Titel: Vortrefflichkeit des Teakholzes zum Schiffbaue.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 41, Nr. XCVIII./Miszelle 7 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj041/mi041098_7

Vortrefflichkeit des Teakholzes zum Schiffbaue.

Das Mechan. Mag. N. 417 gibt S. 367 eine Notiz über die allgemein bekannten vortrefflichen Eigenschaften des Holzes der Tectona grandis Linn., des Teakbaumes oder der sogenannten indischen Eiche, als Schiffbauholz, aus welcher wir Folgendes ausheben, da sie von Jemandem mitgetheilt wurde, der sich beinahe unter allen Klimaten von der Wahrheit der Sache überzeugte. Der Teakbaum, nennt, obwohl er nicht die geringste Verwandtschaft oder Aehnlichkeit mit den Eichen hat, erreicht eine außerordentliche Höhe, und gewährt durch seine schönen großen Blätter einen äußerst majestätischen Anblik. Sein Holz übertrifft das Eichenholz weit an Güte; es enthält nämlich einen öhligen Bestandtheil, der dasselbe vor Fäulniß bewahrt, und keine Galläpfelsäure, welche das Eisen angreift, und Würmer herbeilokt; auch die sogenannte trokene Vermoderung findet an diesem Holze nicht Statt. Jene Varietät des Teakholzes, welche wegen ihrer zarten und geraden Fasern Puon genannt wird, ist vorzüglich zu Masten geeignet, und übertrifft in dieser Hinsicht das Holz von Tablanaz, Riga, Amerika, kurz jedes andere bekannte Holz. Zu Stängen- oder Topmasten ist es wegen seiner Schwere weniger geeignet; allein der bekannte Jemsatjee Bomanjee soll es auch hierzu mit gutem Erfolge versucht haben. Wir erinnern uns, sagt der Verfasser, in Bombay ein inländisches Schiff von beiläufig 500 Tonnen gesehen zu haben, welches vor mehr als 40 Jahren aus Teakholz erbaut wurde, und welches dessen ungeachtet noch vollkommen gut erhalten war, und nicht die geringste Schadhaftigkeit zeigte. Wir segelten selbst in einer Fregatte, die vor vier Jahren aus diesem Holze erbaut worden war, in verschiedene Stationen, und übergaben dieselbe nach einem sehr angestrengten Dienste, der jedes unserer Contractschiffe zu Grunde gerichtet haben würde, so gut erhalten, als wenn sie neu wäre. Im Jahre 1811 wurde der Dover, ein kleineres Teakschiff als das eben angeführte, an die Küste von Madras getrieben, und strandete daselbst durch einen sehr heftigen Windstoß. Dieß Schiff nun war so stark, daß es mehrere Monate lang vollkommen ganz in der fürchterlichen Brandung lag, in welcher irgend ein europäisches Schiff kaum eine Woche lang unzertrümmert geblieben wäre; es wurden mit großen Kosten Zimmerleute beauftragt das Schiff zu erbrechen, allein auch hierbei ergaben sich so große Schwierigkeiten, daß man zulezt genöthigt war, dasselbe mit Schießpulver zu sprengen! Die Vortrefflichkeit dieses Holzes wäre allein hinreichend die Eifersucht zu erklären, mit welcher England über seine ostindischen Besizungen wacht. Man muß aber auch gestehen, daß England und Holland die wahren Schäze ihrer Colonien am besten kennen, und daß sie für die Naturgeschichte derselben mehr thun, als irgend eine andere Nation. Der berühmte Wallich, der dem botanischen Garten zu Calcutta vorstand, und daselbst die interessantesten und wichtigsten Versuche anstellte, ist kein bloßer Gelehrter; er beobachtete und sammelte auf seinen zahlreichen Expeditionen nach Nipal, Ara, kurz in alle Theile Ostindiens, vorzüglich Alles, was in irgend einer Hinsicht allgemein nüzlich ist, oder es werden kann. Was Wallich für England ist, ist der berühmte Blume für Holland.

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