Gesellschaft muß ihre Existenz durch amtliche Zeugnisse beurkunden, und jedem beliebigen Abgeordneten der Société d'encouragement jene Aufschlüsse geben, die erforderlich sind, um sie zu überzeugen, daß die von ihr verlangten Bedingungen getreulich erfüllt sind.

8) Preis von 5000 Franken auf Austroknung des Fleisches.

(Bis auf Veränderung des Datums genau wie im Polytechnischen Journale Bd. VII. S. 247. Vergl. auch Bd. XIII. S. 123.)

Preise, die für das Jahr 1831 verschoben wurden.

Mechanische Künste.

9) Preis von 6000 Franken auf Verbesserung der durch Wasser getriebenen Sägemühlen.

(Das Programm ist beinahe wörtlich, wie jenes, welches wir im Polytechnischen Journale Bd. XXI. S. 82 gaben; nur ist der Preis auf 6000 Franken erhöht. Wird die Aufgabe nicht gelöst, so wird der Preis auch dieß Mal in zwei, jeden zu 3000 Fr. getheilt, und für die a. a. O. angegebenen Verbesserungen zuerkannt.)

10) Preis von 3000 Franken für Fabrikation von Nähnadeln.

(Das Programm enthält in Bezug auf Fabrikation nichts Wesentliches, was nicht schon im Polytechnischen Journale Bd. VII. S. 95 angegeben wäre. Die Bedingung, daß die Fabrik jährlich wenigstens Waaren im Werthe von 10,000 Franken in den Handel bringen muß, ist beibehalten. Auch gesteht die Gesellschaft ein, daß Frankreich noch immer bei Weitem nicht seinen eigenen Bedarf an Nähnadeln verfertigt.)

Chemische Künste.

11) Sechs Preise für Vervollkommnung des Steindrukes.

(Die früher von der Gesellschaft ausgesezten Preise (vergl. polytechn. Journ. Bd. XXIII. S. 274) haben bereits sehr große Fortschritte in dem Steindruke bewirkt; allein noch immer bleibt Vieles zu wünschen übrig. Die Gesellschaft schreibt daher zur Förderung dieser Kunst neuerdings folgende Preise aus:

1) Einen Preis von 600 Franken für ein Recept zur Verfertigung |462| der besten lithographischen Kreide. (Wie polytechn. Journ. Bd. XXIII. S. 281.)

2) Einen Preis von 800 Franken für denjenigen, der genau das Verfahren zur Bereitung einer lithographischen Tinte, die besser ist, als die bisherige, beschrieben und Muster von derselben eingesendet haben wird. (Wie polytechn. Journ. a. a. O. S. 281.)

3) Einen Preis von 600 Franken für denjenigen, der das beste Recept zur Bereitung des Firnisses zur Schwärze für die Tinte, wie für die Kreide geben wird. (Wie polyt. Journ. a. a. O. S. 281.)

4) Einen Preis von 500 Franken für Verfertigung einer Walze, die besser ist als die bisherigen, und bei welcher die Naht oder die Vereinigung der Enden, wenn eine vorhanden ist, keinen Einfluß auf das Auftragen der Schwärze hat. (Wie polyt. Journ. a. a. O. S. 282.)

5) Einen Preis von 1500 Franken für irgend ein Mittel um die Schwärze auf die Steine aufzutragen, welches von der Walze verschieden, von den Nachtheilen derselben frei ist, und welches so wenig als möglich von der Geschiklichkeit des Drukers abhängt, so daß man, wie beim Abziehen der Kupferstiche, immer gleiche Abdrüke erhält.

6) Einen Preis von 2000 Franken für Verbindung der Buchdrukerkunst mit dem Steindruke für Landkarten. Die Versuche, welche Graf Lasteyrie hierüber anstellte, gaben sehr glükliche Resultate, und die von Didot in Drukerlettern ausgeführte Karte von Frankreich beweist, daß diese beiden Künste auf eine sehr vortheilhafte Weise zusammenwirken, und dadurch Landkarten liefern könnten, welche weit wohlfeiler wären, als die in Kupfer gestochenen. Die Gesellschaft fordert von den Preisbewerbern, daß die ihr vorgelegten Karten, bei gleicher Größe und Arbeit, wenigstens um die Hälfte wohlfeiler seyen, als die gewöhnlichen Landkarten.

