Titel: Programm der von der Société d'encouragement ausgeschriebenen Preise
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XXV. (S. 54–64)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042025

XXV.  Programm

der von der Société d'encouragement pour I'Industrie nationale in der General-Sizung vom 29. December 1830 für die Jahre 1831, 32, 33 und 35 ausgeschriebenen Preise.

Preise für das Jahr 1832.

Mechanische Künste.

(Fortsezung und Beschluß von Bd. XLI. S. 465.)

21) Preis von 12,000 Franken für Maschinen zum Hecheln des Flachses.

(Wie im polytechn. Journ. Bd. XXXIX. S. 326.)

22) Preis von 6000 Franken auf Anwendung der hydraulischen Kreisel (turbines hydrauliques) und der Räder mit krummen Blättchen des Belidor (roues à palettes courbes de Bélidor) im Großen bei Werkstätten und Fabriken.

(Das Programm ist genau wie jenes im polytechnischen Journale, Bd. XIX, S. 200; nur ist der Termin zur Einsendung bis auf den 1. Julius 1832 verlängert, und unter den Bedingungen Folgendes abgeändert. Wo es S. 202 hieß: die Gesellschaft verlangt ferner etc., heißt es jezt: „die Gesellschaft verlangt, daß die hydraulischen Kreisel, die zur Preisbewerbung eingeschikt werden, welches auch immer die Bewegkraft seyn mag, deren Elemente der Fall und das Volumen des verbrauchten Wassers sind, eine Wirkung geben, die sich jener nähert, welche man mit derselben Kraft durch Eimerräder oder sogenannte roues de coté erhält. Die Gesellschaft verlangt ferner, daß sich eines der vorgelegten Räder mit irgend einer Schnelligkeit unter dem Wasser bewegen könne, und daß es gegen die Wirkungen der Kälte, der Veränderungen des Wasserstandes und anderer, mehr oder weniger großen, Nachtheile geschüzt sey.)

23) 5 Preise (von 2000, 4000, 3000, 2000 und 2500 Franken) für Fabrikation von Röhren zu Wasserleitungen.

(Das Programm gibt hier wörtlich die interessante Abhandlung mit den Abbildungen, welche sich bereits im Polytechn. Journale Bd. XXVIII. S. 56 befindet, mit sehr wenigen Abänderungen, die wir |55| hier beifügen. Die Röhren müssen vor dem ersten Julius 1832 eingesendet werden. Alle Rohren müssen 2 Meter lang seyn und 0,33 Meter im Lichten haben; sie werden, zwei und zwei nach dem, von dem Preisbewerber angenommenen, Systeme mit einander verbunden, einem inneren Druke von 10 Atmosphären, der als Basis für die Wasserleitung zu Paris angenommen wurde, ausgesezt. Während dieses Versuches werden die Enden noch durch ein anderes Mittel, als durch ihre eigentliche Verbindung, zusammengehalten werden, damit der innere Druk seine ganze Wirkung, welche sowohl diese Verbindung, als jede andere, an jeder einzelnen Röhre allenfalls befindliche, Zusammenfügung aufheben konnte, beibehalte. Die Gesellschaft verlangt, daß die, von den Preisbewerbern vorgelegten, Röhrensysteme zu einer Wasserleitung von wenigstens 30 Meter Länge und 15 bis 25 Centimeter im Lichten mit Vortheil angewendet wurden, und daß die Kosten derselben nicht höher kamen, als die gewöhnlichen Kosten solcher Unternehmungen. Diese lezte Bedingung ist jedoch für den 5ten Preis nicht durchaus vorgeschrieben.)

S. 66 ist zuzusezen: 10) Röhren aus Hanfgeweben. Von jenen, die einen Durchmesser von 0,054 Meter haben, kostet der Meter 4 1/2, Frank; von jenen, deren Durchmesser 0,041 Meter beträgt, kostet der Meter 3 Franken.

24) Preis von 3000 Franken für die Anwendung der Eisenbahnen auf die gewöhnlichen Straßen mit unregelmäßigen Nivellirungen.

