Titel: Menge der nach d'Arcet's Methode in Einem Jahre in Paris bereiteten Knochengallerte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XVI./Miszelle 11 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041016_11

Menge der nach d'Arcet's Methode in Einem Jahre in Paris bereiteten Knochengallerte.

Hr. d'Arcet gibt im Bulletin de la Société d'encouragement 1830, Novbr. S. 383. einen Bericht über die Erzeugung und Anwendung der Knochengallerte zu Paris vom 9. October 1829 bis zum 8. October 1830, woraus wir hier das Wesentlichste ausziehen. Der Apparat im Spitale Saint-Louis erzeugte aus den Knochen des daselbst während obiger Zeit verzehrten Fleisches, d.h. während einer beständigen und regelmäßigen Arbeit im Laufe eines Jahres, 293,556 Portionen Gallerteauflösung, welche eben so reich an thierischem Stoffe gewesen seyn soll, als die beste bei Hause bereitete Fleischbrühe. Der Apparat im Hôtel-Dieu erzeugte in 276 Arbeitstagen 248, 368 Portionen, und jener in der Maison de Refuge gab 102,180 Portionen. Diese drei Apparate zusammengenommen gaben mithin 644,104 Portionen Gallerteauflösungen. Zur Erzeugung einer eben so großen Quantität Fleischbrühe auf die gewöhnliche Weise wären nach Hrn. d'Arcet 161,026 Kilogrammen Fleisch, oder das Fleisch von 536 Ochsen nöthig gewesen. Für die Expedition von Algier wurden 344,728 Zwiebake bereitet, von welchen ein jedes eine Portion Gallerteauflösung oder 10 Gramme trokene Gallerte enthielt. Alle diese Zwiebake zusammen enthielten so viel getroknete thierische Substanz, als man aus der Fleischbrühe von 86,182 Kilogrammen Fleisch, oder aus dem Fleische von 287 Ochsen hätte gewinnen können. Der größte Theil der Gallerte zu diesen Zwiebaken wurde nach Papin's Methode, der andere Theil durch die Salzsäure aus den Knochen ausgezogen. Hr. d'Arcet liefert, nach diesen quantitativen Angaben, auch Auszüge aus den Berichten, die von der Ecole de Médecine, und von den Administrationen der Spitäler Saint-Louis und Hôtel-Dieu über die Anwendung der Knochengallerte als Nahrungsmittel im Großen erstattet wurden, und welche alle sehr zu seinen Gunsten lauten, indem sie sagen, daß die Reconvalescenten besser genährt wurden, und mithin, zum Vortheile des Spitales, sowohl als ihrer Familien, das Spital früher verlassen konnten. Indem wir uns hierüber auf die im polyt. Journ. Bd. XXXV. S. 135 u. f. und Bd. XXXVII. S. 120 u. f. in den Noten gemachten Bemerkungen über die Knochenleimsuppe beziehen, bemerken wir bloß, daß es uns wahrscheinlich ist, daß diese Resultate nicht einzige Folge der Knochengallerte sind, indem in dem Berichte des Hrn. Desportes am Hôtel-Dieu sehr treffend geschrieben steht, daß die Aerzte mit großem Gefallen gesehen hätten, daß, in Folge der Bereitung der Suppe aus Knochen, den Reconvalescenten eine größere Quantität gebratenen und gedämpften Fleisches gereicht werden könne, indem weniger Fleisch für Suppe ausgekocht werden mußte. Das Fleisch scheint also hier mehr das Wirksame, so daß der Nuzen der Knochenleimsuppe mehr indirect und mittelbar erscheint, als direct. Wenn die Reconvalescenten neben der Knochenleimsuppe eine größere Portion solchen Fleisches erhalten, in welchem noch Alles Nahrhafte und Stärkende enthalten ist, so sind wir ganz mit Hrn. d'Arcet über die Wohlthätigkeit seiner Suppenanstalt einverstanden. – Am Schlusse seiner Abhandlung klagt Hr. |77| d'Arcet noch über die Regierung, die bisher so wenig gethan hat, um die Knochengallerte allgemein in den Spitälern, Armenanstalten, Casernen etc. als Nahrungsmittel einzuführen, er findet die Ursache dieser Saumseligkeit darin, daß nur wenige Regierungen Sinn für allgemein Gutes und Nüzliches haben. In Paris befinden sich bis jezt erst 6 große Apparate, einige wurden für andere Städte Frankreichs bestellt, und drei nach Italien geschikt. Wer solche Apparate wünscht, kann sich in Paris an die HHrn. de Moléon, rue Godot de Mauroy N. 2.; Grouvel, rue des Beaux arts N. 2.; Callot, rue Saint-Antoine N. 205.; Talabot, rue Blanche N. 47 bis, Saulnier in der Münze; in Arras an Hrn. Hallette; in Metz an Hrn. Jauner, in Creusot an Hrn. Wilson wenden. Hr. Ingenieur Deleuil in Paris, rue Dauphine N. 24., verfertigte Modelle des Apparates, welche so groß sind, daß damit täglich 30 bis 40 Portionen Gallerteauflösung bereitet werden können. Diese Modelle könnten nicht bloß von solchen Fabrikanten, denen Wässerdampf zu Gebote steht, mit Vortheil verwendet werden, sondern sie dienen auch bei Vorlesungen über technische Chemie die Zubereitung der Gallerteauflösung und der nahrhaften Gallerte, die Ausziehung des Fettes aus den Knochen, die Bereitung des Knochenleimes, das Heizen mit Dampf, das Ausziehen der Lohe und der Farbehölzer, das Rösten des Hanfes und des Flachses, das Waschen mit Dampf, das Kochen der Gemüse etc. zu zeigen.

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