Titel: Dr. Forster's Luftreise.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXXVIII./Miszelle 12 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041088_12

Dr. Forster's Luftreise.

Hr. Dr. T. Forster, M. B. F. L. S. etc., der schon seit langer Zeit seine Beobachtungen über die Nebel und Wolken auch in höheren Regionen der Luft fortsezen wollte, entschloß sich am 30. April 1831 mit Hrn. Green's Luftballon aufzusteigen. Die Luftsegler stiegen Abends um 1/4 vor 6 Uhr bei einem Barometerstande von 29 Zoll und bei einer Temperatur von 63° F., bei ruhigem schönen Wetter und veränderlichem schwachen Winde in den Gärten der Dominicaner zu Moulsham bei Chelmsford auf. Der Ballon, der 48 Fuß im Längen- und 32 Fuß im Quer-Durchmesser hatte, und mit gekohlstofftem Wasserstoffgase aus den Gaswerken gefüllt war, stieg Anfangs mit sanfter Bewegung, und wurde durch einen leichten Ostwind über das Dorf Writtle getragen. In einer Höhe von 1000 Fuß hingen die Luftfahrer den Anker aus der dem Karren mehr Ruhe und Festigkeit gab; einige Minuten darauf fanden sie, daß die Schnelligkeit des Ballons sich sehr vermindert hatte, und es zeigte sich eine Aenderung des Laufes; sie wurden nämlich durch einen Luftzug von SW beinahe wieder zurükgeführt, wobei jedoch der Ballon fortwährend aufstieg. In einer Höhe von beiläufig 4000 Fuß änderte sich die Strömung neuerdings, so daß sie beinahe über das Kloster von, New-Hall zu stehen kamen; sie warfen hierauf noch etwas mehr Ballast aus, worauf der Ballon schnell in einer Art von unregelmäßiger Spirallinie, aber so sanft stieg, daß seine Bewegungen fast unmerklich waren, bis er endlich in einer Höhe von 6000 Fuß beinahe unbeweglich stand, und fast eine Viertelstunde lang so blieb. Den Anblik, den diese Stellung über der Erdoberfläche gewährte, beschreibt Hr. Forster als einen höchst angenehmen und ergözenden. Es wurde noch mehr Ballast ausgeworfen, der Ballon stieg wieder, und nun bemerkt Hr. Forster ein lästiges Gefühl, wie einen Druk auf das Trommelfell in den Ohren, gerade wie es Me Garnerin, Hr. Charles und Roberts beschrieben hatten; es wurde daher die Klappe geöffnet, worauf sie schnell in einen tieferen Luststrom herabgelangten, der sie nach Broomfield führte, wo sie 20 Minuten vor sieben Uhr wieder an's Land stiegen. Während und nach dieser Fahrt machte Dr. Forster folgende Beobachtungen: 1) daß der Ballon, wenn er langsam auf |396| stieg, sich in derselben Richtung, wie die Erde und die übrigen Planeten, bei ihrer täglichen Umdrehung drehte, d.h. von Rechts nach Links. Diese Bewegung war jedoch so sanft, daß man sie bloß bemerken konnte, wenn man auf die unten befindlichen Gegenstände sah. Beim Sinken oscillirte der Ballon in derselben Richtung. 2) Die Luftströmungen, durch welche der Ballon nach und nach bei seinem Aufsteigen kam, kamen den nächst folgenden Tag in derselben Reihenfolge herab auf die Erde; der Südwestwind z.B. zeigte sich zuerst am folgenden Morgen, und brachte Regen. Hr. Dr. Forster glaubt aus wiederholten Versuchen schließen zu können, daß dasselbe mit den meisten höheren Luftschichten der Fall ist. 3) Die wogigen Cirrocumuli liegen weit außer der Höhe, welche alle unsere Luftballons erreichen, denn selbst von der größten Höhe aus gesehen, scheinen sie noch ebenso hoch über den gewöhnlichen Wolken zu seyn, als man sie von der Erde aus sieht. 4) Dr. Forster, der sein Aufsteigen mit dem Luftballon mit seinen früheren Erklimmungen der Schweizerberge vergleichen konnte, ist geneigt den geringeren Grad von Schwindel, den man beim Aufsteigen mit Luftballons empfindet, und der bei ihm ganz fehlte, der Idee einer vollkommenen Insulation zuzuschreiben, so daß eine Person, die an Abgründen hängt, oder auf den höchsten Spizen sizt, vorzüglich deßwegen schwindelig wird, weil sie sich des unsicheren Zusammenhanges mit der Erde bewußt ist. Er beobachtete auf seiner Reise auch die Art und Weise, auf welche die Nebel Abends sinken; er machte einige Beobachtungen über die Wirkungen, welche das Fahren auf der See unter verschiedenen Umständen hervorbringt, und verglich dieselben mit jenen, die das Schweben in der Luft erzeugt; alle diese Beobachtungen, so wie einige andere über die Seekrankheit, über die besondere Art von Taubheit, von welcher man in großen Höhen, in Tauchergloken, Bergwerken, bei Witterungsveränderungen, wenn der Barometer schnell steigt oder fällt, ergriffen wird, wird er später mittheilen. Eine sehr werkwürdige Beobachtung, die er machte, ist die, daß beim Herabsteigen von hohen Bergen die Taubheit immer von einem Gefühle von Völle um die Ohren begleitet ist, während dieß unangenehme Gefühl beim Herabsteigen mit dem Luftballon ganz fehlt, so daß hier bloß eine Stumpfheit des Gehöres Statt hat. In höheten, Regionen der Luft selbst ist es keine wahre Taubheit, sondern ein Schnappen in den Ohren, welches man bemerkt; beim Herabsteigen verliert sich dieses, und dann tritt die Taubheit an seine Stelle, die am stärksten ist, wenn man wieder auf den Boden kommt, so daß hier eine Art von Gegensaz Statt zu finden scheint. In Hinsicht auf den Schwindel und die Furcht vor dem Herabfallen aus dem Ballon, bemerkt Hr. Forster, daß er, da er gewohnt war große Höhen zu ersteigen, nichts von diesen Unannehmlichkeiten fühlte; daß er jedoch, wenn er gerade nach Unten schaute, ein unangenehmes Gefühl und eine leichte Art von Schwindel empfand. Leuten, die nicht an große Höhen gewohnt sind, empfiehlt er daher, wenn sie Luftfahrten machen wollen, die Augen lieber gegen den Horizont, als gegen den Boden zu richten. Der Korb, in welchem Dr. Forster aufstieg, war der Leichtigkeit halber klein; er läßt sich aber einen größeren aus Weidenruthen machen, in welchem er bei seiner nächsten Fahrt gehörige Instrumente mitnehmen kann. (Philos. Magazin and Annals of Philos. 1831 Jul. S. 67.)

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