(Die Eisenbahnen, die vor 50 Jahren zuerst am Creusot bei Montcenis angewendet wurden, haben in neuerer Zeit in England, wie allgemein bekannt ist, eine außerordentliche Vervollkommnung und Ausdehnung erhalten. Die Vortheile der Eisenbahnen vor den Kanälen, welche das Programm angibt, sind so bekannt, daß wir sie nicht anzuführen brauchen. Seit der Erfindung derselben haben in Frankreich drei Compagnien in einer Streke von mehr als 40 Meilen Eisenbahnen in der Hoffnung errichtet, bei denselben eine Dividende von mehr als 10 Procent zu erhalten, und mehrere neue Vorschläge wurden der Regierung von anderen Compagnien gemacht. Bis jezt wurden jedoch die Eisenbahnen nur für regelmäßige Abhänge und gewisse Localitäten vorgeschlagen, und viele, viele Gegenden entbehren der Wohlthat eines wohlfeilen Transportmittels, so daß sie unter der Masse der Producte ihres Bodens und ihrer Industrie erdrükt werden, indem sie wegen der Kostspieligkeit des Transportes auf den fernen Märkten nicht in Concurrenz treten können. Wäre das System der Eisenbahnen allgemeiner anwendbar, so ließe sich diesem großen Nachtheile |56| leicht abhelfen. Hr. Brard errichtete auf dem Rande einer gewöhnlichen Straße eine Eisenbahn mit Kosten, welche weit unter jenen der bisher ausgeführten Eisenbahnen stehen, indem er durch die bereits errichtete Straße die Arbeiten des Terrassirens etc. ersparte. Um den Zwek der Gesellschaft zu erreichen, würde es sich darum handeln, diese Idee auch an anderen Orten auszuführen, aber auch, ohne Veränderung der Nivellirung, die Hindernisse zu überwinden, welche die verschiedenen Abhänge unserer Straßen nothwendig mit sich führen.

Die gegenwärtig errichteten Eisenbahnen erfordern Terrassirungen, Durchstiche, verschiedene Kunstwerke, und dazu sind so große Capitalien nothwendig, daß die Wohlthat derselben bedeutend vermindert wird, und daß ihre Anwendung nur unter gewissen Local-Verhältnissen Statt finden kann. Der Preis dieser Arbeiten beträgt bei den gegenwärtigen Eisenbahnen 11/12 der Kosten der eigentlichen Eisenbahnen und ihrer Legung.

Eisenbahnen, welche ohne weitere Vorbereitungen an dem Rande einer großen Straße gelegt werden, müssen mit Ausgleichung der Umstände das Fortschaffen in demselben Verhältnisse erleichtern, in welchem es die gegenwärtigen Eisenbahnen im Vergleiche mit ebenen Wegen erleichtern. Die, wegen der Ungleichheit des Terrains mehr verschiedenartige, Benuzung von Kräften macht verschiedene Veränderungen an dem Bespannungssysteme und die Beseitigung mehrerer Hindernisse nöthig. Die Mittel, mit welchen alles dieses geschehen kann, bilden den Gegenstand der Aufgabe.

Die Gesellschaft wünscht, daß die Eisenbahnen auf alle Straßen Frankreichs angewendet werden können, welches auch immer ihre Nivellirung seyn mag; sie eröffnet daher einen Preis von 3000 Frank. zu Gunsten desjenigen, der durch Arbeiten, Berechnungen und Versuche die Eisenbahnen auf verschiedene Richtungen und Abhänge, wie sie an unseren gewöhnlichen Straßen vorkommen, angewendet haben wird. Die Abhandlungen müssen vor dem 1. Jul. 1832 eingesendet werden.)

Chemische Künste.

25) Preis von 3000 Franken für Fabrikation von Flaschen für schäumende Weine.

(Seit langer Zeit beklagen sich die Fabrikanten schäumender Weine über den Verlust, den sie jährlich an dem Zerspringen der Flaschen erleiden, und der oft 20 Procent und zuweilen sogar 50 Procent von der Gesammtzahl der Flaschen beträgt. Die Versuche mit Collardeau's Maschine bewiesen, daß die besten im Handel vorkommenden Weinflaschen im Allgemeinen einem Druke von 12 Atmosphären Widerstand leisten; allein die Erfahrung der Handelsleute zeigte, daß dieser Widerstand nicht ausreiche, und daß die besten käuflichen |57| Flaschen dem Druke des Gases nicht zu widerstehen vermögen, welches sich bei der Gährung des schäumenden Weines in geschlossenen Gefäßen entwikelt.

