Titel: Ueber den italiänischen Lolch und dessen Bau auf Wiesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XVI./Miszelle 16 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041016_16

Ueber den italiänischen Lolch und dessen Bau auf Wiesen.

Im Bon cultivateur de Nancy und aus diesem im Agriculteur manufacturier 1830 December S. 191 befindet sich ein Aufsaz über den italiänischen Lolch (Lolium perenne italicum s. aristatum), in welchem diese Art von Gras ganz besonders zum Baue auf Wiesen empfohlen wird. Da unser gewöhnlicher perennirender Lolch schon ein vortreffliches, feines und süßes Heu gibt, dem man Nichts vorwerfen kann, als daß es an weniger, fruchtbaren Gründen keine bedeutende Länge erreicht, so dürfte die Empfehlung des italiänischen Lolches um so gegründeter seyn. Je mehr Halme ein Gras gibt, desto besser ist es zum Heue, denn die Blätter enthalten weit weniger Zukerstoff als die Halme, wenn diese zur gehörigen Zeit, d.h. beim Beginn der Blüthe, abgeschnitten werden. Der perennirende Lolch ist eines von jenen Gräsern, welches am meisten Halme gibt, und zwar Halme von sehr großem Gehalte an Zuker, und die sehr vom Viehe gesucht werden. Der Erfolg, welchen bereits mehrere Oekonomen Deutschlands und der Schweiz von dem Baue des italiänischen Lolches auf Wiesen sahen, wird gewiß viel zur schnelleren Verbreitung der Cultur desselben beitragen. Im October gebaut, gab er noch am Anfange des Winters einen Rasen so dicht, wie jener einer alten Wiese, und beim ersten Schnitte zwei Mal so viel Heu als eine gewöhnliche Wiese. Er unterscheidet sich durchaus vom englischen Ray-Grase, welches nie über 2 1/2 Fuß hoch wird, und nur zwei magere Schnitte gibt, während der italiänische Lolch auf einem nur etwas feuchten Boden 4 Fuß hoch wird und vier reiche Schnitte liefert. Man baut ihn am besten im Herbste von der Erntezeit an bis zum Eintritte der Fröste; man bricht die Stoppeln um, egt gut und baut dann darauf. Hat man früh gebaut, so könnte, man noch im Spätherbste einen Schnitt machen; allein die Wurzel wird stärker, wenn man dieß nicht thut. Vor dem Winter zeigt sich eine solche Wiese schon so dicht wie eine alte Wiese, und bei dem ersten Schnitte gibt sie schon ihr großes Product. Will man den italiänischen Lolch im Frühjahre oder im April bauen, so ist ein etwas feuchtes Wetter dazu nothwendig; auch muß man ihn, da die Wurzel nicht Zeit hat, Stärke genug zu gewinnen, etwas dichter säen. Nach 7–8 Jahren sind diese Wiesen noch eben so stark wie im ersten Jahre; sollten sie jedoch in dieser Zeit dünner werden, so läßt man den Samen reif werden, und die Wiesen auf diese Weise sich selbst besamen, wenn man sie nicht neu säen will. Die |80| Pflanze verlangt einen mehr feuchten als trokenen Boden; sehr gut gedeiht sie in Thälern und in Niederungen; allein auch auf Alpen cultivirte man sie mit großem Vortheile. Nach der Getreide- oder Erdäpfel-Ernte braucht man den Boden zum Baue des italiänischen Lolches nicht tief umzuarbeiten; auf Klee- oder Luzern-Feldern muß er aber tiefer umgebrochen werden; will man alte Wiesen mit Lolch bestellen, so ist es am besten, zuerst ein Jahr lang Erdäpfel oder Getreide darauf zu bauen, und dann erst den Lolch im Herbste zu säen. Die Erde muß gut geegt werden; man säet bei feuchtem Wetter und aus der Hand; der Saamen wird nicht eingeegt, sondern man läßt bloß eine starke Walze darüber gehen, wodurch der Boden auch eben und zum Mähen geeignet wird. Diese Wiesen werden, wie die gewöhnlichen, alle drei Jahre gedüngt. Zur Bestellung eines Morgen Landes braucht man ungefähr 40 Pfund Samen, oder 40 Kilogramme auf die Hektare; säet man im Frühjahre, so braucht man um 8–10 Pfunde mehr.

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