Titel: Vergleichung der Dampfmaschinen mit den verschiedenen Triebwerken von den HHrn. Grouvelle und Jaunez.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXVI./Miszelle 3 (S. 309–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041076_3
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Vergleichung der Dampfmaschinen mit den verschiedenen Triebwerken von den HHrn. Grouvelle und Jaunez.

Von den Windmühlen. Die Windmühlen kann man für solche Arbeiten anwenden, welche keine große Kraft und keinen regelmäßigen Gang erfordern, denn man darf nur auf 450 Tage Arbeit im Jahr rechnen.

Von den Roßwerken. Die Roßwerke sind unstreitig die schlechtesten und kostbarsten Triebmittel. In Frankreich werden sie noch sehr häufig angewandt, aber ohne Zweifel nur wegen des hohen Preises, worauf die Zollabgaben vom Eisen das Gußeisen und folglich die Dampfmaschinen erhalten. Eine bedeutende. Herabsezung des Eisenpreises würde unvermeidlich noch eine größere in dem der Dampfmaschinen herbeiführen, weil die große Menge von Maschinen, deren Bau sogleich unternommen werden würde, sie wohlfeiler herzustellen erlaubte. Ohne diesen Umstand würde keine gut geführte Werkstätte ein Triebmittel anwenden, welches mehr Generalkosten als alle übrigen veranlaßt und unaufhörlich stoßweise geht, so oft man die Pferde mit Peitschenhieben antreiben muß und folglich der Geschwindigkeit und dem Gange der Maschine, die es treibt, die größte Unregelmäßigkeit mittheilt.

Alle Versuche, es zum Getreidemahlen anzuwenden, sind gescheitert. Für die Fabrikation der Oehle außerhalb der Städte, gestaltet es noch eine Anwendung, weil sie im Winter Statt findet, zu einer Zeit, wo der Landwirth gänzlich über seine Pferde und Zeit disponirt; aber in den Baumwollenspinnereien, wo es noch viel zu oft gebraucht wird, kostet es, wenn das Etablissement nur etwas bedeutend ist, mehr als eine Dampfmaschine, selbst wenn man die Steinkohlen ziemlich hoch aufschlägt.

Geschikte Baumwollenspinner zu Troyes haben uns versichert, daß, wenn man die 1000 Kilogr. Steinkohlen mit 60 Fr. bezahlt, bei der Anwendung einer Dampfmaschine anstatt eines Roßwerkes noch Vortheil ist, wenn man sich keinen gehörig gelegenen Wasserstrom verschaffen kann. Noch mehr ist dieß in der Normandie der Fall.

Von ihren Generalkosten. Wenn bei einem Roßwerk von zwei Pferden der Vortheil schon auf der Seite der Dampfmaschine ist, so ist dieß bei einem Roßwerk von vier Pferden noch bei Weitem mehr der Fall, weil die Kosten und der Steinkohlenverbrauch der Dampfmaschinen nicht in dem Verhältnisse der Kraftzunahme steigen, wogegen die Kraft eines Roßwerkes bei Weitem nicht in dem Verhältniß zu der Anzahl der Pferde, die man anlegt, und folglich zu den Kosten ihrer Unterhaltung und Ernährung steigt, indem vier Pferde nicht das Doppelte von. zwei Pferden leisten, weil sie nie gleich ziehen und sich immer hindern.

Berechnung der Kosten der Triebkraft für eine Baumwollenspinnerei mit einem Roßwerk. Die folgende Rechnung gilt für eine Spinnerei bei Metz.

Ein Roßwerk von zwei Pferden wird nur die Vorarbeitungsmaschinen zu 9 bis 10 Feinspinnmaschinen von 216 Spindeln treiben können, das heißt ungefähr 6 Schrobbeln, einen Auszuggang, einen Gang von 12 bis 15 Kannen und die Triebwerke. Man könnte keine einfache Schlagmaschine hinzufügen, ohne die Geschwindigkeit der Maschine und der Schrobbeln sehr zu vermindern.

Man wird bemerken, daß mit sehr starken Pferden etwas mehr Arbeit geleistet werden könnte, aber die Unterhaltungs- und Futterungskosten werden auch zugleich zunehmen.

