Titel: Penot, über die Bereitung des basisch kohlensauren Bleies etc.
Autor: Penot, Achille
Fundstelle: 1831, Band 42, Nr. LXXVI. (S. 289–291)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj042/ar042076

LXXVI. Ueber die Bereitung des basisch kohlensauren Bleies oder Bleiweißes durch Behandlung des schwefelsauren Bleies mit kohlensaurem Kali oder Natron und über die Anwendung dieses Productes zur Bereitung von essigsaurem und salpetersaurem Blei, von Hrn. Achille Penot.

Aus der Description des Machines et Procédés consignés dans les Brevets d'Invention etc., publiée par Mr. Christian. Bd. XVIII. S. 304.

Das Princip, worauf dieses Verfahren beruht, ist allen Chemikern bekannt, aber meines Wissens noch nie in den Fabriken angewandt worden.39)

Seit langer Zeit erhält man in den zahlreichen Kattunfabriken im Dept. des Oberrheins jährlich eine ungeheure Menge schwefelsaures Blei, aus welchem man bisher vergebens Nuzen zu ziehen suchte:40)die Fabrikanten entledigen sich aber gern dieses Productes, welches ihnen nur im Wege ist; einige werfen es in das Wasser, andere graben es in die Erde ein. Es gibt jedoch noch einige Personen, welche die 50 Kilogramme davon zu dem niedrigen Preise von 3 Fr. 50 Cent, aufkaufen; sie formen es in Brode und verkaufen es als Bleiweiß; die Polizei glaubte aber bei einem so betrügerischen Gewerbe einschreiten zu müssen, und seitdem die ersten Consumenten getauscht wurden, ist der Artikel sehr in Mißcredit gekommen.41) Ich glaube |290| also ein chemisches Princip auf eine neue und nüzliche Art angewandt zu haben, indem ich ein Product, welches man bisher wegwarf, zur Bereitung eines anderen Productes, für welches wir dem Auslande noch Tribut bezahlen, benuzte.

Verfahren um das basisch kohlensaure Blei zu bereiten.

Man kocht in einem Kessel:

Eine Quantität Soda, welche an reinem kohlensaurem
Natron enthält

54 Kilogr.
oder eine Quantität Potasche, welche an kohlensaurem
Kali enthält

70 –
Mit schwefelsaurem Blei 150 –

Die Operation ist beendigt, wenn die Flüssigkeit mit einer Säure nicht mehr aufbraust; alsdann hat man:

Schwefelsaures Natron in Auflösung 72 Kilogr.
Oder schwefelsaures Kali in Auflösung 88 –
Basisch kohlensaures Blei oder Bleiweiß als Niederschlag 134 –

Verfahren, um das essigsaure, salpetersaure und salzsaure Blei zu bereiten.

Man übergießt die hundert vier und dreißig Kilogr. basisch kohlensaures Blei, welche man vorher erhielt, mit

Essigsäure, welche an wasserfreier Säure enthält42) 50 Kilogr.
Salpetersäure, deßgl. 54 –
Salzsäure, deßgl. 37 –
Dadurch erhält man:
Essigsaures Blei 162 –
Salpetersaures Blei 166 –
Salzsaures Blei 159 –

In allen diesen Fällen ist die Operation beendigt, wenn beim Uebergießen des basisch kohlensauren Bleies mit Säure, kein Aufbrausen mehr Statt findet.

|291|

Bemerkungen.

Mein Verfahren, um das essigsaure, salpetersaure und salzsaure Blei darzustellen, würde kostspieliger als das gegenwärtig gebräuchliche seyn, wenn ich dazu das käufliche Bleiweiß anwenden müßte; wenn man aber das schwefelsaure Blei zu dem oben angegebenen Preise aufkauft, so kann man jene Salze damit vortheilhaft fabriciren, wie aus folgender Berechnung hervorgeht.

Die hundert zwei und fünfzig Kilogramme schwefelsaures
Blei kosten, die fünfzig Kilogr. zu 3 Franken gerechnet

9 Franken

12 Cent.
Achtzig Kilogramme rohe Soda (welche vier und fünfzig
Kilogramme reines kohlensaures Natron enthalten) zu
zwanzig Franken die fünfzig Kilogramme


32 –


Brennmaterial 3 –
Miethe, Zinsen u.s.w. 6 –
–––––––––––––––––
Gesammtausgaben 50 – 12 –

Hiemit erhält man:

Hundert vier und vierzig Kilogramme schwefelsaures Natron
(zwei und siebenzig wasserfreies schwefelsaures Salz), zu
achtzehn Franken die fünfzig Kilogramme


51 –


84 –
Hundert vier und dreißig Kilogramme Bleiweiß, zu acht und
sechszig Franken die fünfzig Kilogramme

182 –

24 –
–––––––––––
Gesammtwerth des Products 234 – 08 –
Obige Unkosten abgezogen 50 – 12 –
–––––––––––
Reiner Gewinn 183 – 96 –
|289|

Hr. Penot, Professor der Chemie zu Mülhausen, hatte auf seine Bereitungsart des kohlensauren Bleies am 11ten August 1827 in Frankreich ein Erfindungspatent für 15 Jahre genommen; dasselbe verfiel aber durch königl. Ordonnanz am 20. Januar 1830. A. d. R.

|289|

Im Jahr 1822 schrieb Hr. Berthier eine Abhandlung über die Benuzung des schwefelsauren Bleies in den Künsten. Er gab ein Verfahren an, um daraus metallisches Blei darzustellen, ein anderes um es zur Glasur anzuwenden, ein drittes um es statt des Menniges bei Bereitung des Krystallglases zu gebrauchen und ein viertes um es mit kohlensaurem Ammoniak zu zersezen und dadurch Bleiweiß und schwefelsaures Ammoniak (für die Salmiakfabrikation) zu gewinnen. Hr. Payen machte aber bald darauf bekannt, daß das erste und vierte Verfahren im Großen nicht anwendbar sind. Seine Abhandlung findet sich in demselben Bande des polyt. Journals S. 454. Die Anwendung des schwefelsauren Bleies zur Bereitung von salpetersaurem Blei für die Kattunfabriken nach dem Verfahren des Hrn. Penot dürfte unter allen noch die vortheilhafteste seyn. A. d. R.

|289|

In Deutschland wird das schwefelsaure Blei zwar auch für die Blei |290| weißfabriken aufgekauft, aber nicht an und für sich als Bleiweiß verkauft, sondern den geringeren Bleiweißsorten an Statt Schwerspath beigemengt. Eine häufigere Verwendung ist die Vermengung desselben mit Kreide, welche Mischung mit Zusaz von Wasser in eine consistente Paste geknetet, dann in Stänglein gewargelt, und getroknet als Zeichnungskreide verkauft wird. A. d. R.

|290|

Um den Gehalt der Salzsäure, Salpetersäure und Essigsäure an wasserfreier Säure zu erfahren, braucht man nur die im polyt. Journal Bd. XXXVIII. S. 394. enthaltenen Tabellen nachzuschlagen, wo dieser Gehalt für jeden Grad des Beaume'schen Aräometers angegeben ist. A. d. R

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