Untersucht man diese Flaschen, so wird man finden, daß das Glas am Halse diker, am Boden noch diker, am Bauche hingegen kaum einen Millimeter dik ist. Diese Ungleichheit der Dike ist ein wesentlicher Fehler, der sich mit dem unvollkommenen Ausglühen oder mit einer schlechten Verglasung vergleichen läßt. Die schlecht ausgeglühten Flaschen brechen meistens am Boden, und widerstehen kaum 2–3 Atmosphären. D' Arcet und Hachette fanden unter den Flaschen, welche sie mit Collardeau's Maschine prüften, einige, die einem Druke von 18–20 Atmosphären widerstanden, und dann am Bauche sprangen; an diesen Flaschen betrug die Dike des Glases am Bauche nicht weniger als 2 Millimeter, so daß es scheint, daß eine größere Dike des Bauches viel zur Stärke der Flasche beitragen dürfte.

Die Gesellschaft sezt einen Preis von 3000 Franken für denjenigen Glasfabrikanten aus, der in drei auf einander folgenden Jahren den, mit schäumenden Weinen handelnden, Weinhändlern 5000 Flaschen geliefert baden wird, unter denen 1) die Zahl der zersprungenen nicht über 5 Procent steigt; deren Preis 2) den alten Preis nicht um den vierten Theil übersteige; 3) deren Inhalt, wie an den gewöhnlichen Flaschen, wenigstens 8/10 Liter, und an denen das mittlere Gewicht des Glases 830 Grammen beträgt; 4) an denen die Form des Halses, Bodens und Bauches regelmäßig, und in Hinsicht auf die Achse symmetrisch sind. Das Füllen der Bouteillen und das Zerspringen muß durch amtliche Zeugnisse bestätigt werden; das Verfahren bei der Fabrikation ist gleichfalls zu beschreiben, damit es im Bulletin eingerükt werden könne, wenn man dasselbe für nöthig hält. Alles muß bis zum 1. Julius eingesendet werden.)

26) Preis von 6000 Franken für Ersezung des Röstens des Hanfes und Flachses durch bessere Verfahrungsarten.

(Wie im polytechn. Journ. Bd. XXXIX. S. 325.)

27) 3 Preise für die Verfertigung von metallischen Rüstungen und Amianth-Geweben, um gegen die Wirkung der Flammen zu schüzen, und für ein Verfahren, wodurch die organischen Gewebe unverbrennlich gemacht werden.

(Die, von dem Cavaliere Aldini angewendeten, Rüstungen aus Metallgeweben, um die Pompiers bei Feuersbrünsten zu schüzen, konnten bisher wegen ihrer Schwere, wegen der Störung der Bewegungen |58| des Körpers, die sie bewirken, und wegen verschiedener anderer Nachtheile, noch immer nicht allgemein und mit Vortheil angewendet werden. Die Gesellschaft sezt daher einen Preis von 1500 Franken für denjenigen aus, der die nützlichsten Verbesserungen an diesen Apparaten anbringt, wobei vollkommene Sicherstellung des Körpers, Leichtigkeit und ungestörte Bewegung die wesentlichen Bedingungen sind. Uebrigens schreibt die Gesellschaft keine Form und keine besondere Einrichtung der Apparate vor, von welchen ihr ein vollständiges Modell, mit der Beschreibung des Verfahrens bei der Verfertigung desselben, vor dem 1. Julius eingesendet werden muß.

Aus dem Amianthe erhielt man bisher nur grobe Fäden, und daher schwere und dike Gewebe; die Gesellschaft bestimmt deßhalb einen Preis von 1200 Franken für den Erfinder des besten Verfahrens zum Spinnen und Weben des Amianthes, wobei ihm die größte Feinheit, und so viel als möglich auch das Markige gegeben werden müßte. Die Preisbewerber müssen das Verfahren, welches sie anwendeten, um den Amianth in dünne Faden zu verwandeln, genau angeben; sie müssen ferner angeben, woher man den besten Amianth bezieht, wobei die Gesellschaft bemerkt, daß man aus Corsica sehr langen und seidenartigen Amianth, und aus dem Tarentesischen und aus dem Roussillon ziemlich große Quantitäten erhalten könne. Ließe sich Amianth-Pappendekel statt des Metallgewebes anwenden, so müssen die Preisbewerber demselben die nöthigen Eigenschaften geben, und die Bereitungsart beschreiben. Sie müssen der Gesellschaft ferner ein Stük Amianth-Gewebe einsenden, welches groß genug ist, um daraus ein Kleid zu verfertigen.

