Titel: Röttelé, Bericht über Runkelrübenzucker-Fabrikation
Autor: Roettelé,
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. XXXIX. (S. 127–139)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042039

XXXIX. Bericht, welchen Hr. Röttelé der Société industrielle de Mulhausen über die Runkelrübenzuker-Fabrik des Hrn. Nicolaus Köchlin zu Homburg erstattete.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhauzen, N. 17. S. 179.25)

(Im Auszuge.)

Die Gesellschaft, welche einen Preis auf die Gründung der Runkelrübenzuker-Fabrikation in ihrem Departement ausgesezt hatte, wählte zwei ihrer Mitglieder als Commissäre, um mit Bewilligung des Hrn. Nicolaus Köchlin die schöne Runkelrübenzuker-Fabrik, die derselbe vor zwei Jahren zu Homburg gegründet hatte, zu besichtigen, und ihr einen ausführlichen Bericht über dieselbe vorzulegen. Hr. Köchlin hatte die Güte den Commissären in eigener Person alle die Aufschlüsse zu geben, die ihnen wünschenswerth seyn konnten. Die Fabrik des Hrn. Köchlin ist bis jezt die einzige dieser Art im Departement; ihr Gründer schuf dieselbe vorzüglich in der Absicht, um den größeren Landeigenthümern ein Muster einer solchen Fabrik aufzustellen, und um ihnen durch positive Resultate zu beweisen, daß die Runkelrübenzuker-Fabrikation bedeutende Vortheile vor jeder anderen Art von Benuzung des Bodens darbietet. Dieses Mittel, welches heute zu Tage dem Akerbaue zu Gebot steht, um sich von dem Zustande des Unbehagens und Darniederliegens, in welchem er sich beinahe in ganz Frankreich befindet, aufzuraffen, gehört nicht zu jenen Projekten, die zwar einen großen Glanz um sich verbreiten, deren Erfolg hingegen in Zweifel gezogen werden kann; es sind unwiderlegbare Thatsachen, die zu dessen Gunsten sprechen.

Im ersten Jahre wurde in der Fabrik des Hrn. Köchlin nur mit 500,000 Kilogr. Runkelrüben gearbeitet; die Größe und Einrichtung |128| der Anstalt ist jedoch so berechnet, daß man eben so gut mit 1,500,000 Kilogr. arbeiten kann. Die Operationen werden in derselben mit Unterbrechung betrieben, indem die Erfahrung zeigte, daß man, wenn man dieselben Tag und Nacht in Einem fort treibt, beiläufig nur um den dritten Theil mehr Product erhält.

Der Boden des Pachtgutes zu Homburg, so wie jener der Umgegend, ist im Allgemeinen leicht und kieselig, indem er sehr viele, sehr kleine Kieselsteinchen enthält. Seine Tiefe beträgt ungefähr einen Fuß 18 Zoll; bei großer Hize im Sommer wird er sehr troken, was auf den Reichthum der, in diesem Boden gebauten, Runkelrüben an Zukerstoff großen Einfluß zu haben scheint. Man hat nämlich bemerkt, daß der Runkelrübensaft von Homburg 7–8° an Beaume's Areometer zeigte, während jener von Modenheim, wo der Boden feuchter ist, nur 5° hatte. Dieß gibt einen neuen Beweis für die Richtigkeit der Behauptung, daß ein trokener Boden zur Cultur der, zur Zukerfabrikation bestimmten, Runkelrüben einem nassen Boden weit vorzuziehen ist. Die Wurzel wird zwar auf trokenem Boden kleiner bleiben, allein die Quantität des, in derselben enthaltenen, Zukerstoffes wird größer seyn, so daß auf diese Weise eine bedeutende Ersparung und Erleichterung bei dem Ausziehen desselben eintritt. Ueberdieß lassen sich solche, an Zuker reiche, Wurzeln auch leichter aufbewahren.