Die neun Maschinen mit Menschen gedreht, werden im Durchschnitt nur die Geschwindigkeit von 55 Umgängen haben, und jede wird 10 bis 11 Pfd. Baumwolle zu N. 30 verarbeiten, was in 200 Arbeitstagen 28,800 Pfund gibt.

Ein Roßwerk von zwei Pferden erfordert deren aber wenigstens vier im Stalle und ein Pferd kostet, mit Inbegriff der Unterhaltung der Geschirre, der Krankheitszufälle und des Ersazes seines Ankaufspreises in sehr wenig Jahren, wenigstenstens 3 Fr. täglich,

vier Pferde in 365 Tagen also 4380 Fr.
Ein Wärter 520 –
–––––––
4900 Fr.

Dieß macht 16 3/4 Centimes Triebkraftkosten auf Ein Pfund Baumwolle, welche gewöhnlich nicht so regelmäßig verarbeitet ist als mit der Maschine, wegen |311| der unregelmäßigen Bewegung, die bei dem Gange der Vorarbeitungsmaschine so nachtheilig ist.

Kosten derselben Spinnerei mit einer Dampfmaschine. Ein Dampfpferd treibt leicht 500 Spuhlen, worauf N. 30 gesponnen wird, mit Inbegriff aller Vorarbeiten. Zu der besprochenen Spinnerei wird also eine Maschine von vier Pferden erforderlich seyn.

Kosten des Einkaufs und der Aufstellung 10,000 Fr.
Zinsen zu 10 p. C. für die Abnuzung 1,000 –
Ein Heizer 600 –
Oehl, Fett, Kitt und Unterhaltung 500 –
Steinkohlen, 4 Kilogr. in der Stunde und auf das
Dampfpferd für 13 Stunden täglich

1,400 –
–––––––––
Gesammtkosten im Jahre 13,500 Fr.

Die Differenz zum Vortheil der Dampfmaschine beträgt mithin 4400, wozu wenigstens 50 Cent. für jede Spinnmaschine zugesezt werden müssen, die man an jedem Tage den Spinnern für die ihnen gelieferte Triebkraft wird abziehen können: in den meisten manufacturstädten bezahlt man 75 Cent. für die Triebkraft auf jede Spinnmaschine; auf acht Fein- und wenigstens eine Grobspinnmaschine macht dieß täglich 4 Fr. 50 Cent., und im Jahre 4350 Fr., wodurch der Vortheil der Dampfmaschine auf 2700 Fr. jährlich zu stehen kommt und die Kosten der Triebkraft zum Spinnen der 28,300 Pfund Baumwolle auf 2,450 Fr. reducirt werden. Fügen wir hinzu, daß die Vor- und Ausarbeitungsmaschinen, welche mit einer Dampfmaschine in Gang gesezt werden, eine viel größere Geschwindigkeit haben, so werden die Ausarbeitungsmaschinen im Durchschnitt 65 bis 70 und die Schrobbeln 80 bis 90 Umgänge machen. Durch die Schnelligkeit, Regelmäßigkeit und Gleichmäßigkeit ihres Ganges, wird die Dampfmaschine wenigstens 1/5 mehr Arbeit mit derselben Anzahl Maschinen und in demselben Raume geben.

Für das Spinnen eines jeden Pfundes Baumwolle wird also die Triebkraft mit einem Roßwerk 16 3/4 Cent. kosten; mit der Dampfmaschine wird man, wenn man 1/5 zu den 28,800 Pfd. hinzurechnet, für 2150 Fr. 34,800 Pfund spinnen können; die Triebkraft kommt also für das Pfund auf 6 Cent. zu stehen, und wenn man täglich 400 Pfund fabricirt, so beträgt die Ersparung 10 Fr. 75 Cent. außer dem Gewinn auf 45 oder 20 Pfund Baumwolle, die mehr gesponnen werden. Wir wollen noch bemerken, daß im Fall eines Stillstandes, was auch die Ursache davon seyn mag, die Pferde fortgefüttert werden müssen, die Maschine hingegen keine Steinkohlen verzehrt.

Wir bringen die bessere Qualität der Gespinnste nicht in Rechnung, welche einen Unterschied von 5 Cent. für das Pfund Baumwolle ausmachen kann, vorzüglich wegen der großen Schwierigkeit gutes Kettgarn mit der Hand zu spinnen.

