Titel: Ueber die Ausziehung des Indigo aus blau gefärbtem Tuche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XXXVII./Miszelle 15 (S. 156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041037_15

Ueber die Ausziehung des Indigo aus blau gefärbtem Tuche.

Eine Auflage, welche, wie der Indigo in Frankreich, sich im Durchschnitte jährlich auf 90 Millionen Franken beläuft, verdient alle mögliche Berüksichtigung. Bis wir ein Mal im Stande seyn werden, unseren Bedarf an Indigo in Europa, und auf eine wohlfeilere Art als bisher, zu erzeugen: ein Resultat, zu welchem wir gewiß noch gelangen werden, müssen wir uns damit begnügen, die Verschleuderungen dieses kostbaren Materiales so viel als möglich zu verhindern. Hr. Chevallier suchte aus diesem Grunde aus dem, mit Indigo gefärbten, Tuche den Indigo wieder zu gewinnen. Das Resultat seiner ersten Versuche hierüber legte er in zwei versiegelten Paketen im Jahre 1829 und 1830 auf der königl. Akademie zu Paris nieder. Am 30. August 1830 richtete Hr. Chevallier ein Schreiben hierüber an den Präsidenten derselben Akademie, welches sich im Bulletin des sciences technol. 1830 Novbr. S. 245 abgedrukt befindet, und aus welchem wir Folgendes ausziehen. Hr. Chevallier nahm zu seinen Versuchen Wolle, welche beim Scheren des blauen Tuches abfällt, Abschnizel, die man beim Zuschneiden desselben erhält; Tuch, welches von Motten angefressen worden, und Abfälle, welche die Lumpensammler gesammelt hatten. Um aus diesen verschiedenen Dingen den Indigo auszuziehen, kochte er sie so lang mit einer Auflösung von Aezsoda, bis das Tuch verschwunden war, und nur mehr eine Seifenauflösung zurükblieb, in welcher der Indigo sich schwebend erhielt. Er wurde aus derselben durch Filtriren abgeschieden, mehrere Male ausgewaschen, und gab in allen Fällen schöne Producte. Auf die Idee dieses Verfahrens wurde Hr. Chevallier durch des Grafen Chaptal Abhandlung über die Bereitung einer Wollenseife, und über die Benüzung derselben in den Gewerben gebracht. Bei dem heutigen Preise der Wollenabfälle in den Tuchscherereien, und bei dem Preise der Lumpen scheint dasselbe Hrn. Chevallier um so vortheilhafter, als man auch die Wollenseife, die zugleich gewonnen wird, zu verschiedenen Zweken, zum Waschen der Wäsche und der Wollenzeuge etc. gut verwenden kann. Numerische Daten, die den Gewinn hierbei zeigen sollen, werden später, nach Bearbeitung größerer Massen, vorgelegt werden. Hr. Chevallier beklagt sich, daß sich die Akademie keinen Bericht über sein Schreiben erstatten ließ. Hätte die Academie des Sciences zu Paris so wenig Sinn für Gemeinnüziges, wie viele andere nahe und ferne Akademieen, so fanden wir diese Klage allerdings sehr sonderbar und unnüz.

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