Die Hectare Bodens kann in dem Gebiete von Homburg, im Durchschnitte, 26,000 Kilogr. Runkelrüben erzeugen, von denen 50 Kilogr. um Einen Frank verkauft werden, so daß die Hectare 520 Franken abwirft. Wir müssen jedoch bei dieser Gelegenheit bemerken, daß wenn auch durch die Concurrenz der Preis von 50 Kilogr. bis auf 85 oder 90 Centimen herabsinken würde (ein Preis, um den die Runkelrüben in die meisten Fabriken geliefert werden), der Landmann bei der Cultur derselben doch mehr als bei jedem anderen Baue gewinnen würde, wie man aus der beigefügten Rechnung des Verwalters des Pachtgutes der HHrn. Trauger und Baumgartner zu Homburg ersehen wird.

Der Dünger, dessen man sich zum Düngen des Bodens bedient, wird von dem Viehstande des Pachtgutes erzeugt. Man verwendet übrigens zu demselben Zweke auch die thierische Kohle und den Schaum, den man bei der Bearbeitung des rohen Zukers in großer Menge erhält. Dieser Rükstand enthält auch das Ochsenblut, welches zum Klären des Saftes verwendet wurde. Wir müssen übrigens bemerken, daß der, von den Abfällen und Rückständen bei der Zukerfabrikation herrührende, Dünger sehr kräftig ist, und nur mit vieler Vorsicht und in geringer Menge angewendet werden darf. Im vorigen Winter |129| wurde z.B. während die Felder mit Schnee bedekt waren, ein Theil dieses Rükstandes auf ein Feld mit Wintergetreide gefahren, und ungleichmäßig darauf ausgebreitet; überall wo derselbe in Schichten, wenn auch von der geringsten Dike, zu liegen kam, hatte keine Vegetation Statt, während rings um diese trokenen und ausgebrannten Stellen, so wie da, wo die Ausbreitung des Düngers sorgfältiger geschehen war, das Getreide außerst schön stand.

Die Art von Runkelrüben, die zu Homburg gebaut wird, ist die sogenannte weiße schlesische mit rothem Halse. Die Aussaat geschieht gewöhnlich im Monate April. Unter den verschiedenen Sämethoden wurde jener, die mit einem Pflanzholze verrichtet wird, der Vorzug gegeben. Im verflossenen Jahre wendete man den Rayonneur mit der Schubkarren-Sämaschine an, gab ihn aber heuer wieder auf, da man dabei mehr Samen braucht, und da er auch in Hinsicht auf Handarbeit höher kommt, als das Pflanzen mit dem Sezholze. Mit diesem lezteren können ein Mann und vier Weiber des Tages drei Tagwerke bestellen.

Es wurde im vergangenen Jahre zum Versuche auch die Hälfte des Landes mit Pflanzen bestupft; allein es fand sich, daß die auf diese Weise erzielten Runkelrüben bei weitem nicht so schön waren, als die gesäten. Die Wurzeln trieben nämlich keine Pfahlwurzel, sondern wurden meistens gabelförmig getheilt; auch trugen dieselben eine mehr oder minder große Menge kleiner Wurzeln, zwischen welchen die Erde und die kleinen Kieselsteine hängen blieben, so daß sie selbst nach mühsamen Waschen nicht ganz zu entfernen waren, und daher die Reibe beschädigten. Ueberdieß gaben diese Rüben auch noch weniger Zuker.

Die Felder werden drei Mal gegätet, denn von dieser wichtigen Operation hängt großen Theils die Menge des Ertrages ab. Hr. Zuber von Rixheim theilte uns in dieser Hinsicht eine Thatsache mit, welche, wie wir glauben, hier erwähnt zu werden verdient. Er ließ nämlich ein Stük Land mit Runkelrüben bepflanzen, erhielt aber beinahe gar keinen Ertrag davon, indem er das Unkraut, welches die jungen Pflanzen erstikt, und den älteren in ihrem Wachsthume äußerst schadet, nicht oft genug ausgäten ließ. – Die Ernte fällt gewöhnlich gegen Ende September oder in den October. Man wählt dazu so viel als möglich eine trokene Witterung, die aber doch nicht zu heiß seyn darf, weil sonst eine Art von Gährung in den Wurzeln Statt hat, welche den Zukerstoff umwandelt. Die Runkelrüben, die diese Art von Gährung erlitten, geben eine größere Menge Melasse, als jene, welche bei einer günstigeren Witterung geerntet wurden.