Von den Wasserrädern. Die Wasserräder sind außer den Dampfmaschinen die einzige Triebkraft, welche in den Künsten vortheilhaft angewandt werden kann; Localumstände müssen zu Gunsten der einen oder der anderen entscheiden. Es ist einleuchtend, daß wenn ein Wasserstrom vortheilhaft in oder bei einer Stadt. oder wenigstens bei einer großen Landstraße gelegen ist, wenn er eine hinreichende Kraft zu der Anwendung, welche man davon machen will, darbietet, wenn er nicht eine gewisse Zeit über im Jahre versiegt, einer Dampfmaschine weit vorzuziehen ist, denn wenn man auch eine ziemlich hohe Pacht für ihn bezahlen müßte, so bietet er doch eine Regelmäßigkeit des Ganges, eine Ersparung in der Unterhaltung, eine Leichtigkeit des Betriebs dar, welche der von der Dampfmaschine zu erzielende Vortheil, daß sie das ganze Jahr mit derselben Kraft, sowohl beim stärksten Frost als in der größten Dürre arbeitet, nicht aufwiegt; denn man kann nicht läugnen, daß bei den Dampfmaschinen, man mag noch so sorgfältig seyn, immer kleine Reparaturen vorkommen, welche dem Kraftverlust des Wasserrades bei Trokenheit und Frost gleichkommen, vorausgesezt, daß dasselbe gut construirt, bedekt ist und in einem guten Wasserstrom liegt.

Ueber ihre Mängel. Der größte Theil der Wasserfälle findet sich in bergigen Gegenden und sehr entfernt von den Städten: hieraus entstehen für die Fabriken, welche sie anwenden, oft zwei sehr lästige Unbequemlichkeiten: die eine ist diese, daß sie sich nicht leicht die erforderlichen Arbeiter verschaffen können (dieß bezieht sich hauptsächlich auf solche, die eine große Anzahl davon beschäftigen), und folglich von ihnen abhängiger sind als in einer Stadt, und sie oft theurer |312| bezahlen müssen. Zu diesem ersten Uebelstande rechnen wir auch noch die Nothwendigkeit, eine Werkstatt und Arbeiter zur Ausbesserung der Maschinen halten zu müssen, was in einer Stadt leichter und mit weniger Unkosten geschehen kann. Die zweite ist, daß sie die Geschäftsführung des Fabrikherrn schwieriger und langsamer macht, wenn der Industriezweig, den er betreibt, oft seine Gegenwart auf einem Markte oder in einem Comptoir der nächsten Stadt erfordert, denn er verliert viele Zeit bei seinen Reisen von der Stadt nach dem Etablissement und muß seine Geschäfte auf die eine oder die andere Art versäumen, indem er nicht zugleich auf dem Comptoir in der Stadt und in seiner Fabrik seyn kann. Die verständigen Fabrikanten werden die Richtigkeit dieser Bemerkung fühlen, da sie den Werth der Zeit und der Aufsicht des Herrn kennen.

Zu diesen Mängeln muß man noch hinzufügen, daß die Wasserfälle selten bedeutende Kraft darbieten; der größte Theil davon übertrifft nicht 12 bis 15 Dampfpferde, und man findet deren sehr wenige über 40 Pferdekraft! Es wird daher unvermeidlich, wenn der Wasserfall der auszuführenden Arbeit nicht entspricht, sie entweder zu beschränken und ein für alle Mal die Ausdehnung einer viel versprechenden Unternehmung aufzugeben oder die Arbeit in mehrere besondere Etablissements zu vertheilen. Diese Schwierigkeiten sind sehr bedeutend, während eine Dampfmaschine eine Kraft, die keine andern Gränzen hat, als das Bedürfniß, welches sie verlangt, auf jeden Punkt hinbringt, wo das Gewerbe sie fordert, selbst in die Mitte der Städte und großen Märkte oder auf den Gipfel der Berge, und, wenn es erforderlich ist, an einem einzigen Wellbaum die Kraft von mehreren vereinigten beträchtlichen Wasserfällen anbringt.

