Titel: Lenormand, Beschreibung, um Holzarten, Elfenbein etc. zu färben
Autor: Lenormand, Louis Sébastien
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LIX. (S. 205–210)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042059

LIX. Beschreibung der Verfahrungsarten, um die inländischen Holzarten, ferner Elfenbein, Knochen und Horn zu färben, von Hrn. Lenormand.

Aus dem Dictionnaire technologique. Bd. XIII. S. 145

1) Ueber das Färben des Holzes.34)

Wenn man schöne Farben erhalten will, darf man nur weißes Holz färben; für zarte Farben eignet sich besonders das Holz der Stechpalme, für dunkle Farben hingegen ist hartes und farbiges Holz, wie von Eichen und Platanen gut. Das Eichenholz ahmt vollkommen das Ebenholz nach. Man färbt das Holz in dünnen Brettchen, und zwar in kalten Farbbädern, nicht weil mehrere unter lezteren nicht |206| heiß angewandt werden können, sondern weil es schwer ist das Bad auf einer hohen Temperatur zu erhalten, indem die Färbestoffe lange Zeit brauchen, um das Holz zu durchdringen. Außerdem erhält das Holz in kalten Bädern viel lebhaftere Farben, als in heißen. Das bequemste und vortheilhafteste Gefäß zum Färben des Holzes ist ein Buttertopf von Steingut; wegen seiner länglichen Gestalt kann man sehr lange Stüke hineinlegen; ohne daß man deßwegen eine große Menge Flotte anzuwenden genöthigt wäre. Das Holz muß immer ganz in die Flotte tauchen.

Blau mit Indigo. Man gießt in einen kleinen Topf vier Unzen concentrirte Schwefelsäure auf eine Unze fein gepulverten Indigo, und rührt das Pulver allmählich in die Säure ein, so daß sich ein ganz homogener Brei bildet; das Ganze wird einige Stunden lang im Wasserbade bei einer Temperatur von 30° Réaumur erhizt. Nachdem es erkaltet ist, sezt man eine Unze trokener und gepulverter Potasche zu, rührt das Gemenge um und läßt es dann vierundzwanzig Stunden lang stehen. Diese Indigoauflösung, welche so dunkelblau ist, daß sie schwarz erscheint, wird mit mehr oder weniger Wasser auf die gewünschte Nüance verdünnt.

Blau mit Kampescheholz. Man kocht zweihundert Grammen (6 Unzen) von dem geraspelten Farbholze eine Stunde lang in einem Liter (2 Pfund) Wasser, sezt dann 10 Gramme (1/3 Unze) Grünspan zu, rührt gut um und färbt. Man erhält ein mehr oder weniger violettes Blau, wenn man dem Kampescheholz-Decoct einige Grammen Potasche auf jeden Liter Flüssigkeit zusezt.

Blau mit Kupferauflösung. Man weicht das Gold in eine Auflösung von salpetersaurem Kupfer ein, wie sie die Gold- und Silberscheider bereiten.

Jede dieser Vorschriften gibt eine verschiedene Nüance von Blau, was auch bei allen ähnlichen der Fall ist.

Roth mit Krapp. Man bereitet eine Auflösung von Krapp, indem man hundert Gramme (7 Loth) Krapp, etwas mehr oder weniger, auf jedes Liter (2 Pfund) Wasser anwendet, welches man auf 70° Réaumur erhizt. Bei 80° Wärme verändert sich die Farbe. Ehe man färbt, muß man das Holz in einer Auflösung von Alaun oder essigsaurer Thonerde gebeizt haben. Man schönt das Färbebad mit salzsaurer Zinnauflösung und taucht sodann das Holz hinein.

Roth mit Orseille. Man weicht eine gewisse Quantität Orseille in heißem Wasser ein, schönt das Bad mit salzsaurer Zinnauflösung und taucht dann das mit Alaun gebeizte Holz hinein.

Roth mit Orlean, Man kocht den in kleine Stüke geschnittenen |207| Orlean mit mehr oder weniger reinem Wasser, nach der verlangten Nüance.

Roth mit Brasilienholz. Man nimmt ein Decagramm (1/3 Unze) geraspeltes Fernambukholz und 3 Decagramme (1 Unze) Alaun, kocht sie eine halbe Stunde lang gelinde in fünf Viertels Liter (2 1/2 Pfund) Wasser, seiht den Absud durch Leinwand und dampft ihn dann bis auf ein Viertels Liter ein; endlich sezt man vier Gramme (64 Gran) gereinigte Potasche zu und taucht das Holz in dieses Bad.

