Titel: Ueber die Hüttenwerke zu Imphy in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XXXVII./Miszelle 5 (S. 150–152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041037_5

Ueber die Hüttenwerke zu Imphy in Frankreich.

Die berühmten Hüttenwerke zu Imphy wurden in neuerer Zeit von Hrn. de Roziéres in einem eigenen Werke unter dem Titel: Description et évaluation des usines d'Imphy: par M. de Roziéres: 4°. Paris chez Dondey-Dupré beschrieben. Das Bulletin des sciences technologiques 1830 Septbre gibt S. 7. einen Auszug aus diesem Werke, aus welchem wir hier Einiges mittheilen. Die Bewegungskraft dieser Etablissements, an dem nichts zu tadeln seyn dürfte, als die Wahl des Ortes, und der Maßstab, nach welchem es errichtet wurde, besteht in zwei Dampfmaschinen, von denen die eine 400, die andere 46 Pferdekräfte hat. Die Halle ist 77 Meter breit, 436 Meter lang, und bildet beinahe ein rechtwinkeliges Parallelogramm. Das Dach ruht auf 40 Säulen aus Gußeisen von 20 Fuß Höhe, und auf 49 steinernen Säulen, die durch Mauern vereinigt sind. Die Halle enthält 20 Oefen, worunter 4 Puddlingöfen, 1 Erwärmofen, 40 Oefen zum Streken des Bleches von jeder Größe, von denen 7 zum Streken des Kupfers und drei zur Bereitung des Eisenbleches dienen. 43 dieser Oefen communiciren durch unterirdische Röhren mit dem großen Rauchfange der Dampfmaschine, und 7 derselben umgeben den Kessel in einer Breite von 84 Fuß, ehe sie sich in den 112 Fuß langen Schornstein öffnen, so daß auf diese Weise viel Brennmaterial erspart wird. Eine Blasemaschine speist einen Feinofen und drei Frischherde mit Holzkohlen, welche zur Fabrikation des Eisens zum Eisenbleche und zum seinen Bleche gehören. 44 Triebwerke für Strekwerke wiegen mit ihren Gehäusen 30,000 Kilogramme. In der Halle befinden sich ferner noch ein Gußwerk nach englischer Manier, und viele andere Vorrichtungen, z.B. 7 Paare Blechscheeren, Drehbänke, Bohr-, Ausschneid-Maschinen etc. Das Blech wird in zwei parallelen Linien an den beiden Seiten der Halle in einer Entfernung von 40 Métres vor den Oefen aufgerichtet. Die Verbindungswellen mit den Getrieben aus englischem Gußeisen wiegen 80,000 Kilogramme. Die Welle zur Fortpflanzung der Bewegung von der Dampfmaschine wiegt nebst dem Flugrade desselben 31,000 Kilogr., lezteres hat 46 Fuß im Durchmesser, macht 84 Umdrehungen in einer Minute, und durchläuft folglich in Einer Stunde 80,000 Métres, oder bei beständiger Bewegung in drei Wochen einen Raum so groß wie der Umfang der Erde. Das Pflaster des ganzen Hüttenwerkes, welches aus Platten von Gußeisen von 4 Zoll Dike besteht, hat eine Oberfläche von 200 Quadrat-Meter. – Die Fabrikation des Eisens kann auf 3,000,000 Kilogr, geschäzt werden, was beiläufig einen Werth von 3,000,000 Fr. gibt. Die Quantität des Eisenbleches belauft sich auf 12 bis 1,500,000 Kilogr., ohne jenes, welches zur Fabrikation des Weißbleches bestimmt ist; dieß gibt einen Werth von 4,260,000 Fr. Es werden wenigstens 1,000,000 Kilogr. Kupfer gestrekt, die im Durchschnitt 3,200,000 Fr. werth sind. Die Fabrikation des Weißbleches kann jährlich leicht auf 800 oder 900 tausend Kisten gebracht werden, welche 500,000 Kilogr, wiegen und 750,000 Fr. werth sind. Auf Bestellung werden jährlich auf dem Hammer ungefähr 50,000 Kilogr. Kesselböden, Gitterstangen etc. von 120,000 Fr. Werth verfertigt. Die Fabrikation von kupfernen und eisernen Nägeln und Nieten für die Marine und für die Dampfkessel belauft sich auf 50,000 Kilogr.; der Werth der kupfernen, die 2/3 betragen, ist nahe an 75,000 Fr. Die übrigen verschiedenen Fabrikate, welche beiläufig 400,000 Kilogramme ausmachen, geben auch noch einen Werth von ungefähr 300,000 Fr. Das Gußeisenwerk, welches leicht 4 oder 500,000 metrische Kilogramme von 250,000 Fr. im Werthe liefern könnte, ist nur zur Erinnerung eingetragen.