Die Wasserräder haben endlich auch noch eine Unbequemlichkeit, welche gewöhnlich unangenehme Folgen hat, um so mehr da, wo die Industrie am lebhaft testen und folglich die ganze Kraft des Triebwerks nöthig ist. Wir meinen die fast unvermeidlichen Streitigkeiten der Eigenthümer der Wasserfälle, von denen einer den anderen beherrscht. Es gibt wenig Anstalten in den gewerbtreibenden Ländern, die nicht dergleichen Streitigkeiten zu führen hatten oder noch haben, besonders wegen der Regulirung des Wasserstandes, welchen jede Anstalt zu erhalten oder zu erhöhen sucht, ohne sich darum zu bekümmern, ob das darüber befindliche Rad ersäuft wird.

Der Wasserfall mag noch so groß seyn, so wird doch immer die trokene Jahreszeit sehr fühlbar, und man muß alsdann gewöhnlich die Arbeiten anhalten. Das Eis stört sie ebenfalls einen Theil des Winters und in einer bedeutenden Anstalt ist man genöthigt die Räder mit einem gut verschlossenen Behälter zu umgeben und bei starker Kälte sogar zu heizen.

Vergleichung der Dampfmaschinen und der Wasserströme. Nachdem wir die Vortheile und Uebelstande dieser beiden Triebmittel kurz auseinander gesezt haben, bleibt uns noch übrig ihren respectiven Werth anzugeben, um den Fabrikanten, welche unter beiden zu wählen haben, wenigstens einen Anhaltspunkt zu geben.

Der Pachtwerth der Wasserströme, das heißt die Kosten derselben als Triebs kraft, sind nach ihrer Lage und dem Grade der Industrie eines Landes so sehr verschieden, daß es fast unmöglich ist, etwas Anderes als den Umriß der zu entwerfenden Berechnung mitzutheilen. In der That wird irgend ein Strom (wie der Fall der Mosel in der Mitte der Stadt Metz, welcher für 12 bis 1300 Fr. per Gang verpachtet ist und jezt leicht zu 2000 Fr. verpachtet werden könnte, seitdem sich dort der Getreidehandel so gehoben hat) in der Umgegend oder Mitte einer großen gewerbtreibenden Stadt nicht unter 3000 Fr. für jeden Gang verpachtet werden. Wir können also keine sehr genauen Resultate über diese Frage angeben.

Generalkosten einer Wassermühle und einer Dampfmaschinenmühle in einer Stadt. Man kann hiebei ungefähr folgendermaßen rechnen. Wir wollen als Beispiel eine Kornmühle von vier Gängen annehmen, wovon drei zugleich gehen und durch eine Dampfmaschine von 12 Pferden betrieben werden; diese Mühle wünsche man in Metz zu errichten.

Wir haben gesehen, daß man die Kosten der Dampfmaschine ungefähr folgendermaßen anschlagen kann:

Steinkohlen 5500 Fr.
Unterhaltung und Reparaturen 2000 –
|313| Zwei Einheizer 1000 Fr.
Zinsen des Capitals der Maschine
und Miethzins der Gebäude.

4000 –
––––––––
12,500 Fr.

Nun werden aber die in der Stadt befindlichen Wassergefälle jezt sämmtlich zu 2000 Fr. für den Gang gesucht, und wenn man sie einzeln verpachten würde, so würde ihr Pachtwerth noch steigen. Wir schlagen also den Pachtwerth eines Wassergefälles, welches drei Mühlen zugleich treiben kann, und der dazu nöthigen Gebäude, für 6000 Fr. nicht zu hoch an.

Man müßte außerdem bedeutende Auslagen machen, um diese Wassermühlen in Stand zu sezen, so viel Arbeit zu liefern als eine Dampfmaschinenmühle; 15,000 Fr. würden gewiß noch nicht hinreichen, und die Zinsen davon müssen wenigstens zu 16 p. C. gerechnet werden, um die Einrichtungskosten bei Ablauf der Pacht zu deken. Die jährlichen Kosten der Wassermühle werden folglich betragen:

Pacht 6000 Fr.
Zinsen der Einrichtungskosten 2000 –
–––––––
8000 Fr.