Das Ausreißen der Wurzeln geschieht bloß mit der Hand; mit |130| dem Spaten werden hinterher nur jene herausgenommen, die beim Ausreißen einen zu großen Widerstand darboten. Das Abnehmen des Halses geschieht mit Messern. Wenn die Wurzeln auf diese Weise ausgerissen sind, werden sie zum Behufe des leichteren Aufladens in kleine Haufen gelegt und mit Blättern bedekt, theils um sie gegen Regen zu verwahren, der sie wässerig und ärmer an Zukerstoff machen würde, theils um sie gegen Fröste zu schüzen, die bei früh eintretenden Wintern, wie der vorjährige war, zuweilen erscheinen, und die Wurzeln zum Gefrieren bringen, die auf dem Felde über Nacht liegen blieben.

Die Aufbewahrung der Runkelrüben geschieht in Gruben von 20 Fuß Länge und 2 Fuß Tiefe, welche oben 2 1/2, in der Tiefe aber bloß 2 Fuß breit sind. Man wählte diese Dimensionen, weil bei denselben die Wurzeln nicht so sehr zusammengehäuft werden, daß darin durch die Wärme, welche sich entwikelt, eine Gährung entstehen könnte, und weil sie vor kleineren Gruben den Vortheil voraus haben, daß das Herausnehmen der Wurzeln weniger Arbeit erfordert, Der vergangene strenge Winter, in welchem der Thermometer zu Mühlhausen bis auf – 22° herabsank, bewirkte, daß der Frost selbst in diese Gruben drang; doch litten dadurch nur die obere Schichte der Wurzeln auf beiläufig 6–8 Zoll Tiefe. Am meisten litten die Runkelrüben während der Zeit, während welcher sie aus den Gruben herausgenommen und in die Fabrik gebracht wurden.

Das Reinigen der Wurzeln wird in einer großen Kufe mit Kehrbesen vorgenommen; diese Reinigungsmethode eignet sich jedoch nur für Runkelrüben, die auf einem so leichten und sandigen Boden wuchsen, wie jener um Homburg ist. Bei den ausgestochenen Wurzeln muß man jedoch das Messer zum Reinigen zu Hülfe nehmen, indem man durch das Waschen allein nicht im Stande ist, dieselben von der Erde und den Steinchen zu befreien, die fest zwischen den Wurzeln hängen.

Die erste Operation, welche die auf die angegebene Weise zubereiteten Rüben erleiden, ist das Zerreiben. Die Reibe, deren sich Hr. Köchlin in seiner Anstalt bedient, ist nach dem Systeme von Molard d. jüngeren erbaut, so daß wir dieselbe, da sie schon in Dubrunfaut's Werk beschrieben ist, hier nicht weiter zu erklären brauchen. Diese Reibe wird mittelst eines Gespannes von vier Ochsen in Bewegung gesezt, deren man sich auch noch bedient, um die Fabrik mit ihrem Bedarfe an Wasser zu versehen. Der Cylinder macht in einer Minute 600 Umdrehungen, und die Maschine liefert des Tages 20 Millionen. Der Brei wird dann in Säke gebracht, |131| die man unter die Presse bringt, um den Saft, welcher gewöhnlich 70 Procent beträgt, aus demselben auszupressen.

Die Presse, welche man zu diesem Behufe anwendet, besteht aus zwei hydraulischen Pressen, die abwechselnd und mittelst einer und derselben Einsprizungspumpe wirken. Der Saft, welcher aus der Presse fließt, gelangt durch eine Rinne in einen großen, mit Kupfer beschlagenen Behälter, aus welchem er dann durch eine kupferne Pumpe gehoben, und in die Läuterungskessel gebracht wird.

Die beiden Kessel, die zur Läuterung des Saftes dienen, werden nur durch einen einzigen Ofen geheizt; beide werden mittelst eines Krahnes zu gleicher Zeit so betrieben, daß der eine sich über dem Feuer befindet, während der andere ausgeleert, gereinigt und neuerdings mit Saft gefüllt wird. Bei dieser Einrichtung ist es nicht nöthig das Feuer bei jeder Läuterung zurükzuziehen oder auszulöschen. Bei jeder Operation wird der Kessel mit 10 Hectolitern Saft gefüllt. Die Läuterung geschieht mit Kalk, der vorher bloß mit Wasser angerührt wurde; man nimmt gewöhnlich 4 Kilogr. Aezkalk auf Einen Kessel Saft.

