Titel: Ueber die Kunst zu fliegen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LIII./Miszelle 1 (S. 233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041053_1

Ueber die Kunst zu fliegen.

Hr. Chabrier übergab der Akademie der Wissenschaften zu Paris eine Abhandlung, worin er eine neue Methode zu fliegen, und zwar in jeder beliebigen Richtung vorschlug; sein Apparat besteht aus ungeheuern Flügeln, deren Höhlungen mit Wasserstoffgas gefüllt sind, und welche der fliegende Mensch mit seinen Armen bewegen soll. Hr. Napier erstattete darüber den Bericht eines Ausschusses, worin gesagt wird, daß dieser und alle nach ähnlichem Princip eingerichteten Apparate den beabsichtigten Zwek nie erfüllen können. Um diese Behauptung zu beweisen, berechnete Hr. Napier die Muskelanstrengungen der Vögel beim Fliegen, und verglich sie mit denjenigen, welche der Mensch zu machen im Stande ist. Nach seinen Berechnungen wendet ein Vogel, um sich bloß in der Luft zu halten, ohne zu steigen oder zu fallen, in jeder Sekunde eine Kraft an, gleich derjenigen, welche erforderlich ist, um sein eigenes Gewicht auf eine Höhe von 26 Fuß 3 Zoll zu heben; will sich aber dieser Vogel mit großer Geschwindigkeit horizontal bewegen, z.B. 49 Fuß 2 Zoll weit in einer Sekunde, was oft bei wandernden Vögeln auf ihren jährlichen Reisen der Fall ist, so muß er in einer Sekunde so viel Kraft ausüben, als nöthig ist sein eigenes Gewicht auf ungefähr 1280 Fuß zu heben. In diesem Falle würde er also eine Kraft anwenden, welche beinahe fünfzig Mal größer ist als diejenige, welche er braucht, um sich bloß in der Luft zu halten. Es ist daher klar, daß ein Vogel, wenn er sich schwebend erhält nicht so ermüdet wird, als ein Mensch, wenn er auf den Beinen steht; dieß ergibt sich, wenn man vergleicht, was beide auszuhalten im Stande sind. Man hat berechnet, daß ein Mensch, welcher täglich 8 Stunden lang ein Rad dreht, im Durchschnitt in jeder Sekunde 15 Pfd. (Troygewicht) 39 1/2 Zoll hoch hebt. Angenommen nun, das Gewicht betrage 175 Pfund, so ist diese Wirkung nur hinreichend sein eigenes Gewicht auf eine Höhe von ungefähr 33 Zoll zu heben, so daß es also caeteris paribus noch nicht der zweiundneunzigste Theil von demjenigen ist, welches ein Vogel ausübt, um sich in der Luft zu halten. Könnte der Mensch in einem beliebig kurzen Zeitraume die ganze Kraft ausüben, welche er gewöhnlich im Verlauf von 8 Stunden ausübt, so wäre er im Stande sich täglich 5 Minuten lang in der Luft zu halten. (Edinburgh new Philosoph. Journal, Jan. 1831, S. 184.)

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