Die geringe Entfernung von Paris, die Nachbarschaft der Loire und mehrerer großer Kanäle, so wie der zur Betreibung der Arbeit nöthigen Stoffe, die Verbindung künstlicher und natürlicher Bewegungskräfte, die Einfachheit der Vorrichtungen sind Vortheile, welche man einzeln wohl an verschiedenen Orten in einem höheren Grade, vereinigt aber nirgends so finden wird, wie zu Imphy. Die große Dampfmaschine, welche die Kraft von 100 |151| Pferden besizt, und den größten Theil der Maschinerie in Bewegung sezt, ist zwar etwas Großartiges und Imposantes; allein geschieht ein Unfall mit derselben, so steht Alles still, die Unternehmung leidet außerordentlichen Schaden, und kann selbst in ihrer Existenz bedroht seyn. Hr. de Roziéres hätte daher lieber gesehen, wenn man 2 Maschinen, jede zu 50 Pferdekräften angebracht hatte. Des Hüttenwerk zu Imphy wurde unter dem Prohibitiv-Systeme gegründet, und wird so lang mit Vortheil arbeiten, als dieses beibehalten wird; Hr. de Roziéres glaubt zwar, daß das System der freien Concurrenz demselben nicht nur nicht schaden, sondern nüzen würde, indem durch die fremde Einfuhr die Preise herabgedrükt, und dadurch der Absaz im Innern und nach Außen vermehrt würde. Bald darauf gesteht er aber, obwohl er ein eifriger und gewandter Vertheidiger des freien Handels ist, selbst, daß nur die Fabrikation gewisser Dinge, wie jene des Kupfers von allen Formen, jene des Schwarz- und Weiß-Bleches, die Concurrenz aushalten könnten, andere Zweige der Fabrikation aber von England und Schweden erdrükt werden würden. Ohne uns hier in Untersuchung über die Zwekmäßigkeit oder Unzwekmäßigkeit des Prohibitiv-Systemes einlassen zu wollen, bemerken wir bloß, daß es auch hier wieder deutlich erhellt, daß dieses System es ist, welches die Gründung so vieler und so ausgezeichneter Fabriken veranlaßte und bewirkte. Was hieraus hervorgeht, wird jeder einsehen, der von der Erfahrung, und nicht von Schultheorie ausgeht. – Am Schlusse des Werkes des Hrn. de Roziéres befindet sich als Anhang die Reinigung des Eisens beschrieben. Er fand, daß beinahe in allen Analysen von Gußeisen die Menge des Eisens auf Kosten des Kohlenstoffes erhöht ist, und daß die Angabe des Metalles auch noch durch die fremden Körper, die mit dem Metalle verwechselt werden, vermehrt ist. Er glaubt, daß man aus diesen Gründen die Quantität des Eisens um 1, ja selbst um 2, nicht aber um 3 per Cent, geringer angeben dürfe. Hr. Gaultier de Claubry, der den Auszug im Bulletin verfaßte, ist in Betreff der Bestimmung des Kohlenstoffes der Meinung des Hrn. de Roziéres, Das beste Vorfahren hierzu scheint ihm noch jenes der HHrn. Gay-Lussac und Wilson, dessen Details jedoch noch nicht bekannt sind, er selbst zersezt schon seit langer Zeit das Gußeisen oder den Stahl bei einer erhöhten Temperatur durch trokenes Chlorgas, und erhielt auf diese Weise jedes Mal mehr Kohlenstoff, als durch irgend ein anderes Verfahren. Das Besprengen des Metalles mit Wasser während des Feinmachens, um dadurch die Temperatur zu vermindern, und dem Gußeisen durch die Wirkung des Wasserstoffes seinen Kohlenstoff zu entziehen, scheint Hrn. d. R. diesem Zweke nicht zu entsprechen, es scheint, nach dessen Meinung, sich bloß darum zu handeln, zu wissen, ob das Wasser schneller und häufiger durch den mit dem Eisen verbundenen Kohlenstoff, als durch das Metall allein, zersezt wird, was ihm nicht annehmbar zu seyn scheint; und wenn die Gußeisenarten Legirungen sind, so wird das Besprengen mit Wasser, statt die Zerstörung des Kohlenstoffes vollkommen zu machen, nur das bewirken, daß eine größere Menge desselben zurükbliebe, so daß die Behauptung, daß das Wasser einen größeren Verlust an Eisen bewirkt, gegründet wäre. Bei dem Feinmachen mit Holz geschieht die Abscheidung der fremden Substanzen leichter. Der Verlust beim englischen Feinmachen beträgt zu Imphy 1250 bis 1300 Kilogr.45) bei 1000 Kilogr., und zerfällt fast in gleiche Theile für das Feinmachen und den Puddlingsproceß. Bei dieser lezteren Operation braucht man 14 Hectoliter Steinkohlen von Decize von mittlerer Qualität. Das Feinmachen geschieht mit Coaks. Hr. d. R. betrachtet den Schwefel als die Ursache der Verschlechterung des geschmeidigen Eisens. Der Gesammtverbrauch an Kohlen beträgt, mit Einschluß der Fabrikation des Gußeisens, 4 1/5 auf Einen Theil Eisen; Hassenfratz gab 7 als die mittlere Zahl an, was viel zu viel ist. Nach Beobachtungen, welche Hr. d. R. einige Jahre nach der Restauration in der Haute-Marne an 12,500,000 Kilogr. Eisen anstellte, die nach der Methode des Franche-Comté gereinigt wurden, fand er, daß der Total-Verbrauch an Kohlen 4 3/5, und mit den Abfallen in den Magazinen, nahe an 5 betrug. In den Vogesen, in der Haute-Saône und dem Haut-Rhin brauchte man, bei Bearbeitung des grauen Gußeisens nur 4 2/5 Kohlen. In diesen vier Departements beträgt der mittlere Verbrauch an Kohlen, die Magazinabfälle nicht mitgerechnet, 2 1/3 Kilogr, auf Ein Kilogramme Eisen.

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Der Vortheil des neuen, sogenannten burgundischen Verfahrens, so wie es zu Imphy angewendet und modifizirt wird, beträgt mithin beiläufig 2/7.

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Wird wohl heißen müssen 425 bis 130 Kilogr. A. d. Ue.

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