Titel: Inländischer Salep.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XXXVII./Miszelle 17 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041037_17

Inländischer Salep.

Wie sehr sich der Verbrauch des Saleps in Frankreich, und in ganz Europa überhaupt, vermehrte, geht daraus hervor, daß in den Jahren 1822, 23 und 24 nur 1380 Kilogrammen Salep, die einen Werth von 6950 Franken halten, in den Jahren 1825 und 26 hingegen 5804 Kilogrammen, die einen Werth von 34,834 Franken geben, nach Frankreich eingeführt wurden. Diese Zunahme der Consumtion an Salep veranlaßte Hrn. Chevallier, im Agriculteur-Manufacturier neuerdings darauf aufmerksam zu machen, daß man den Salep eben so gut aus den Wurzeln der in Europa wild wachsenden Orchis-Arten bereiten könne. In einigen Gegenden des Departement du Puy-de-Dome, des Cantal, der Lozére, des Aveyron etc. wachsen verschiedene Arten von Orchis so häufig, daß Hr. Chevallier in Einer Stunde 1 Pfund und 9 Unzen frische Wurzeln sammelte, und daß er behauptet, ein einziger Mensch könne daselbst an Einem Tage 18 Pfunde frischer Wurzeln sammeln, welche 6–7 Pfund Salep geben würden. Das beste Verfahren zur Bereitung des Salep ist nach Mathieu de |158| Dombasle, der mit den Wurzeln der Orchis mascula, pyramidalis, latifolia und vorzüglich mit jenen der Orchis maculata arbeitete, folgendes. Man sammelt die Wurzeln zu der Zeit, wo die Pflanze zu verblühen anfängt, indem um diese Zeit der Knollen des vorhergehenden Jahres beinahe ganz vertroknet ist; sammelt man sie früher, so verlieren die Wurzeln beim Troknen weit mehr an Gewicht, und der Salep wird auch schlechter; sammelt man sie erst dann, wenn der Samen reif ist, so wird der Salep gleichfalls nicht gut, indem sich der Keim, den die neue Wurzel trägt, dann schon mehr entwikelt hat. Die ausgegrabenen Wurzeln werden sorgfältig von den Wurzelfasern und dem Keime befreit, in frisches Wasser geworfen und abgewaschen. Hierauf werden sie rosenkranzartig angefaßt, und 20–30 Minuten in siedendem Wasser gekocht; oder man siedet sie so lange, bis man merkt, daß einige Knollen sich in Schleim verwandeln. Auf diesen Theil des Verfahrens muß man besondere Sorgfalt verwenden, indem sonst der Salep einen starken Geruch behält, den Hr. Dombasle giftig nennt, den wir aber höchstens bocksartig finden. Nach dem Sieden werden die Rosenkränze herausgenommen, und in der Sonne, oder besser in einer Trokenstube getroknet. Hat man runde Knollen genommen, und ist man gehörig mit denselben zu Werke gegangen, so erhält man ein Product, welches dem besten orientalischen Salep gleichkommt. – Auch in unserem Vaterlande wachsen viele Orchis-Arten, besonders Orchis latifolia, maculata, militaris, mascula, Morio, conopsea, so häufig, daß unsere Apotheker und Salep-Chocolate-Fabrikanten mit Leichtigkeit ihren Bedarf durch bayerischen Salep deken könnten. Einige unserer Apotheker thun dieß bereits wirklich, und wir sahen bei ihnen schöne Muster inländischen Saleps; allein eine sehr große Zahl derselben fanden wir auch so unterrichtet, daß sie nicht im Stande sind, ein brauchbares Salep-Decoct zu verfertigen. Was für eine kostbare Substanz der Salep für Kranke und Gesunde ist, ist allgemein bekannt und anerkannt; er enthält in einem sehr kleinen Volumen eine sehr große Menge Nahrungsstoff; mit einem kleinen Vorrathe Salep ist der Araber im Stande seine Wüsten zu durchziehen. Eben so wichtig ist der Salep als Verdikungsmittel der Beizen und Drukfarben in den Kattundrukereien, wo 2 Loth gestoßenen Salep so viel Dikung geben als 1 Pfund Senegal-Gummi. Seit dessen Anwendung sind Millionen Gulden für den Ankauf an Gummi erspart worden. Anleitung über die Anwendung zu diesem Behufe findet man in Dingler's Journal für die Druk-, Farbe- und Bleichkunde.

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