Titel: Ueber den Bau des Guatemala-Indigo.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XXXVII./Miszelle 16 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041037_16

Ueber den Bau des Guatemala-Indigo.

In den Anales de Ciencias, Agriculture etc., 1828 Novbre S. 127. und Jan. 1829 S. 203., befindet sich ein Aufsaz über den Bau des Guatemala-Indigo im botanischen Garten zu Cuba46), und über die Versuche, welche daselbst mit der |157| indischen Bereitungsmethode des Indigo angestellt wurden. Der Bulletin des Sciences technologiques 1830 Août S. 214. gibt einen Auszug hiervon, aus welchem wir das Wesentliche mittheilen wollen. Nachdem man sich seit dem J. 1797 vergeblich, und oft mit großen Kosten bemüht hatte, den Indigo von Guatemala und Neu-Orleans, und den wilden Indigo auf Cuba zu bauen, nachdem man durch die angewendete Bereitungsart, nämlich die Erzeugung des Indigo durch Gährung, immer nur schlechte Resultate erhielt, versuchte man endlich im botanischen Garten zu Havana die senegalische Bereitungsmethode, welche eigentlich aus Indien stammt, wo sie seit undenklichen Zeiten bekannt ist. Nach diesem Verfahren werden die Blätter in der Sonne getroknet, ehe sie in's Wasser kommen; ist dieses vorläufige Verfahren gut ausgeführt, so gelingt alles Uebrige leicht. In weniger als zwei Stunden nimmt das Wasser allen blauen Färbestoff auf, und gibt, nachdem es geschüttelt worden, einen teigartigen Niederschlag.47) Die Operation besteht mithin in einer einfachen Infusion der in der Sonne gut getrokneten Blätter, und ihr Resultat ist immer und sicher der schönste Indigo, während das Resultat der Gährung ungewiß ist, daß man die Dauer derselben nicht genau bestimmen kann. Das Resultat aller der angestellten Versuche ist: daß der Guatemala-Indigo sehr gut auf der Insel Cuba vegetirt; daß die einfache Infusion einen herrlichen Indigo gibt; daß diese Bereitungsart besser ist, als jene mittelst der Gährung, indem sie weniger gefährlich, einfacher und schneller ist, daß dieselbe von armen Familien in Geräthschaften vorgenommen werden kann, die sie sich selbst bereiten können; daß sie für die Gesundheit nicht schädlich ist, indem sie keine so gefährliche Ausdünstung gibt, wie die Gährung, und daß jezt der geeignetste Zeitpunkt sey, um dem Baue des Guatemala-Indigo auf Cuba so viel Ausdehnung als möglich zu geben.

|156|

Wir können nicht umhin darauf aufmerksam zu machen, daß es auch den Directoren botanischer Gärten in Europa zukäme, Versuche mit Gewächsen anzustellen, die für ihr Vaterland von größtem Nuzen seyn könnten. Es ist nicht der Hauptzwek eines botanischen Gartens, so viel Pflanzenarten als möglich zu ziehen, um an denselben bloß gelehrte Untersuchungen anstellen zu können. Wenn damit nicht Versuche verbunden werden, welche zeigen, welchen Nuzen oder Schaden diese oder jene Pflanze auf irgend eine Weise hervorzubringen im Stande ist, kurz welchen Einfluß sie auf die ganze große und kleine Oekonomie unserer Erde ausübt oder ausüben kann; wenn die botanischen Gärten bloß für Gelehrte, und nicht für Jedermann berechnet sind, so werden sie sich so wenig allgemeine Verdienste und allgemeine Achtung erwerben, als so manche gelehrte Akademie besizt, die sich mit Allem eher zu beschäftigen scheint, als mit dem, was nüzlich ist, Die Negierungen müssen aber auch den Vorständen solcher botanischen Gärten die Mittel an die Hand geben, damit sie das leisten können, was man von ihren |157| Kenntnissen zu erwarten berechtigt ist, was ihre Pflicht wäre, und was viele gewiß auch gern thun würden; die Regierung darf das Referat über solche Anstalten nicht Jesuiten anvertrauen, in deren Interesse, wenn sie auch wirklich etwas von der Sache verstehen, es nicht ist und nicht seyn kann, Kenntnisse zu verbreiten. Ein Referent, der behaupten kann, ein botanischer Garten an einer Universität brauche bloß das zu enthalten, was für den dringenden Unterricht der Aerzte, Apotheker und Cameralisten nothwendig ist, ist entweder so unwissend, daß man Mitleid mit ihm haben muß, oder er ist so schlecht, daß er eine höhere Stellung einzunehmen verdiente. – Wir sind weit entfernt den trokenen Gelehrten nicht alle die Achtung und Verehrung zu bezeigen, welche sie verdienen; allein Niemand wird uns in Uebel nehmen, wenn wir denjenigen unter ihnen einen noch höheren Plaz in unserer Lichtung einräumen, welche ihre Kenntnisse nicht bloß für sich und ihre wenigen Collegien, sondern auch zum allgemeinen Besten anzuwenden wissen.

|157|

Bei den Versuchen, die man in Deutschland zur Zeit der Continentalsperre an: stellte, Indig aus dem Waid (Isatis tinctoria) darzustellen, fand man das senegalische Verfahren zur Indiggewinnung aus Waid als das beste.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: