Titel: Payne's verbesserter Taschen-Pedometer
Autor: Payne, William
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XII. (S. 20–23)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042012

XII. Verbesserter Taschen-Pedometer (Weg- oder Schrittmesser), der auf eine neue und sehr einfache Weise eingerichtet ist, und auf welchen sich William Payne, Uhrmacher zu London, New Bond-Street, parish of St. George, Hanover-Square, Middlesex, am 15. Februar 1831 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Junius S. 137.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Dieses sinnreiche Instrument hat die Form einer kleinen flachen Taschenuhr, so daß es in der Westentasche getragen, oder um den Hals gehangen werden kann; es hat einen inneren, sich schwingenden Hebel oder Pendel, der durch die Bewegungen, welche der Körper desjenigen, der es trägt, beim Gehen oder Reiten macht, in Thätigkeit gesezt wird. Die schwingende Bewegung dieses Hebels wird durch Sperr- oder Stellräder und Sperrer (palls) mittelst einer Reihe von Zahnrädern und Triebstöken, oder durch eine Schraube ohne Ende und Zahnräder, der Spindel oder Achse mitgetheilt, die den Zeiger trägt, welcher sich auf einem graduirten Zifferblatte herum bewegt, und auf diese Weise die Zahl der zurükgelegten Meilen angibt.

Da die Bewegungen des Körpers beim Gehen, Reiten und Fahren verschieden sind, so ist das Instrument so eingerichtet, daß es auf alle diese verschiedenen Arten von Bewegungen anwendbar ist. Da die Bewegung beim Gehen und Reiten, in Folge des Aufhebens der Füße beim Gehen, und des Erhebens des Körpers vom Sattel beim Reiten, eine Bewegung nach Aufwärts und Abwärts ist, so muß für diese Fälle der Schwingungshebel horizontal im Pedometer angebracht seyn; während er für die Bewegung beim Fahren, welche in rechten Winkeln gegen die vorhergehende Statt hat, oder welche eine schaukelnde |21| Bewegung ist, senkrecht oder in einer Hangenden Stellung angebracht werden muß um dadurch die verlangte Wirkung zu erhalten.

Fig. 7, 8, 9 und 10 zeigen die Theile eines Pedometers, der für Fußgeher und Reiter eingerichtet ist. Fig. 11 ist eine ähnliche Darstellung eines Pedometers für Fahrende. Fig. 12 und 13 stellen einen Pedometer, welcher nach den Grundsäzen des Vorhergehenden verfertigt, aber so eingerichtet ist, daß er eine weit größere Zahl von Meilen registrirt oder angibt. Fig. 7 zeigt einen vollkommenen Pedometer von Vorn, mit dem Zifferblatte, welches so eingetheilt ist. daß es bis auf 10 Meilen zählt und zeigt. Fig. 8 ist eine Ansicht desselben Instrumentes nach Entfernung des Zifferblattes. Fig. 9 zeigt dasselbe vom Rüken und aus seinem Gehäuse genommen.

Fig. 10 stellt den Schwingungshebel einzeln mit seinen Sperrern und Sperrrädern vor. Die gleichen Buchstaben beziehen sich in allen Figuren auch auf gleiche Gegenstände, a, a ist der Schwingungshebel, an welchem nahe an seinem Ende das Gewicht b angebracht ist. Dieser Hebel ist durch Schrauben an dem kleineren Sperrrade c befestigt, in dessen Mittelpunkte sich die Spindel oder Achse befindet, an der der Hebel aufgehangen ist; diese Achse trägt auch das größere Sperrrad d, welches sich frei um dieselbe bewegt; e ist die Feder, welche den Hebel, wenn er sich im Zustande der Ruhe befindet, gegen die Dämm- oder Stellschraube f hält. Wenn nun der Hebel durch die Bewegung, die der Träger des Instrumentes beim Gehen oder Reiten macht, in Bewegung gesezt wird, so steigt das beschwerte Ende des Hebels herab, wird aber durch die Feder sogleich wieder in seine frühere Stellung zurükgestoßen. An der unteren Seite des zweiten Sperrrades d befindet sich der kleine Triebstok g (Fig. 8), der in das Zahnrad h eingreift, und durch die Reihe von Rädern und Triebstöken, welche mit i, j, k und l bezeichnet sind, seine Bewegung dem Zeiger an der Achse des Rades I, der sich um das Zifferblatt bewegt, mittheilt. Hieraus erhellt, daß jedes Herabsteigen des beschwerten Endes des Schwingungshebels das größere Sperrrad d um einen oder mehrere Zähne drehen wird, und daß dieses Sperrrad durch den Sperrer (Fig. 9) am Zurükweichen gehindert ist, so daß es folglich still stehen muß, während die Feder den Hebel wieder in seine frühere Stellung zurükbringt. Es muß jedoch bemerkt werden, daß bei dieser Einrichtung des Pedometers der Schwingungshebel nicht wirken würde, wenn er sich nicht in der angezeigten, horizontalen Stellung befände; in dieser Richtung wird er daher dadurch erhalten, daß man das Instrument in der Westentasche an einem kleinen Haken aufgehangen trägt, der an dem Gehänge angebracht ist, und über den Aufschlag oder den Rand der Tasche läuft.

