Titel: Ueber die Verwandlung des Strohes in Mehl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XVI./Miszelle 15 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041016_15

Ueber die Verwandlung des Strohes in Mehl.

Hr. Prof. J. Girardin gibt in den Annales de l'Auvergne einen Aufsaz über die Verwandlung des Strohes in Mehl, der auch in den Agriculteur-Manufacturier Decbre 1850 S. 189 übergegangen. Es geht daraus hervor, daß die Priorität dieser Erfindung, die zufällig auch ein Müller im Departement de la Côte d'Or gemacht hatte, dem Hrn. Maître, dem Gründer der Landwirthschaftlichen Unternehmung zu Vilote bei Châtillon angehöre. Dieser geschikte Oekonom erkannte nämlich, schon vor einem Jahre die Möglichkeit, nicht bloß das Stroh des Getreides, sondern auch jenes anderer Früchte, das Heu, |79| die Stängel des Klees, der Luzerne, der Esparsette etc. in Mehl zu verwandeln Er wendet das Mehl, welches er aus dem Luzernerklee und der Esparsette bereitet, zur Fütterung von Schafen und Lämmern an. Viele Leute, welche glauben das Stroh enthalte keine oder wenige Nährungsstoffe, messen der Entdekung des Hrn. Maître keine große Wichtigkeit beiz allein wer die Analyse, welche Hr. Zenneck in Hohenheim (Journal für technische und ökonomische Chemie Bd. IV. S. 183.) von deck reifen Strohe des sicilianischen Weizens gab, kennt, nach welcher 6 Unzen Stroh wenigstens 328 Grane Nahrungsstoff enthalten, der wird dieselbe gehörig zu würdigen wissen. Es scheint uns daher sehr der Mühe werth, daß auch unsere größeren Landwirthe vergleichende Versuche über die Fütterung mit Mehl aus Heu, Klee, Esparsette etc. anstellen. Es dürfte, der Theorie nach, als zuverlässig angenommen werden, daß, da der Nahrungsstoff aus dem Mehle in den Eingeweiden leichter und vollkommner ausgezogen werden kann, als aus den ganzen Kräutern, man auf diese Weise mit einer gleichen Menge Futters eine größere Menge Vieh's zu ernähren im Stande ist, und daß daher durch theilweise Einführung dieser Fütterung der Viehstand bedeutend erhöht werden könnte. Welchen Einfluß die Erhöhung des Viehstandes auf die ganze Oekonomie haben muß, ist jedem Oekonomen ohnedieß bekannt. Hr. Girardin sagt, man könne nun das Strohmehl auch unter die Nahrungsmittel für den Menschen sezen; wir wollen gern zugeben, daß man bei Hungersnoth damit besser fahren wird, als mit Brod aus Baumrinden, Baumblättern u. dergl., allein für gewöhnliche Nahrung möchten wir dasselbe nimmermehr empfehlen, es verhält sich hier das Strohmehl zum wahren Mehle noch schlechter, als wie die Knochensuppe sich zur Fleischsuppe verhält. Die Franzosen werden dessen ungeachtet wohl bald aus Menschenliebe die Knochensuppe mit dem Strohmehlbrode ihren Arbeitern und Armen als Nahrung reichen.

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