Die organischen Substanzen werden, wenn man sie mit Salzmassen überzieht und trankt, mehr oder weniger unverbrennlich; man wendete hierzu Alaun, Borax und phosphorsaures Ammonium an; lezteres gäbe gute Resultate, wenn die Zeuge, die damit überzogen sind, nicht das Wasser aus der Luft so gierig anzögen. In neuerer Zeit brachte man das Potaschen-Silicat zu diesem Behufe in Vorschlag; dieses scheint auch wirklich große Vortheile darzubieten; allein die Art und Weise, wie dasselbe bisher angewendet wurde, läßt immer noch sehr Vieles zu wünschen übrig. Die Gesellschaft hat aus diesem Grunde beschlossen, einen Preis von 1500 Franken für denjenigen auszuschreiben, der das beste Verfahren angibt, um organische Substanzen unverbrennlich zu machen. Sie beabsichtigt hierbei zwar vorzüglich, ein Schuzmittel für die wollenen Kleider der Pompiers gegen die Flammen zu erhalten; allein sie verlangt, daß die Preisbewerber sich auch in Hinsicht auf die Sicherung des Holzes mit dieser Frage beschäftigen. Alle unverbrennlich gemachten Substanzen |59| dürfen dadurch nicht mehr hygroskopisch werden, als sie es an und für sich sind, und dürfen, wenn es Gewebe sind, ihre Geschmeidigkeit nicht verlieren. Von allen müssen Muster eingesendet werden.

Die Abhandlungen des Cavaliere Aldini und der HHrn. Gay-Lussac und Fuchs, auf welche das Programm verweist, befinden sich auch im polytechnischen Journale.)

Oekonomische Künste.

28) Preis von 3000 Franken für Fabrikation von Gefäßen, in welchen sich Nahrungsmittel durch mehrere Jahre aufbewahren lassen.

(Vergl. hierüber polytechn. Journal Bd. VII. S. 241; jezt heißt aber das Programm ganz anders. Wir geben es im Auszuge.

Hr. Appert benuzte die Bemerkung der Gesellschaft, daß seine Methode Nahrungsmittel längere Zeit aufzubewahren, so lange nicht allgemeiner anwendbar werden könne, als er die hierzu bestimmten Gefäße nicht größer und dauerhafter mache. Er verfertigte daher statt der gläsernen Gefäße, die er früher verwendete, Gefäße aus verzinntem Eisenbleche, deren Größe er verschieden abänderte, und so weit ausdehnte, als sie an 20 Kilogrammen fassen konnten. Dessen ungeachtet schifft man noch immer bloß für Kranke, oder für Fälle, in welchen die anderen Vorräthe ausgingen oder verdarben, solche Appert'sche Nahrungsbehälter ein, obschon deren großer Vortheil für die Gesundheit der Seefahrer erwiesen sind. Die Ursachen dieses beschränkten Verbrauches scheinen darin zu liegen, daß es 1) sehr schwer ist sich zu überzeugen, daß die Büchsen aus Eisenblech gut verfertigt sind und keinen Fehler haben. Das Blech ist nämlich oft spröde, brüchig, schlecht geglättet und voll Risse; das Puzen geschieht fast immer unvollkommen, so daß fehlerhafte Stellen zurükbleiben, und die Verzinnung verfielt alle diese Fehler, so daß man dieselben nicht entdekt, und ihnen daher auch nicht abhelfen kann.

2) daß nur die guten Gefäße die Nahrungsmittel mehrere Jahre lang vollkommen gut erhalten, während die schlechten der Luft Zutritt gestatten, so daß eine Zersezung und Verderbniß Statt hat, wodurch der Preis der gut gebliebenen Gefäße bedeutend erhöht wird.

3) daß diese Gefäße nur ein einziges Mal gebraucht werden können, weil man den Dekel zerbrechen muß, um die Nahrungsmittel herausnehmen zu können.

