Titel: Ronalds neu erfundene Sonnenuhr.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XCVIII./Miszelle 5 (S. 467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041098_5

Ronalds neu erfundene Sonnenuhr.

Hr. C. Ronalds Esq. zu Croydon erfand eine neue Art von Sonnenuhr, von welcher das Register of Arts 1831 Julius S. 115 folgende Erklärung gibt. „Als einen Verweis für die Verhandlungen jener Leute, die sich mit dem Messen der häuslichen Zeit abgeben, und von denen viele zu geschikt sind, als daß sie einen Maßstab ihrer eigenen Zeit errichten können, erfand Hr. Ronalds einen einfachen, wohlfeilen und eleganten, kleinen Apparat, welcher, ohne daß man die Mathematik der Schulmeister anzurufen brauchte, in jeder Wohnung angebracht werden kann, in der sich ein gegen Süden gelegenes Fenster befindet. Ein Draht, der unter einem Winkel in einem der Riegel des Fensterstokes außen befestigt ist, dient als Zeiger; der Schatten desselben fällt auf eine schildförmige Platte von dünnem Kupfer oder verzinntem Eisenbleche, die an der inneren Seite der entsprechenden Fensterscheibe angebracht wird. Damit nun der Schatten innen in dem Zimmer gesehen werden kann, wird ein Kreisbogen von einem Zoll Breite aus dem unteren Theile des Schildes ausgeschnitten, und die Oeffnung mit einer Talkplatte bedekt, die durch Abreiben der einen ihrer Oberflächen halbdurchsichtig gemacht wurde. Der Schatten des Zeigers kann mit einem Bleistifte nach einer guten Uhr alle Stunden und alle beliebigen Theile von Stunden auf die Talkplatte aufgetragen werden; und die Platte kann, da sie mittelst eines kleinen Nagels um den Mittelpunkt des Bogens beweglich ist, später für alle gewöhnlichen Fälle mit der mittleren Zeit hinlänglich in Einklang gebracht werden.“ Uns scheint diese Sonnenuhr zu zierlich, und zu gebrechlich, als daß sie bei uns im gemeinen Leben eingeführt werden dürfte, wenn man auch dahin kommen sollte einzusehen, daß die Zeit das Kostbarste auf Erden ist, und daß man daher wissen muß, woran man in derselben ist. Bei uns heißt es leider noch an gar vielen Orten: komme ich heute nicht, so komme ich morgen. Uebrigens ist dieser Mangel an Achtung der Zeit nicht das einzige Hinderniß für diese Sonnenuhr, und für alle Sonnenuhren, die an einem Fenster angebracht werden sollen; denn die Fenster an den Bauernhäusern im flachen Lande sind so klein, so unzwekmäßig, so sorgfältig gegen Zutritt der Sonne und der Luft verpallissadirt, daß aus der Formation derselben gewiß Niemand auf die Idee kommen könnte, daß ein Fenster zum Eintritte von Licht und Luft bestimmt ist. Wann wird man ein Mal zur Einsicht gelangen, daß physische Finsterniß dem Körper ebenso nachtheilig ist, wie geistige dem Verstande! Wann wird es ein Mal im Interesse der Verwaltungen liegen, beide so unschädlich als möglich, o. h. so gering als möglich zu machen!

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