Wenn der Saft auf diese Weise geläutert und klar abgezogen wurde, läßt man ihn durch eine kupferne Röhre in die Abdampfkessel laufen.26) Der Bodensaz und der Schaum, den man bei der Läuterung erhält, werden auf Filtrums geworfen, und dann unter eine Hebelpresse gebracht, um noch allen Saft aus denselben zu gewinnen. Die Eindikung geschieht mittelst einer Batterie von 7 Schaukelkesseln, von denen N. 1 mit 3 Hectoliter geläuterten Saftes gefüllt |132| wird. In dieser Batterie wird die Eindikung bis auf 25° nach Beaumé's Aräometer getrieben. Alles dieß geschieht bei freiem Feuer.

Statt daß in dem lezten Kessel der Batterie zur Klärung des Syrupes geschritten wird, wie dieß in anderen Fabriken geschieht, wird der auf 25° eingedikte Syrup in große hölzerne Kufen gegossen, in welchen man denselben 48 Stunden lang sich sezen läßt, und aus welchen man ihn dann erst in den Klärungskessel bringt.27)

Zur Klärung wendet man Schwefelsäure, thierische Kohle und Ochsenblut an. Es wird nämlich zur Neutralisation der Flüssigkeit zuerst Schwefelsäure, die mit drei Theilen Wasser verdünnt wurde, in den Syrup gegossen. Die Menge, welche man von der, auf die angegebene Weise verdünnten, Säure anwendet, ist sehr verschieden; gewöhnlich beträgt sie jedoch 1 Liter auf 1 Hectoliter Syrup. Nachdem der Syrup hierdurch so neutralisirt wurde, daß eher noch der Kalk, als die Säure etwas vorschlägt, wird die thierische Kohle zugesezt, und zwar in einem Verhältnisse von 5 Kilogr. auf den Hectoliter. Nun läßt man den Syrup einen Augenblik mit der thierischen Kohle sieden, und sezt dann 1 1/2 Liter Ochsenblut auf Einen Hectoliter Syrup zu.28)

Der auf diese Weise geklärte Syrup, welchem man den Namen Geklärtes (clairce) gibt, wird dann auf die Filtern gebracht. Diese Filtern bestehen aus hölzernen, mit Kupfer gefütterten, und inwendig mit Flechtwerk belegten Kasten, welche man mit einem wollenen Sake belegt, auf den selbst wieder ein leinerner Sak gebracht wird. Die |133| Filtern befinden sich über dem Sammler (avale-tout), und das Geklärte begibt sich durch eine Röhre aus Weißblech, welche mit den Hähnen sämmtlicher Filtern communicirt, in diesen lezteren. Wir glauben, daß es von Vortheil seyn könnte, wenn man unter dem Hahne eines jeden Filters einen Schwengel anbrächte, durch welchen die trübe Flüssigkeit von der klaren abgeschieden würde, die in den gemeinschaftlichen Behälter, welchen wir oben Sammler nannten, gelangen muß.

Aus diesem gemeinschaftlichen Behälter wird das Geklärte in den Verkochkessel, welcher mit Dampf geheizt wird, gegossen. Dieser Kessel bietet den Vortheil dar, daß die Schlangenröhre, die im Inneren zugleich auch als Rost dient, herausgenommen, und mithin leichter gereinigt werden kann. Sie überzieht sich nämlich, nach Verlauf einer bestimmten Zeit mit einer mehr oder weniger diken Schichte einer weißen Substanz, die aus schwefelsaurem Kalke, welcher sich bei den vorausgegangenen Operationen noch nicht absezen konnte, bestehen soll.

