Titel: Bouriat, über das Erwärmen des Inneren der Wagen
Autor: Bouriat,
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LXVIII. (S. 259–261)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042068

LXVIII. Bericht des Hrn. Bouriat über einen Apparat zum Erwärmen des Inneren der Wagen, von der Erfindung des Hrn. Laignel zu Paris, rue Chanvinesse N. 12.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Julius 1831. S. 360.

Die öffentlichen sowohl, als Privatwagen verhindern, wenn sie auch noch so gut schließen, doch nicht, daß die Fahrenden im Winter nicht kalte Füße bekommen. Reisende, die größere Streken Weges zurüklegen müssen, erleiden dadurch im Winter während eines großen Theiles ihrer Reise ein sehr lästiges und schmerzhaftes Gefühl. Um diesem empfindlichen Nachtheile abzuhelfen, brachte man bereits Siedkessel, welche mit heißem Wasser gefüllt wurden, Platten aus Gußeisen, und stark erhizte Baksteine an, die man gehörig einhüllte; man bediente sich sogar eigener Fußwärmer, die zwar für eine oder zwei Personen von Nuzen, allein für die übrigen Reisegefährten meistens lästig sind. Alle diese bisher angewendeten Erwärmmittel haben ihre Nachtheile oder Unbequemlichkeiten, und zwar vorzüglich wegen der Vorsichtsmaßregeln, die man brauchen und öfter wiederholen muß. Dieß veranlaßte Hrn. Laignel zur Erfindung seines Erwärmers, den er an dem Fußboden irgend eines Wagens anbringt, und den er mittelst einer, unter dem Fußboden befestigten, und durchaus mit dem Inneren des Wagens in keiner Verbindung stehenden, Lampe 18 bis 20 Stunden lang auf einer Temperatur von 33 Graden erhält. Diese Vorrichtung des Hrn. Laignel wurde schon von mehreren Eilwagen-Unternehmern |260| angenommen, und gereichte, wie es scheint, zu ihrer vollen Zufriedenheit. Nach dem Zeugniß, welches uns Hr. Laignel mittheilte, ist sein Erwärmer nichts Anderes als eine flache, aus einer starken Kupferplatte verfertigte, 4 Zoll breite, Röhre, deren innerer leerer Raum nur 8 Linien Höhe hat, und deren Länge mit der Breite des Wagens im Verhältnisse stehen muß. Der Apparat, den wir sahen, war 34 Zolle lang; ein kleiner, in der Mitte an demselben angelötheter, Koffer bildet einen Vorsprung von 4 Zoll, der durch eine Oeffnung von gleichem Durchmesser quer durch den Fußboden geht. Zwei andere kleine flache Röhren, die ungefähr 6 Zoll von den beiden Enden weg angelöthet sind, gehen auf dieselbe Weise durch den Fußboden, und sind dazu bestimmt, den Rauch aus dem Wagen zu leiten. Der kleine Koffer hat nur drei Seiten; die vierte wird von der Lampe gebildet, die man in denselben bringt, und die mittelst Falzen und Schließhaken fest in derselben erhalten wird. Der Schnabel dieser Lampe hat dieselbe Form wie an den gewöhnlichen Spiegellampen; nur übt eine Feder einen Druk auf einen Punkt des Dochtes aus, damit derselbe nicht in Folge der Stöße, die ihm durch den Wagen mitgetheilt werden, herausgleiten kann.

An dem unteren Theile des Koffers sind mehrere sehr kleine Oeffnungen angebracht, durch welche die zur Verbrennung nöthige Luft in den Apparat eintreten kann, ohne daß man befürchten darf, daß eine solche Menge Luft eindringt, daß dadurch die Lampe ausgelöscht würde.

Die Röhre und die dazu gehörigen Theile sind durch Schrauben an dem Fußboden befestigt, so daß sie ihre Stellung nicht verändern können.

Das Comité hat diese Vorrichtung untersucht, und fand dieselbe sehr nüzlich und bequem. Sie erwärmt sich ziemlich schnell, und unterhielt im Laufe der 6 Stunden, während welcher wir dieselbe beobachteten, eine beständig gleichmäßige Hize von 37 Graden. Sie bildet gar kein Hinderniß für die Füße der Reisenden, widersteht, ohne eingedrükt zu werden, dem Gewichte der schwersten Menschen, und verbrennt innerhalb 18 Stunden nur eine sehr geringe Menge Oehl, indem, wie uns die Eilwagen-Unternehmer und Conducteurs, die sich dieses Apparates bedienen, versicherten, 5 bis 6 Unzen für diese Zeit hinreichen. Wir haben nichts zu erinnern, als daß die Breite der Röhre, die nur 4 Fuß beträgt, etwas zu gering ist, da dabei nur nach und nach alle Theile des Fußes erwärmt werden können; es scheint uns daher sehr wünschenswerth, daß diese Breite etwas vermehrt wird. Für jeden Fall halten wir aber die Arbeit des Hrn. |261| Laignel einer schleunigen Bekanntmachung würdig, damit dieselbe dadurch nur um so schneller vervollkommnet und verbessert werde.

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