Roth mit einem Absud von gefärbter Wolle. Man kocht ein Kilogramm (2 Pfund) Wolle, welche man zu diesem Zwek bei den Färbern erhält, so lange mit acht Liter (16 Pfund) Wasser, bis man einen schön rothen Absud erhalten hat; wenn man aber das Auskochen zu lange fortsezt, so nimmt die Wolle den anfangs abgegebenen Farbestoff wieder auf. Nach diesem ersten Absud macht man einen zweiten, einen dritten und so fort, bis die Wolle keine Farbe mehr abgibt. Nachdem das Holz in diesem Bade, welchem man Alaun zusezt, gefärbt ist, bringt man es in einen mit Alaun versezten Absud von Brasilienholz, um die Farbe zu schönen.

Gelb mit verschiedenen Substanzen. Hiezu bedient man sich des Waus, Gelbholzes, Fisetholzes, der Quercitronrinde, Kreuzbeeren, Kurkume u.s.w. Man kocht eine oder mehrere dieser Substanzen zusammen bloß mit Wasser und taucht dann das zu färbende Holz in den Absud. Mit dem Waubade erhält man eine lebhaftere Farbe, wenn man ihm ein wenig Soda oder Grünspan zusezt und den Gelbholzabsud schönt man, indem man ihn mit Abschnizeln von Häuten oder Leim kocht. Dem Kurkumegelb ertheilt man einen röthlichen Stich, indem man dem Bade ein wenig Drachenblut zusezt.

Falb mit grünen Wallnußschalen. Die falbe Farbe, womit man weißem Holze die Farbe des Nußbaumholzes ertheilt, erhält man durch Auskochen der grünen Wallnußschalen. Diesen Absud macht man nach Bedürfniß mehr oder weniger stark und sezt ihm stets ein wenig Alaun zu. Man bedient sich desselben auch um das Nußbaumholz dunkler zu machen.

Gewöhnliches Schwarz. Man bereitet einen Absud von einer Unze Gallapfel, einer Unze schwefelsaurem Eisen und sechs Unzen Kampescheholz; alle diese Substanzen müssen gepulvert seyn. Das Holz wird so lange in den Absud gelegt, bis es hinreichend davon durchdrungen ist.

Grau von verschiedenen Nüancen. Das Grau erhält man durch dasselbe Verfahren, wenn man weniger schwefelsaures Eisen anwendet. Das gewöhnliche Verhältniß ist eine Unze Eisenvitriol auf zwei Unzen Galläpfel.

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Ebenholz-Schwarz. Man kocht in einem Liter (2 Pfund) Wasser Kampescheholz, bis das Wasser eine sehr dunkle Farbe angenommen hat, worauf man es mit 3 Decagrammen (1 Unze) Alaun versezt; das Holz wird mit dieser Flüssigkeit mittelst einer Bürste gerieben, so lange sie ganz heiß ist. Man löst dann Eisenfeile bei gelinder Wärme in Weinessig auf, wirft ein Paar Finger voll Kochsalz in die Auflösung und überstreicht mit dieser Flüssigkeit das bereits violett gefärbte Holz, wodurch es auf der Stelle schön schwarz wird. Um eine noch schönere und dauerhaftere Farbe zu erhalten, muß man noch eine violette und eine schwarze Schichte auftragen. Wenn das Holz troken ist, braucht man es bloß mit Leinwand, welche mit ein wenig Wachs überzogen ist, stark zu reiben, wodurch es so glänzend wird, als wenn es gefirnißt wäre. Je härter das Holz ist, desto schöner wird die Farbe.

Nach dieser Vorschrift kann man auch Elfenbein und Knochen schön schwarz färben.

Zusammengesezte Farben. Diese Farben erhält man, indem man das Holz nach einander in zwei verschiedenen einfachen Farben färbt oder indem man es in ein Bad taucht, welches aus diesen beiden Farben zusammengesezt ist; so geben Roth und Blau Violett; Roth und Gelb, Orange; Blau und Gelb, Grün; Gelb und Grau die falbe Farbe.

Nach dem Färben legt man die Brettchen auf einander, um sie im Schatten unter einem Brette, welches mit so viel Gewicht belastet ist, daß sie sich nicht biegen können, zu troknen. Sie werden wenigstens Einmal täglich gelüftet. Erst wenn sie vollkommen troken sind, darf man diese Behandlung aufgeben.

2) Ueber das Färben des Elfenbeins, der Knochen und des Horns.

Färben des Elfenbeins und der Knochen. Man kocht die zu färbenden Gegenstände in einem Bade, bestehend aus reinem Wasser, welches mit gleichen Theilen schwefelsaurem Eisen und Salpeter versezt ist. Diese Salze durchdringen das Elfenbein und die Knochen und machen sie dadurch geneigt die Farbestoffe aufzunehmen. Wenn die Gegenstände aus diesem Bade kommen, taucht man sie noch heiß in die Farbbäder, worin man sie so lange läßt, bis sie eine schöne und dauerhafte Farbe angenommen haben.

