Titel: Ueber eine Maschine zum Wagen von Lasten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XXXVII./Miszelle 9 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041037_9

Ueber eine Maschine zum Wagen von Lasten.

In allen Gegenden südlich von Lyon wiegt man die Kaufmannsgüter mit großen Schnellwagen, die sich bloß dadurch von den gewöhnlichen Schnellwagen unterscheiden, daß sich kein Läufer an dem großen Hebelarme als Gewicht befindet. Man fand die Anwendung des Läufers zu lästig und schwierig, und brachte daher am Ende des großen Hebelarmes eine Stange an, an deren Ende man die Gewichte anhängt, die zur Herstellung des Gleichgewichtes nöthig sind. Gewöhnlich ist die Maschine so berechnet, daß 1 Kilogramme am Ende des großen Hebelarmes 20 Kilogrammen, die am kleinen Arme aufgehängt sind, das Gleichgewicht halten. Mit den gewöhnlichen Maschinen kann man Lasten bis zu 40 metrischen Centnern oder 8000 Pfund wägen. Man verfahrt dabei auf folgende Weise. Die beiden Ketten werden mit ihren Enden an die Naben des Karrens befestiget. Der Hebel der das ganze System der Schnellwage hebt, wird durch einen Haspel oder durch eine Schiffswinde, auf der sich ein Seil aufrollt, in Bewegung gesezt. Dadurch wird der Wagen emporgehoben, und der Wagmeister bringt nun die Gewichte an, die das Gleichgewicht Herstellenz die Zahl der hiezu nöthigen Kilogramme gibt, mit 20 multiplicirt, das Gewicht des Wagens. Daß diese Maschine vor den bei der Straßen- und Brükenbau-Administration gebräuchlichen Schnellbalken-Brüken sehr große Vortheile hat, ist klar. Es geschieht bei derselben Alles öffentlich, und Jedermann kann mit einem Blike die Controlle vornehmen; würden noch öffentliche beeidigte Wagmeister bestellt, so wäre die Sicherheit vollkommen. Eine Schnellbalken-Brüke kostet ferner 10 bis 12,000 Franken, während eine solche Schnellwage, mit der man 40 metrische Centner oder 8000 Pfund wiegen kann, ungefähr 1200, und mit dem Gerüste 1800 Franken kostet. Es wäre zwar zur Unterhaltung der Straßen sehr wünschenswert!), daß kein Fuhrwagen und kein Postwagen mehr als obiges Gewicht wiege, allein dieser Wunsch wird erst in langer Zukunft erfüllt werden. Man muß daher Wagen errichten, mit welchen man größere Lasten wiegen kann. Eine Wage, die 140 metrische Centner oder 28. 000 Pfund tragen kann, wird 2400 Fr., das Gebäude dazu 2600 Fr., das Ganze mithin 5000 Franken kosten. Das Gebäude bestände aus einem Dach |154| das auf vier gemauerten Pfeilern ruht, und einen Pavillon bildet, in welchem zu jeder Zeit das Wiegen leicht vorgenommen werden kann. Da die Schnellwagen sehr genau seyn, und auch geringe Gewichtsdifferenzen angeben müssen, so werden die Aufhangketten direct an die Naben der Wagenräder befestigt. Man könnte an dem Ende derselben auch einen Flügel, wie an den Schnellbalken-Brüken anbringen. Das Wiegen wäre dann wegen der Abweichungen, die der Unterschied der Temperatur der Luft in dem Gewichte des Flügels hervorbringt, zwar weniger genau) allein dieß hätte nichts zu sagen, wenn man sich dieser Wagen, so wie der Schnellbalken-Brüken bloß dazu bedienen würde, um zu erfahren, ob ein Wagen ein höheres Gewicht habe, als jenes welches festgesezt ist. Man könnte hierbei 40–50 Kilogrammen für die Abweichungen des Flügels gelten lassen. Was der Flügel bei Errichtung solcher Wagen mehr kostete, würde dadurch erspart werden, daß man nur ein einziges bestimmtes Gewicht, und nicht die vielen Gewichte anzuhängen brauchte. Würde der Wagen, wenn er über den Flügel geht, denselben heben, so würde sein Gewicht das gesezliche Maß übersteigen. Die Vortheile dieser Schnellwagen vor den Schnellbalken-Brüken wären mithin: 1) daß die Kosten der Errichtung um die Hälfte geringer sind, 2) daß aller Betrug beim Wägen unmöglich würde, indem der Dienst bei diesen Schnellwagen öffentlichen beeidigten Wagmeistern anvertraut würde, die bei diesem Geschäfte hinlänglichen Gewinn finden, um nicht zu Betrug verleitet zu werden; 3) daß das Wägen vollkommene Publicität erhält. (Aus dem Industriel belge. Octbr. 1829. S. 277. im Bulletin d. Scienc. technol. 1820. Aug. S. 357.)

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