Wenn das Geklärte bis auf den gehörigen Grad von Concentration gebracht worden, so kommt es in den Abkühlkessel, welcher sich in einem, von dem übrigen Theile der Fabrik getrennten, Gemache befindet. In diesem Kessel bildet sich schon eine gewisse Menge Zukerkrystalle, die gleichsam einen Kern für jene bilden, die später in den Formen anschießen. Der Syrup wird nach der Menge, die man zu verkochen hat, längere oder kürzere Zeit in diesem Kessel gelassen.

Der verkochte Syrup wird in die Formen gegossen, in welchen man denselben 24 Stunden lang läßt, ehe man ihn in das Läuterungshaus bringt. An diesem, gehörig geheizten, Orte reinigt sich der Zuker von einem sehr großen Theile Melasse; man läßt ihn ungefähr einen Monat oder 6 Wochen lang an demselben. Die fetten Köpfe (têtes grasses), welche gewöhnlich, nachdem der Rohzuker gesammelt, am Grunde der Formen zurükbleiben, werden nach der gewöhnlichen Methode wieder aufgelöst und geklärt, und geben dadurch noch einen ziemlich hübschen Rohzuker. Die Melassen werden während der Fabrikation und nach derselben noch ein Mal verkocht.

Das Mark, welches man in der Fabrik als Rükstand erhält, wird zum Theil zur Fütterung des Viehes des Pachtgutes verwendet, zum Theil aber an die benachbarten Oekonomen verkauft, die 50 Centimen für den Korb oder für 60 Kilogr. desselben bezahlen. Dieses Mark wird nicht für sich allein verfüttert, sondern mit der Hälfte Heu und Stroh-Häkerling gemengt; es enthält noch sehr viele zukerstoffhaltige |134| Theile, und gibt daher eine süße, sehr gesunde Nahrung, welche das Vieh mit großer Begierde frißt, so daß auf diese Weise nicht bloß durch die Zukerfabrikation, sondern auch durch die Viehmastung ein bedeutender Gewinn entsteht. Im Winter gibt überdieß das Mark auch eine feuchte Nahrung für die Kühe, wodurch denselben die Milch erhalten wird, die ihnen sonst bei trokenem Futter oft beinahe gänzlich ausgeht. Das Mark wird unter einer Art von Schoppen aufbewahrt, dessen Boden mit einer Mauer umgeben ist, und mithin eine Art von Cisterne bildet, in der dasselbe aufgehäuft und fest eingestampft wird.

Da mit der Fabrik des Hrn. Köchlin keine Branntweinbrennerei verbunden ist, so kann die Melasse nur, mit Heu und Häksel gemischt, als Viehfutter verwendet werden. Man fand, daß die, auf diese Weise mit trokenem Futter gemengte, Melasse eine sehr erhizende Nahrung gibt, während dieß nicht der Fall ist, wenn man sie mit dem Marke oder mit grünem Futter vermengt, in welchem Falle sie selbst den Hafer ersezen kann. Wahrscheinlich wird jedoch Hr. Köchlin, wenn seine Fabrik ein Mal längeren Bestand gewonnen hat, eine Branntweinbrennerei mit derselben verbinden, und auf diese Weise die Melasse vortheilhafter, als bisher, verwenden.

Was die Berechnung der Kosten und des Ertrages der Fabrikation betrifft, so ergeben sich diese aus den hier beigefügten Berechnungen des Directors der Köchlin'schen Fabrik, des Hrn. H. Petit-Lafitte.

Nachdem Hr. Köchlin alle die Bedingungen erfüllt hat, welche die Gesellschaft in ihrem Programme zur Erlangung des 27sten Preises vorschrieb, so schlägt der Bericht-Erstatter vor, Hrn. Köchlin die, mit diesem Preise verbundene, Medaille zuzuerkennen.

Auszug aus den Rechnungen der Fabrik des Hrn. Köchlin, von Hrn. Petit-Lafitte abgefaßt.

Ich wählte hierzu die ersten drei Wochen des Jahres 1830, während welcher ich aber mit der außerordentlichen Strenge dieses Winters zu kämpfen hatte, die gegen das Ende der dritten Woche sogar so arg wurde, daß ich gezwungen war, die Arbeiten von dieser Zeit an bis zur Mitte des Monates Februar auszusezen. Dieser Zeitraum von 20 Tagen beträgt ungefähr den fünften Theil der Zeit, während welcher die Fabrikation im Gange ist.

