Titel: Dr. Richard Burgeß's Patenttrank für Gichtkranke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XVI./Miszelle 12 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041016_12

Dr. Richard Burgeß's Patenttrank für Gichtkranke.

Ein englischer Arzt hat der Welt wieder ein Mal das Scandal gegeben, ein Patent auf das zu nehmen, was seine Pflicht wäre, so allgemein als möglich zu machen, wenn es sich als gut erweist. Wenn schon ein jeder Arzt, der ein sogenanntes Specificum zu besizen vorgibt, und es geheim hält, ein Mensch ist, der seinem Berufe Unehre macht, so ist dieß noch mehr der Fall bei einem solchen, der ein Patent auf ein Heilmittel nimmt. Dergleichen Individuen sind keine Aerzte, sondern Marktschreier, die mit dem Wohle der Menschheit Handel treiben wollen; solche müssen ihres Titels öffentlich verlustig erklärt werden. Zu diesem Anathema veranlaßte uns folgendes, im Register of Arts Juni 1831 S. 67. befindliches Patent: „Dem Dr. Richard Burgeß aus Northwick in der Grafschaft Chester wurde am 21. Februar ein Patent auf einen Trank ertheilt, der das Podagra, den Sand und Gries und andere Krankheiten heilt, hindert oder erleichtert, und der auch zu anderen Zweken anwendbar ist. Der Trank, welchen der Patent-Träger vorschlägt, ist destillirtes Wasser.“ Es dürfte demnach zum Lohne der vielen Mühe und Arbeit, welche es Hrn. Dr. Burgeß kostete, um zu entdeken, daß durch Trinken von destillirtem Wasser obige Krankheiten geheilt, verhindert oder erleichtert werden, Niemand ohne Erlaubniß dieses, den Doctortitel usurpirenden, Herrn destillirtes Wasser trinken. Allein zum Troste unserer Podagraisten und anderen Kranken können wir versichern, daß bisher noch Jedermann trinken darf, was ihm beliebt, und daß jeder Arzt leider ordiniren darf, was ihm gut dünkt, so daß sie nicht befürchten dürfen, Mangel an diesem kostbaren Mittel zu leiden. Wir müssen auch bemerken, daß Hr. Burgeß nicht ein Mal juridisch berechtigt ist, ein Patent auf ein Mittel zu nehmen, welches schon seit undenklichen Zeiten bekannt ist, und jährlich von Tausenden benuzt wird. Es ist nämlich allgemein bekannt, daß Podagraisten und Steinkranke von dem äußerlichen und innerlichen Gebrauche der Quellen zu Gastein, Pfeffers und Leuk. die größte mögliche Erleichterung ihrer Leiden erhalten, und eben so bekannt ist es, oder sollte es seyn, daß diese Bäder beinahe alle so wenig enthalten, wie destillirtes Wasser. Hr. Burgeß mag also vor Allem diese Quellen sperren lassen, da hier die allgütige Mutter Natur sein Patent defraudirt. Wahrscheinlich verdankt er ihr seine vermeintliche Entdekung, und wird ihr aus Dankbarkeit gestatten, ihre Quellen noch länger fliegen zu lassen! Zum Schlusse empfehlen wir noch sämmtlichen Arthritikern das destillirte Wasser als Getränk; es wird ihnen, wo nicht nüzen, so doch gewiß weniger schaden, als alle anderen innerlichen oder äußerlichen Mittel, womit sie von ihren Aerzten gequält werden, oder um welche sie ihre Aerzte bis zum Ueberdrusse martern. Es muß aber ganz rein seyn, und ein Zusaz von einem Hahnemannischen Tropfen des gicht- und steinbringenden Franken- und Rheinweines würde schon ihre Unfolgsamkeit bestrafen.

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