Titel: Preise für Werkführer von Fabriken, um den Eifer derselben zu erhöhen und zu unterhalten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XVI./Miszelle 3 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041016_3

Preise für Werkführer von Fabriken, um den Eifer derselben zu erhöhen und zu unterhalten.

Die Société d'encouragement zu Paris fühlte seit langer Zeit, daß die Preise, welche dieselbe jährlich denjenigen ertheilte, die sich im Felde der Industrie auszeichneten, ihrem Zweke nicht entsprachen, und daß dieses von ihr befolgte System eine große Luke lasse. Diese Belohnungen wirken nämlich nicht bis auf die Werkstätten selbst zurük; sie fallen fast immer nur den Eigenthümern großer Unternehmungen, den Leuten von Genie, welche die Theorien der Wissenschaft dadurch befruchten, daß sie dieselben auf unsere Bedürfnisse anwenden, den Kapitalisten, die ihr Vermögen der Wohlfahrt des Handels und des Gewerbfleißes widmen, kurz den industriellen Größen oder Eminenzen zu, während die arbeitende Klasse selbst fast nie einen Antheil an denselben hatte. Und doch verdanken wir den Erfolg und das Gelingen so vieler Unternehmungen dem Talente und der Thätigkeit der Werkführer und anderer wirklicher Arbeiter, welche so oft durch die Kenntnisse, welche sie sich durch die längere Ausübung ihres Gewerbes erwarben, durch eine glükliche Gabe der Natur, durch ihren unermüdlichen Eifer für die Fabrik, die sie leiten, durchaus unentbehrlich werden. Die Gesellschaft ernannte daher eine eigene Commission, welche die Mittel ausfindig machen und vorschlagen sollte, durch welche unter den Arbeitern der Werkstätten die Liebe zur Arbeit, der Eifer für Erfüllung der Pflichten ihres Gewerbes, und der Geist der Ordnung erhalten und erhöht werden könnte. Der Bericht, welchen Hr. Francoeur im Namen dieser Commission erstattete, und aus welchem wir hier einen Auszug liefern, befindet sich im Bulletin de la Société d'encouragement 1830, October S. 387. Die Commission ging von der Idee aus, daß man zur Erreichung obigen Zwekes vorzüglich auf die untergeordneten Führer der Werkstätten und Fabriken, auf die sogenannten Werkführer, wirken müsse, indem diese die Hauptelemente des glüklichen Erfolges der meisten Unternehmungen sind, und indem diese, dessen ungeachtet, so häufig in einem großen Grade von Dürftigkeit leben müssen. Sie glaubte daher, daß man den Werkführern, welche mit Eifer, Thätigkeit und Kenntniß gedient, Belohnungen ertheilen müsse, und daß ein fünfjähriger vorwurfsfreier Dienst der selben |73| hinlänglich sey, um auf diese Belohnungen Anspruch machen zu können. Der Vorschlag der Commission lautet daher wie folgt:

1) Im Jahre 1831 werden in der Hauptsizung des ersten Semesters Medaillen von Bronze an die Werkführer der größeren industriellen Anstalten von ganz Frankreich vertheilt werden. Eine zweite ähnliche Vertheilung wird im Jahre 1833, und in der Folge von vier zu vier Jahren Statt haben.

2) Auf jeder Medaille, mit welcher eine Summe von 50 Fr. verbunden ist, wird der Name des Werkführers und jener der Anstalt, an welcher er arbeitet, eingravirt.

3) Die Zahl der Medaillen, welche jedes Mal vertheilt werden, wird höchstens 100 betragen; sollte die Gesellschaft nicht 100 Concurrenten dieser Auszeichnung würdig halten, so würde sie die Zahl dieser Belohnungen, die nur dem Verdienste zugestanden werden dürfen, vermindern.

4) Die Werkführer, welche sich um diese Medaillen bewerben wollen, müssen sich mit gehörig legalisirten Zeugnissen versehen, in welchen ihre Moralität und die Dienste bezeugt sind, welche sie im Laufe von 5 Jahren der Anstalt leisteten, an welchen sie als Arbeiter beschäftigt sind. Diese Zeugnisse müssen nicht bloß von dem Chef des Hauses, von dem Maire und von den Ortsbehörden, sondern auch von den Civil- oder Militäringenieurs und von jenen Mitgliedern der Société d'encouragement bestätiget werden, welche an den Orten, wo sich die Anstalt befindet, wohnen oder welche dieselbe öfter besuchen. Die Zeugnisse müssen die größte Authenticität haben, und müssen der Gesellschaft vor dem 1. Februar des Jahres, in welchem die Vertheilung der Medaillen Statt hat, eingesendet werden.

5) Der Werkführer darf weder ein Bluts- noch Heirathsverwandter des Fabrikeigenthümers, noch ein Associé desselben seyn. Er muß lesen und schreiben können; er muß sich durch seinen Fleiß im Arbeiten, durch seine Kenntnisse, und durch die Dienste ausgezeichnet haben, welche er seiner Werkstätte leisten. Bei gleichem Verdienste erhält jener den Vorzug, welcher zeichnen kann, oder welcher seine Kunst in irgend etwas vervollkommnet hat. Die Zeugnisse müssen daher auch alle Details geben, durch welche man in den Stand gesezt wird, die Eigenschaften des Preisbewerbers gehörig zu würdigen.

6) Dieser Bericht wird gedrukt und vertheilt werden, um denselben bekannt zu machen, und um die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf ihn zu leiten. Au jene Vorstände von großen Anstalten, welche bei der vorhergehenden Ausstellung der Industrieproducte eine Medaille von Gold oder Silber erhielten, werden Briefe gerichtet werden. Alle Präfecten werden gebeten werden den Beschluß der Gesellschaft in allen Werkstätten ihres Departements bekannt zu machen.

Wir werden unsere Leser seiner Zeit von dem Erfolge dieser Preisvertheilungen unterrichten, die zwar wenig zur Hebung der in Anregung gebrachten Dürftigkeit so vieler derlei Arbeiter beitragen dürften, von denen sich aber dadurch einiger Vortheil erwarten läßt, daß sie das unter der arbeitenden Klasse so sehr gesunkene Ehrgefühl etwas emporbringen. Die Gediegeneren werden jedoch, wie uns scheint, diese Art von Preisevertheilung mit Recht zu kleinlich finden.

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