Bei der Dampfmaschine kann man jedoch auf volle 340 Tage Arbeitszeit rechnen, wenn man annimmt, daß in beiden Fällen 350 Tage gearbeitet wird, da die Mühlen Sonntags nicht still stehen: man rechnet schon viel, wenn man 10 Tage nothwendigen Stillstand, für eine Maschine die Tag und Nacht arbeitet, annimmt: denn es steht fest, daß wenn sie einerseits mehr angegriffen wird, wenn sie Tag und Nacht arbeitet, sie andererseits viel weniger einer Menge kleiner Strömungen und Zeitverluste unterworfen ist, die man erfahrt, wenn man alle Abend aufhört und am anderen Tage die Maschine wieder in Gang sezt; dahin gehören Verrükungen der Pumpen, Sprünge der Verkittungen durch die abwechselnde Ausdehnung und Zusammenziehung, Zerbrechen der Kessel, Verlust an Wärme durch das Erkalten des Kessels u.s.w.

Für eine gut besorgte, nicht zu hoch belastete, Tag und Nacht arbeitende Maschine wird man also nicht 10 Tage nothwendigen Stillstand im Jahre haben. Wir rechnen in beiden Fällen jährlich 15 Tage freiwilligen Stillstand für große Festtage etc.

Die 11,550 Fr. Kosten auf 340 Arbeitstage vertheilt, ergeben für den Tag 36 Fr. 75 Cent. Kosten.

Bei einer Wassermühle auf der Mosel muß man jährlich im Durchschnitt wegen nothwendigen Stillstandes von ihrer Arbeit abrechnen.

Zwei Mal großes Wasser, welches die Räder ersäuft, sowohl
für die Tage, wo man gänzlich anhalten muß, als für die, wo
man nur mit halber Belastung arbeitet


10 Tage.
Für zwei und mitunter drei Monate niedriges Wasser, wo man
genöthigt ist mit halber Belastung zu arbeiten, nehmen wir einen
Verlust an, von


10 –
Für die Zeit des Eises, wo man die Mühlen anhält, und wo
sie mit halber Belastung arbeiten

15 –
––––––––
50 Tage.

Von den 350 Tagen werden also nur 300 für Arbeit bleiben. Wer die Wassergefälle studirt hat, wird zugeben, daß hiemit die wirkliche Arbeit der auf einem guten Wassergefälle errichteten Mühlen zu hoch gerechnet ist: viele liefern nicht einmal die Arbeit von 200 Tagen und sind doch noch geschäzt.

Die 8000 Fr. Kosten auf 300 Tage vertheilt, ergeben für den Arbeitstag 27 Fr.

Die Wassermühlen bieten folglich in diesem Falle im Durchschnitt einen Vortheil, von 10 Fr. täglich vor den Dampfmaschinenmühlen dar, oder von etwa 3000 Fr. jährlich: davon muß man aber den Gewinn von der ganzen Arbeit abrechnen, welche die Dampfmaschinenmühle in den 30 bis 40 Tagen, die sie mehr arbeitet als die Wassermühle, liefert. Man muß außerdem in Anschlag bringen, daß dieser Gewinn ein Gegenstand von der höchsten Wichtigkeit ist, weil gerade zu der Zeit, wo die Wassermühle durch Frost oder Dürre zum Stillstand kommt, der Preis des Mehls im Verhältniß zu dem des Getreides am höchsten steigt und folglich der Gewinn des Mehlhändlers am stärksten ist. Ohne Zweifel muß man |314| es diesem Umstande zuschreiben, daß die Dampfmaschinenmühle sich in den Händen geschikter Personen neben den Wassermühlen erhalten, deren Kosten doch viel geringer sind.

Da aber bei der Dampfmaschine nothwendigerweise einige unvorhergesehene Zufälle eintreten können, welche bei den Wasserrädern nicht vorkommen und sie viel mehr Arbeit und Sorgfalt erheischt, um gut im Gang zu bleiben, so schließen wir aus der vorhergehenden Berechnung, daß bei diesem Stand der Sachen und bei diesen Preisen die Wassermühle vortheilhafter als die Dampfmaschinenmühle ist.

Kosten derselben Wassermühle außerhalb der Stadt. Nimmt man hingegen an, die Wassermühle müßte außerhalb der Stadt in einer Entfernung von anderthalb Meilen errichtet werden, während die Dampfmaschinenmühle in der Mitte der Stadt errichtet werden kann, so stellt sich die Frage ganz anders, denn man muß dann zu den Pachtkosten eines solchen Wassergefälles,

die sich bloß auf 3600 Fr.
belaufen werben, und zu den Zinsen der wieder zu erstattenden
Einrichtungskosten von

1800 –
hinzufügen:
vier Pferde, wovon eines für ein Sabriolet, den Ersaz der Pferde,
Geschirre, Krankheiten eingerechnet, zu 2 Fr. täglich, für 365
Tage


3000 –
einen Kutscher 600 –
Ein Comptoir in der Stadt und Commission für Auf- und
Abladungen wenigstens

2000 –
––––––––
Auf 300 Arbeitstage, Kosten, 11,000 Fr.
Dieß beträgt auf den Tag 36 Fr 66 Cent.