Die Zeit, die ich hier auswählte, ist also eine der ungünstigsten, die man haben konnte; ich werde jedoch die Berechnungen für dieselbe |135| ohne alle Rüksicht auf die durch die Kälte entstandenen Hindernisse hier vorlegen, und dann zeigen, welche Ursachen zur Verminderung des Ertrages zusammenwirkten, und wie hoch der Ertrag unter gewöhnlichen Umständen seyn dürfte.

Der angehängten Tabelle zu Folge betragen die Ausgaben:

Für Arbeitslohn und für den Verbrauch der Fabrik 6705 Fr. 66 Cent.
Das Interesse der Kosten der Einrichtung mit 25,000
Fr. beträgt zu 10 Procent 2500 Fr., und macht also für den
fünften Theil oder die 20 Tage


500 –


00 –
Das Interesse eines Capitales von 50,000 Fr. zu 5 Procent
während 6 Monaten, beträgt 1250 Fr. und für den fünften
Theil der Zeit der Fabrikation


250 –


00 –
Die Miethe der Gebäude der Fabrik, auf 20,000 Fr.
geschäzt, beträgt für 1/3

200 –

00 –
––––––––––––––––
Totalsumme der Kosten 7655 Fr. 66 Cent.
Die Summe des Ertrages betrug, die 50 Kilogr. Zuker zu
60 Fr. gerechnet

10,155 –

65 –
––––––––––––––––
Mithin beträgt der Gewinn 2500 Fr.,

und dieser Gewinn, während 20 Tagen fünf Mal genommen, gibt einen Totalgewinn von 12,500 Fr.

Bringt man aber die ungünstigen Umstände in Anschlag, unter welchen die Fabrik sich befand, so muß man zuvörderst bei der Handarbeit den Lohn der Kunstarbeiter auf 4 Franken des Tages herabsezen, indem in Zukunft bloß der Zimmermann und der Faßbinder nöthig sind, und die übrigen Kunstarbeiter zu neuen Arbeiten verwendet werden. Man erhält dann für diese 20 Tage 80 Fr., welche, von den 142 Fr. 85 Cent. abgezogen, 62 Fr. 85 Cent. geben.

Es sind mithin von der Ausgabe für Arbeitslohn abzuziehen 62 Fr. 85 Cent.
Bei den Arbeitern, welche die Runkelrüben aus den Gruben
herbeischaffen, sind, da 4 Menschen dazu hinreichend sind,
abzuziehen


114 –


15 –
–––––––––––––––
Summe 177 – 00 –
Nach Abzug dieser 177 Franken bleibt mithin für
Arbeitslohn eine Summe von

1215 –

00 –
Da übrigens die Kälte der Fabrikation die größten
Hindernisse in den Weg legt, so kann man annehmen, daß
bei günstigerem Wetter in |136| derselben Zeit,
und ohne Vermehrung des Arbeitslohnes, um den vierten
Theil mehr hätte fabricirt werden können. Es wäre also
mithin der Verbrauch, welcher 5313,66 betrug, um 1/4
zu vermehren, so daß man erhielte






6642 –






76 –
Die Interessen und Miethen betrügen wie oben 950 – 00 –
–––––––––––––––
so daß mithin die Summe der Kosten sich auf 8807 – 76 –
Fr. belaufen würde.
Dafür muß aber auch der Ertrag um 1/4 erhöht werden,
so daß man hierdurch erhält

12,694 –

56 –
–––––––––––––––
wornach der Nettogewinn sich auf 3,887 – 49 –
beliefe.