Alle Mittheilungen der Preisbewerber mußten vor dem 1. Jul. 1831 eintreffen. Die Gesellschaft wird überdieß alle Erfindungen und Verbesserungen an dem Steindruke, die ihr vorgelegt werden sollten, würdigen, und den Entdekern Belohnungen zuerkennen, die mit der Wichtigkeit ihrer Erfindungen im Verhältnisse stehen.)

12) Preis von 2000 Franken für den Steindruk mit Farben.

(Vor 26 Jahren war die Abziehung der Kupferstiche mit Farben noch so weit zurük, daß die Abdrüke in Kunstwerth kaum höher standen, als die gewöhnlichen Spielkarten. Seither machte diese Kunst aber Fortschritte, welche, wenn man die kostbaren Pflanzengemählde Redouté's und einige Platten der Description de l'Egypte betrachtet, zu wahrer Bewunderung hinreißen. Ist es nicht möglich, fragt |463| die Société d'encouragement, dieselben Resultate auf eine wohlfeilere Art mit dem Steindruke zu erhalten? Die raschen Fortschritte dieses Lezteren lassen dieß erwarten. In der Absicht die Erreichung dieses Zwekes zu beschleunigen, sezte die Gesellschaft einen Preis von 2000 Franken für denjenigen aus, der ein sicheres und wohlfeiles Verfahren entdekt, um den Steindruk mit Farben zu bewerkstelligen, und der dasselbe mit solchem Erfolg anwendete, daß er 1) wenigstens 1000 Abdrüke von jedem Gegenstande, entweder vollendet, oder (in Fällen, in welchen man einen hohen Grad von Vollendung erfordert), in einem so weit vorgerükten Zustande, daß die Colorirung mit geringen Kosten vollkommen beendigt werden kann, zu liefern im Stande ist; und daß er 2) weniger kostspielige, und doch eben so gute, Resultate liefert, als man mit dem Kupferstiche erhält. Die Gesellschaft macht es nicht zur Bedingung, daß nur ein Stein hiezu angewendet werden dürfe. Sie verlangt eine genaue Beschreibung des Verfahrens, die Berechnung der Kosten, und Proben mehrerer verschiedener Tafeln, aus denen sich ein vergleichsweises Urtheil ziehen läßt. Die Abhandlungen und Proben mußten vor dem 1. Jul. 1831 eingesendet werden.

13) Preis von 2000 Franken für Verfertigung von Fischleim.

(Ganz wie das Programm im polytechn. Journale Bd. VII. S. 105, mit den Bd. XXIII. S. 270 angeführten Zusäzen; nur ist der Schluß so gestellt: Nach welchem Verfahren und aus welchen Substanzen der Preisbewerber immer seinen Leim bereitet haben mag, so wird er doch den Preis erhalten, wenn sein, der Gesellschaft vorgelegtes, Resultat im Stande ist, bei der Klärung des Bieres die Hausenblase zu ersezen, wenn das Kilogramm davon nicht über 10 Franken kostet, und wenn man sich eine hinreichende Menge davon im Handel verschaffen kann. Hieraus ergibt sich, daß die Franzosen es in der Kunst Bier zu brauen, noch immer nicht weiter gebracht haben, als bis zur Klärung ihres Gewäsches mit Hausenblase.)

14) Preis von 2400 Franken für eine andere Belegung der Spiegel, als die bisher bekannten.

(Genau wie im polytechn. Journ. Bd. VII. S. 100.)

15) Preis von 1500 Franken für Verbesserung der in der Kupferstechkunst angewendeten Materialien.

(Ganz wie im polytechn. Journ. Bd. VII. S. 116.)

16) Preis von 3000 Franken für Entdekung eines Metalles oder einer Legirung, welche sich nicht so leicht wie Stahl und Eisen oxydirt, und zu Werkzeugen, |464| durch welche weiche Nahrungsmittel zerkleinert werden sollen, anwendbar ist.

(Wie im polytechn. Journ. Bd. VII. S. 122.)

17) Preis von 1200 Franken für Reinigung der Rinden, aus welchen Papier bereitet wird.