Bei einer Dampfmaschinenmühle wird man außerdem ein Pferd und einen Fuhrmann nöthig haben, die wir hier in Rechnung stellten und auf 1000 bis 1200 Fr. jährlich angeschlagen werden müssen, aber auch der außerhalb der Stadt etablirte Müller wird durch Fahrten und Abwesenheit von der Stadt oder von seinem Etablissement oder Comptoir wenigstens den Unterschied der Kosten verlieren, welche bei obiger Rechnung zu seinem Vortheil kommen; so daß dieser Vortheil nach unserer Meinung nothwendig verschwindet und ganz auf die Seite der Dampfmaschinenmühle fällt welche im Jahre 30 bis 40 Tage mehr arbeitet als die Wassermühle und diese Arbeit in den für den Absaz vortheilhaftesten Zeiten verrichtet, während man gerade dann die Wassermühle still stehen lassen muß.

Leztere Betrachtung kommt nicht in Anschlag, wenn es sich von einer Anstalt anderer Art handelt, es bliebe aber zu Gunsten der Dampfmaschine immer der sehr wichtige Vortheil, daß man sie in dem Mittelpunkt der Verbindungen der Stadt errichten kann, daß sie sich an der Stelle befände, wo man alle Mittheilungen und Auftrage der Kaufleute und Reisenden erhält, welche kein zwei Meilen von der Stadt entferntes Etablissement aufsuchen, und es würden sich in ziemlicher Entfernung von der Stadt noch andere Schwierigkeiten zeigen, wie die, sich Arbeiter zu verschaffen und der zu zahlende höhere Arbeitslohn, wenn es sich von einer Spinnerei handelt

Diese Angaben sind ohne Zweifel nicht ganz genau, aber doch ein hinreichender Anhalt bei einer solchen Berechnung und deuten wenigstens die Punkte an, worauf man die Aufmerksamkeit besonders richten muß.

Wir verdanken der Gefälligkeit des Hrn. C., einem geschikten Baumwollenspinner zu Rouen, folgende Bemerkungen über die Vergleichung der Dampfmaschinen und der Wasserströme zur Baumwollenspinnerei. Er hebt zuerst, indem er von einer durch Wasser getriebenen Spinnerei spricht, die drei Meilen von Rouen liegt, vorzüglich heraus: die Schwierigkeiten der Entfernungen zum Niederlegen der Waaren und des Ankaufs der rohen Stoffe, den Mangel an Arbeitern in den Dörfern und die Unannehmlichkeit von den Personen abhängig zu seyn, welche man beschäftigt u.s.w. Er kommt dann auf die Gefahr zu sprechen, daß man genöthigt ist durch die Hände der Commissionärs zu gehen, welche die Waaren immer in Concurrenz mit anderen ähnlichen in derselben Niederlage ausbieten, weßwegen man sie zu demselben Preis wie diejenigen Personen, welche schnell verkaufen müssen, losschlagen muß.

|315|

Berechnung der Kosten der Triebkraft einer Baumwollenspinnerei mit einer Dampfmaschine und einem Wasserstrome. Er theilt mir hierauf die vergleichende Berechnung der Generalkosten für eine Anlage mit einer Dampfmaschine von zwölf Pferden, und einem Wassergefälle von derselben Kraft mit.

Er nimmt an, die Dampfmaschine sey nicht überladen und die 12 Pferde treiben 6000 Spindeln mit Zugehör in dem Verhältniß von 3000 Umgangen in jeder Minute.

Jede Spindel wird im Durchschnitt in jeder Woche zu 81 Arbeitsstunden 1/2 Pfund Baumwollengarn von N. 26 liefern. Zu mehrerer Vereinfachung nimmt er an, die Arbeitszeit sey in beiden Anstalten gleich, der Stillstand durch Frost und Dürre deke den Stillstand bei Ausbesserungen der Dampfmaschine reichlich (und dieses Zugeständniß gereicht ganz zum Vortheil der Wassermühlen, welche fast alle viel länger still stehen als die Dampfmaschinen, selbst diejenigen von Woolf), und man verfertigte auch in keiner derselben Water Twist Garn, weil dazu viel Kraft gehört und man solches mit wenigen Ausnahmen immer auf Wassermühlen fabricirt.