Wer diese Hindernisse für die weitere Verbreitung des Verfahrens Apperts heben, und dauerhafte Gefäße erfände, die sich luftdicht |60| verschließen ließen, würde der häuslichen Oekonomie und der Menschheit außerordentliche Dienste erweisen; denn die Marine könnte sich hinreichend mit gesunden Nahrungsmitteln versehen, und Reiche, welche auf dem Lande wohnen, könnten sich aus den Städten gute und ausgezeichnete Kost kommen, oder Lekerbissen aufbewahren lassen, die sonst bloß zu gewissen Jahreszeiten zu haben sind.

Die Gesellschaft erkennt daher in der allgemeinen Sizung des 2ten Semesters 1832 demjenigen einen Preis von 3000 Franken zu, der folgende Bedingungen erfüllt:

  • 1) Die Gefäße müssen aus verzinntem gehämmerten Eisen, oder aus irgend einem anderen Metalle oder aus einer Legirung bestehen, die der Gesundheit so wenig schadet wie das Eisen; sie müssen verschiedene Größe haben, so daß sie von 2 bis 20 Kilogrammen Nahrungsmittel fassen können.
  • 2) Die Gefäße müssen einen Dekel haben, der groß genug ist, um Fleisch von einer gewissen Größe hinein und heraus bringen zu können.
  • 3) Die Dekel müssen zugelöthet oder so verkittet seyn, daß sie so wenig Luft eindringen lassen, als der übrige Theil des Gefäßes. Die Kitte oder Löthungen dürfen, wenn man die Gefäße in kochendes Wasser bringt, nicht davon angegriffen oder verändert werden; doch müssen sie einer höheren Temperatur nachgeben, damit man sie, ohne den Dekel oder das Gefäß zu beschädigen, öffnen kann.
  • 4) Die Preisbewerber müssen der Gesellschaft 12 Stüke ihrer Gefäße von verschiedener Größe einsenden, um damit Versuche anstellen zu können; 11 davon werden eingeschifft; das 12te wird von ihnen selbst bis auf den vierten Theil mit Wasser gefüllt, und dann zugelöthet oder verkittet. Nach Beendigung der Versuche erhalten sie die Gefäße zurük.
  • 5) Sie müssen diese Modelle mit einer beschreibenden Abhandlung über die Natur der Gefäße und der angewendeten Kitte oder Löthungen vor dem 1. November 1831 einsenden, damit die Gesellschaft bis zum Julius 1832 Versuche damit anstellen kann.

Den Preis erhält jener Concurrent, der die vollkommensten Proben einsendet. Die Gefäße, welche aus einem festen Metalle bestehen, und öfer angewendet werden können, werden, wenn sie auch drei Mal so viel kosten, als jene aus verzinntem Eisenbleche, doch noch wohlfeiler seyn, als diese, da sie sich öfter gebrauchen lassen. Unter gleichen Umständen werden jedoch die wohlfeilsten den Vorzug haben.)

|61|

Akerbau.

29) Preis von 1500 Franken für Anpflanzung von Papier-Maulbeerbäumen.

(Die Chinesen verfertigen ihr vortreffliches Papier aus dem Bambus und das beste aus dem Papier-Maulbeerbaume (Broussnetia papyrifera), der in den meisten Gegenden Frankreichs sehr gut gedeiht. Selbst um Paris ist dieser Baum schon so acclimatisirt, daß er die härtesten Winter vertragt; er wächst sehr schnell, und treibt von der Wurzel aus Schößlinge, so daß er leicht in Schlagen gezogen werden kann. Er soll mit jedem Boden zufrieden seyn; wahrscheinlich ist ihm aber ein leichter und feuchter Boden am zuträglichsten. Da die jungen Triebe das schönste Papier geben, so soll man ihn so wie die Weiden ziehen, wie es auch in Japan geschieht. Kann die Anpflanzung in der Nähe von Papierfabriken geschehen, so wird es wohl am vortheilhaftesten seyn.