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Fig. 11 zeigt eine andere, auf demselben Grundsaze beruhende, Construction. Diese Figur zeigt nämlich das Innere eines Instrumentes, an welchem der Schwingungshebel senkrecht hängt, und sich wie ein Pendel schwingt. Diese Einrichtung ist deßhalb so getroffen, damit sie die Zahl der Meilen anzeige, welche Jemand, der in einem Wagen fährt, zurükgelegt hat. Die schaukelnde Bewegung, in welche der Körper des Trägers des Instrumentes beim Fahren geräth, wird den Pendel oder den Hebel schwingen machen, und dadurch auf die oben beschriebene Weise, die Reihe von Rädern und Triebstöken in Bewegung sezen; nur ist bei diesem Instrumente keine Feder nöthig, um den Pendel wieder in seine vorige Stellung gegen die Stellschraube zu bringen, indem derselbe durch seine eigene Gravitation dieß bewirkt.

Fig. 12 und 13 zeigen einen Pedometer, der eine viel größere Zahl von Meilen zu registriren im Stande ist; dieß ist bewirkt durch Hinzufügung des Triebstokes o und des Zahnrades p, an dessen Spindel oder Achse der Hülfszeiger q angebracht ist, der auf dem kleineren Kreise von Zehntelmeilen die Zahl der Umdrehungen des zehn Meilenrades angibt.

Damit die Streke Weges, welche ein Reisender zurükgelegt hat, genau angegeben wird, muß jede heftige Bewegung des Körpers, wie Laufen und Springen, so wie die Vergrößerung der Schritte des Trägers vermieden werden. In Fig. 14 sieht man den Pendel mit einer elastischen Dämmung oder Stellung, die durch die Feder r hervorgebracht wird, welche auf den Stellstift s drükt, wodurch eine stärkere Bewegung des Schwingungshebels entsteht, so daß dem Sperrrade d erlaubt wird, sich durch einen größeren Bogen zu bewegen, d.h. durch mehrere Zähne zu laufen. In dieser Figur sieht man auch die aufgewundene Feder t, t, welche statt der Feder e (Fig. 9) angebracht ist. Diese aufgewundene Feder ist an dem einen Ende an dem Schwingungshebel, und an dem anderen an das feststehende Stük z befestiget, und dient dazu, den Hebel wieder in seine ruhige Stellung gegen die Stellschraube zu bringen. Der Patent-Träger findet es nöthig hier zu sagen, daß, da das Fortschreiten des Zahnrades d und des mit ihm verbundenen Räderwerkes und Zeigers von der Länge des Bogens abhängt, durch welchen sich der Schwingungshebel bewegt, die Dämmung oder Stellung desselben durch die Schraube f so berichtigt werden kann, daß dadurch die Ausdehnung der Schwingungen des Hebels regulirt wird. Es versteht sich von selbst, daß die Bewegung des Schwingungshebels auch durch andere Vorrichtungen, als durch die beschriebenen Sperrer und Sperrräder den Rädern und Triebstöken mitgetheilt werden kann, weßhalb der Patent-Träger sich |23| nicht auf diese einzige Mittheilungsart der Bewegung beschränkt. Zum Schlusse bemerkt derselbe, daß der Mechanismus des verbesserten Pedometers auch mit einer gewöhnlichen Taschenuhr in Verbindung gesezt werden kann, indem man die arbeitenden Theile desselben unter das Zifferblatt der Uhr bringt, und auf dem Zifferblatts selbst einen kleinen Kreis mit einem Zeiger, der die Zahl der durchreisten Meilen bestimmt, anbringt.

Die Patent-Erklärung ist von Hrn. Newton verfaßt.

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