Generalkosten der Dampfmaschine.

Miethzins für das Local zum Spinnen von 3000 Pfund in der
Woche und für die Wohnung des Eigenthämers, wenigstens

4500 Fr.
Grundsteuer außerhalb der Stadt 300 –
Zinsen der Triebkraft 1600 –
Abnuzung der Triebkraft 1500 –
Fette, Kitt, Hanf, u.s.w. 800 –
Jährliche Reparaturen 1000 –
Ein Einheizer 1000 –
Für 13 1/2 Arbeitsstunden muß 15 Stunden geheizt werden á 40
Kilogr. die Stunde.
600 Kilogr. á 44 Kilogr. die Poche;
13 1/2 Pochen täglich á 2 Fr. im Mittelpreise;
= 27 Fr. täglich, und im Jahre 8100 –
–––––––
Summe der Generalkosten 18700 –

Im Jahre 1820 verpachtete man die Wassergefälle in der Umgegend von Rouen zu 8 bis 10 Centimes für das Pfund Baumwolle, welches sie in einem Jahre spinnen konnten. Jezt findet man dergleichen für 6 Cent.; 150,000 Pfund,

zu 6 Cent., kosten also jährlich 9000 Fr.
Grundsteuer 500
Ein Pferd nebst Unterhalt 600
Ein Cabriolet nebst Unterhalt 200
Den Vorlegerinnen bezahlt man fast immer 75 Cent. wöchentlich
mehr als in der Stadt also 73 Fr. jährlich. Rechnet man deren nur
7 in einer Schrobbelei, welche 3000 Pfund wöchentlich liefert, so
gibt dieß



259



Beleuchtung für die Arbeiter an ihren Maschinen, wie der
Vorspinner, die Hasplerinnen, welche ihnen in der Stadt nicht
angerechnet wird, außerhalb derselben aber, es seyen 60 Dillen á
50 Cent. die Dille, im Mittel 30 Fr. wöchentlich, in 22 Wochen



960



Fracht der Waaren, sowohl für die rohe als gesponnene
Baumwolle zu 75 Cent. die 50 Kilogr., auf wenigstens 175,000
Pfd. Baumwolle, Oehl und andere Zubehör


1312 1/2


Man bezahlt den Spinnern in der Stadt das Kilogr. von N. 28 oder
29 mit 28 Cent., auf dem Lande aber gewöhnlich mit 29 Cent. für
N. 28, und mit 28 Cent. für N. 26. Differenz, 1 Cent. für das
Kilogr.



750



Niederlage in der Stadt, Steuer etc. 800
Kosten des Pferdes ein Mal in der Woche 100
|316|
Transport der täglichen Commissionen, Unterschied für größere
Auslagen an Schlosser- und Tischlerarbeiten


600


Fr.
Ein Handlungsdiener, um den Verkauf zu besorgen, ohne
Beköstigung wenigstens

2400

––––––––––––––
Summe der Kosten 17,581 1/2 Fr.

Um die beiden Spinnereien vergleichbar zu machen, nimmt er an, der Eigenthümer verkaufe seine Producte selbst; bezahlt er eine Commission, so wird sie ihm ohne das Del credere 1 Proc. wegnehmen und auf 280,000 Fr. Verkaufe und Käufe ungefähr 3000 Fr. betragen. Man sieht also, daß es jedenfalls viel vortheilhafter ist, auf dem Plaz (in der Stadt) zu seyn und seine Geschäfte selbst besorgen zu können, die bei Weitem vortheilhafteren Verkäufe, welche man macht, gleichen den geringen Unterschied in den Generalkosten zu Gunsten des Wassergefälles aus. Hr. C. ist auch vollkommen der Meinung, daß man unter solchen Umständen eine Dampfmaschine am Orte einem entfernten Wassergefälle vorziehen muß. (Aus dem Guide du Chauffeur in den Annals de l'Industrie française et étrangére 1830 T. V. No. V.)

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