Die Gesellschaft wird in der 2ten Sizung des 2ten Semesters des Jahres 1832 demjenigen einen Preis von 1500 Franken zuerkennen, welcher die größte Pflanzung mit dem besten Erfolge angelegt haben wird. Die Pflanzung muß wenigstens eine halbe Hectare betragen, und die Baumchen müssen höchstens einen Meter von einander entfernt seyn, so daß sich wenigstens 5000 Stüke auf einer halben Hectare befinden. Sie müssen beim Pflanzen 2 Jahre alt seyn, und sich in gutem gedeihlichen Zustande befinden. Die Zeugnisse hierüber müssen vor dem 1. September 1832 eingesendet werden. Uebrigens wird die Gesellschaft auch noch goldene und silberne Medaillen unter diejenigen vertheilen, welche die schönsten und stärksten Pflanzungen angelegt haben.14))

30) 4 Preise, jeder zu 500 Franken, für den Anbau der Föhre (Pinus sylvestris L.), der schottischen Föhre (Pinus rubra Mill.), der corsicanischen Föhre (Pinus Laricio Lam.) und der Lerche (Pinus Larix L.)

(Die Gesellschaft fährt fort in ihrem Bestreben Frankreich wieder die Wälder zu geben, die es früher besaß, und durch nuzwekmäßige und schlechte Forstwirthschaft verlor. Das Programm enthält eine weitläufige Auseinandersezung der Vortheile der Bepflanzung der Sandwüsten und des Kreidebodens einiger Gegenden Frankreichs |62| mit verschiedenen Föhren, welche ebensowenig etwas Neues lehrt, als die angegebene Charakteristik obiger 4 Nadelhölzer; wir übergehen sie daher. Eben so übergehen wir die Preisbedingungen, da alle Pflanzungen in Frankreich geschehen seyn, und wenigstens ein Alter von 3, und höchstens ein Alter von 6 Jahren haben müssen. Unseren Forstmännern, die etwas zur Förderung ihres Wissens und der Forstwissenschaft thun wollen, empfehlen wir aber sowohl dieses Programm, als die neue Ausgabe von Duhamel's Traité des arbres et arbustes, Delamarre's Traité de la culture des pins à grandes dimensions und Baudrillart's Dictionnaire général des forêts, auf welche das Programm verweist, zur Nachlese.)

Preise, welche auf das Jahr 1832 verschoben wurden.

Mechanische Künste.

31) Preis von 2000 Franken auf Erzeugung von Ziegeln aller Art mit Maschinen.

(Das Programm lautet wörtlich wie jenes im polytechn. Journale Bd. XXI. S. 83, nur sind folgende Bedingungen beigefügt. Die Preiswerber müssen der Gesellschaft vor dem 1. Julius 1831 einsenden:

I. Die Beschreibung der Bearbeitung der Erden, in welcher enthalten seyn müssen: 1) Die Plane, Aufrisse, Durchschnitte, Profile der Anstalt nach einem Maßstabe von einem Centimeter für einen Meter; dieselben Zeichnungen der Maschine, welche die Wender (tournans), die Mahlsteine, die Walzen, die Messer, die Model etc. in Bewegung sezt, nach einem Maßstabe von 4 Centimeter für einen Meter; die Angabe der Kraft der Maschine, die Details ihrer Einrichtung, die Kosten ihrer ersten Anschaffung und jene ihrer jährlichen Unterhaltung. 2) Die Beschreibung des mechanischen Verfahrens bei der Zubereitung der Erde, bei dem Treten, Modeln, Pressen und Glatten derselben, so wie die Beschreibung des Transportes der verschiedenen Ziegel, er mag mit den Händen oder mit Maschinen geschehen. 3) Das Aufschichten der verfertigten Stüke auf dem Trokenboden, das Troknen, das nochmalige Glätten (rebattage); und die Beschreibung der, bei jeder dieser Arbeiten nöthigen Werkzeuge und Instrumente. 4) Die Menge jeder Art von Ziegeln, welche im Verhältnisse zur Zahl der Arbeiter, des Tages fabricirt wird; so wie die Eintheilung und Bezahlung der Arbeiter. II. Die Beschreibung des Ofens und des Brennens, in welcher wieder enthalten seyn müssen: 1) Die Plane, Aufrisse, Durchschnitte und Profile des Brennofens nach einem Maßstabe von 5 Centimetern; die Angabe der, zu seinem Baue verwendeten |63| Materialien, und zwar sowohl zum Brennen mit Steinkohlen, als zum Brennen mit Torf und Holz. 2) Das Einrichten oder Einschießen der verschiedenen Ziegel in den Ofen, und die Zahl der Taufende, welche eingeschossen werden können. 3) Die Art des Brennmateriales, dessen Preis nach dem Kubikmeter oder nach dem Decastere, und die Menge desselben, welche zu jedem Brande nöthig ist. 4) Die Leitung des Feuers, dessen Dauer, die Zufälle, welche das Brennen verzögern, die Ursachen derselben, und die Mittel, wie denselben vorgebaut oder abgeholfen werden kann. 5) Das trokene oder nasse Glasiren der Ziegel und Platten; die Substanzen, welche zu den verschiedenen Glasuren genommen werden, und die Art der Zubereitung derselben. III. Die Preise der glasirten und unglasirten Mauerziegel, Dachziegel und Platten, welche niedriger als die Preise der gewöhnlichen Ziegel seyn müssen.