(Aus dem, bei der Bereitung des chinesischen Papieres angeführten, japanesischen, von Kämpfer beschriebenen Verfahren, um das Oberhäutchen und den Splint der Rinde des Papiermaulbeerbaumes von dem Baste zu trennen, welcher allein zur Papierfabrikation geeignet ist, erhellt nur zu deutlich, wie langsam und mühselig diese Arbeit ist. Die Gesellschaft ist überzeugt, daß man auf eine viel schnellere und wohlfeilere Weise zu demselben Resultate gelangen wird, und sezt daher einen Preis von 1200 Franken für denjenigen aus, der ein besseres Verfahren als das Kämpfer'sche auffindet, um den Bast von dem Oberhäutchen und dem Splinte zu trennen. Das Oberhäutchen ist es vorzüglich, welches entfernt werden muß; denn der Splint kann beim Bleichen und Stampfen verschwinden, während die geringste Menge des Oberhäutchens, welche zurükbliebe, das Papier verderben würde. Vielleicht ließe sich das Rösten mit Vortheil benuzen, da es auch bei der Lindenrinde, aus welcher Strike verfertigt werden, und von den Bewohnern der Südsee zur Entfernung des Oberhäutchens der Maulbeerbaumrinde mit Vortheil angewendet wird. Das neu aufzufindende Verfahren muß nicht bloß für die Rinde des Papiermaulbeerbaumes, sondern für jede andere Art von Rinde, die sich zur Papierfabrikation eignet, taugen. Die Abhandlungen und Resultate mußten vor dem 1. Jul. 1831 eingesandt werden.)

Oekonomische Künste.

18) Preis von 2000 Franken für Aufbewahrung des Eises.

Das Programm enthält dieselben sechs Bedingungen, die im polytechn. Journale Bd. XVI. S. 101 angegeben sind; nur ist der Preis, welcher für ein Kilogramm Eis zugestanden wird, von 2 Centimen auf 5 erhöht; auch wird es bei der vierten Bedingung nicht durchaus gefordert, daß man Gefäße mit Nahrungsmitteln, die man aufbewahren will, in den Apparat bringen könne. Die früher von der Gesellschaft gegebenen Rathschläge sind dieß Mal weggelassen, ohne daß andere dafür gegeben wurden.)

Akerbau.

19) Preis von 600 Franken für eine Vorrichtung zum Reinigen des Heidekornes.

(Wie im polytechn. Journ. Bd. VII. S. 127).

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20) Zwei Preise, einer zu 2000, der andere zu 1000 Franken für Einführung und Cultur von Pflanzen in Frankreich, welche für den Akerbau, die Künste und Manufacturen nüzlich sind.

(Wie im polytechn. Journ. Bd. VII. S. 242. Enthält gar keine Details, aus welchen etwas neues Wissenswerthes hervorgeht.)

(Die Fortsezung folgt.)

Im Programm sind die Preisaufgaben mit mehr oder weniger ausgedehnten, oft bloß historischen, Abhandlungen über die Gegenstände, für welche Preise ausgeschrieben sind, begleitet; wir begnügen uns aus denselben das Interessantere und weniger Bekannte auszuziehen, um unsere Leser nicht zu ermüden. A. d. Ue.

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Ohne Zweifel ist dieß die Rinde der Herbsttriebe, welche zu reich an Splint ist. Anm. d. Progr.

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Zu bemerken ist, daß dieß für Kupferstiche gerade das beste Papier wäre. Anm. d. Progr.

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Der Orenj ist eine Pflanze aus der Familie der Malvaceae, statt dessen man die Wurzel der Pappelrose (Althaea rosea) anwenden könnte. A. d. Pr.

|456|

In einer Sammlung chinesischer Gemählde, auf welchen die Fabrikation des Bambus-Papieres dargestellt ist, sieht man, daß das Leimen mit Hülfe einer Bürste geschieht, wie es unsere Ankündigungen-Ankleber auch machen. Im Winter wird das Papier auf glatten, und durch einen Ofen erwärmten Mauern geleimt. A. d. Progr.

|456|

Sollte der gummiartige Bestandtheil bloß in der Oberfläche des Reißes enthalten seyn? Jod zeigt, daß Stärkmehl im chinesischen Papiere enthalten ist. A. d. Progr.

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