Die Menge Rohzukers, welche man in lezterem Falle erhielte, beträgt 9716 Kilogr. aus 194,325 Kilogr. Runkelrüben. Der Gewinn am Ende der Fabrikation beläuft sich auf das Fünffache hiervon, mithin auf 19,437, 45 Fr. Man müßte zu diesem Zweke beiläufig eine Million Kilogrammen Runkelrüben bearbeiten. Bei Vergrößerung der Anstalt würde sich, wie ich glaube, der Gewinn noch bedeutend vermehren; allein damit eine solche vermehrte Ausdehnung der Fabrik Statt finden könne, müssen die benachbarten Oekonomen erst zur Einsicht gelangt seyn, daß es für sie sehr vortheilhaft ist, wenn sie ihren Boden mit Runkelrüben bebauen, und diese der Fabrik liefern.29)

Aus diesen Rechnungen erhellt, was die Fabrik unter den ungünstigsten Verhältnissen leistete, und was sie jezt zu leisten im Stande ist. Bei noch einiger Ausdauer wird die Runkelrübenzuker-Fabrik zu Homburg gewiß bald so blühend werden, daß die Capitalisten und Oekonomen des Elsaßes dem Beispiele des Hrn. Köchlin folgen, und ihrem Vaterland dadurch eine neue Quelle von Reichthum öffnen werden.

|137|

Ausgaben bei einer 18tägigen Arbeit.
Arbeitslohn
.

Arbeiter der Fabrik 681 Fr. 25 Cent.
Transport der Wurzeln, und Herausfördern
aus den Gruben:
Pferde Fr. 65 50
Menschen 214 15 279 – 65 –
––––––––––
Betreibung: Arbeiter 45
Ochsen 216 261 –
–––––––
Kunstarbeiter, wie Kupferschmid, Küfner,
Mechaniker etc.

142 –

85 –
Verschiedene Arbeiten 27 – 25 –

Verbrauch der Fabrik.

155,450 Kilogr. Wurzeln, 50 Kilogr. zu 1 Fr 3109 –
Holzreisig 1830 – 06 –
Thierische Kohle 224 – 25 –
Beleuchtung 56 – 70 –
Ochsenblut 34 – 05 –
Schwefelsäure 31 – 85 –
Aezkalk 20 – 55 –
Butter 7 – 20 –
––––––––––––
Summe der Ausgaben 6,705 – 66 –

Product einer 14tägigen Arbeit.

7773 Kilogr. Rohzuker, 50 Kilogr. zu 60 Fr.
(NB. es wurden deren zu 60, zu 72 und 78 Fr.
verkauft)


9,327 –


76 –
Mark 511 – 30 –
Melasse 248 – 29 –
Rükstand 68 – 30 –
––––––––––––
Summe des Ertrages 10,155 – 65 –
|138|

Entwurf der Ausgaben bei einer Hectare Landes, welche mit Runkelrüben bebaut ist, wie sie im J. 1829 sich zu Homburg ergaben.

Textabbildung Bd. 42, S. 138
|139|

Ertrag.

379,93 Centner Runkelrüben. Da aber wenigstens 10 Centner
gefroren waren, so kann man für ein gewöhnliches Jahr
noch 10 Centner zusezen. Dieß gibt also
––––––––––
389,93 Centner, welche, da der Centner in der Fabrik um 1 Fr.
gekauft wird, 389,93 Fr. geben.

Zieht man nun die Ausgaben von dem Ertrag ab, so erhält man als Netto-Product die Summe von 141 Fr. 46 Cent., die einen Gewinn von 36 Procent vorstellen, während man bei der gewöhnlichen Landwirthschaft höchstens auf einen Gewinn von 4 Procent rechnen kann.

Wir übergehen in diesem Auszuge die historische Darstellung der Runkelrübenzuker-Fabrikation, da dieselbe ganz aus Dubrunfaut's Werk über diesen Zweig der Industrie geschöpft, und bei uns fast durchaus schon bekannt ist. A. d. Ue.

