Titel: Ueber künstliche Mineralbäder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. LXXXVIII./Miszelle 8 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041088_8

Ueber künstliche Mineralbäder.

Im Journal de Pharmacie 1831 Juillet S. 365 befindet sich ein Aufsaz des Hrn. Felix Boudet über die natürlichen und künstlichen Mineralquellen im Allgemeinen, dem einige Formeln zur Bereitung schwefelhaltiger Wässer beigefügt sind. Wir empfehlen diese Abhandlung jenen unserer Leser zur Durchsicht, in deren Interesse dieser Gegenstand liegt, denn er enthält so viel rein Aerztliches, daß wir ihn hier nicht ganz einrüken konnten. Der Verfasser beleuchtet im Eingange vorzüglich die schon unzählige Male aufgeworfene und abgehandelte Frage, ob künstliche Mineralwässer nicht eben so gut, oder noch besser sind, als natürliche, und ist hier der Meinung, daß es bei der Fabrikation der Mineralwässer nicht darauf ankommt, daß man alle Bestandtheile der Wasser, die man nachmachen will, genau kenne, sondern, daß es genug ist, wenn die wirksamen derselben quantitativ bekannt sind. Bei aller Achtung für den Hrn. Verfasser können wir ihm aber hier unmöglich beistimmen; denn um etwas genau nachzumachen, muß man es vorher genau kennen. Die Ausmittelung dessen, was wirksam und was unnüz ist, ist nicht so leicht, als es viele Chemiker und Pharmaceuten glauben. Jeder Arzt und jeder Techniker wird sich überzeugt haben, daß es eine Menge widersinniger und den chemischen Gesezen widerstreitender Formeln gibt, die dessen ungeachtet gut sind, und an denen man nichts ändern darf, wenn man nicht andere Resultate erhalten will. Wir sind durchaus keine Anhänger der complicirten und so oft auf Aberglauben und Geheimnißkrämerei beruhenden Formeln, allein wir haben uns sowohl in der Färberei, als in anderen Zweigen der Chemie und Pharmacie überzeugt, daß wir einen Bestandtheil, den wir den Gesezen der Chemie und des menschlichen Organismus zu Folge für ganz unwirksam halten mußten, doch nicht weglassen durften, ohne eine andere Wirkung hervorzubringen. |394| Uebrigens wissen wir ja noch von den wenigsten Körpern genau, in wie fern sie, mit diesen oder jenen Substanzen in Verbindung gebracht, eine Modification ihrer Wirkungen erleiden, so daß es uns scheint, daß künstliche Mineralwässer nur dann empfehlenswerth sind, wenn sie so genau als möglich die natürlichen repräsentiren, über deren Wirkung eine lange Reihe von Erfahrungen bereits entschieden hat. – Der Hr. Verf. gibt am Schlusse folgende Formeln:

Wasser von Barèges zum Getränke.

Neutrales, krystallisirtes, schwefelwasserstoffsaures Natron112) 25 Grane.
Kohlensaures Natron 16 –
Salzsaures Natron 1/2 –
Destillirtes Wasser 20 1/2 Unze.

Die Pharmacopöe gab für dieses Wasser folgende Vorschrift:

Kohlensaures Natron 16 Grane.
Salzsaures Natron 1/2 Gran.
Wasser mit einem gleichen Volumen Schwefelwasserstoffsäur
geschwängert

4 Unzen.
Destillirtes Wasser 16 1/2 Unze.

Hr. Boudet nimmt hier statt der Schwefelwasserstoffsäure eine Quantität neutralen, krystallisirten, schwefelwasserstoffsauren Natrons, die erstere durch Verbindung, mit einer gehörigen Menge Natron und Wasser zu bilden im Stande wäre. Nach denselben Grundsäzen gibt er für das

Wasser von Bonnes

folgende Vorschrift:

Neutrales, krystallisirtes, schwefelwasserstoffsaures Natron 25 Grane.
Salzsaures Natron 30 –
Schwefelsaure Bittererde 1 –
Destillirtes Wasser 20 1/2 Unze.

Für das zum Baden bestimmte Schwefelwasser nimmt er statt der flüssigen Natronschwefelleber eine Quantität schwefelwasserstoffsaures Natron, die eine gleiche Menge Schwefel mit der Schwefelleber enthält. Daraus ergibt sich folgende Formel für eine concentrirte Auflösung zu einem Schwefelbade:

Neutrales, krystallisirtes, schwefelwasserstoffsaures Natron 10 1/2 Unze.
Wasser so viel als zur Auflösung derselben nöthig ist.
Salzig-gallertartige Auflösung der Pharmacopöe
10 Unzen.
|394|

Dieses neutrale, krystallisirte, schwefelwasserstoffsaure Natron enthält:

Schwefelwasserstoffsäure 14,4
Natron 26,4
Wasser 59,2
–––––
100,0
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