Chemische Künste.

32) Preis von 6000 Franken für Verbesserung von Eisengußwerken.

(Genau wie im polytechn. Journ. Bd. XXIII. S. 375.)

Akerbau.

33) 2 Preise, einer von 3000, und einer von 1500 Franken, für eine vollständige Beschreibung der besten Zweige der Fabrik-Industrie, welche von Landleuten betrieben werden, oder betrieben werden können.

(Wie im polytechn. Journale Bd. XVI. S. 106.)

Preise, die auf das Jahr 1833 verschoben wurden.

Akerbau.

34) 2 Preise, einer zu 3000 und einer zu 1500 Franken, für Bepflanzung abschüssiger Gründe.

(Wie im polytechn. Journale Bd. VII. S. 250 und Bd. XIII. S. 129.)

Preise, welche auf das Jahr 1835 verschoben wurden.

35) Preis von 1500 Franken für Bestimmung der Wirkung des Kalkes als Dünger.

(Wie im polytechn. Journale Bd. XVI. S. 109; nur ist am Ende noch beigefügt: Um Anspruch auf den Preis zu haben, müssen |64| die Versuche vergleichsweise gemacht werden; d.h. das Feld, welches zu denselben bestimmt ist, muß an allen Stellen so viel als möglich von gleicher Beschaffenheit und Güte seyn, und muß in zwei gleiche Theile getheilt werden, wovon der eine mit fettem und der andere mit magerem, oder mit gelöschtem Kalke gedüngt wird. Die Erden müssen auf gleichen Theilen gleich seyn, und dieselben Zubereitungen erhalten. Dieser Versuch muß, so viel als möglich, durch mehrere Jahre, und an verschiedenen Früchten fortgesezt werden, um die Wirkung des Kalkes während einer Reihe von Jahren kennen zu lernen. Ist es nicht möglich, daß man einen Theil des Feldes mit fettem, den anderen mit magerem, oder einen Theil mit ungelöschtem, den anderen mit gelöschtem Kalke düngen kann, so muß die eine Hälfte wenigstens auf die gewöhnliche Weise bebaut werden, um immer ein Mittel zum Vergleichen an der Hand zu haben. Die Abhandlung muß ebenfalls die Details der, durch die verschiedenen Operationen veranlaßten Kosten, im Vergleiche mit einander, so wie die Details des Ertrages enthalten. Endlich muß man Analysen des angewendeten Kalkes und des Bodens, auf welchem die Versuche gemacht wurden, so wie die Muster der Kalksteine, aus welchen der Kalk gebrannt wurde, einsenden.

Die Gesellschaft behält sich vor unter diejenigen Landwirthe, die nur einzelne Theile der Frage lösten, Medaillen zu vertheilen.

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Die allgemeinen Bedingungen sind dieselben, wie die, die in den früheren Programmen angegeben wurden. Alles was zur Preisbewerbung gehört, muß vor dem 1. Julius eines jeden Jahres eingesendet werden.

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Die Summe der hier ausgeschriebenen Preise beträgt 158,300 Franken, wozu die Regierung nur 6000 Franken beitrug.

|61|

Wir gaben dieses Programm nur in gedrängtem Auszuge, da in Deutschland die Cultur dieses Baumes an wenigen Orten mit Vortheil gelingen wird. Die edlen Ungarn könnten aber bei ihrem herrlichen Klima, und ihrem Ueberflusse an unbebauten Boden, leicht Versuche mit der Cultur dieses Baumes machen, die gewiß nicht fehlschlagen dürfte. A. d. Ue.

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