|131|

Die Gesellschaft zu Mühlhausen ernannte im J. 1830 eine zweite Commission, welche die, in der Fabrik zu Homburg seit einem Jahre eingeführten, Verbesserungen untersuchen und darüber Bericht erstatten sollte. Dieser Bericht, welchen Hr. Eh. Kestner erstattete, findet sich im Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen N. 19. S. 449, und enthält einige Nachträge zu Hrn. Röttelé's Bericht, welche wir in Noten beifügen wollen. – Bis zur Läuterung wurden alle Operationen unverändert beibehalten; allein den geläuterten Saft brachte man nach der Läuterung nicht mehr, wie es früher geschah, gleich in die Eindampfkessel, sondern vorher noch auf sehr sinnreich eingerichtete Filtern. Diese Filtern bestehen aus einer vierekigen, hölzernen, mit Kupfer gefütterten Kiste, welche beiläufig 18 Zoll hoch und ebenso breit ist, und sich von Unten nach Oben ein wenig erweitert. Ungefähr 3 Fuß über dem Boden derselben befindet sich ein doppelter, kupferner, durchlöcherter Boden, der mit einem Tuche aus gewöhnlichem Zwilliche bedekt ist, auf dem eine Schichte thierische Kohle ausgebreitet ist. Zwischen dem Boden und dem Doppelboden ist eine Röhre angebracht, die mit einem, neben den Filtern befindlichen, Behälter in Verbindung steht, und die Flüssigkeit aufnimmt, welche aus den Läuterungskesseln kommt. Der Saft gelangt unter dem Doppelboden in das Filter, durchbringt beim Aufsteigen das Tuch und die Schichte thierischer Kohle, und läuft ganz hell und klar durch eine kleine Röhre, welche 2 Zoll unter dem oberen Theile des Filters angebracht ist, in den Eindampfkessel. Diese Art von Filter ist sehr vortheilhaft, indem sie nicht leicht von den unauflöslichen Theilen verlegt wird.

|132|

Die Batterie der Eindampfkessel blieb nach Hrn. Kestner unverändert. Sie besteht aus sieben runden kupfernen Kesseln von beiläufig 4 Fuß im Durchmesser, die so eingerichtet sind, daß sie leicht nach einer Richtung aufgehoben werden können, damit man die Flüssigkeit leicht in die unter denselben befindlichen Kessel ausgießen kann. Diese Einrichtung scheint uns zwar in Hinsicht auf Schnelligkeit der Arbeit sehr vortheilhaft; allein es muß bei derselben auch ein sehr großer Aufwand an Brennmaterial Statt haben, da die Oberfläche des Kessels, welche der Flamme ausgesezt ist, nur sehr klein ist.

|132|

Die Klärung des auf 27° eingedikten Syrupes geschah im Jahre 1830 nach Hrn. Kestner in einem Kessel mit doppeltem Boden, der mit Dampf geheizt wurde. Dieser Kessel ist auf eine kleine Erhöhung gestellt, und wird mittelst einer Pumpe mit Syrup gespeist. – Die Anwendung der Schwefelsäure zur Klärung wurde aufgegeben. Nachdem der Syrup in diesem Kessel mit thierischer Kohle und Ochsenblut erhizt worden, läßt man denselben über eine Reihe von Filtern laufen, die auf dieselbe Weise, wie die eben beschriebenen, eingerichtet sind, aber keine thierische Kohle enthalten; dadurch wird derselbe von dem größten Theile der unaufgelöst darin schwebenden Theile befreit. Von diesen Filtern läuft die Flüssigkeit über eine zweite Reihe tiefer unten angebrachter Filtern, in welchen sich gekörnte Kohle befindet. Auf diese Weise wird der Syrup beinahe vollkommen entfärbt, und gelangt fast wasserhell in den Behälter, welchen wir den Sammler nannten. Diese geklärte Flüssigkeit gibt, wenn sie in dem Verkochkessel gehörig eingedikt, in dem Kühlkessel abgekühlt, und in den Formen der Krystallisation überlassen worden, einen sehr schönen, ganz weißen Zuker.

|136|

Die Menge des gewonnenen Runkelrübenzukers hatte im Jahre 1830 bedeutend zugenommen, sie betrug nämlich nach Hrn. Kestner beiläufig 80,000 Pfund. Diese Vermehrung rührt davon her, daß die Fabrik von den benachbarten Oekonomen, die ihren Vortheil bei dem Baue der Runkelrüben erkannten, mit einer größeren Menge dieser Wurzeln versehen wurde. Alles läßt erwarten, daß die Zukererzeugung im nächsten Jahre mit der Vermehrung der Runkelrüben-Pflanzungen noch bedeutender zunehmen wird. Mehr als die Hälfte des fabricirten Zukers war schön weiß, konnte ohne Raffinirung verbraucht werden, und wurde um 80 bis 90 Fr. der Centner verkauft.

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