Roth. Um diese Farbe zu erhalten, wendet man zwei verschiedene Verfahrungsarten an: 1) man löst geraspeltes Fernambukholz in Alkohol auf; wenn die Farbe dunkel genug ist, taucht man den Gegenstand hinein, welcher davon in sehr kurzer Zeit auf eine Tiefe von zwei Millimeter (1 Linie) durchdrungen wird, 2) Man kocht |209| Scherwolle von scharlachrothem Tuch in gewöhnlichem Wasser; wenn das Wasser anfängt zu kochen, wirft man Weinhefenasche (reine Potasche) hinein und sezt dann ein wenig Alaun zu, worauf man das Ganze, um die Wolle zu beseitigen, durch Leinwand filtrirt. Das Elfenbein und die Knochen werden nur einen Augenblik in verdünnte Salpetersäure getaucht und dann in das rothe Bad gelegt.

Blau. Man macht aus guter Potasche eine Auflösung, welche 3 Grade an Baumé's Aräometer wiegt, nimmt davon anderthalb Liter, sezt schwefelsauren Indigo zu (dessen Bereitung oben angegeben wurde), kocht das Ganze und taucht das (mit Salpeter und Eisenvitriol gereinigte) Elfenbein (oder den Knochen) hinein; man nimmt sodann das Gefäß vom Feuer und läßt das Elfenbein so lange darin liegen, bis es hinreichend gefärbt ist.

Gelb. Das Elfenbein und die Knochen werden der bereits angegebenen allgemeinen Vorbereitung unterzogen und dann in ein Bad von Kreuzbeeren oder Kurkume getaucht.

Schwarz. Man legt die Gegenstände fünf oder sechs Stunden lang in einen Absud von Galläpfeln, Weinhefenasche und Arsenik. Nachdem die Poren geöffnet sind, überstreicht man sie einige Mal mit einer ähnlichen Composition wie sie oben angegeben wurde, um weißem Holze die Ebenholzfarbe zu ertheilen.

Verfahren um das gelbe Elfenbein zu bleichen.

Man löst in einer hinreichenden Menge Wasser so viel Alaun auf, als nöthig ist, um dasselbe weißlich zu machen, läßt es ein Mal aufkochen, legt dann die elfenbeinernen Gegenstände hinein und läßt sie ungefähr eine Stunde lang darin liegen, indem man sie von Zeit zu Zeit mit kleinen Bürsten reibt. Wenn sie weiß geworden sind, troknet man sie langsam, aber mit Leinwand oder Sägespänen umhüllt, damit sie keine Risse bekommen.

Man kann auch den Gegenstand mit schwarzer Seife reiben, womit man ihn gleichförmig überzieht. Man nähert ihn dann dem Feuer, um die ganze Oberfläche gleich stark zu erhizen und wenn die Seife ein wenig gekocht hat, troknet man das Elfenbein ab; seine Röthe wird dann verschwunden seyn. War der Gegenstand nicht überall mit Seife überzogen oder wurde er nicht gleichförmig erhizt, so erscheint er stetig.

Verfahren um das weiße Horn zu färben.

Das Horn erfordert, um die verschiedenen Farben aufzunehmen, keine andere Vorbereitung, als daß man es zwölf Stunden lang in einer Auflösung von Alaun oder starkem Essig liegen läßt. Man braucht es dann nur in einen Absud von Fernambukholz zu tauchen, |210| um es schön roth zu färben; in einen Absud von Safran, der mit Alaun versezt ist oder von Sauerdorn mit ein wenig Alaun, um es gelb zu färben; und in eine Auflösung von Grünspan in Essigsäure, mit ein Drittel Salmiak, um es grün zu färben. Die schöne grüne Farbe verändert sich in Blau, wenn man es öfters in eine kochende Potaschenlauge raucht; Natronlauge bringt nicht dieselbe Wirkung hervor.

|205|

Auf das Färben des Holzes und auch des Elfenbeins, der Knochen und des Horns müssen sich besonders diejenigen Personen, welche eingelegte Arbeiten verfertigen, gut verstehen; diese Kunst, welche im lezten Jahrhundert aus der Mode gekommen war, weil sie an den gothischen Geschmak erinnert, scheint, wenigstens in Frankreich, wieder ausgeübt zu werden, denn auf den lezten Industrieausstellungen in Paris sah man einige Meisterstüke dieser Art. Um Holz auf Holz zu befestigen, muß man sich immer des besten Leimes, manchmal sogar des Fischleimes (der Hausenblase) bedienen; um aber die Metalle auf Holz zu befestigen, bedient man sich nach dem Dict. technol. folgenden Cämentes:

Harzpech4 Theile.
Gelbes Wachs 2 –
Schwarzpech4 –

Das Ganze wird im Wasserbade geschmolzen und dann so viel gemahlenes und durch ein Seidensieb geschlagenes Ziegelmehl zugesezt, daß das Cäment die Consistenz eines weichen Teiges erhält. Diese Composition wendet man heiß an, so wie auch die folgende, welche ihr sehr ähnlich ist:

Zerriebenes Harzpech4 Theile.
Gelbes Wachs1 Theil.
Ziegelmehl1 –
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