Titel: Seidenbau in Nordamerika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXXVIII./Miszelle 14 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041088_14

Seidenbau in Nordamerika.

Der Herausgeber des Repertory of Patent-Inventions theilt im Aprilhefte 1831 S. 228. ein Schreiben mit, welches er über Einführung des Seidenbaues in Nordamerika erhielt; dasselbe liefert einen neuen Beweis, daß einzig und allein die Nachlässigkeit unserer Landleute Schuld ist, wenn in Deutschland der Seidenbau nicht in Aufnahme kommt, indem das wenig bevölkerte Amerika gegen uns offenbar im Nachtheile steht. Es lautet folgender Maßen:

Mein Herr! die Bemerkungen, welche Hr. Emart am 15. Februar im Unterhause über die erste Einführung roher Seide aus den Vereinigten Staaten mittheilte, entgingen wahrscheinlich ihrer Aufmerksamkeit nicht; der Gegenstand ist gewiß wichtig genug, um den zahlreiche Lesern ihres weit verbreiteten Journales eine mehr detaillirte Anzeige darüber zu gehen. Hr. Duponceau zu Philadelphia, Präsident der American Philosopical Society, dachte mit seiner gewöhnlichen Umsicht und Vaterlandsliebe längst über die Vortheile nach, welche aus dem Anbau des weißen Maulbeerbaums und der Verbreitung des Seidenwurms, als höchst wichtigen Geständen, für die Vereinigten Staaten entstehen können, wo die Verschiedenheit des Bodens und Klima's die Erzeugung von Seide leicht macht; es entstanden aber Schwierigkeiten sie für den Verkauf zuzubereiten. Diese Hindernisse verzögeren lange die Ausführung seines Planes, obgleich Nähseide von vorzüglicher Feinheit und Stärke in Connecticut fabricirt worden ist.

Hr. D'Homergue, zu Nismes in Frankreich, kam nach Philadelphia und verschaffte Hrn. Duponceau Gelegenheit, seine löblichen Absichten in Ausführung zu bringen, indem er unter seiner Leitung eine Filatur errichtete. Hr. D'Homergue hatte schon früher eine zu Nismes dirigirt, kannte den Anbau und die Zubereitung der Seide, wie sie an verschiedenen Orten in Frankreich betrieben werden, und arbeitete mit Eifer aus einen guten Erfolg in Amerika hin. Das Resultat das ersten Versuches hat gezeigt, daß ihre Arbeiten wahrscheinlich mit Erfolg gekrönt werden dürsten.

Man konnte nicht erwarten, daß aus den Händen der amerikanischen Arbeiter bei einem neuen und ihnen fremden Geschäft ein sowohl bereiteter Artikel hervorgehen würde, wie ihn Italien oder Frankreich liefern, wo er seit so langer Zeit ein Stapelartikel war; aber die erhaltene Probe hat gezeigt, daß Hr. D'Homergue willige und geschikte Schüler unterrichtete, welche, wie man hoffen darf, den Hasplern in Frankreich und Italien bald gleich kommen werden. Ein Sachverständiger hat mit einem Muster dieser Seide die verschiedenen Processe des Auswindens, Mulinirens und Färbens vorgenommen und das Resultat war so befriedigend, daß nach seiner Meinung ein schönes Feld für den Artikel in Amerika eröffnet ist. Er hält die Qualität für besser als die indische Seide im Allgemeinen ist und für ganz gleich derjenigen von Truli und Trent. Er hat etwas davon schwarz gefärbt (wobei sich am besten zeigt, ob eine Seide von guter Qualität ist) und sie nahm die Farbe sehr gut an; er machte noch auf einige beim Haspeln erwünschbare Verbesserungen aufmerksam, welche ein wenig mehr Erfahrung bald bewerkstelligen wird.

Die jezige Einsendung ist eine bloße Probe und besteht in einer kleinen Quantität, welche in Pennsylvanien producirt und in der Filatur des Hrn. Duponceau zu Philadelphia unter der Leitung des Hrn. D'Homergue von den Cocons gehaspelt wurde; einige der besten Kenner in diesem Lande, welchen man sie zeigte, halten sie für einen sehr schönen Anfang. Die Textur ist feiner als die bei der italiänischen Seide und man erhält eine größere Ausbeute von derselben Menge Cocons. Man hat Seide aus derselben Filatur gekocht, gefärbt und in sehr feines Zeug in Amerika verwoben, jedoch nicht mulinirt, weil man hierzu daselbst noch keine Mühlen hat.

Sollte sich die Seidenproduction in Amerika so schnell vermehren, wie es mit der Baumwolle in den lezten dreißig Jahren der Fall war, so wird sie ein Artikel von großer Wichtigkeit für unseren Handel mit diesem Lande werden, wenn |398| die Amerikaner uns das rohe Material senden und die daraus gefertigte Waare wieder annehmen, wie es jezt der Fall mit der Baumwolle ist.

Der weiße Maulberbaum und der Seidenwurm sollen fast in allen Staaten der Union fortkommen und lezterer kann zu der Zeit aufgenommen werden, wo ersterer Blätter hat.

Dieser Gegenstand wurde von einem Ausschuß des amerikanischen Congresses aufgenommen und von diesem der Aufmerksamkeit der Regierung und des Landes dringend empfohlen; jede Sache die den Verkehr und die Verbindungen zwischen beiden Ländern mehr befestigen kann, verdient alle Aufmerksamkeit. Ich bin etc.

London, 26. März 1831.

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